<- Kapitel 124
 
Kapitel 125
 
Nach dem für die Männer der Tumbleweed nicht ganz rund gelaufenen Frühlingsfest bekommt Jess eine Woche später einen Brief vom Boss der Rocking B in Twin Falls, Idaho. Die Männer haben sich bei einem Rodeo in Texas kennengelernt. Jed Wilson war in Fort Worth um Zuchtvieh zu kaufen und Jess ritt beim Rodeo. Jess erzählte von seinen Mustangs, die sehr trittsicher sind und fürs Rindertreiben im Gebirge Vorteile haben gegenüber anderen Rassen. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, dass Jed fünf Mustangs und drei Zugpferde von Jess kaufen will. Jess sucht die Mustangs aus.
 
 
Weil die Ranch ziemlich abseits liegt beschließt Jess die Pferde nicht mit der Bahn reisen zu lassen sondern selbst zu überbringen. Frank meint dazu:
Jess, da bist du ja wenigstens 14 Tage weg. Mit den Arbeitspferden bist du nicht so schnell und dann allein die ganze Remuda? Willst du nicht doch jemanden zur Hilfe mitnehmen?

Jess macht nur eine wegwerfende Handbewegung.
Ich nehme meinen Dandy, der ist trittsicher und schnell wenn einer der Mustangs ausbricht. Dann komme ich schon klar. Pack mir bitte Proviant für den Trip! Morgen will ich los. Die Dollars von der Rocking B können wir gut gebrauchen. Es gibt nicht so viele die Mustangs abnehmen obwohl sie gut geritten sind.

Am nächsten Morgen nach dem gemeinsamen Frühstück verabschiedet sich Jess von seiner Familie.

 
 
Er holt sich Dandy von der Weide.
 
 
 
In den Rocky Mountains bleiben die Gipfel schneebedeckt. Jess muss mit der Remuda über einige Pässe. Er hat sich gut vorbereitet was den Weg betrifft und hat immer passend zur Rast einen Gebirgsbach oder ein Wasserloch zum Pferde tränken. So kommt er ohne weitere Zwischenfälle bei Jed Wilson in Twin Falls an. Der freut sich Jess wieder zu sehen und bittet ihn die Mustangs vorzuführen.

Jess entscheidet sich für den Grauen.

 
 
Wilson ist begeistert von der Wendigkeit und zahlt Jess ohne groß zu handeln 500 Dollar in bar für die Remuda. Jess lässt sich noch die Rocking B und ihren Rinderbestand zeigen und ist von der Größe beeindruckt. Nach einer weiteren Übernachtung zieht es ihn aber nach Hause zu seiner Familie und so macht er sich auf den Weg. Jetzt nur mit Dandy ohne die Pferdeherde ist er schneller. Über Tag ist es auf dem Hochplateau sehr heiß im Sommer und am Abend wird es empfindlich kühl. Er sieht nach einem Tagesritt in weiter Ferne zwei Cowboys, die dabei sind einen Stier einzufangen.
 
 
Als er näher reitet, haben die Männer ein großes Lagerfeuer an. Jess fragt höflich, ob sie einen Kaffee über haben und setzt sich ans warme Feuer zu den beiden Männern.
 
 
Wenig später spürt Jess nur noch einen großen Schlag in seine Brust und fällt um. Als er wieder zu sich kommt ist es bereits Morgen. Er fasst sich an die Brust und hat seine Hand voller Blut. Als er sich umsieht stellt er fest, dass er allein ist. Die Männer sind weg mitsamt seinem Dandy und der Winchester. Jess fasst in seine Taschen. Das Geld für die Pferde ist noch da und sein Colt auch. Er merkt, dass er schwer getroffen ist und wankt los. Der Tod wäre sicher ohne Pferd auf dem heißen Hochplateau ohne Wasser. In der Ferne hört er einen einsamen Wolf heulen.
 
 
Ist das jetzt das Ende? überlegt er.
Sehe ich Laura und die Kids nie wieder?

Er stolpert weiter und weiter trotz der schweren Verletzung die ihm immer mehr die Kräfte raubt.

Unterwegs sieht Jess das Skelett eines Pferdekopfes. Alles andere ist nicht mehr da.

 
 
Nein, sagt er zu sich selbst, weiter, immer weiter! Das nächste Wasserloch kann nicht mehr so weit sein. Durchhalten!

Jess kann sich tatsächlich bis zu dem Wasserloch schleppen, trinkt ein paar Schluck und bricht dann entkräftet in der Hitze zusammen. Es dauert nicht lange, da kreisen über ihm die Geier. Es werden ständig mehr. Sie warten auf den Tod ihrer Beute um dann zuzuschlagen.

Jess weiß nicht, dass er bis in die Nähe der kleinen Cattleranch von Isaac Perkins und seiner Frau Eliza gekommen ist. Isaac und sein Sohn Jeremiah sind gerade von einem Kontrollritt wiedergekommen. Isaac ist niedergeschlagen und meint zu seiner Frau:
Wir haben auch diesmal wieder keine Kälber gefunden. Ich verstehe das nicht, die früheren Jahre liefen so gut. Wir haben einen guten Zuchtbullen, die Kühe sind tragend aber seit den letzten drei Jahren gibt es so gut wie kaum Kälber. Ich weiß nicht wie lange ich die Ranch noch halten kann. Die Bank sitzt uns immer mehr im Nacken.

Eliza tröstet ihren Mann.
Der Herr wird uns helfen. Es geht immer irgendwie weiter.

Plötzlich ruft Jeremiah, der kräftige 22jährige Sohn des Ehepaares:
Pa, guck mal, da oben die Geier! Da muss etwas sein. Ich reite hin und sehe nach!

Er nimmt sich sein Pferd, das noch gesattelt da steht.

 
 
Jeremiah ist schnell vor Ort und findet den zusammengebrochenen Jess. Er hebt ihn aufs Pferd und bringt ihn zu seinen Eltern.
Schaut mal, ein Mann ohne Pferd und Gewehr am Wasserloch! Bis dorthin muss er es noch geschafft haben. Was macht ein Mann ohne Pferd und Gewehr in dieser Gegend?

Eliza ist als Pionierfrau sehr zufassend und bestimmt gleich:
Isaac und Jeremiah, ihr tragt ihn ins Zimmer von Maybelle. Dort ist es am kühlsten. Ich kümmere mich gleich um ihn.

Die 16jährige Maybelle taucht auf.
Wer ist der fremde Mann? Aber nicht in mein Zimmer. Das ist mein Bett.

Eliza herrscht ihre Tochter an:
Es ist unsere Pflicht als Christenmenschen zu helfen. Los mach Wasser warm! Beeil dich und steh hier nicht rum! Guckt euch die Kleidung an. Ein einfacher Cowboy ist das ganz sicher nicht.

Jess ist immer noch ohne Bewusstsein. Eliza zieht ihm die Kleidung aus und stellt die Schussverletzung nahe am Herzen fest. Sie wäscht ihn vorsichtig und deckt ihn mit einer leichten Decke zu. Durch die Hitze und das Fieber hat Jess geschwollene Finger und so zieht Eliza auch den Ehering ab. Sie findet in seiner Jackentasche 528 Dollar und ein paar Cents, außerdem einen Kaufvertrag zwischen der Rocking B und der Tumbleweedranch Jess Harper. Er kommt kurz zu sich und Eliza gibt ihm einen Schluck Wasser zu trinken. Jess verschwimmt die Frau vor den Augen und er stöhnt leise:
Tipi, Tanne!

Sie legt ihm ein kaltes Tuch auf die Stirn und schüttelt den Kopf.
Das sieht nicht gut aus mit dem Mann. Die Kugel müsste raus. Sie sitzt aber sehr nah am Herzen. Jeremiah, hol den Doc und den Sheriff.
Ich vermute, dass es Jess Harper ist. Er redet aber nur wirres Zeug, bei dem Fieber kein Wunder. Vielleicht wird er sterben!

Maybelle guckt entsetzt:
Mom, in meinem Bett?

Isaac herrscht sie an:
Schluß Tochter, hab dich nicht so! Hilf deiner Mutter und wasche seine Kleidung! Frau, du hast also in seinen Sachen geschnüffelt? Das tut man nicht.

Eliza:
Isaac beruhige dich, wir müssen doch wissen wen wir beherbergen. Ich denke nicht, dass er ein Bandit ist. Aber ein einfacher Cowboy ist das auch nicht. Dafür ist er zu gut angezogen. Aber kein Pferd, kein Gewehr! Es kann aber kein Raubüberfall gewesen sein. Dann hätte man ihm den Colt und vor allem das viele Geld abgenommen. Er hatte einen wertvollen Ring am Finger. So etwas Schönes habe ich noch nie gesehen. Ich habe sein Geld und den Ring in der Schublade eingeschlossen.

Maybelle geht in ihr Zimmer und will die Kleidung holen um sie im nahen Bach zu waschen. Da bewegt sich Jess. Maybelle betrachtet ihn und stellt für sich fest, dass er gewaschen doch recht gut aussieht und wird rot. Sie zupft ihr Kleid zurecht und weiß selbst nicht wie ihr zumute ist. Jess tastet mit seiner Hand und Maybelle nimmt sie.
Bleib ganz ruhig, du darfst dich nicht so viel bewegen Fremder!

Maybelle hat keine Angst vor einem Mann der dem Tod näher ist als dem Leben. Sie denkt vielleicht ist das doch der Prinz, der mich von dieser Drecksarbeit auf der Ranch, die nie hochkommt, wegholt in ein besseres Leben. Jess verschwimmt das Bild des Mädchens vor seinen Augen. Er flüstert leise:
Laura, bist du da? Das ist gut.

Der Sheriff und der Doc sind inzwischen aus dem nahen kleinen Dorf gekommen. Der Sheriff kennt Wilson und kommt auf Grund des Vertrages auch zu der Annahme, dass der Mann von der Tumbleweedranch in Laramie stammt und schickt ein Telegramm auf den Weg, das dort auch sofort ankommt.

Laura und Frank machen sich schon beim Frühstück Sorgen, weil Jess überfällig ist. Laura meint:
Er hätte schon vor zwei Tagen zurück sein müssen. Frank, es ist nicht seine Art wenn ihm etwas dazwischenkommt, keine Nachricht zu schicken. Ich habe ein komisches Gefühl. Es wird doch nicht etwas was passiert sein!

Frank will gerade sagen:
Mal nicht den Teufel an die Wand!
da klopft es und ein junger Mann gibt ein Telegramm ab. Frank öffnet es sofort.

Mann von der Tumbleweed schwer verletzt auf der Perkins Ranch. Sofort kommen!
Sheriff Bud Masters und Isaac Perkins!

Frank wird ganz blass. Ihm fällt das Telegramm aus der Hand. Laura hebt es auf und schreit:
Nein! Was ist Jess zugestossen?

Frank beruhigt Laura.
Vielleicht ist ja alles halb so wild. Ich fahre mit der Eisenbahn. Dann bin ich an einem Tag da. Du bleibst hier bei den Kindern.

Frank fährt mit der Eisenbahn von Laramie aus und steigt vor dem Hochplateau aus. Zur Perkinsranch nimmt er sich ein Pferd aus dem Mietstall. Er ist entsetzt als er seinen Sohn sieht.
Warum tut der Doc nichts? Die Kugel muss raus.

Eliza sagt:
Der Doc weigert sich. Er meint es ist zu gefährlich. Sie sitzt zu nah am Herzen und dein Sohn ist in keiner guten Verfassung, dass er so einen Eingriff durchsteht.

Frank weiß nicht was er tun soll. Er streicht seinem Sohn über das braune Haar. Jess guckt kurz und flüstert:
Dad, du bist ja da! Das ist gut. Wo ist Laura?

Er holt mühsam Luft.
Dad, Tipi, Tanne!

Frank weiß nicht was Jess damit meint. Er schickt sofort ein Telegramm zu Laura, dass sie alles stehen und liegenlässt und sich sofort in den nächsten Zug setzt. Laura fährt gleich mit dem nächsten Zug und kommt schnell auf der Perkins Ranch an. Das winzige Ranchhaus ist nicht mit der Tumbleweed zu vergleichen. Laura hat nur Augen für ihren Mann, dem es stündlich schlechter geht. Laura hält seine Hand und gibt Jess Zuversicht.
Jess, du schaffst es! Der Doc wird die Kugel entfernen und dann wird es dir bessergehen. Ich brauche dich doch so sehr und die Kinder. Sie warten auf dich. Komm, halte durch!

Jess drückt Lauras Hand fest. Ihre Ansprache ist bei ihm angekommen. Trotzdem murmelt er wieder:
Tipi, Tanne!

Dann verlassen ihn die Kräfte und er schläft wieder ein.

Laura und Frank sprechen mit dem Doc, dass er die OP wagen soll.

Frank meint:
Mein Sohn hat nichts mehr zu verlieren. Wenn die Kugel im Körper bleibt stirbt er. Mit der Operation hat er eine Chance. Er hat drei Kinder und eine Frau, die ihn liebt. Laura hat ihm Zuversicht gegeben. Los Doc, wir haben nichts mehr zu verlieren!

Der Doc meint:
Gut, ich versuchs, aber keine Vorwürfe wenn es schief geht! Das wird eine schwierige Sache.

So bringen Laura und Frank den Doc doch dazu die Operation zu wagen. Laura bleibt bei Jess bis er narkotisiert ist. Dann kann sie nichts mehr für ihren Mann tun und muss abwarten.

Frank und Laura warten draußen vor dem Ranchhaus. Laura meint:
Ich kann nicht mehr. Weiter und immer weiter, was ist wenn er es nicht schafft?

Frank umarmt sie.
Laura, wir beten, es wird schon gut gehen. Jess war auch immer für dich da. Als es dir so schlecht ging nach der Geburt der Zwillinge hat er nächtelang an deinem Bett gesessen und dich gepflegt. Jetzt sind wir für ihn da. Er ist stark, er muss es schaffen. Er kämpft jetzt den Kampf seines Lebens. Aber warum flüstert er immer Tipi und Tanne? Tipi, hat er gesagt, dass er zu den Lakota will? Und Tanne, Weihnachten ist noch so weit weg. Ich kann mir da überhaupt keinen Reim drauf machen. Kannst du dir das erklären Laura?

So tappen beide weiter im Dunklen und hoffen, dass der Doc es schafft die Kugel zu entfernen die so nah am Herzen sitzt.

Noch jemand hofft darauf, dass Jess es schafft - die junge Maybelle, die mit erstaunten Augen Laura angesehen hat als sie als Ehefrau von Jess Harper vorgestellt wurde. Isaac grinste dazu nur und meinte:
Jetzt ist also geklärt warum er Laura, Jolene, Loretta gerufen hat. Ich dachte schon er hat einen ganzen Schwung Freundinnen was mich bei seinem Aussehen nicht gewundert hätte. Nur mit Raylan konnten wir nichts anfangen.

Wird Jess es schaffen?

Was hat es mit Tipi und Tanne auf sich?