<- Kapitel 07
 
Kapitel 08
 
Laura sollte mit ihrer Vermutung, dass Jess wohl durchschläft recht haben. Dafür wird er beim ersten Morgengrauen wach und zieht sich leise an um niemanden zu stören. Ohne Hilfe dauert diese Aktion ziemlich lange und er stösst dabei ein paar leise Flüche aus, die man vor Damen besser nicht gebraucht. Vermutlich hat er alle erdenklichen Ausdrücke in seiner Bullriderzeit auf den Rodeos aufgenommen. Endlich fertig nimmt er Emily mit, die schon begeistert wartet, dass es los geht. Nachdem er bei Wakinyan war besucht er die schöne Brindle Stute Remember The Alamo.
 
 
Er besucht anschließend noch seine Kaltblüter, die er für Farmer züchtet. Sein Dad hatte eine Mulizucht, die sich nicht mehr rentiert hat und die Ranch fast in den Bankrott gebracht hat. Jess setzt auf Vielseitigkeit bei einer Pferderanch und ist für neue Dinge offen. Die Mulis verschwinden immer mehr aus der Landwirtschaft. Die Farmer haben mehr Geld zur Verfügung und schaffen sich starke Kaltblüter an, die die Feldarbeit effizienter schaffen.
 
 
Die Beiden wollten sich der Fellpflege widmen, sahen aber dann wohl doch Jess ankommen und begrüßten ihn wiehernd.

Danach geht er an der Halle vorbei und hört dort Geräusche. Er sieht hinein und trifft auf Laura, die mit dem Palominowallach Seattle gearbeitet hat und ihm eine Möhre zu Belohnung gibt.

 
 
"oh schon fertig? Du bist aber früh dran heute. Wolltest du nicht zur Double X reiten, dein Bruder Walt hat doch heute Geburtstag? Ich würde ja gern mitkommen aber 15 Meilen und und dann wieder zurück sind mir einfach zu viel. Grüß ihn von mir, übrigens kannst du mein Tack nehmen, aber pass auf, dass es nicht nass wird!"

Weg war er wieder. Laura steht da und wundert sich. Das Tack ist ein Familienerbstück der Harpers und jetzt ist Jess als Ranchboss der Besitzer des guten Stücks, das er wie seinen Augapfel hütet. Keiner darf es berühren, geschweige denn benutzen. Es ist ein punziertes Set mit Köpfen vom Seeadler, dem Wappentier der USA auch auf den Tapaderos.

 
 
Das Set zeigt wie stolz die Amerikaner auf ihr Land sind. Jess sagt immer I`m proud to be an American und das meint er auch so wie er es sagt. Laura muss an die gemeinsame Schulzeit denken wo vor jedem Unterrichtstag die amerikanische Flagge gehisst wurde und alle die Nationalhyme singen musste was Jess mit Inbrunst tat. Das war auch das einzigste mit dem er in der Schulzeit wirklich aufgefallen ist, alles andere war ihm nur Zeitverschwendung. Er guckte lieber jedem fremden Pferd von Cowboys nach, die durch die Stadt zogen. Sie erinnerte sich daran, dass Margaret ihm das 1x1 nur mit sanfter Gewalt beibringen konnte. Er sah es einfach als Zeitverschwendung an und wollte lieber angeln gehen oder im See baden, vorher waren natürlich die Pferde dran. Reiten konnte er schon bevor er laufen konnte meinte Opa Frank einmal zu ihr. Die Ranch von Lauras Eltern lief gut und sie durfte länger in der Schule bleiben. Jess war es lieb auf der TWR zu arbeiten. Das machte ihm weniger aus als sich in der Schule zu langweilen. Er war so stolz als er mit 12 Jahren seine eigene Winchester von seinem Vater bekam. Im Westen war das Thema Schule sehr früh abgehakt. Sie durfte noch auf eine Mädchenschule im Osten und so verloren sie sich aus den Augen als sie älter wurden. Später kam Laura wieder zurück auf die Double x und griff dann Margaret, die immer etwas kränklich war, auf der TWR unter die Arme.

Jess füttert inzwischen wieder seine Bullen selbst und Laura macht Just Zeke fertig für den Ritt zur Double X. Eigentlich freut sie sich auf das Treffen mit ihren Brüdern, Schwägerinnen und Eltern.

 
 
Opa Frank kam hinzu und sah wie Laura die Tränen das Gesicht herunterliefen. Als Rancher alter Schule und Gentleman konnte er es nicht haben, wenn Frauen weinen. "Mädchen, was ist denn los?" Laura schluchzte: " Das frag mal deinen missratenen Sohn! Der nimmt mich überhaupt nicht als Frau wahr. Bin ich denn so hässlich? Jetzt darf ich sein Tack nehmen, aber es soll nicht nass werden. Wenn ich nass werde - egal. Und wie er dieser Vicky nachsieht. Wow, schöne Beine äfft sie Jess nach. Dann habe ich noch gesehen, dass er lange ihren Sitz korrigiert hat. Dabei hat er sie lange berührt, zu lange für meinen Geschmack. An die letzte Halloweenfeier will ich gar nicht denken. Da hat diese Vicky ihm nur schöne Augen gemacht.
 
 
Ich weiß noch als sie auf der TWR kam und Jess hat sie auf den Bullen sitzen lassen und sie hat erwartet, dass der vorn und hinten hochgeht.
 
 
Das war wieder einer seiner seltsamen Späßchen, die er sich bei der Auswahl neuer Leute erlaubt. Wäre das Vieh mal hochgegangen! Und ich, ich bin für ihn wie ein Möbelstück, das immer da ist. Aber seine Bude darf ich saubermachen, Mistkerl!" wettert sie, steigt auf Jest Zeke und verschwindet in gestrecktem Galopp Richtung Double X.

Opa Frank schüttelt nur noch den Kopf. Die jungen Leute heute sind kompliziert überlegt er. Zu meinen Zeiten nahm man sich was man haben wollte.

Irgendwo hat Laura ja recht, diese Vicky ist nicht das Richtige für ihn, muss unbedingt mit ihm darüber reden.