<- Kapitel 130
 
Kapitel 131
 
Der Ranchalltag geht weiter und Jolene beobachtet, dass ihr Vater Loretta mit dem Heuwagen zu den Bullen mitnimmt.
 
 
Am Nachmittag cuttet er die Jugendreiter, die ihre helle Freude am schnellen Wegrennen haben.
 
 
Am Abend beobachtet sie, dass ihr Vater mit Raylan auf Tatanka reitet.
 
 
Jolene überlegt und wird den Gedanken einfach nicht los, dass ihr Vater Loretta und Raylan lieber hat, weil sie reiten. An diesem Abend weint sie sich in den Schlaf. Jess plagt inzwischen das schlechte Gewissen, dass er mit Jolene mehr machen müsste, aber die Rancharbeit fordert ihren Tribut. Die Jugendreiter wollen betreut werden, es ist Heuzeit, er hat einige schwierige Pferde zu korrigieren und so ist er abgelenkt. Jolene fährt in diesen Tagen gern allein mit dem Cart. Sie hat ihre Tasche dabei mit Proviant, da sie sich weiter von der Ranch entfernt.
 
 
Die Lakota sind wieder auf Tumbleweedgebiet mit ihren Tipis und Pferden. Da begegnet sie Leotie. Die Frau des Häuptlings Chato steht urplötzlich vor ihr.
 
 
Sie hat ihr jüngstes Kind bei sich.
 
 
Leotie merkt sofort, dass Jolene etwas bedrückt. Jolene schüttet ihr Herz aus:
Mein Vater mag Raylan und Loretta lieber als mich, sicher weil ich nicht reite. Ich traue mich einfach nicht. Er hat mir zwar gesagt, dass er mich liebt, aber ich weiß es nicht, er zeigt es mir nicht. Er nimmt Loretta mit dem Heuwagen mit und Raylan hat er so oft vor sich auf dem Büffel, einem Pferd oder seinen Bullen. Ich bekomme einen Kuss im Vorbeigehen oder er streichelt mich über das Haar. Ich bin traurig und weiß nicht was ich tun soll.

Leotie tröstet sie.
Ich kenne den Grauen Wolf schon sehr lange. Ich habe ihn beobachtet als er mit dir in unserem Lager war. Seine Augen sind voller Liebe für dich glaube mir. Er war so stolz, dass du mit unseren Kindern gespielt hast und ihr hattet eine schöne Zeit bei uns damals. Dein Vater hat viel Arbeit mit der Ranch aber glaube mir, er liebt alle seine Kinder. Winona (den Namen Erstgeborene hat Jolene von den Lakota bekommen), das sind schlechte Gedanken. Du hast doch hoffentlich den Traumfänger, den dir der Medizinmann geschenkt hat, über deinem Bett hängen. Die guten Träume im Leben fängt er auf. Die schlechten Träume mit Gedanken wie Neid, Hass, Eifersucht fallen durch das Loch in der Mitte.

Jolene hört gebannt zu. Leotie guckt in die Weite der Landschaft und hat vor ihrem geistigen Auge einen Vision.

Sie nimmt Jolene in die Arme.
Du wirst in naher Zukunft einen Traum haben von Pferden und da wird dir ein silbernes Pferd erscheinen. Wenn du das siehst, wird alles gut und dir wird alles gelingen wovor du jetzt Angst hast. Du kannst so gut mit Pferden umgehen wie der Graue Wolf, du weißt es nur noch nicht. Du hast sehr viel von ihm gelernt in den letzten Jahren. Tu es einfach, wenn es an der Zeit ist Winona! Glaube mir, diese Zeit ist nicht mehr fern und habe keinen Zorn auf deinen Vater! Der Graue Wolf ist ein guter Vater wie man ihn sich nur wünschen kann.

Leotie entfernt sich so lautlos wie sie aufgetaucht ist und eine nachdenkliche Jolene fährt zurück auf die Ranch.

In der nächsten Nacht kann sie gut schlafen weil ihr Leoties Worte Trost gespendet haben. Am nächsten Morgen hört sie, dass ihre Mom das Fenster im Schlafzimmer öffnet und hört einen Aufschrei von Laura:
Jess, sofort raus mit dir, oh nein, Raylan ist allein bei den Bullen!

So schnell war Jess noch nie aus dem Bett, rein in Hose, Hemd, Weste. Auf der Treppe nimmt er drei Stufen gleichzeitig und kommt dann auf der Bullenweide an. Was er sieht verschlägt ihm zunächst die Sprache.

Raylan steht nur mit dem Hut seines Vaters bekleidet Hermann und Henry gegenüber. Henry guckt und Hermann frisst ungerührt Blümchen.

 
 
Jess hat Mühe sich zu fassen.
Ganz ruhig Boys, das ist nur Raylan, den kennt ihr ja. Keep cool!
 
 
Laura ist beruhigt, dass Jess auf der Weide ist und beobachtet mit Grandpa Frank das Geschehen.
Jetzt möchte ich zu gern Mäuschen spielen was der Vater seinem Sohn zu sagen hat.

Grandpa Frank knurrt nur:
Wusste ichs doch, die verdammten Bullen, ihr müsst besser auf den Kleinen aufpassen. Das ist genau so ein wieselflinkes Kerlchen wie sein Vater als kleiner Junge war.

Jess steht auf der Weide und kann sich das Grinsen nicht verbeißen. Dann wettert er los:
Raylan was soll das? Das ist mein Hut, du hast einen eigenen. Warum rennst du nackig durch die Gegend? Das tut man nicht, wenn dich die Ladies so sehen! Wolltest du die Bullen so beeindrucken? Guck dir Hermann an, wenn der "Seinen" ausfährt können wir beide nur vor Neid erblassen.

Jess setzt sich seinen Hut auf und schnappt sich den strampelnden Raylan kurzerhand unter den Arm.
Jetzt ist Schluss mit lustig, Bursche! Sorry Boys für die morgendliche Störung eurer Ruhe, Heu gibt es später!

 
 
So trägt er Raylan ins Haus.
Aber Dad, du setzt auch immer als erstes deinen Hut morgens auf.

Jess erwidert:
Stimmt ja gar nicht! Ein Hut ist ein nützliches Kleidungsstück. Er schützt vor Sonne, Regen, Hagel und ein Pferd kann daraus saufen. Es kann ja schlecht aus der Feldflasche trinken. Das habe ich in meiner Cowboyzeit bei Henderson verinnerlicht. Aber ich renne deswegen nicht nackig durch die Weltgeschichte. Was sollen die Ladies bloß denken? Das tut man nicht Raylan. Das Schlimmste ist, ich habe dir hundert Mal gesagt, dass du nur zu den Bullen gehst, wenn ich oder deine Mom dabei sind. Du hast nicht gehorcht. Dafür verschwindest du jetzt bis Mittag in dein Zimmer. Ich will dich hier nicht mehr sehen.

Raylan protestiert. Jess schreit ihn wütend an:
Wer ist der Boss? Ich bin der Boss und nun ab auf dein Zimmer, keine Widerrede Cowboy!

Raylan zieht ab wie ein begossener Pudel und Jolene ertappt sich dabei, dass sie sich über die Abreibung, die Raylan bekommen hat, freut. Es ist nur eine kurze Freude, dann schämt sie sich, weil sie ihren Bruder liebt und froh ist, dass ihm nichts bei den Bullen passiert ist.

Sie kann an diesem Abend erst schlecht einschlafen doch dann fällt sie in einen tiefen Schlaf mit einem wundersamen Traum. Erst sieht sie ein sonderbares Pferd in tiefer Nacht.

 
 
 
Dann erscheint ihr im Traum ein silberner Hengst.
 
 
Jolene erwacht und erinnert sich genau an ihren Traum. Sollte Leotie recht haben? Ihr Vater hat ihr erklärt, dass es bei den Lakota mehr zwischen Himmel und Erde gibt als die Weißen meinen zu wissen. Ihr Vater hat sich auf die Kultur der Lakota eingelassen und auch Jolene daran teilhaben lassen immer wenn er bei den Lakota war.

Jolene ist an diesem Tag sehr vergnügt und wartet gespannt was die Zukunft für sie bringt.