<- Kapitel 145
 
Kapitel 146
 
Die Zeit ist voran geschritten und der Winter ist eingekehrt. Es geht mit Riesenschritten auf die Weihnachtstage zu. Jess hat Vicky und Jeremy freigegeben damit sie über die Feiertage ihre Eltern im Osten besuchen können. Die Kinder genießen den Schnee. Jess muss daran denken wie Jolene früher Teddy eingespannt hat mit Loretta als Baby Schlitten gefahren ist.
 
 
Der kleine Raylan ist gewachsen und spannt lieber ein Pony vor den Schlitten. Der gutmütige Randy ist das ideale Kinderpony.
 
 
Laura und Jess sind amüsiert weil sogar Eddy, der Truthahn mit von der Partie ist. Es ist üblich den Nachbarn einen Besuch zu den Holidays mit einem kleinen Geschenk abzustatten. Die Harpers teilen sich die Besuche untereinander auf. Jess lässt es sich nicht nehmen zu den Hendersons zu reiten. Der Besitzer der größten Cattleranch im Umkreis war einige Zeit sein Arbeitgeber bis sich Jess entschloss zum Rodeo zu gehen. Er mag die Hendersons, die inzwischen in die Jahre gekommen sind und erwachsene Söhne haben. Jess hat für Matt eine Flasche guten Bourbon und für Elisabeth, die alle Liz nennen ein Schultertuch, das Laura ausgesucht hat. Die Beiden freuen sich sehr über den Besuch von Jess, der gleich gebeten wird zum Mittagessen zu bleiben. Jess hat den kleinen Raylan dabei. Die Mädchen wollen lieber mit Laura Plätzchen backen. Liz hat auch gleich ein Stück Kürbiskuchen für den Kleinen der sich artig bedankt. Matt meint:
Heute habe ich frei, meine Söhne kümmern sich ums Vieh und mein Vormann. Unser Gast kann ja das Tischgebet sprechen.

Jess ist verlegen und schielt auf den Rinderbraten. Er hat früh gegessen und sein Magen knurrt was sich langsam nicht mehr verbergen lässt. Liz muss grinsen und meint:
Machs kurz! Du wirst ja wohl ein Cowboygebet auf Lager haben.

Jess überlegt kurz und dann kommt der Vierzeiler:
May your belly never grumble,
may your heart never ache,
may your horse never stumble,
may your cinch never break.
Amen, guten Appetit!

Matt und Liz können sich das Lachen nicht verbeißen. Liz meint:
Laura kann ja viel, aber sie hat es noch nicht geschafft dich wirklich fromm zu bekommen. Aber nun lass es dir schmecken Jess und du Raylan auch.

Nachdem sie eine Weile essen, hören sie draußen einen großen Tumult. Cowboys grölen laut:
Los Jake, gibs ihr! Zeig ihr wer der Boss ist!

Es ist außer dem Lärm der Cowboys ein lautes schmerzvolles Wiehern zu hören was Jess sofort alarmiert. Er springt auf und rennt nach draußen zum Corral von dem der Lärm kommt. Dort steht der Vormann der Hendersons und hat einer Pintostute sein Lasso um ein Vorderbein gebunden und zieht es mit roher Gewalt hoch. Er schreit:
Dir Mistbock werde ich zeigen mich nicht aufsteigen zu lassen! Du lernst mich jetzt kennen!

 
 
Im Westen ist es eine weit verbreitete Methode widerspenstige Pferde schnell gefügig zu machen in dem man ein Bein hochbindet und das Pferd nur noch auf drei Beinen stehen kann.

Die Cowboys feuern ihren Vormann an. Jess erkennt die Stute und springt mit einem Satz über den Holzzaun.
Jake, nein, lass die Stute in Ruhe. Ayasha ist gut geritten.

Der Vormann grummelt:
Harper, du hast mir gar nichts zu befehlen. Verzieh dich und steck deine Nase nicht in Sachen, die dich nichts angehen!

Er dreht sich auf dem Absatz um und schlägt Jess mit der Rechten ins Gesicht. Das lässt Jess nicht auf sich sitzen und wehrt sich. Im Nu ist ein Gerangel der beiden Männer am Boden zugange. Der Vormann steckt einige harte Faustschläge auf seine Rippen ein. Das geht solange bis Jess ihn im Würgegriff hat und ihm die Kehle zudrückt.

Raylan hat Angst und klammert sich an Liz Bein. Liz schreit:
Jess, um Himmels willen, lass los!

Matt hat den Dingen ihren Lauf gelassen, aber jetzt gibt er den Männern nur kurz ein Zeichen. Es braucht jeweils drei Männer für jeden der Streithähne um sie fest zu halten. Sonst würden sie weiter aufeinander losgehen. Matt schimpft:
Schluss jetzt, ich dulde keine Hahnenkämpfe! Was ist denn mit euch los? Nehmt Jake mit in die Cowboyunterkunft und du Jess kommst mit ins Haus. So kannst du nicht nach Hause!

Jess hat einen großen Schlag aufs Auge einstecken müssen und eine böse Platzwunde an der Schläfe. Raylan meint:
Armer Dad, das tut bestimmt aua!

Liz tröstet ihn:
Wir waschen das Blut ab und dein Dad lehnt sich auf dem Stuhl zurück mit einem kalten Steak auf dem Auge und dann sehen wir weiter!

Matt ist inzwischen mit dem Stück Fleisch gekommen.
So Jess, halte es fest und nun sag was in dich gefahren ist! Du hättest fast meinen Vormann ins Jenseits befördert.

Jess keucht:
Euer neuer Vormann ist ein Idiot und Tierquäler. So etwas kann ich nicht leiden. Der kann mich nicht leiden aber das ist mir egal. Ich lass mir nicht ungestraft so ein Veilchen verpassen. Ihr habt alle gesehen, dass ich nicht angefangen habe. Niemand quält Ayasha. Das hat die Stute von Joshua nicht verdient.

Matt meint:
Daher weht der Wind. Du hast Ayasha gleich wieder erkannt. Joshua hat sie gut geritten aber er ist tot und nun lässt sie niemanden aufsitzen und steht teilnahmslos im Corral. Wir haben es im Guten versucht und jetzt ist es Jake wohl leid. Er mag es nicht wenn sich Pferde widersetzen und nicht seinem Willen beugen.

Jess sieht Matt traurig an.
Ich bin eine ganze Weile mit Joshua geritten und habe ihm alles über Rindviecher beigebracht was man wissen muss. Ja, er war Lakota. Es macht noch keinen Weißen ein Cowboyoutfit anzuziehen. Eigentlich hieß er Dyami, Adler auf Lakota. Man hat ihm in der Reservatsschule die Haare kurzgeschnitten und ihn Joshua genannt. Aber davon wird keiner weiß. Im Herzen war er Lakota. Er hat Ayasha großgezogen als ihre Mutterstute nach der Geburt gestorben war. Du wolltest sie erschießen Matt. Ich denke die Stute trauert. Wenn ich bloß wüsste warum Joshua in der Mitte der Herde bei der Stampede geritten ist. Ich habe ihm beigebracht an der Flanke oder hinter der Herde zu bleiben wenn sie durchgeht. Das werden wir wohl nie erfahren. Bullshit, ich glaube mein Auge schwillt zu.

Liz meint:
Josh ist nach Art der Lakota bestattet worden bzw. das was von ihm übrig war. Seine weiße Frau ist an dem Tag von der kleinen Farm die sie hatten weggezogen. Aber er soll sie ja vergewaltigt haben.

Trotz der Schmerzen muss Jess lachen:
Glaubt doch nicht an Märchen! Joshua hat seine Frau genau so geliebt wie ich Laura. Der Ehe waren nur keine Kinder beschieden. Vielleicht war Josh zu wenig zu Hause. Vielleicht ist es auch gut so, ein Halbblut gehört weder zur Welt der Lakota noch zu der Welt der Weißen. Joshua war ein guter Vormann im Gegensatz zu diesem Jake. Der schindet das Vieh und die Leute. Er treibt viel zu schnell und gebraucht ständig die Peitsche.

Matt meint:
Seit er Vormann ist habe ich kein Stück Vieh verloren. Jetzt ist es einfacher als früher. Wir müssen nicht mehr bis Denver sondern können in Laramie verladen.

Jess gibt zu bedenken:
Matt, ohne Striemen würdest du bessere Preise für dein Vieh bekommen. Dann sind die Häute mehr wert. Was wird jetzt mit Ayasha?

Matt und Liz sind sich einig.
Jess, nimm sie mit! Das wäre sicher im Sinne von Joshua, der dir ein guter Freund war. Vielleicht kannst du sie ja irgendwann reiten.

So kommt es, dass Jess die Pintostute mit auf seine Ranch nimmt. Er stellt sie in einen freien Corral und versorgt sie. Einen kurzen Moment horcht sie auf als würde sie sich an Jess erinnern, dann senkt sie wieder ihren Kopf und steht teilnahmslos da.

Jess geht in den Vorratsraum und setzt sich dann wieder mit einem kalten Stück Fleisch auf der Gesichtshälfte auf einen Stuhl. Laura und Frank sind entsetzt als sie Jess so finden. Laura meint:
Du prügelst dich und das vor Weihnachten! Das ist das Fest der Liebe und überhaupt!

Grandpa Frank:
Junge, du bist doch nicht mehr 17. Ging das nicht anders zu regeln?

Raylan erzählt:
Ihr hättet Dad sehen sollen, der Vormann trifft ihn im Gesicht und dann wumm, springt Dad ihm in die Seite und verpasst ihm eine nach der anderen.

Jess:
Raylan jetzt ist es gut, ich bin da nicht stolz drauf. Aber dieser Jake hält nichts vom Fest der Liebe und da musste ich mich wehren. Es ging nicht um Nichtigkeiten sondern um Tierquälerei. Ich würde auch wieder so handeln, Ayasha hat es nicht verdient so behandelt zu werden. Jetzt steht sie hier und wir werden sehen wie es mit ihr weiter geht.

Laura guckt ihren Mann an:
Du hast also einem Pferd helfen wollen. Dieser grobe Vormann! Hoffentlich hat der anständig was abbekommen.

Jess grinst:
Oh ja, Honey liebst du mich auch mit Veilchen? Ich befürchte davon habe ich noch länger was, aber du solltest mal diesen Jake sehen.

Draußen schneit es hin und wieder. Da Jess nicht so einsatzfähig ist holt Grandpa Frank den Tannenbaum.

 
 
Die Kinder werden immer aufgeregter wegen Weihnachten, nur Jess ist niedergeschlagen weil er mit Ayasha keine Fortschritte erreicht.
 
 
 
Tumbleweedranch | Dezember 2014 | top
Impressum