<- Kapitel 139
 
Kapitel 140
 
Laura ist glücklich über das Paradetack und die Tatsache, dass Jess ihr Rhett anvertraut.
 
 
Jess hat inzwischen seinem Bullriderkumpel Lane Garth geantwortet, dass er mit Freude Nuage Blanc erwartet und es auf ein Tier mehr oder weniger nicht drauf ankommt. Es dauert auch nicht lange, da schickt Lane ein Telegramm mit der Ankunftszeit von Nuage Blanc in Laramie, Verspätungen der Bahn bleiben abzuwarten aber das Tier würde gut versorgt. Am Abend allein mit Laura im Schlafzimmer meint Jess zur ihr:
Gott sei Dank, an dem Tag ist Frank beim Doc, der übliche Schachspielnachmittag. Dann kann ich mir meine Abfuhr später abholen, wenn in seinen Augen wieder so ein nutzloses Vieh auf die Ranch kommt. Er hat mir die Leitung übergeben aber lernt es nicht mich machen zu lassen. Wir stehen finanziell gut da und ein sehr netter Bulle mehr oder weniger macht doch den Kohl nicht fett. Ein weißer Charolais, so etwas wollte ich immer schon mal haben. Lane scheint sich gut gefangen zu haben. Er hatte nicht so viel Glück wie ich es hatte mit meinem Unfall in New Orleans. Im Nachhinein betrachtet ist es ja gut gegangen. Es ist nichts zurückgeblieben. Lane, von dem ich viel gelernt habe und der mein Vorbild war, hat es in Dallas schwer getroffen.

Laura meint:
Was ist ihm denn passiert?

Jess antwortet nachdenklich:
Er hat genau das gemacht, was man nicht machen sollte und wovor er mich immer gewarnt hat. Vermutlich war er zwei Monate vor seiner Hochzeit zu sehr auf Sicherheit aus. Er hatte seine Hand am Bullrope so fest gewickelt, dass er nicht loslassen konnte als der Zeitpunkt gekommen war. Es hat wohl etwas gedauert bis es die Rodeoclowns begriffen haben. Diese Boys sind die eigentlichen Helden beim Rodeo. Sie lenken den Bullen ab und kümmern sich um den Bullrider wenn er Hilfe braucht. Häufig ist man nach dem Sturz etwas benommen und orientierungslos. Dann muss einem ein Clown den Weg weisen. Im Gegensatz zum Bronco Riding wo das Pferd wegläuft, greift ein Bulle an. Das macht es so gefährlich. Im Fall von Lane mussten sie ihn erst anheben auf dem Bullen damit er den festen Griff löst und dann fiel er und lag seltsam verdreht da und stand mehr auf. Herausgekommen ist eine Querschnittlähmung und damit das Ende der Bullriderkarriere. Er hat seine Verlobte freigegeben, weil er ihr nicht zumuten wollte mit einem Krüppel zu leben. Pat war es aber egal. Sie hat zu Lane gehalten, ihn geheiratet und aus dem tiefen seelischen Loch geholt in das er nach dem Unfall gefallen ist. Pat kommt wie du von einer Cattle Ranch und so züchten die beiden jetzt Rindviecher für den Rodeobedarf, richtig wilde Kerle. Nuage Blanc ist eine Handaufzucht. Die Mutter ist nach der Geburt gestorben. Eigentlich eher selten bei Fleischrindern, die leicht kalben. Er ist dadurch sehr auf den Menschen bezogen. Lane hat nicht so viel Land wie wir und alles was nicht für den Rodeobetrieb taugt kommt in die Wurst. Das haben die Beiden bei ihm nicht fertiggebracht. Lane weiß, dass ich ein paar Bullen halte sozusagen als Rodeoerinnerung.

Laura ist sehr nachdenklich:
Wenn ich mir vorstelle du würdest im Rollstuhl sitzen, ich weiß nicht ob ich das könnte.

Jess nimmt Laura in seine Arme:
Ach Honey, wo die Liebe hinfällt!

Zwei Tage später reitet Jess los um Nuage Blanc abzuholen. Der riesige weiße Bulle erregt in Laramie großes Aufsehen. So einen Riesen bekommt man nicht alle Tage zu sehen. Jess lässt ihn zum Beine vertreten nach der langen Bahnfahrt erst einmal auf der Weide seines Freundes Harry laufen.

 
 
 
Jess versteht sich auf Anhieb mit dem riesigen Bullen, der ihn genau beobachtet.
 
 
Er bindet ihm ein Halfter um und macht sich auf den Weg zur Ranch.
 
 
Der Bulle benimmt sich so problemlos wie Lane beschrieben hat und so kommt Jess kurz vor dem Abend zu Hause an.
 
 
Jess guckt sich um und ist zufrieden, dass sein Vater noch nicht zurück oder im Haus ist. Er hat es nicht eilig mit der Auseinandersetzung was das nächste unnütze Vieh auf der Tumbleweed soll.

Laura und die Kinder haben seine Ankunft mitbekommen. Jolene hält Rodante fest auf dem Raylan sitzen darf. Die Bullen haben eine Wand gebildet und betrachten den Neuen.

 
 
 
Jess schimpft mit ihnen:
Lasst das! Der Kleine bekommt es ja mit der Angst zu tun.

Jolene bringt Rodante zum Stall. Dort kümmert sich Jeremy um ihn. Jess ist stolz auf seine Große, die so sicher auf dem jungen Hengst sitzt, dass ihr auch die für sie zu langen Steigbügel nichts ausmachen.

 
 
Inzwischen ist Jolene wieder zurück und Jess führt den Bullen auf die Weide.

Die Bullen haben sich beruhigt und laufen wieder durcheinander.

 
 
Die beiden Riesen Hermann und Nuage Blanc beschnuppern sich und sind sich auf Anhieb sympathisch.
 
 
Jess ist zufrieden, dass sich der Neue zu schnell in die Herde einfügt.
 
 
Nachdem keine Kämpfe zu befürchten sind überlässt Jess die Bullen sich selbst.

Am Abend allein im Schlafzimmer erzählt Laura ihrem Mann von der Wette mit Frank. Jess muss so darüber lachen, dass er nach Luft japst:
Laura, mein Dad als Bullrider, allein die Vorstellung, you make my day, Honey!

Am nächsten Tag steht Jess mit dem ersten Morgenlicht auf und probiert aus wie sich Nuage Blanc beim Reiten benimmt. Auch da benimmt er sich wie die Gelassenheit und Ruhe selbst.

 
 
Danach geht er in Lauras kleinen Garten, pflückt die schönsten Blumen und bindet sie zu einem Strauß. Er wäre kein Bullrider wenn er nicht eine charmante Art des Überreichens hätte.
 
 
Speziell für dich, Honey, ich lege dir meine Liebe zu Füssen, aber nun nimm schnell, ehe Nuage Blanc den Strauß auffrisst. Scheint genau so ein Blümchenliebhaber zu sein wie Hermann.
 
 
Laura ist schwer beeindruckt und gibt Jess einen langen liebevollen Kuss. Die Zweisamkeit dauert nicht lange, da tauchen die Kinder und Grandpa Frank auf. Frank guckt entsetzt auf den weißen Bullen:
Laura, Jess, sagt jetzt nicht DAS ist Nuage Blanc, weiße Wolke. Das ist ein weißes Monstrum. Keine Ahnung was das auf französisch heißt. Mir auch egal. Wieder so ein Vieh, dass uns die Haare vom Kopf frisst. Und da soll ich mich draufsetzen? Nie und nimmer! Das könnt ihr nicht im Ernst von mir verlangen!
 
 
Jess steht da mit dem Bullen und amüsiert sich. So viel Spaß hatte er schon lange nicht mehr. Laura nimmt ihren Schwiegervater liebevoll an der Hand und meint:
Frank, du hast gesagt es ist ein Pferd. Jess hat das nie gesagt. Er hat gesagt es hat einen Kopf und vier Beine. Das ist doch richtig Frank.

Frank ringt um Fassung:
Laura, du hast mich ganz schön aufs Glatteis geführt. Das hätte ich nie von dir gedacht. Ich setz mich nicht auf so ein Monstrum.

Jess grinst und meint zu seinem Dad:
Stell dich nicht an wie ein Mädchen, Dad! Du hast immer gesagt Wettschulden sind Ehrenschulden. Weißt du noch wie ich mich als junger Schnösel beim Pokern hoffnungslos übernommen habe? Ich musste einen Monat Tag und Nacht arbeiten um meine Schulden abzuzahlen und du hast es mir auch nicht vorgestreckt. Ich habe meine Lektion gelernt, dass man nicht mehr setzt als das was man bei sich hat. Du hast jedes wilde Muli einreiten können dann wirst du wohl auch einen Bullen reiten können. Wettschulden sind Ehrenschulden, also los jetzt, keine Ausreden! Den Schneid habe ich von dir geerbt, der ist ja wohl im Alter nicht ganz weg Dad.

Die Kinder feuern ihren Grandpa an. Raylan sitzt auf dem Heuballen und guckt zusammen mit dem kleinen Siegfried dem Spektakel zu:
Los Grandpa, zeigs ihnen!

 
 
Jess führt Nuage Blanc zu seinem Vater:
Wenn du willst und es dir besser gefällt kannst du ihn ja Tristan nennen. Einen Siegfried haben wir ja schon.
 
 
Laura steht hinter dem Zaun und kann sich das Lachen kaum verbeißen.

Frank hat keine Wahl mehr. Er beißt die Zähne zusammen und steigt tatsächlich auf.

 
 
Jess ruft:
Yeah, der älteste Bullrider, den die Welt gesehen hat! Wie fühlst du dich dort oben Dad?

Frank weiß noch nicht so recht, aber es ist nicht so schlimm wie er sich vorgestellt hat. Er gibt es ungern zu aber er findet Gefallen an seinem ungewöhnlichen Reittier.

 
 
Nach anfänglichen Zögern dreht er noch einige Runden auf dem Bullen.

Dann meint er zu Laura:
Wettschulden sind Ehrenschulden. Ich habe verloren und meine Wette eingelöst. Aber was hättest du gemacht wenn ich gewonnen hätte?

Laura lacht:
Frank, das wirst du gleich sehen.

Laura schwingt sich schneller auf Nuage Blanc als die Herren gucken können.

 
 
Selbstsicher nimmt sie die Zügel und dreht Runde um Runde.
 
 
Die Kinder und Frank sind beeindruckt. Jess meint dazu ganz stolz:
DAS ist meine Lady!
 
 
 
Tumbleweedranch | September 2014 | top
Impressum