<- Kapitel 02
 
Kapitel 03
 
Nun sind ein paar Tage vergangen und die Crew der TWR bemüht sich den Betrieb ohne Jess zu managen. Sie geben alle ihr Bestes aber irgendwie fehlt er mit seinem Können und Wissen doch an allen Ecken. Er war immer sehr fleißig mit dem Beritt und auch der Versorgung der Pferde und das muss jetzt alles auf die anderen verteilt werden. Opa Frank ist für den Einsatz mit den Pferden nicht mehr so gut zu gebrauchen auf Grund seines fortgeschrittenen Alters und Laura, die die erste Dame auf der TWR war, hat auch noch den Haushalt am Hals. Dann gibt es noch den Stallburschen Jeremy, der als einziger englisch reitet. Den hat Jess mal auf einem Rodeo aufgeschnappt und hier Arbeit angeboten. Er selbst weigert sich hartnäckig englisch zu reiten. Er sagt immer, diese Sättel sind eine Krankheit aber keine Sättel. Er hat allerdings den Zug der Zeit erkannt, dass immer mehr Leute aus dem Osten hier im Westen Urlaub machen wollen und eben als Städter englisch reiten. Diese Klientel muss bedient werden. Er bildet auch Gangpferde aus, aber stellt sie nicht selbst turniermässig vor, da man dazu einen Anzug tragen muss. Laura meint immer, er wechselt seine Klamotten erst, wenn er wie ein Puma stinkt. Damit wären wir bei einem heiklen Thema - aus Jess Sicht.

Laura ackert auf der Ranch wie eine Blöde, kocht, wäscht und ersetzt Jess Arbeitskraft im Beritt der Pferde so gut wie sie es eben kann und sie kann es als Pionierfrau sehr gut.

Leider hängt der Haussegen auf der TWR sehr sehr schief, weil der Boss nur noch am nörgeln ist über alles was seine Crew tut. Mal ist zuviel Stroh eingestreut, mal zu wenig. Jeremy hat er angefahren, weil er den Sattel zu fest gegurtet hat.

 
 
Unsere Jeremy ist ein Sensibelchen und wollte schon den Kram hinwerfen aber Laura hat vermittelnd eingegriffen was Jess alles herzlich wenig bekümmerte.

Laura wusste, dass es so auf keinen Fall weitergehen konnte. Es reicht ja schon, wenn Jess am Rad dreht, aber er soll doch bitte nicht alle verrückt machen. So nahm sie sich Zeit zu einem Gespräch mit Opa Frank als sie den Just Zeke fertig machte für seine Bewegung.

 
 
Ich muss unbedingt mir dir sprechen Frank, es geht um Jess. Er benimmt sich seit dem Unfall wie ein Stinkstiefel und nörgelt nur an allen rum. Mit Jeremy hast du sicher mitbekommen und wir können ihm alle nichts rechtmachen. Wegen meinen Bohnen mit Speck, die er sonst gern isst, hat er nur gemeckert, dass sie versalzen sind, dabei habe ich gesehen, dass er selbst aus dem Salzsteuer ganz gedankenverloren in großer Menge nachgewürzt hat und ich soll jetzt schuld sein!!! Was ich aber am schlimmsten finde, er hat seine Winchester rausgekramt und nimmt sie jeden Tat stundenlang auseinander und setzt sie wieder zusammen, machmal mit zitternden Händen, so dass schon ein Teil davon im Bohnentopf landete und dafür schreit er mich an.

Tja meint Opa Frank, ich habe den Tumult wohl gehört, aber was solls, lass ihn doch dann hat er was zu tun.

Nein, meint Laura, er ist kein Waffenfreak, das ist nicht normal. Dann standen wir zusammen und sahen Katie auf deinem Muli zu. Die beiden Katzen fauchten sich an und Jess fing an zu zittern und hatte feuchte Hände. Da muss was in ihm ablaufen Frank. Du solltest mal mit dem Doc sprechen. Er selbst merkt es anscheinend nicht oder will es nicht wahrhaben.

 
 
Nun war es Mittag und der Doc kam. Frank erzählte ihm von Lauras Beobachtungen. Der Doc überlegte und meinte, dein Jess ist ein guter Junge, der fängt sich schon wieder.

Es ist so schönes Wetter, da könntet ihr eine Ausfahrt mit dem Cart machen. Ich will nur vorher noch eine Untersuchung machen, die Rippen und der Dickschädel.

Sie hatten Jess nicht gehört. Er kann sich anschleichen wie ein Indianer und schon ging das Gemotze wieder los: Na alter Quacksalber, habt ihr wieder über mich getratscht!

Opa Frank reichte es: Hör mal zu, so spricht man nicht mit einem Doc, der hat dich manches Mal zusammengeflickt. Ich sage nur die Bullriderzeit!

Jess wusste, wann es gut war und lenkt ein, sorry meine Herren, war nicht so gemeint. Der Doc bandagierte seinen Oberkörper zum Schutz der angeknacksten Rippen und sagte, bei dem unbestimmten Wetter unbedingt eine Decke mitnehmen und gut zudecken. Angebrochene Rippen und Husten passen nicht so gut zusammen.

Jess war glücklich wieder was unternehmen zu können und setzte sein jungenhaftes Grinsen auf. So konnte ihm niemand wirklich böse sein.

Er bestimmte, Snowflake, einen jungen MFT, als Fahrpferd zu nehmen um das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Er hatte für das Einfahren einen festen Termin zugesagt, Fahren am Boden schon lange vor seinem Unfall mit dem Puma geübt. Jess meinte er wäre so weit jetzt mal vor dem Cart zu laufen.

 
 
Warm eingepackt ging es los. Vorher hatte Jess noch einen langen Gegenstand in eine Decke eingepackt, auf den Boden gelegt. Für eine Peitsche hob Jess zu schwer dran und außerdem benutze er in der Regel keine Peitschen.
 
 
Seine Emily durfte mitlaufen. Jess wollte so gern selbst kutschieren, aber Opa Frank meinte, du lässt deine Arme schön unter der Decke.
 
 
Laura auf Just Zeke und die Pleasurereiterin Vicky auf Jess Smart Chic begleiteten sie.
 
 
Laura freute sich insgeheim, dass Vicky mit dem aufmüpfigen Smart Chic nicht so gut zurechtkam. Jess scherte sich nicht um das was hinter dem Cart vorging. Er hatte nur Augen für Snowflake und sein Benehmen vor dem Cart und war sehr zufrieden mit ihm. Die Bodenarbeit hatte sich also gelohnt.

Sie kamen an der Weide vorbei wo Laura Wakinyan mit anderen Junghensten nach dem Unfall untergebracht hatte. Er hatte nur ein paar kleinere Verletzungen davongetragen, die sie selbst versorgen konnte. Schon ging es wieder los mit Jess` Gemotze, er dürfte ja wohl seine Arme unter der Decke wegnehmen und seinem Pferd was geben. Wakinyan macht vor Begeisterung Freudenhüpfer als er Jess mit der Möhre sah.

 
 
 
Danach schickte er Laura und Vicky nach Hause. Sie sollten sie um die Reitstunden der Juniorreiter kümmern. Den Hund sollten sie auch mitnehmen.

So fuhren Jess und sein Vater allein weiter. Opa Frank schaltete langsam. Jess strebte die Stelle an wo der Unfall passierte und er sprach seinen Sohn drauf an:

Junge, ich habe immer versucht dir die Weltliteratur nahe zu bringen. Du kommst mir vor wie Melvills Captain Ahab, der unbedingt Moby Dick ans Leben will. Das ist doch eine fixe Idee.

Es ist ein Puma, nicht mehr und nicht weniger, und du warst einfach zu falschen Zeit am falschen Ort Jess.

Als Antwort kam nur ein " Halt die Klappe alter Mann. Denk an unsere Fohlen!" Hier war die Stelle.

 
 
Der Puma sass tatsächlich im Gebüsch. Jess hatte seine Winchester im Anschlag.
 
 
Ein bedrohliches Fauchen! Schießt er oder schießt er nicht? Opa Frank hält sich die Ohren zu. Die Winchester ist ein altes Modell und macht einen Höllenlärm wenn man direkt daneben sitzt.

Außerdem macht er sich Sorgen um Jess Rippen bei dem enormen Rückschlag des alten Gewehres. Er wartet....auf einmal ein leises Klick - das war die Waffensicherung und Jess packt die Winchester wieder weg.

Nun versteht Opa Frank gar nichts mehr. "Dad, sorry, ich habe mich wie ein Idiot benommen. Hast du gesehen, der Puma ist alt und hinkt, der macht vermutlich den nächsten Winter nicht mehr. Auf so ein Tier schieße ich nicht. Das erklärt auch die Skelette der Rinder. Die waren leichte Beute, wenn er nicht so schnell rennen kann. Was solls, die T-Bone- Ranch kann das verschmerzen. Der alte Henderson hat genug davon." Opa Frank war erleichtert, dass Jess nicht geschossen hatte. Er hatte ihm zeitlebens Achtung vor der Natur beigebracht. Sie schossen nur im Notfall oder eben auf der Jagd. Vater und Sohn unterhielten sich gut auf der Rückfahrt auf der Jess noch seinem Vater beichtete, dass er dem alten Henderson zwei Rinder bezahlt hätte, die die Indianer vor dem Aufbruch letzten Spätherbst geschlachtet hatten, weil keine Büffel mehr da waren. Opa Frank wurde ganz blaß und meinte: Junge ich habe mir einen Wolf gerechnet bei der Buchhaltung wo diese Dollars geblieben sind, warum sagst du mir das nicht eher? Jess meinte dazu: Ich habe das gar nicht mitbekommen, hatte eben Mitleid mit dem Stamm.

Dem alten Henderson gönne ich die Dollars zwar nicht, aber ich wollte nicht, dass er seine Cowboys auf den Stamm hetzt.

Rechtschaffen müde kamen die Männer auf der TWR an. Jess verzog sich gleich Matratze horchen wie er es nannte und Opa Frank versorgte Snowflake, der sich tapfer geschlagen hatte vor dem Cart und auch angesichts des Pumas nicht durchdrehte. MFT sind doch sehr verlässliche Pferde.