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Kapitel 109
 
Der kleine Raylan gedeiht gut mit der Kuhmilch und was den Kleinen angeht können Grandpa Frank und Jess entspannen. Allerdings muss er alle 4 Stunden gefüttert werden auch in der Nacht. Mit dem Nachttermin wechseln sich Grandpa und Jess ab damit beide abwechselnd ein paar Stunden Schlaf am Stück haben. Laura kümmert sich nicht und vermeidet es mit dem Kleinen in einem Zimmer zu sein. Jess beachtet sie auch nicht und gibt ihm das Gefühl zu stören. Das geht so weit, dass er aus dem gemeinsamen Schlafzimmer auszieht und mit Raylans Kinderbettchen in sein altes Kinderzimmer umzieht. Er hat seine Schwiegereltern gebeten mit Laura zu sprechen aber auch das hat keinen Erfolg. Sie verhält sich weiter völlig abweisend. Jess platzt der Kragen und er spricht sie an:
Laura, was soll das? Liebst du mich nicht mehr, dass du den Kleinen deshalb ablehnst? Du wolltest das Kind doch auch. Mit Katie war ein Unglück für das niemand etwas dafür kann. Warum schaffst du nicht was sogar meine Zossen schaffen? Die Palominostute hat Zwillingsfohlen großgezogen.
 
 
Deine White Satin hat ein wildfremdes Fohlen adoptiert. Warum schaffst du es nicht dich um Raylan zu kümmern? Er braucht so dringend eine liebevolle Mom. Ich mach ja alles, aber eigentlich sollte ich mich langsam wieder um die Ranch kümmern und nicht Vater und Mutter gleichzeitig sein. Grandpa und die beiden Mädchen haben so viel Liebe für den Kleinen, nur du nicht. Du gibst mir das Gefühl, dass alles was ich sage und alles was ich mache falsch ist. Liebst du mich nicht mehr? Hast du einen Anderen? Aber das kann ja nicht sein, du verlässt ja dein Zimmer nur selten und sprichst kein Wort.

Laura guckt nach Jess`Ausbruch nur durch ihn durch und sagt kein Wort dazu. Der schüttelt nur seinen Kopf und geht. Die Zeit vergeht und Jess weiß von Abby, dass Laura körperlich wieder einigermaßen hergestellt ist. Interessanterweise macht sie wieder etwas in der Küche und beschäftigt sich mit den Mädchen. Nur Raylan lässt sie links liegen. Jess meint zu seinem Vater:
Ich verstehe Laura überhaupt nicht mehr. Du siehst ja wie sie sich verhält. Ich habe immer geglaubt die Zeit wird es schon machen, aber es klappt wohl nicht. Sie wird mir immer fremder.

Grandpa Frank anwortet:
Weißt du Junge, der Mann, der Frauen wirklich versteht muss wohl noch geboren werden. Mit deiner Mutter war es auch nicht immer leicht. Du liebst Laura aber doch nach wie vor, sie ist seelisch krank aber ich habe genau wie du keine Ahnung was wir für sie tun können.

Jess meint traurig zu seinem Vater:
Katie ist tot, aber meine Liebe zu Laura ist doch nicht gestorben.

Jess überlegt und hört in einer Nacht als er den Kleinen füttert die Trommeln der Lakota. Er überlegt:
Sie sind wieder da. Das ist gut. Warum bin ich da nicht eher drauf gekommen? Wenn Abby mit ihrer Schulmedizin nicht mehr weiter kommt, vielleicht weiß der Medizinmann Rat. Takoda und Chato waren immer in Lebenskrisen für mich da.

Am nächsten Morgen verkündet Jess, dass er mit Laura einen kurzen Trip machen will. Grandpa Frank meint:
Ist es nicht der falsche Zeitpunkt wegzufahren?

Jess antwortet:
Es muss sein. Der Kleine ist jetzt so weit, dass er am Abend spät und morgens gegen 6 Uhr gefüttert wird. Du hast also eine halbwegs gute Nacht. Mrs. Miller kommt für den Haushalt als Hilfe, dann packst du das Dad. Bitte gib uns diese Auszeit!

Frank ist einverstanden und so packt Jess für sich und Laura einige alltagstaugliche Sachen und lässt von Jeremy das Cart startklar machen, weil Laura noch nicht reiten kann.

 
 
Emily begleitet sie ein kurzes Stück, dann schickt Jess seine Hündin wieder zurück zur Ranch.

Unterwegs gibt er Laura Anweisungen wie sie sich verhalten soll.
Du warst nur einmal kurze Zeit bei den Lakota. Jetzt sind wir vermutlich etwas länger da. Die Lakota sind eine Männergesellschaft. Du bleibst in der Öffentlichkeit immer hinter mir und führst aus wenn ein Mann etwas anordnet. Das wirst du tun, ich habe keine Lust bei den Lakota mein Gesicht zu verlieren. Sie werden dir nichts tun. Du stehst unter dem Schutz des Medizinmanns und des Häuptlings als meine Frau. Im Tipi ist es anders. Dann kannst du an meiner Seite sein. Noch was, bei den Lakota sind Kinder das Wichtigste. Jeder ist Babysitter und freundlich zu Kindern. Das Schlimmste ist es ein Kind zu schlagen. Also richte dich danach Laura!

Von ihr kommt keine Gegenwehr und Jess denkt, dass Laura wirklich sehr krank sein muss. Er hat immer auf Liebe und gegenseitigen Respekt gesetzt und nie seine Frau unterdrückt oder gar geschlagen. Die Ranchbelange haben sie zusammen entschieden und er hat immer größten Wert auf Lauras Meinung gelegt. In Wyoming wurde das Wahlrecht für Frauen 1869 als erster neuzeitlicher Staat eingeführt.

Als sie bei den Lakota im Lager ankommen werden sie gleich von Chato und Takoda willkommen geheißen.

Takoda, der Medizinmann, spricht:

 
 
Grauer Wolf, ich wusste, dass du kommst früher oder später. Ich habe mit den Geistern gesprochen. Deine Frau sieht müde aus. Ihr könnt bei Chato und Leotie im Tipi wohnen.

Jess steigt vom Cart und ein junger Krieger kommt auf einen Wink des Häuptlings und kümmert sich um das Pferd. Der Medizinmann wirft einen Blick auf Laura und zögert keine Sekunde.
Du bist Shenandoah, Sternentochter in eurer Sprache, zum Greifen nah und doch so weit weg.

Jess ist erstaunt.
Takoda du weißt immer mehr als ich, wenn du wusstest, dass ich zu euch komme. Ich bin in großer Sorge wegen Shenandoah. Der Name ist so treffend für das was mein Herz schwer macht.

Die Nacht verbringen Laura und Jess im Tipi des Häuptlings und am Morgen kommt der Medizinmann und bittet Chato und Jess in die vorbereitete Schwitzhütte. Laura möchte nicht allein unter den Lakota sein, aber Leotie zieht sie weg mit der Bemerkung:
Das sind Rituale nur für Männer. Alles was dort besprochen wird dringt nicht nach außen und ist nur für die Anwesenden bestimmt. Komm mit, wenn du mit Nadel und Faden umgehen kannst, wir Frauen flicken Decken.

So muss Laura wohl oder übel mit Leotie mit und staunt über löcherige Decken, die niemanden mehr wärmen während Jess mit Chato und Takoda in die Hütte geht.

Das Ritual in der Hütte beginnt mit der Einladung der Ahnen und Geister, deren unterstützende Energie zum Erfolg beiträgt. Dann folgen meistens vier Runden, jede Runde mit einem Thema, nach dem Lakota-Weg:

Danken
für alles, was mir widerfahren ist, was ich erlebt und gelernt habe.

Bitten
für mich und andere (vor allem um Energie, Ideen, Einsicht).

Geben
was ich verschenken möchte (Liebe, Wissen, Energie),
aber auch was ich loslassen will (negative Gedanken, schlechte Gewohnheiten).

Vision
in Stille für Eingebungen und Erkenntnisse offen sein.

Chato und Takoda sprechen Jess an.
Du bist voller Sorgen wegen Shenandoah. Deshalb bist du gekommen. Wir wissen was euch geschehen ist. Du hast deine Tochter nach Art und Weise der Weißen begraben. Du hast den Seeadler gesehen und wir wissen, dass du verstanden hast.

 
 
In dem Moment hört Jess draußen einen Seeadler einen Schrei ausstossen. Er weiß, dass es in der Kultur der Lakota mehr zwischen Himmel und Erde gibt als in der Kultur der Weißen und erzählt was ihn bedrückt, dass er der Meinung ist seine Frau liebt ihn nicht mehr und lehnt deshalb seinen Sohn ab. Er fragt Takoda ob es ein Kraut gibt, dass sie mütterlicher macht.

Takoda, dessen Name Freund aller bedeutet, verneint.
Grauer Wolf, du bist auf einem Irrweg. Ich habe mein Amulett befragt und die Knochen haben mir gezeigt was mit Shenandoah passiert ist. Sie hat eine Mauer um sich aufgebaut wie ihr Weißen eure Häuser baut, hoch und stark, damit sie kein weiteres Elend mehr ertragen muss nach dem Tod eurer Tochter. Sie beachtet dich nicht, weil sie Angst hat, dich zu verlieren und sie beachtet deinen Sohn nicht, weil sie denkt, dass er es nicht schafft und zu schwach ist um am Leben zu bleiben. Sie will kein weiteres Leid an sich heranlassen, nicht noch ein Kind verlieren. Bei uns sterben viele Kinder noch bevor sie ein Jahr alt sind, es werden viele zu früh geboren. Manche leben manche sterben. Wir hungern, die Büffel bleiben aus, das Wild wird weniger und versteckt sich. Von eurer Regierung kommt keine Hilfe. Viele der jungen Krieger geben sich dem Feuerwasser der Weißen hin und leben nicht mehr nach unserer Kultur.

Jess wischt sich den Schweiß von der Stirn und hört Takoda gebannt zu.
Von dieser Seite habe ich es noch nie gesehen. Wir haben viel durchgemacht in der letzten Zeit und es war schrecklich, zu schlimm zu ertragen für eine Frau. Wie können wir diese Mauer niederreißen Takoda?
Ich habe mich umgesehen und belaste euch mit meinen Sorgen. Ihr habt viel größere. Ihr hungert, die Kinder haben Hungerbäuche, die Squaws können ihre Schwangerschaften nicht zu Ende austragen und haben dann vermutlich auch keine Milch für die Babies. Was macht der Regierungsagent für indianische Angelegenheiten Chato? Unsere Regierung gibt viel Geld.

Chato schüttelt den Kopf.
Der Agent trägt Massanzüge, fährt eine teure Kutsche mit einem wertvollen Pferd, seine Frau trägt Goldschmuck. Wir bekommen Mehl mit Mehlwürmern, löcherige Decken, die eure Armee ausgemustert hat und vergammeltes Fleisch. Feuerwaffen dürfen wir nicht haben.

Jess steht auf:
Genug geschwitzt, sonst falle ich euch noch um. Ich muss hier raus.

Takoda lächelt.
Ich denke wir wissen jetzt mehr. Aber eine Bitte habe ich an dich Grauer Wolf, du hast dein Gewehr dabei. Geh auf die Jagd, wir brauchen unbedingt Fleisch.

Jess anwortet:
Alles was ihr wollt! Vielleicht bringt mich das auf andere Gedanken.

Inzwischen ist es Abend geworden. Jess fragt Chato
Du hast doch im vorletzten Winter noch mit meinem alten Gewehr zwei Büffel geschossen und hattest viele Felle zum tauschen.

Chato erwidert traurig:
Die Donnerbüchse donnert nicht mehr.

Jess meint dazu:
Die hat es bei mir doch immer getan. Was ist mit dam Gewehr?

Chato anwortet:
Ich ziehe den Abzug und dann kommt nur ein Geräusch im Lauf, aber keine Kugel.

 
 
Jess guckt sich das Gewehr an und hält den Finger an den Abzug, aber der rührt sich kaum.

Fachmännisch meint er:
Das war ein Rohrkrepierer. Chato, dir hätte der Lauf um die Ohren fliegen können. Nie den Abzug betätigen, wenn er nicht leicht geht! Ich glaube ich habe schon eine Ahnung was da kaputt ist. Vermutlich wird es der Schlagbolzen sein.

Chato meint:
Und wenn? Ich kann nicht einfach zu eurem Büchsenmacher in den Laden gehen und so ein Teil kaufen. Die würden mich gleich als Lakota rauswerfen.

Jess grinst:
Ich kann das aber und wenn ich zehn von den Dingern kaufe. Ich kann auch einen Schlagbolzen einbauen. Ich werde mich darum kümmern. Wenn ich für euch morgen jagen soll brauche ich aber ein Pferd. Könnt ihr mir eines eurer Indianerponies leihen? Mit Shandor hat das keinen Zweck. Er ist zu langsam.

 
 
Der brave Shandor ist auf gutem Weideland.

Chato fragt:
Grauer Wolf, leihst du mir dein Gewehr? Ich würde auch jagen wenn du nicht willst.

Jess grinst:
Chato bei uns Weißen gibt es eine Regel an die ich mich halte, Frau, Lieblingspferd und Gewehr verleiht man nicht. Ich jage selbst für euch.

Der Medizinmann kommt hinzu.
Du bekommst ein schnelles Pferd von uns und ich überlege mir wie ich deiner Frau helfen kann.