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Kapitel 143
 
Auf der Tumbleweed geht alles seinen üblichen Gang. Für Halloween besorgt Jess von Carolines Farm Kürbisse für eine Suppe zur Halloweenfeier.
 
 
Die Leute der Tumbleweed feiern ein gelungenes Halloweenfest. Das Gespenst ist auf den Dachboden verfrachtet.
 
 
Alle sind gut zufrieden am Halloweenfest.
 
 
Nur der kleine Raylan ist hundemüde und liegt im Bett nachdem Jess von einem gruseligen Pferd erzählt hat, das Kürbisse zertrümmert. Nach einigen Bieren kommt er immer auf seltsame Ideen.
 
 
Nachdem das schöne Halloweenfest vorbei ist kehrt der Alltag wieder ein und 14 Tage vor Thanksgiving, das auf den vierten Donnerstag im November trifft reitet Jess in die Stadt zum Schiesswettbewerb. Er hat fleißig geübt denn er hat sich vorgenommen den Hauptpreis zu gewinnen, einen stattlichen Truthahn. Am Abend kommt er zurück. Er wirft sein Gewehr in die Luft und fängt es wieder auf. Mit der anderen Hand hält er den Truthahn:
Yeah, es war knapp aber ich habe es geschafft. Ich war den berühmten Tick schneller als unser Sheriff und der Trapper Gus Ferguson. Der Turkey ist mein.
 
 
Jess lässt den Turkey auf dem Boden laufen und alle sind begeistert von dem großen Tier.
 
 
Grandpa Frank sitzt mit der Axt auf der Bank und verschnauft. Er hat Holz in handliche Stücke für den Ofen gehackt und meint:
Jess, der Turkey ist das Größte was ich je gesehen habe! Ich stelle mir vor wie er im Ofen brutzelt, dazu Cranberry Sosse, Erbsten, Möhren, Mais und Süßkartoffeln, einfach grandios. Der reicht für alle! Wir müssen ihn rechtzeitig schlachten damit er gut abhängen kann.

Jess überlegt:
Bist du sicher Dad mit Cranberrysosse? Ist ja gut, aber da müssen wir alle immerzu pinkeln und geben uns Nachts die Klinge vom Häuschen im Haus in die Hand. Ist nicht Pilzsosse besser? Auf jeden Fall reicht er für alle.

Laura lacht über die Gedanken ihres Mannes. Nur einer lacht nicht. Keiner hat mitbekommen, dass der kleine Raylan oben auf dem Dachboden ist und alles mitbekommt.

 
 
Dem kleinen Raylan laufen die Tränen über das Gesicht. Er mag den großen Vogel, der sein Rad schlägt und kollernde Geräusche von sich gibt.

Jess packt den Turkey beim Hals und steckt ihn in ein kleines Gehege:
Nicht unbedingt komfortabel, aber deine Tage sind gezählt Vogel!

 
 
Der Vogel gibt wie zum Spott kollernde Geräusche von sich. Raylan drückt sich auf dem Heuboden hinter den Pfeiler und wischt sich seine Tränen aus dem Gesicht. Er findet alle böse weil sie dem schönen Vogel ans Leben wollen. Das traditionelle Gericht an Thanksgiving ist in den USA Turkey mit Beilagen. Man trifft sich mit allen Verwandten, die man sonst das ganze Jahr nicht sieht. In unserer Zeit sind alle Highways verstopft und Flüge belegt. Im Unterschied zu Weihnachten gibt es nur keine Geschenke. Thanksgiving hat in den USA eine viel größere Bedeutung als in Deutschland unser Erntedankfest.

Als der Tag gekommen ist und Grandpa Frank den Truthahn schlachten will ist er verschwunden. Grandpa Frank denkt er ist über das Gatter geflogen und wird schon irgendwo stecken. Da wird er abgelenkt weil Laura überall den kleinen Raylan sucht und nicht findet. Alle suchen und finden den Kleinen nicht.

Jess hat seine Bullen mit Heu versorgt und kommt danach ins Haus.

 
 
Dort findet er seine Laura völlig verheult vor. Er nimmt sie in den Arm:
Darling was ist denn los? Du bist ja ganz aufgelöst, was ist passiert?

Laura schluchzt:
Raylan ist weg. Wir haben schon alle überall gesucht. Ich weiß nicht wo wir noch suchen sollen. Es wird doch bald dunkel.

Jess schüttelt den Kopf:
So viele Erwachsene und ihr seid nicht fähig auf einen kleinen Jungen aufzupassen? Bullshit! Es wird dunkel und die Nächte sind kalt.

Er trommelt alle zusammen und gibt Anweisungen, dass jeder in eine verschiedene Richtung reitet:
So weit kann ein kleiner Junge zu Fuss nicht kommen. Beeilt euch, es wird bald dunkel!

Er selbst überlegt wo Raylan stecken könnte. Er erinnert sich, dass er ihm an den kleinen See mitgenommen hat wo er als Kind gern gespielt und geangelt hat als er ein kleiner Junge war.

Jess sattelt sich Heza Gambler und nimmt in den Packtaschen ein paar Sandwiches als Proviant mit.

 
 
Jess reitet los in Richtung auf den See. Er ist besorgt, der Kleine kann noch nicht schwimmen. Jess hat es sich vorgenommen ihm im nächsten Sommer beizubringen.

Er reitet durch eine malerische Landschaft für die er aber keinen Blick hat. Er ist voller Sorge um seinen Sohn.

 
 
Der Indian Summer zeigt sich in voller Schönheit.
 
 
 
Es wird dämmrig und ein großer Timberwolf heult in der Ferne.
 
 
Jess ist voller Angst um seinen Sohn den er so sehr liebt. Der See kommt in Sicht.
 
 
Jess steigt ab weil er ein Geräusch hört. Er hört genauer hin und erkennt das kollernde Geräusch eines Truthahns. Er findet den kleinen Raylan, der fürchterlich friert, im Gebüsch mit dem großen Truthahn. Jess nimmt seinen Sohn in den Arm:
Raylan, mach das nie wieder! Ich bin fast gestorben vor Angst um dich. Warum bist du weggelaufen?

Raylan zittert vor Kälte und schluchzt:
Ihr seid böse, ihr wollt Eddy aufessen an Thanksgiving. Das dürft ihr nicht! Grandpa hatte schon die Axt in der Hand.

Raylan heult und ist kaum zu beruhigen. Jess begreift und nimmt seinen Sohn in die Arme:
Raylan, ich verspreche dir dass niemand deinen Eddy aufisst. Dann essen wir eben keinen Turkey. Aber jetzt reiten wir nach Hause. Deine Mom ist schon krank vor Sorge um dich. Mach das nie wieder!

Jess wickelt seinen Sohn in die warme Decke, schnappt sich den Turkey und so geht es nach Hause.

 
 
Alle sind froh, dass der Kleine gefunden wurde. Nur Grandpa Frank murrt:
Was essen wir denn jetzt zu Thanksgiving, ist ja nicht mehr lange hin?

Jess grinst:
Wir haben noch reichlich Rindfleisch. Roastbeef ist ja auch was Feines. An Eddy dürfen wir keine Hand anlegen, sonst haut Raylan wieder ab mit ihm. Das wird der erste Turkey, der an Altersschwäche stirbt. Mit Kindern kann man was erleben, das hätte ich mir nicht träumen lassen Dad.

Die Schlachtung des Truthahns fällt auf den Befehl vom Boss aus. Jess hat sogar von Carolines Farm einen Sack Futter gekauft, weil die Tumbleweed nicht auf die Fütterung von Truthähnen vorbereitet ist. Der kleine Raylan hat das Futter im Eimer und trägt schwer dran. Er umarmt seinen Dad:
Du bist der Beste Daddy!

und füttert dann mit wichtiger Miene seinen Eddy.

 
 
Grandpa Frank gibt es auf und guckt sich die Szene liebevoll an:
Dann gibt es eben keinen Turkey an Thanksgiving, müssen wir uns wohl damit abfinden! Der schöne bunte Vogel wird hier steinalt und die Tumbleweed verkommt zur Farm statt zu einer Pferderanch.

Jess kann nicht mehr vor Lachen:
Take it easy Dad, es gibt Schlimmeres als keinen Turkey an Thanksgiving zu essen! Raylan ist so glücklich mit Eddy und er kümmert sich gut um ihn.

Raylan nimmt die Fütterung sehr ernst. Nur Patrick, der mit Cheveyo kommt hat seine Schwierigkeiten mit dem Mustang, der gleich scheut weil der Vogel kollert und mit Rad schlagen sein Futter verteidigt.

 
 
Jess lacht und meint:
Patrick halt ihn bloß gut fest, ich hatte so viel Mühe ihn einzufangen, lass bloß nicht los!

An Thanksgiving meint Jess zu seiner Familie, dass er noch etwas dringendes in Laramie zu erledigen hat. Er holt sich Royal Flush von der Weide.

 
 
Nach dem Satteln ist er in gestrecktem Galopp fort in Richtung Laramie. Grandpa Frank überlegt:
Was will er denn in der Stadt, die Geschäfte und die Bank haben doch geschlossen? Ich Trottel, Laura, der ist weg ins Restaurant und isst Turkey, jede Wette!

Laura guckt Frank an und platzt dann los vor Lachen:
Ich glaube wir können Jess nicht mit unserem Roastbeef imponieren. Damit müssen wir wohl leben. Komm gehen wir essen!

Jess schlägt sich im Restaurant den Bauch voll und kommt danach mit einer großen Tasche wieder.

 
 
Grandpa Frank empfängt seinen Sohn:
Na wars gut? Du warst Turkey essen im Restaurant stimmts? Verräter!!!

Jess lacht und streicht sich über seinen Bauch:
Nicht ganz so gut wie ihr es könnt aber doch fantastisch. Ich bin so was von voll. Thanksgiving ohne Turkey ist wie Weihnachten ohne Tannenbaum. Darling Laura, nach dem Essen soll man rauchen oder eine Frau gebrauchen. Du weißt, dass ich überzeugter Nichtraucher bin. Lass uns schlafen gehen und Grandpa bringt die Kinder ins Bett!

Laura guckt Jess verliebt an und Grandpa Frank meint:
Haut schon ab und tut was ihr nicht lassen könnt!

Nach dem ersten Schlaf werkelt Jess in der Küche und Grandpa Frank kommt dazu:
So Dad, jetzt kriegst du auch deinen Turkey, ich habe eine Portion für dich aus dem Restaurant mitgebracht und es ist kein Doggybag.

Das Doggybag (der Beutel für den Hund) ist in den USA lange üblich gewesen. Heute schützt man nicht mehr vor seine Reste für den Hund mitzunehmen sondern verlangt eine Box.

Grandpa Frank bekommt große Augen:
Junge, das vergesse ich dir nie, doch noch Turkey an Thanksgiving!

Jess lacht:
Happy Thanksgiving Dad und Guten Appetit!

So wird es doch noch für Grandpa Frank ein gelungenes Thanksgivingfest.

 
 
 
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