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Kapitel 05
 
In Jess machte sich wieder eine gewisse Unruhe breit. Das ging schon beim Frühstück los, als er Lauras gerade frisch gekochten Kaffee umstieß und gleich einen Fluch hinterherschickte. Laura hatte natürlich wieder einmal die Arbeit mit dem Aufwischen. Die vornehme Vicky frühstückte ungerührt weiter und unterhielt sich angeregt mit Jeremy, bei dem sich Jess inzwischen in aller Form entschuldigt hatte für sein ständiges Runterputzen. Alle stehen auf und gehen ihrer Arbeit auf der Ranch nach. Selbst Laura haut ab, weil sie es leid ist, dass Jess wieder einen auf Stinkstiefel macht. Sie nimmt sich Wildfire vor, einen wilden Mustang, den Jess mal wieder in seiner unnachahmlichen Art irgendwo eingetauscht hat. Er ist so wild, dass ihn niemand wirklich zureiten konnte und sollte beim Vorbesitzer in die Wurst was nach Jess`Meinung natürlich überhaupt nicht ging. Also hat er zähneknirschend Dollars rausgerückt. Vor dem Unfall hat er fleißig mit Wildfire gearbeitet, Join up, das ganze Programm, so dass er jetzt doch einigermaßen reitbar ist. Es geht allerdings immer noch sehr rasant zu.
 
 
Jess macht sich in der Zwischenzeit in der Küche zu schaffen, kann sich aber nicht entschließen das Frühstücksgeschirr zu spülen, no way, ist schließlich Frauensache und außerdem würde Laura nur motzen, wenn noch mehr kaputtgehen würde. Um Ausreden ist er nie sonderlich verlegen. Eine Weile setzt er sich in Opa Franks Schaukelstuhl, kann aber nicht wirklich entspannen.

Dann fällt sein Blick auf den Kalender und ihm wird endgültig bewusst, dass heute ein besonderer Tag ist. Er überlegt, Cart anspannen dauert zu lange und fällt auf, also doch lieber ein Pferd nehmen. Vorher geht er noch in Lauras kleinen Garten am Ranchhaus und pflückt einen kleinen Strauß Blumen, bindet ihn mit einem Stück Schnur zusammen und sucht sich dann ein Pferd ohne, dass es die anderen mitbekommen.

Jess überlegt ob er den Brindle Morgan nimmt.

 
 
Da dieser Hengst aber sehr groß ist verwirft er seinen Plan und nimmt lieber den gutmütigen Appy, der schon gesattelt da steht und kleiner ist. Auf den kann er sich besser mit dem Verband um seine Rippen hochziehen.
 
 
Und nun schnell weg, ehe die anderen was merken und ihn von seinem Vorhaben abbringen. Sein Vater sieht ihn gerade noch um die Ecke weggaloppieren. "Dieser unvernünftige Junge bringt mich nochmal ins Grab." murmelt er vor sich hin was aber auch nichts ändert. Jess ist weg. Das Reiten fällt ihm mit dem Verband nicht leicht, aber als ehemaliger Bullrider beißt er die Zähne zusammen, weil er etwas tun muss was getan werden muss. Er reitet zur Lichtung am Fluss, eine schöne Stelle im Grünen, wo alle Familiengräber sind.Er steigt ab, lässt den Appy grasen und öffnet das kleine Holztor. Der Familienfriedhof ist von einem Holzzaun umschlossen so wie viele dieser zu den größeren Ranches gehörenden Friedhöfe im Westen. Dort liegen etliche seiner Vorfahren, die ersten, die die TWR gegründet haben, Harpers, die während der Indianerkriege umgekommen sind wie sein Onkel Arthur, den Jess nie kennengelernt hat und jetzt seine Ma, die er nicht mehr lebendig gesehen hat. Jess geht zielstrebig zu dem neuesten schlichten Grabmal mit der Inschrift R.I.P. Margaret Harper und legt seinen Blumenstrauß davor nieder. Er merkt wie die Tränen hochkommen und lässt sie einfach fließen. Hier sieht ihn ja keiner und er muss nicht seinen harten Bullriderstatus herauskehren. Jess Mutter hatte ein schwaches Herz und war beim Doc in Behandlung. Ihr Herz hörte einfach auf zu schlagen. Emily stubst Jess an als wollte sie sagen: Boss was stimmt nicht mit dir? Sie spürte Jess` Trauer.
 
 
Er hält ein stilles Gespräch mit seiner toten Mutter. "Ma, du fehlst mir so sehr. Wenn du noch da wärst, könnte ich dich um Rat fragen. Du hättest sicher helfen können. Hier habe ich keinen, den ich fragen kann. Jeremy ist zu jung und versteht sicher nicht mehr von Frauen wie ich und Dad, der ist so sauer auf mich, den kann ich nicht fragen. Ich kann mich einfach nicht entscheiden. Vielleicht sollte ich es auch einfach lassen. Pferde sind leichter zu verstehen" seufzte Jess und guckt gegen den Himmel, der sich zusehens verdunkelt. "Komm Emily, ab nach Hause bevor jemand merkt, dass wir weg sind" und steigt wieder auf seinen Appy und reitet zurück zum Ranchhaus.