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Kapitel 12
 
Opa Frank kann nach der langen Aussprache mit seinem Sohn nicht sonderlich gut schlafen, weil ihm durch den Kopf geht, wie viel Unrecht er ihm getan hat. So kann es passieren, wenn man nicht miteinander redet. Er hört Jess tiefe Stimme und seine Gitarre, geht ans Fenster und schiebt den Vorhang an die Seite. Jess Darbietung ist gerade zu Ende und er sieht das Paar.
 
 
Er überlegt: Endlich geht es in die richtige Richtung. Die Liebe zur Musik hat Jess von seiner Mutter Margaret. Sie hatte eine sehr schöne Stimme.

Vicky ist ja gar nicht so übel, aber als Schwiegertochter nicht denkbar. Laura von der Double X kenne ich schon als kleines Mädchen. Jess hat mit den Nachbarschaftskindern genug Blödsinn gemacht und war auch noch meistens der Urheber aller Schandtaten. Manche Dinge waren ja wirklich sehr lustig, wie er dem Reverend klammheimlich das Pferd ausgespannt hat und er sitzt nach dem Gottesdienst in seinem Wagen und treibt es an und weg war es und der Reverend saß mit dümmlichen Gesicht auf seinem Wagen.

Jess flitzte um die Ecke und ich konnte ihn gerade noch fassen. Der Pfarrer war sauer und ich habe das Pferd wieder einfangen müssen. Zur Strafe habe ich Jess aufgebrummt, dass er alle Muligeschirre putzen muss. Ich weiß noch, dass er stöhnte, Dad, ich wusste gar nicht, dass wir sooo viele haben! Er wäre natürlich lieber mit den anderen Kindern zum See, baden und angeln.

Aber Strafe muss sein! Ja, meine Mulis und dann kam der Tag, an dem sie die Farmer nicht mehr wollten sondern lieber die starken Kaltblüter. Jetzt weiß ich auch, warum er seit er wieder zu Hause ist, jede Gelegenheit genutzt hat, um wieder von hier wegzukommen. Er wollte mir einfach nicht so häufig über den Weg laufen. Sicher habe ich ihn auch mit meiner blöden Bemerkung bei der Heuernte gekränkt als ich gesagt habe, dass er die Heuforke wie ein Mädchen benutzt. Ich wusste ja nichts von der Geschichte mit dem Unfall. Gleich nach diesem Zwischenfall ist er mit den Hands vom alten Henderson eine Herde treiben gegangen, hatte wohl Lust noch einmal den Nightrider bei der Herde zu machen. Er hat sich bei der Abgabe der Herde auf dem großen Schlachthof in Denver umgesehen, meine alte Miss Sheba aus meiner Zucht erkannt, freigekauft und mit nach Hause gebracht. Sie hat die weite Fahrt mit der Eisenbahn gemacht und war in sehr schlechtem Zustand. Wir haben alle gestaunt was er da wieder anschleppt.

 
 
Die kleine Kathy durfte auf Miss Sheba sitzen und Laura hatte eine Möhre für sie.
 
 
Ich bin so glücklich, dass die alte Miss Sheba wieder fit ist.
 
 
Jess weiß gar nicht, wie viel mir das bedeutet jetzt doch noch einmal ein Muli aus meiner Zucht auf der Ranch zu haben. Sie hat nicht einmal ihre Ausbildung vergessen.

So, jetzt werde ich mich um Frühstück und Kaffee kümmern, sieht so aus als ob Laura heute wohl verhindert ist. Der Ofen ist sicher auch noch aus.

Opa Frank geht in die Küche und bereitet alles vor. Seit Jess wieder auf der Ranch ist, weht ein anderer Wind auf der TWR. Er hat gleich gesagt, zuerst sind die Tiere morgens dran mit füttern und dann erst wir. Vicky und Jeremy sind also in den Ställen und auf den Paddocks und versorgen die Pferde.

Inzwischen sind sich die jungen Leute näher gekommen. Laura ist vom Song völlig hin und weg. Besonders gut hat ihr die Passage gefallen in der er sich als Fool - Narr- geoutet hat. Endlich denkt sie, endlich....

Der Morgen um diese Jahreszeit in Wyoming ist noch sehr kühl. Jess schultert seine Gitarre auf den Rücken und meint zu Laura
Lass uns ins Haus gehen, dort ist es wärmer. Wir gehen noch ein bischen in meine chaotische Bude. Bis die anderen kommen haben wir noch etwas Zeit.

Laura schaut ihn verliebt an. Sie wäre ihm zu den Timberwölfen der Rocky Mountains gefolgt, in die schwüle Hitze von New Orleans oder sonst wohin.

Die beiden wissen nicht, dass Opa Frank schon aufgestanden ist und heimlich an der Tür horcht. Er hört Lauras Kichern und Jess tiefe Stimme, die Laura "Honey" nennt.

Das ist der Punkt an dem er sich zurückzieht - die Küche wartet, der Kaffee will gekocht werden und Rühreier mit Speck soll es auch geben.

Eine gute halbe Stunde später kommt die komplette Crew der TWR an den Frühstückstisch und wundert sich, dass Laura nicht zu sehen ist und Opa Frank schon alles zum Frühstücken vorbereitet hat. Sie setzen sich alle hin und harren der Dinge die da kommen. Schon ungewöhnlich heute!

In dem Moment geht die Tür von Jess Chaosbude auf und heraus kommen eine Laura, die sich ihre Haare ordnet und der Ranchboss, der sich verlegen sein Hemd in die Hose stopft.

Er grinst und setzt sich auf seinen Stuhl, Laura zieht er auf den Stuhl an seiner Seite. Jeremy und besonders Vicky gucken etwas irritiert. Nun steht Jess mit Schwung wieder auf, so dass sein Stuhl nach hinten wegkippt und ruft
Announcement!

"Ankündigung" so offiziell wird er sonst nur, wenn er einen seiner Leute zu einer Haltershow oder anderem Turnier angemeldet hat und sie sollen sich den Termin hinter die Ohren schreiben.

Komisch, da steht aber im Moment nicht wirklich etwas an!

Announcement, Bullshit, diese Stühle! Im Osten gibt es die jetzt mit Polstern, viel bequemer. So was müssen wir anschaffen. So, ehe es die Spatzen von den Dächern der Tumbleweedranch pfeifen, euer Ranchboss ist schwer verliebt, Laura und ich sind ein Paar! Laura ist jetzt so etwas wie Vormann auf der Ranch und ihren Anweisungen ist genau so zu folgen als hätte ich sie gegeben.

Vicky fällt vor Schreck die Kaffeekanne aus der Hand und der Inhalt ergiesst sich über Tisch und Fussboden. Jeremy nimmt es einfach zur Kenntnis und isst ungerührt weiter. Opa Frank ist über die Entwicklung sehr zufrieden und nickt seinem Sohn zu.

Laura meint
Vicky, du weißt ja wo das Putzzeug steht!

Jetzt muss Jess über den Tisch prusten vor Lachen und meint zu Vicky
Kannst das auch noch gleich wegwischen und übrigens, ich habe eine Partnerin für das Scheunenfest in Laramie. Du brauchst nicht mehr länger überlegen. Es gibt in Laramie einige ganz nette junge Männer, bin ja nicht der einzige. Ich brauche dich als Pleasurereiterin hier auf der Ranch, lege dir aber keine Steine in den Weg, wenn du gehen möchtest. Und noch etwas, bitte keine Stutenbissigkeit, darunter leidet nur die Arbeit. Ich Trottel habe immer gedacht, das gibt es nur bei Pferden. So, wer kocht denn jetzt nochmal Kaffee?

So geht an diesem Morgen eine je nach Sichtweise fröhliche oder weniger fröhliche Frühstücksrunde zu Ende.