<- Kapitel 113
 
Kapitel 114
 
Nach dem kleinen Ritt auf dem Painthorse Marshal merkt Jess selbst, dass das Reiten noch nicht so das Wahre mit seiner Verletzung am Oberschenkel ist und verlegt sich lieber aufs Fahren. Er hat den Quarterhorsefuchs Barney eingeritten und nun ist er schon eine ganze Zeit dabei ihn einzufahren. Unter dem Sattel hat sich Barney bewährt.
 
 
Jess hat das Einfahren mit leichter Ladung begonnen. Er fährt Heu zu seinen Bullen, die jetzt auf einer Weide weiter weg vom Ranchhaus stehen.
 
 
Die Bullen und das Bison gucken schon in freudiger Erwartung auf das schmackhafte Heu. Jess muss lachen.
Ihr könnt es wohl kaum erwarten ihr Fresssäcke!

Barney ist so gut in Fahrt, dass er kaum zu bremsen ist.

 
 
Jess findet es langsam an der Zeit mit Barney eine Stadtfahrt zu absolvieren damit er sich auch an den Betrieb in Laramie gewöhnen kann. Schon in zwei Tagen bietet sich dazu die Gelegenheit da Laura und Frank einige Vorräte für die Küche ausgegangen sind.

Vorher muss jedoch der Kasteneinsatz in den Wagen. Jeremy und Patrick müssen das schwere Teil auf den Wagen wuchten. Jess steht grinsend daneben und hält Barney.

 
 
Patrick keucht:
Jess, du könntest auch mal mit anfassen. Das Teil ist ganz schön schwer für zwei.

Der grinst nur und meint:
Erstens, ich bin der Boss, zweitens ich bin verletzt, drittens wer Arbeit kennt und sich nicht drückt, der ist verrückt.

Jeremy schüttelt nur den Kopf und murrt:
Boss, du hast es doch mit dem Bein und nicht mit den Armen.

Jess macht nur eine wegwerfende Handbewegung und schiebt Barney mit einem "Zurück, zurück!" in die Schere des Wagens.

 
 
Teddy ist auch dabei. Aber Jess schickt den Hund zurück mit den Worten:
Ab Teddy, du kannst jetzt nicht mit! Du bist kein Meilenfresser auf deinen dicken Pfoten und wie ich Laura kenne ist der Wagen nachher randvoll. Geh zu Laura und den Kids!

Jess fährt los und kommt nach einer gemütlichen Fahrt in Laramie vor Johns Laden an. Dort gibt er John seinen Einkaufszettel von Frank und Laura und trinkt mit seinem Schulfreund eine Tasse Kaffee mit den Worten:
Saloon lass ich wohl lieber, die Säufersonne ist noch nicht aufgegangen.

Die Sonne scheint warm vom Himmel und so stellt er sich bequem gegen den Anbindebalken vor dem Barney angebunden ist und hängt seinen Gedanken nach während John die Vorräte zusammenstellt. Er wundert sich warum es auf der Mainstreet so leer ist aber schließlich ist Mittagszeit. Nur ein kleines blondes Mädchen steht auf der Straße. In dem Moment kommt eine wilde Horde von fast einem Dutzend Cowboys mit Gebrüll in vollem Galopp in Richtung Saloon heran. Die Männer werfen ihre Hüte hoch, fangen sie wieder auf, lachen und schießen mit ihren Colts in die Luft. Roy der Sheriff kommt am Ende der Mainstreet aus seinem Büro weil er den Krach hört und schießt in die Luft, weil er nicht rechtzeitig bei dem kleinen Mädchen sein kann. Doch die Cowboys hören nicht und reiten direkt auf das kleine Mächen zu, das keine Anstalten macht von der Straße zu rennen. Sie steht einfach nur da mit Panik im Blick. Jess zögert nicht lange, rennt los, schnappt sich die Kleine keine Sekunde zu früh unter den Arm.
Wow, das war knapp! Sag mal kleine Lady, was machst du auf der Straße wenn so eine wilde Horde unterwegs ist? Warum läufst du nicht auf den Sidewalk? Wo sind deine Eltern?

In dem Moment als Jess sie fragt kommt es ihr zum Bewusstsein, dass sie fast einfach umgeritten worden wäre. Sie guckt Jess mit großen Augen an und die Tränen laufen. Jess hat als Vater von drei Kindern immer ein Taschentuch parat und trocknet ihre Tränen.
Hör auf zu weinen! Es ist ja alles gut gegangen. Wenn ich grob zugegriffen habe sorry, aber es musste so schnell gehen. Gil Favors Truppe macht keinen Platz. Die rasen alles was im Weg ist über den Haufen.

Das kleine Mädchen guckt Jess an.
Ich kann nicht so schnell laufen. Weitere Wege schieben mich meine Eltern im Rollstuhl. Ich war sehr krank und wir machen hier Urlaub. Der Arzt hat gesagt, die Luft in den Bergen soll gut für mich sein und meine Mom hat eine Schulfreundin in Laramie. Die haben wir aber noch nicht besucht. Ich bin Jennifer, aber du kannst mich Jenny nennen.

Inzwischen sind Sheriff und auch die Eltern des kleinen Mädchens da. Roy bedankt sich bei Jess und dann geht er Richtung Saloon um die Cowboys zur Rede zu stellen für ihr rücksichtsloses Verhalten. Die Mutter fährt ihre Tochter gleich an:
Jenny, was machst du für Sachen? Du sollst doch nicht allein unterwegs sein. Dir hätte Gott weiß was passieren können. Vielen, vielen Dank Sir, ich mag gar nicht daran denken was ohne Sie passiert wäre. Das ist mein Mann Brad und ich bin Mary Preston. Wir kommen aus Boston.

Jess tippt an seinen Hut.
Harper, Jess Harper, ich bin Rancher. Mir gehört die Tumbleweed. Ihr solltet besser auf eure Tochter aufpassen.

Die Dame guckt erstaunt.
Tumbleweed? Dort muss Laura wohnen, Laura von der Double X. Wir waren zusammen in Boston im Mädchenpensionat. Sie hat nach der Schule für einen Frank Harper den Haushalt geführt.

Jess grinst.
Diese Laura kenne ich zufällig sehr gut. Sie ist meine Frau. Frank ist mein Vater. Nennt mich ruhig Jess! Mary, Brad, ich würde sagen kommt mit zur Tumbleweed. Wir haben immer einige Zimmer frei. Meine Älteste dürfte im Alter von eurer Kleinen sein. Meiner Frau tut euer Besuch sicher gut. Es bringt Abwechslung ins Ranchleben.

Das Ehepaar freut sich. Brad meint:
Mary, du wolltest ja unbedingt in diese verrückte Stadt im Wilden Westen. Hier kommt man nicht zur Ruhe und das soll Urlaub sein. Jenny wird fast über den Haufen geritten und die Cowboys grölen die ganze Nacht. Das ist keine Umgebung für ein kleines Mädchen das sich erholen soll.

Jess grinst:
Eigentlich ist Laramie ein verschlafenes Kaff, nur nicht wenn gleichzeitig drei große Herden am Bahnhof zur Verladung in die Züge stehen. Den Cowboys kann man es nicht ganz verdenken. Wenn man wochenlang durch, Sonne, Hitze, Kälte, Regen, Matsch unterwegs ist dann lassen sie in der Stadt die Sau raus. In meiner Jugendzeit als Nightrider bei Hendersons Cowboys war ich auch nicht anders und habs mitgemacht. So, meine Vorräte sind aufgeladen. Der Wagen ist voll. Ich kann euch nicht im Arbeitswagen mitnehmen. Am besten nehmt euch bei Harry im Mietstall eine Kutsche.
Zur Tumbleweed geht es die Mainstreet runter, dann links immer geradeaus, dann rechts abbiegen, da steht ein Holzschild, über den Hügel und dann seht ihr schon das Ranchhaus. Mit der Kutsche seid ihr knapp zwei Stunden unterwegs. Bis später dann! Laura wird sich freuen.

Jess steigt auf seinen Wagen und fährt nach Hause.

 
 
Laura und Frank erwarten Jess schon. Sie freuen sich über die Zeitung aus Laramie und über Neuigkeiten, die in Johns Laden rege ausgetauscht werden.
 
 
Jess erzählt sein Erlebnis in der Stadt. Laura freut sich sehr ihre Schulfreundin nach so vielen Jahren wieder zu sehen. Sie wird ganz eilig zwei Zimmer für das Ehepaar und ihre Tochter herzurichten.