<- Kapitel 125
 
Kapitel 126
 
Der Doc operiert immer noch. Frank und Laura sitzen wie auf heißen Kohlen. Laura bemüht sich tapfer zu sein und unterdrückt ihre Tränen. Frank läuft unruhig auf und ab. Da sieht er auf der Koppel eines der Arbeitspferde von Isaac.

Das schwere Pferd dreht Frank die Seite mit dem Brandzeichen zu auf die er unwillkürlich sehen muss.

 
 
Er schlägt sich vor den Kopf.
Laura, guck mal auf das Brandzeichen des Arbeitspferdes! Wie sieht das aus?

Laura sieht Frank verständnislos an.
Sonst hast du aber keine Sorgen Frank? Der Doc wird gar nicht fertig. Wie lange mag das denn noch dauern? Wie geht es Jess bloß? Schafft er die OP? Er hat doch schon so viel Blut verloren.

Jetzt kann Laura ihre Tränen nicht mehr länger unterdrücken. Frank nimmt sie in seine Arme.
Laura, bestimmt wird alles gut, es muss einfach! Er ist doch mein einziger Sohn. Er darf nicht sterben! Aber jetzt guck doch mal auf das Pferd.

Laura ist froh abgelenkt zu werden. Sie wischt sich ihre Tränen ab und schluchzt.
Das Brandzeichen sieht aus wie eine Tanne.

Frank antwortet:
Genau darauf wollte ich hinaus. Ich glaube Jess war gar nicht durcheinander sondern wollte uns einen Hinweis geben. Da haben wir die Tanne.

Er ruft laut:
Isaac, komm mal bitte! Was gibt es hier in der Gegend noch für Brandzeichen?

Der Rancher gibt Auskunft.
Meins kennst du ja, die Rocking B, doppelter Schwung mit großem B, Casey, C mit Strich drunter, Abner Ranch, A mit Strich über dem A, die Dawson Ranch mit Tipi....

Halt! ruft Frank.
Das muss es sein. Da haben wir das Tipi. Tanne und Tipi, das ist es was Jess uns sagen wollte.

Die Männer setzen sich an den Küchentisch. Frank erklärt:
Mein Sohn ist einige Jahre bei unserem Nachbarn als Nightrider geritten. Er kennt sich aus mit Rindviechern. Um 1800 gab es nur an die 20 Brandzeichen.Heute gibt es viele Hundert. Die Brandzeichen sind zahlenmässig gewachsen und viel komplizierter geworden. Es werden überall reguläre Brandzeichenbücher geführt. Jede Wette, mein Sohn hat mitbekommen, dass Rinder umgebrandt worden sind und die Banditen wollten ihn deshalb aus dem Weg räumen. Das würde auch erklären, dass ihm das Geld für die verkauften Pferde nicht abgenommen wurde.

Frank nimmt einen Zettel und einen Stift.
Das ist eure Tanne, Isaac. Und hier das Tipi der Dawson Brüder.

 
 
Isaac guckt entsetzt.
Ja, aber ich kann mir das nicht vorstellen. Die Dawson Brüder haben doch mit nach den Banditen gesucht, die deinen Sohn angeschossen haben. Auf der anderen Seite hat bei uns der nicht erklärbare Kälberschwund vor drei Jahren begonnen als die Dawson Brüder die Nachbarranch übernommen haben. Im Prinzip braucht man nur drei Schenkel um unseren Tannenbrand legen, dann hat man das Tipi. Einer der Brüder ist ein guter Handwerker. Ich komme immer mehr in Zweifel. Wir brauchen Beweise!

Auf einmal hören sie einen Ruf des Docs.
Yeah, da haben wir ja den Übeltäter.

Nach einer weiteren Viertelstunde kommt der Doc aus Maybelles Zimmer.
Jess hat die OP so weit gut überstanden. Ich habe allerdings eine tiefe Narkose machen müssen damit er sich nicht unter der OP bewegt. Jetzt muss er noch wieder zu sich kommen. Zu meiner Überraschung musste ich nicht so tief mit den Instrumenten wie ich dachte. Die Kugel ist weniger bleihaltig als die käufliche Munition und hatte damit nicht so eine gewaltige Durchschlagskraft. Ich hatte mich auch schon gewundert, dass der Mann das überlebt hat. Nun braucht er vor allem viel Ruhe.

Isaac guckt sich die Kugel an und wird ganz blass.
Frank, das ist eine der Kugeln, die die Dawsons selbst gießen. Ich kenne diese Munition.

Frank meint:
Da haben wir wieder einen Beweis mehr. Wir nutzen die Großkaliberkugeln aus dem Handel und das tun wohl die meisten, die ein Gewehr haben. Ich bin überzeugt wir finden Dandy und auch die Winchester von Jess in einer der Scheunen von den Dawsons. Sagt dem Sheriff Bescheid, das sollten wir nicht auf eigene Faust tun Isaac! Aber erst will ich jetzt meinen Sohn sehen.

Laura sitzt bereits bei Jess, der noch nicht wieder bei Bewusstsein ist, und hält seine Hand.
Jess, halte durch! Die Kugel ist raus, es wird dir bald besser gehen und das Fieber müsste sinken.

Frank streichelt seinem Sohn über das verschwitzte braune Haar.
Junge, du hast uns die ganze Zeit den Hinweis auf die Täter gegeben und wir haben dich nicht verstanden. Du hast sicher Angst gehabt, dass sie hier auftauchen, wenn sie erfahren, dass du nicht tot bist. Das sind Viehdiebe von der miesesten Sorte und auf Viehdiebstahl steht der Tod. Da kommt es auf einen Mord nicht mehr drauf an. Du bist denen ungewollt in die Quere gekommen. Nun komm wieder zu dir Jess! Du musst es schaffen.

Erst am späten Nachmittag kommt Jess zu sich und guckt sich fast panisch um. Sein Blick fällt nach draußen ob dort Pferde mit dem Tipi-Brandzeichen stehen. Aus einem verständlichen Sicherheitsbedürfnis meint er:
Ich will sofort meinen Colt und Patronen und mein Messer.

Laura grinst:
Jess, nun mal langsam mit den jungen Pferden! Du bleibst jetzt schön ruhig liegen. Frank, Isaac und der Sheriff sind schon mit der Verstärkung unterwegs zu der Ranch mit dem Tipi Brandzeichen. Dir tut hier niemand was. Isaacs Sohn Jeremiah ist im Zimmer nebenan und einige Cowboys sind auch noch hier.

Jess sinkt erleichtert in sein Kissen zurück. Er sagt leise:
Gott sein Dank, ich dachte der Albtraum hört nie auf und keiner versteht mich. Ich wusste ja auch nicht wo ich bin. Dann seid ihr gekommen und habt mich auch wieder nicht verstanden. Ich habe so sehr Durst Laura.

Sie gibt Jess zu trinken. Danach schläft er sofort wieder ein.

In der Zwischenzeit kommen Frank, Isaac und der Sheriff mit seiner Truppe an einem toten Stier vorbei, den gerade ein Puma gerissen hat. Der Berglöwe sitzt noch im Gebüsch und faucht.

 
 
Die Männer sind nicht auf Pumajagd. Der Sheriff schießt in die Luft und der Puma verzieht sich. Frank hat unterdessen das Stück Haut mit dem Brandzeichen aus dem toten Stier gelöst. Er zeigt den Männern die Rückseite.
Sieh mal einer an! Die Tanne ist hell und die Schenkel, die das Tipi bilden, sind dunkel. Der Stier ist also nachgebrandt worden und damit der Perkins Ranch gestohlen. Mein Sohn hat mir das so erklärt, dass der Brand im Lauf der Zeit heller wird auf der Innenseite. Hier sieht man genau, dass dieses Tier zweimal gebrandt wurde. Ich bin überzeugt wir finden auf der Dawson Ranch unseren Dandy, die Winchester und ein Brandzeichen mit den Schenkeln. Die haben garantiert jedes Rindvieh im Umkreis mit dem Tannenbrand umgebrandt. Jess wurde Zeuge und so musste er aus dem Weg. Die haben gedacht er ist tot und haben Pferd und Gewehr mitgenommen. Den Rest sollten die Geier erledigen. Sie haben nicht damit gerechnet, dass Jess noch bis zum nächsten Wasserloch läuft und dort gefunden wird.

Die Männer können die Dawson Brüder, die sich sicher waren, dass Jess die OP nicht überlebt, überrumpeln. In einer der Scheunen finden sie tatsächlich die Winchester und Dandy, den Frank gleich mitnimmt zur Perkins Ranch. Die Dawson Brüder werden verhaftet und später vor Gericht gestellt.

Isaac und Eliza sind erleichtert. Eliza meint:
Den jungen Mann hat uns der Himmel geschickt. Jetzt wird alles gut, wir bekommen die Kälber der letzten drei Jahre zurück und können den Kredit bei der Bank bezahlen.

Frank sagt:
Mein Sohn wird seine Aussage machen sobald er kann. Viehdiebstahl und Mordversuch, das reicht für den Tod am Galgen! Diese Nachbarn seht ihr nie mehr wieder.

Die junge Maybelle ist sehr froh, dass Jess die OP überstanden hat und langsam wieder zurück ins Leben findet. Als sie am nächsten Morgen mit der Waschschüssel in ihr Zimmer geht ruft Jess, der sich schnell die Decke bis zum Hals zieht:
No Way, das macht meine Frau oder mein Vater und rasieren wäre auch nicht schlecht!

Frank grinst:
Ach der Herr wird eitel, dann geht es ihm wohl langsam wieder besser. Alles was du willst Junge!

Nach einer Woche Ruhe zieht es Jess mit aller Gewalt nach Hause. Er möchte seine Kinder wiedersehen und sich lieber in sein eigenes Bett verkrümeln. Laura versteht ihn nur zu gut. Sie hat in der Zwischenzeit ein Telegramm nach Hause geschickt, dass es Jess den Umständen entsprechend gut geht und sie mit einem Wagen der Perkins nach Hause kommen. Zum Abschied bringt Maybelle Dandy um den sie sich liebevoll gekümmert hat.

 
 
Jess geht noch sehr wackelig auf den Beinen los und begrüßt seinen Dandy.

Dann nimmt er Maybelle liebevoll seine Arme.

 
 
Maybelle, hab Dank für alles, dass ich dein Zimmer haben durfte! Du siehst ich habe meinen Ehering wieder angesteckt. Ich liebe meine Frau über alles. Ich bin auch kein Amish, dass ich mehrere Frauen haben könnte. Süße, lass dir die Haare schick schneiden, zieh was Schönes an und gehe zum Barndance. Du bist alt genug und die jungen Männer hier können dich gar nicht übersehen sonst wären sie mit Blindheit geschlagen. Du wirst jemanden finden für den du der wichtigste Mensch im Leben bist und den Zauber der ersten Liebe erleben. Nur ich bins ganz sicher nicht. Ich habe meine große Liebe gefunden. Deine Eltern behandeln dich etwas zu streng aber sie hatten es die letzten Jahre nicht leicht. Jetzt bekommen sie eine große Herde zurück vom Gericht und dann geht es euch auch besser finanziell. Machs gut Maybelle!

Isaac und Eliza haben den Harpers ihren Planwagen geliehen damit Jess liegend nach Hause reisen kann.

 
 
Laura hat es ihrem Mann bequem gemacht. Er liegt mit dem Kopf am Sattel auf einem Kissen und ist mit Decken zugedeckt. Die Nächte sind noch sehr kühl in den Bergen. Frank drückt aufs Tempo und so kommen sie nach zwei Übernachtungen unterwegs auf der Tumbleweed an.

Emily ist so begeistert, dass sie ihr unsicher auf den Beinen stehendes Herrchen umreißt.

 
 
Auch Teddy ist sofort zur Stelle.
 
 
Am glücklichsten sind die Kinder, dass ihr Dad wieder zu Hause ist.
 
 
Jess ist froh wieder im eigenen Schlafzimmer an der Seite von Laura schlafen zu können und seine Kinder um sich zu haben. Vom hohen Blutverlust erholt er sich nur langsam und manchmal hat er auch Albträume in der Nacht, so dass er schweißgebadet aufwacht.

Frank und Laura fällt es schon lange auf, dass er seinen Humor verloren hat und er bei Ranchangelegenheiten nicht bei der Sache ist.

Abby hat sich die Wunde angesehen und ist mit der Heilung sehr zufrieden. Sie meint zu Laura und Frank:
Eigentlich müsste Jess langsam wieder der Alte werden. Aber er ist dem Tod zweimal innerhalb kürzester Zeit von der Schippe gesprungen, einmal am Lagerfeuer mit dem Schuss und dann die schwierige OP, die auch hätte schief gehen können. Das macht etwas mit einem Menschen. Das alles hat ihn unendlich Kraft gekostet. Ihr müsst ihm Zeit lassen!

Die Wochen vergehen, Jess überwindet langsam den Blutverlust, aber er ist in seinen Gedanken häufig in einer ganz anderen Welt zu der Laura und Frank keinen Zugang haben. Die beiden überlegen was sie für Jess tun können und da haben sie beide gleichzeitig einen grandiosen Gedanken. Golden Glory, eine Stute auf die Jess schon lange ein Auge geworfen hat, steht zum Verkauf. Frank kauft sie kurzerhand und lässt sie auf der Weide vor dem Schlafzimmerfenster laufen.

 
 
 
Golden Glory hat einen wunderschönen sanften Gesichtsaudruck.
 
 
 
Laura umarmt ihren Mann:
Schau mal aus dem Fenster! Dort ist etwas Schönes für dich.

Jess guckt raus und meint dann aber:
Honey, ich darf ja doch nichts machen. Aber ich würde Golden Glory schon gern reiten.

Laura lacht:
Los Darling, raus aus dem Pyjama, rein in die Klamotten und dann ab in den Stall!

Frank hat die schöne Stute gesattelt und Laura bringt sie zu Jess.

 
 
Jess streichelt sie und spricht liebevoll zu ihr. Er ist ganz bei der Sache. Frank und Laura merken, dass die Stute schafft was sie bezwecken.

Frank meint:
Na los Jess, steig schon auf! Du darfst, aber lass es langsam angehen!

Jess sitzt auf und die Stute ist so sanft im Umgang als würde sie spüren, dass ihr Reiter Schweres hinter sich hat.

 
 
Laura, die Kinder und die schöne Stute Golden Glory schaffen es Jess wieder richtig zurück ins Leben zu holen. Seine Albträume verschwinden und er kann wieder seine Familie und die Ranch genießen.