<- Kapitel 148
 
Kapitel 149
 
Die Holidays sind vorüber und es ist wieder Alltag eingekehrt. Die Gegend um die Rocky Mountains ist wie immer im Winter tief eingeschneit. Der kleine Raylan mag das Pony Randy gern und Jess führt es gern für seinen Jüngsten.
 
 
Nach getaner Tagesarbeit sitzen Vater und Sohn noch am Tisch und albern etwas herum.
 
 
Plötzlich klopft es an der Tür und Abby, die Landärztin kommt mit einer jungen Frau herein.
 
 
Abby stellt die junge Lady als ihre jüngere Schwester Shannon vor. Sie hat gerade ihr Tiermedizinstudium beendet und möchte in Wyoming erste praktische Erfahrungen sammeln. Die irische Setterhündin Red gehört Shannon.

Jess bietet Abby seinen Platz an, steht auf und begrüßt Shannon höflich mit Handschlag.

 
 
So, du bist also Tierärztin. Ich will ja nichts sagen, aber bei uns hier auf dem Land machen die Rancher und Cowboys so ziemlich alles selbst und was nichts mehr wird mit Rindviechern wird zu Steaks verarbeitet. Ein Tierarzt und dann noch eine Frau, ich weiß ja nicht. Ich hätte mir da eher einen kräftigen breitschultrigen Gentleman vorgestellt. Da wirst du sicher trotzdem wir hier in Wyoming im Equality State leben auf Vorurteile in der Landbevölkerung stoßen. Frag deine Schwester! Abby hat es am Anfang auch nicht gerade einfach gehabt akzeptiert zu werden. Dad, machst du bitte noch etwas mehr Rührei für unsere Gäste!

Frank werkelt in der Küche während Laura die Kinder zu Bett bringt.

 
 
Shannon erwidert den kräftigen Händedruck von Jess und meint:
Meine Schwester hat mir von hier berichtet. Ich wollte immer schon mal einen Bullrider kennenlernen. Ich habe mir einen großen mindestens 200 Pound schweren Gentleman vorgestellt.

Dann muss sie lachen. Jess muss auch grinsen und meint:
Bullriding ist eine Frage von Mut und Gleichgewichtssinn, keine Frage von Größe und Gewicht Shannon. So haben wir wohl beide unsere Vorurteile.

Es wird ein langer gemütlicher Winterabend im warmen Wohnzimmer bis sich die Gäste verabschieden. Schon am nächsten Tag ergibt sich ein neues Zusammentreffen mit Shannon, die zu einem Farmer gerufen wurde, der eine der verlassenen Farmen aufgekauft hat. Dort hat sie ein Pferd behandelt und soll sich dann um einen Bullen kümmern, dem ein Missgeschick passiert ist. Jess kommt zufällig vorbei und lässt sich das Spektakel nicht entgehen.

 
 
Er bindet sein Pferd an und sieht mit einem Blick was los ist. Der Longhornbulle des Farmers hat sich mit den Hörnern in den Gitterstäben verfangen.
 
 
Shannon und Jess beraten was sie tun können. Ein Horn ist abgebrochen, das andere steckt noch in den Gitterstäben. Jess guckt den Farmer an und wettert:
Du Idiot, man kann Longhorns nicht einsperren, die brauchen open range, das offene Weideland. Wenn man das nicht bieten kann, sollte man andere Rassen halten. Das Horn ist gebrochen bis ins volle Leben rein, hier ist alles voller Blut. Das wird sich entzünden wenn wir ihn da je rausbekommen, besser er wird gleich erschossen. Dann hat er es überstanden.

Der Farmer guckt entsetzt. Er weiß, dass Jess Ahnung von Rindviechern hat.
Erschießen? Der reißt mir den Stall nieder und kaputt und dann diese Sauerei, muss das sein?

Jess tut der Bulle leid.
Keinen Ton zu meiner Frau und zu meinem Vater! Ich versuche es, ich gehe da jetzt rein.

Er redet dem Bullen gut zu und schafft es tatsächlich den massigen Schädel mit dem heilen Horn aus dem Stäben herauszudrehen. Jess kommt schweißgebadet aus der Box.
Geschafft, das Horn ist draußen. Wir können den Bullen herausführen und was soll jetzt werden?

Der Farmer meint:
Das wird ja doch nicht mehr. Ein Drittel Horn fehlt, das Blut tropft immer noch in den Schnee. Erschieß ihn draußen Jess!

Shannon ruft nur: Nein!
und steckt dem Farmer ein paar Dollars zu.

Der schüttelt nur seinen Kopf:
Junge Lady, was willst du mit dem Krüppel, das wird ja doch nicht mehr! Und wo kriege ich jetzt einen Bullen für meine Kühe her?
Gleichzeitig steckt er Shannons Geld schnell ein.

Jess beeilt sich zu sagen:
Frag meinen Vater, ihm gehört unser Angusbulle Pitch Black. Der hat keine Hörner und kennt es auch ab und zu in einem Stall zu sein. Dann ist dein Problem gelöst. Ich weiß aber nicht was mein Vater an Rendezvous-Terminen angenommen hat.

Dann beschreibt er dem Farmer die Vorzüge von Pitch Black.

 
 
Dann wendet er sich Shannon zu:
So kleine Lady, jetzt bist du stolze Besitzerin eines Texas Longhorn Bullen. Kann es sein, dass wir uns etwas ähnlich sind, spontan handeln und dann erst merken was wir uns eingebrockt haben? Das ist ein Charlie Broken Horn.(Charlie ist umgangssprachlich ein Trottel.) Das wird sich entzünden und er wird jämmerlich an einer Blutvergiftung krepieren wenn ich ihn nicht vorher erschieße. Oder weißt du etwas besseres nach neuerer Tiermedizin? Wenigstens ist es Winter und die Fliegen sind nicht da, die sonst schon ihre Eier in die Wunde gelegt hätten.

Shannon schüttelt ratlos ihren Kopf und beguckt sich Charlie Broken Horn.

 
 
Er ist ein wunderschöner Brindle Bulle.
 
 
Jess nimmt ihn und reitet mit ihm im Schlepptau und Shannon zurück zur Tumbleweed. Es ist eine sehr unschöne Verletzung und der Bulle guckt gequält.
 
 
Sie bringen Charlie auf eine Weide auf der er allein steht. Jess fragt:
Was nun Shannon? Er gehört dir, teure Steaks! Wie lange soll er sich noch quälen?

Shannon überlegt:
Ich weiß was wir machen. Die Wunde muss desinfiziert werden. Was Rechtes für diesen Zweck gibt es nicht für Großvieh also müssen wir die Wunde ausbrennen. Dann hat er eine Chance.

Jess guckt Shannon an:
Das ist jetzt nicht dein Ernst. Ich habe das schon einmal mit einem wertvollen Zuchtbullen meines Nachbars durch aber da waren wir alle erfahrene Cowboys. Willst du ihn festhalten? Vergiß es! Ich kann ihn auch nicht lange halten. Das tut nun einmal mörderisch weh. Ich habe ein Brandeisen, bist du tough genug es lange genug auf das abgebrochene Horn zu halten?

Shannon nickt entschlossen. Also macht Jess ein Feuer an, hängt einen Topf mit Wasser darüber und holt dann sein Brandeisen und legt es ins Feuer. Dann gibt er Shannon Instruktionen.
Ich halte Charlie so lange wie ich kann und du drückst das Eisen auf die Wunde. Wenn ich jetzt rufe, springst du an die Seite, der wird versuchen einen von uns auf die Hörner zu nehmen nach der Prozedur. Verstanden? Ewig halten kann ich den nicht. Ich würde das lieber mit einem eingespielten Team machen aber wir haben keine Zeit mehr.

Jess guckt nach dem Eisen das im Feuer rot glüht und heiß genug ist. Er gibt es Shannon in die Hand.
Willst du immer noch?

Shannon ist wild entschlossen und drückt das Eisen auf die Wunde.

 
 
Der Bulle schreit auf vor Schmerz, aber Shannon drückt das Eisen unbeeindruckt lange genug auf die Wunde. Jess strengt alle Kräfte an den Bullen mit beiden Händen zu halten, dann schreit er: Spring!

Shannon wirft das Brandeisen weg, will wegrennen aber fällt hin.

 
 
Jess will eigentlich den Bullen von Shannon ablenken, in dem Moment fällt Charlie hin und ist ohnmächtig. Jess hilft Shannon auf, der außer dem Schreck nichts passiert ist und wendet sich dann dem Bullen zu:
Oh Charlie, ein Trottel und dann noch ein Weichei! Respekt Shannon, hast du gut gemacht, jetzt hat er eine Chance. Er muss nur wieder aufstehen und fressen.

Jess holt einen Ballen Heu und streichelt Charlie.

 
 
Dann macht er für Shannon und sich Kaffee und grinst:
Jetzt weißt du wofür das Wasser gut war. Ich weiß nicht wie es dir geht, aber ich brauche nach solchen Aufregungen unbedingt einen heißen Kaffee. Charlie frisst und die Wunde sieht gut aus. Ich denke er wird es schaffen unser Charlie Broken Horn. Was willst du jetzt mit ihm machen Shannon? Open range würde ich dir nicht empfehlen, dann ist der Ärger mit unserem Nachbarn Henderson vorprogrammiert wenn Charlie, na du weißt schon was macht.

Shannon lacht:
Du brauchst nicht Drumherum zu reden, er wird Kühe decken wenn sich die Gelegenheit bietet. Viel schlimmer ist, ich bin jetzt pleite. Eigentlich wollte ich mir von dem Geld ein Pferd kaufen und keinen Bullen.

Jess überlegt:
Open Range kann ich meinen Bullen zwar nicht bieten, aber meine Zäune sind stabil und er kann sich am Schädel nicht die Hörner verletzen. Bei mir kommt es auf einen mehr nicht an. Die Longhorns sind unser Erbe das wir erhalten müssen. Ich wage voraus zu sagen, dass sich Rinder mit wenig oder gar keinen Hörnern auf Dauer durchsetzen werden. Ich mag Charlie, auch wenn er nicht mehr ganz so prachtvoll aussieht. Er ist gutmütig, sonst hätte er uns umgebracht. Ich gebe dir für ihn ein Pferd. Ich habe da auch schon eine schöne Painthorsestute im Sinn, die ich bis jetzt nur auf Bosal geritten habe. Weitere Ausbildung könntest du sicher selbst übernehmen Shannon.

Am nächsten Tag ist Shannon wieder auf der Ranch um nach Charlie zu sehen, der alles gut überstanden hat. Jess hat die Stute gesattelt und bringt sie zu Shannon auf die Weide.

 
 
Das ist Fancy, eine liebe umgängliche Stute. Gefällt sie dir?

Shannon bekommt große Augen.
Sie ist so schön und die willst du mir geben Jess?

Klar, du hast sie dir verdient. Sitz auf und probier sie aus!

 
 
Jess guckt sich zufrieden an wie Shannon vorsichtig durch den Schnee reitet. Dann holt er mit Raylan zusammen noch mehr Heu für die Tiere.
 
 
Shannon sitzt ab und sattelt Fancy ab und kann ihre Blicke nicht von ihr lassen. Sie ist sehr zufrieden mit der Stute.
 
 
 
Jess kann es nicht lassen und schwingt sich auf Charlies Rücken.
 
 
Shannon freut sich einen Bullrider in Aktion zu sehen wenn auch anders als auf Rodeos. Sie mag es wie ruhig und gelassen Jess mit den großen Bullen umgeht und merkt, dass sie von ihm in der Beziehung noch einiges lernen kann. Er holt Henry dazu damit Charlie nicht allein auf der Weide steht.
 
 
Dann gehen alle ins Haus um sich aufzuwärmen. Abby ist inzwischen auch da und hört sich gespannt das Abenteuer mit Charlie Broken Horn an.
 
 
Abby meint dazu:
Schwesterchen, kaum bist du in Wyoming angekommen, erlebst du schon das erste Abenteuer mit einem Bullrider. Ich glaube wir sollten das unseren Eltern lieber nicht schreiben. Ich sollte doch auf dich aufpassen Shannon.

Jess grinst dazu nur zufrieden:
Und wir haben einen so schönen Brindle Longhorn Bullen mehr, wenn auch einen Charlie Broken Horn. Was Frauen als Tierarzt betrifft kann ich nur sagen Respekt Shannon, du hast es drauf und keine Angst vor großen Tieren.