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Kapitel 18
 
Jody ist mit Wyoming Lady abgereist. Jess hat sie noch bis Laramie begleitet und Jody bei der Verladung in die Eisenbahn Richtung Denver geholfen. Opa Frank wundert sich, dass sein Sohn nicht die Gelegenheit ergriffen hat mitzufahren und alte Rodeokumpels zu treffen. Jess meinte nur "kein Interesse, hier gibt es viel zu tun. Die Heuernte ist wichtiger."

So haben alle in den letzten Tagen kräftig geschuftet. Dank sonnigen Wetters konnten sie eine gute Heuernte einfahren. Nun ist es Wochenende und alle wollen sich ein wenig ausruhen von der anstrengenden Arbeitswoche. Laura hat Jess gebeten, ob sie zur Double X darf. Dort ist ein Treffen der Ladies, die gemeinsam an einem Quilt für das nächste Hochzeitspaar arbeiten. Diese Patchworkdecken sind Tradition in den USA. Diese Quilts können sehr verschieden aussehen.

Jess hat dafür wenig Sinn, weil er der Meinung ist, dass ein Bett gleich einsatzbereit sein muss und man nicht erst Sachen runterräumen muss. Ausnahme, die Dinge, die er selbst draufwirft! Außerdem war er der Meinung bei dem Tempo, das die Damen mit so einem Teil draufhaben, hätten sie in drei Jahren noch nicht heiraten können.

Er meint nur zu Laura:
Pass auf, dass du dich nicht zu oft in deine zarten Hände stichst! Komm bitte nicht zu spät wieder, es treiben sich im Moment wieder so viele fremde Leute hier herum. Ich glaube, es läuft schon wieder eine Auswanderungswelle. Anscheinend wollen die meisten über die Rockies nach Kalifornien. Oder soll ich Jeremy sagen, dass er dich abholt? Pass auf mit den netten Bowlen, ich sage nur Sweet Summer Wine, die haben es in sich. Ich wünsche dir viel Spaß. Dad will heute die Buchhaltung machen. Ich habe offen gestanden keinen Nerv, dass ich da noch mitmachen muss. Darf ich ein paar Stunden nach Laramie und ein bischen pokern? Ich guck die Bargirls auch nicht an, versprochen. Aber mir fällt hier langsam aber sicher die Bude auf den Kopf. Ich muss hier mal raus.

Laura
Wenn du meinst, aber hau nicht so viel Geld auf den Kopf.

Jess
Ich doch nicht, ich nehme 50 Dollar mit und wenn die weg sein sollten, ist Schluß.

Laura
Dann bring aber noch ein paar Sachen für die Küche mit, wenn du schon nach Laramie reitest.

 
 
Laura hat ihren kleinen Dalmatiner Spotty dabei und verabschiedet sich von Jess, der die großen Satteltaschen aufgelegt hat.

Es ist später Nachmittag und er reitet guter Laune nach Laramie. Emily hat er bei seinem Vater gelassen, damit sie nicht im verräucherten Saloon sitzen muss.

Jess mag es nicht, wenn Pferde stundenlang am Anbindebalken angebunden stehen müssen. Er muss nicht auf jeden Dollar gucken und gibt seine Rosie, eine ältere Quarterhorsestute, die im Schlaf nach Hause zur TWR findet, im Mietstall ab, der seinem alten Schulfreund Harry gehört. Harry begrüßt ihn gleich.
Hi, Jess, zieht es dich doch mal in die Stadt. Ich habe eine schöne Box für deine Rosie. Wenn du in den Saloon zu Sam gehst, komme ich auch nachher nach. Es geht nichts über eine schöne Pokerrunde.

Jess drückt Harry die Zügel von Rosie in die Hand und guckt sich aus reiner Gewohnheit in Harrys Mietstall um. Die meisten Pferde dort kennt er, aber es sind ja immer welche von Fremden da.

Da fällt sein Blick auf eine Box in der ein großer Cob mit Geschirr steht.

 
 
Jess
Sag mal Harry, was soll das denn? Warum steht der mit Geschirr in der Box? Ich nehme an, der gehört zu dem großen Zigeunerwagen, der rechts am Stall steht. Der hat am linken Hinterrad gebrochene Speichen und muss dringend geschmiert werden. Das machst du doch nicht mehr heute.

Harry
Nein, das habe ich den Tinkern auch gesagt. Ich muss erst einmal passende Speichen fertigen und morgen ist auch noch ein Tag.

Jess
Warum steht das Pferd dann mit Geschirr in der Box? Das ist doch Bullshit.

Harry
Ich wollte das Geschirr ja abnehmen, aber der Tinker hat nur gesagt Hände weg von meinem Pferd sonst hast du ein Messer im Rücken.

Jess
Ist ja ein netter Zeitgenosse! Bestell ihm schöne Grüße von mir, ich nehme dem Cob jetzt das Geschirr ab. Das kann man sich ja nicht mit ansehen.

 
 
Jess spricht mit dem Pferd.
Armer Kerl! Du scheinst deinen Leuten ja überhaupt nichts wert zu sein. Rackerst dich ab mit dem schweren Wagen und das ist der Dank. Schlechter Pflegezustand, Langhaar verfilzt, das Schlimmste sind aber die Druckstellen vom Geschirr.

Der Cob hört Jess interessiert zu und reibt seinen großen Kopf an ihm.
Harry, gib mir mal die Salbe, ich behandle das jetzt gleich. Kannst es bei mir in Anrechnung bringen!

Gesagt, getan und dann zieht Jess ab, die Mainstreet hinauf bis zu Johns Laden. Dort gibt er seinen Einkaufszettel ab und dann geht es zu Sams Saloon.

Jess geht durch die Schwingtür, grüßt Sam, den Barkeeper und sucht sich einen Tisch an der Wand. Er hat gern den Rücken frei, so dass von hinten keine Überraschungen passieren können.
Sam, gib mir mal ein großes Glas Wasser.

Sam
Sag mal Jess, was ist dir denn? Seit wann trinkst du im Saloon Wasser? Hast du Saufverbot von deiner Frau? und lacht schallend.

Jess
Hast du eine Ahnung wie staubig der lange Ritt von der TWR nach Laramie war. Du kommst schon noch auf deine Kosten, aber ich erwarte noch Besuch hier, der etwas unangenehm ausfallen könnte. Da möchte ich den Kopf frei haben.

In der Zwischenzeit kommen sein Schwager Walt, Harry aus dem Mietstall, John aus dem Laden und noch ein paar andere Kumpels. Auf einmal geht die Schwingtür auf und ein großer Zigeuner kommt in den Saloon.
Wo ist der Cowboy, der es gewagt hat meinem Gaul das Geschirr abzunehmen?

Jess
Der sitzt hier Gypsy. Eigentlich könnt ihr Tinker gut mit Pferden umgehen, aber du bist wohl eine Ausnahme.
Jess guckt zu den Saloongirls.
Tara, Rosanne, Jenny, geht nach oben. Es könnte ungemütlich werden.

Sam
Jess, du willst doch wohl nicht den Saloon auseinandernehmen.

Jess
Nein, das habe ich nicht vor. Das war mal eine Jugendtollerei, die sich zur Massenschlägerei entwickelt hat. Ich wollte eigentlich nur Bob eins auf die Nase geben.
Jess hatte den Tinker genau im Blick und das war gut so. Er zog blitzschnell ein langes Messer und warf es genau in Jess Richtung, der aber ganz geschickt auswich.

Verdammt woran hast du gesehen, dass ich das Messer werfe?

Jess
Ich habe es am Blitzen in deinen Augen gesehen.

Jess zog blitzschnell seinen Colt aus der Jackentasche und schoß gegen die Zimmerdecke. Der Kronleuchter landete genau auf den Schultern des Zigeuners.

Jess pustet ganz lässig den Rauch am Lauf des Colts an die Seite und legt ihn auf den Tisch.
Bleib stehen und rühr dich nicht von der Stelle. Ich könnte das sonst falsch verstehen. Das nächste Mal ziele ich nicht mehr an die Decke. Du darfst jetzt langsam, aber ganz langsam, das tolle Stück von den Schultern nehmen.

Sam
Wer bezahlt mir das denn?

Jess
Nun hab dich noch nicht so. Das Ding ist doch potthässlich. Das regeln wir nachher schon. Ich denke das macht Mr. Gypsy. Um das hässliche Bild ist es auch nicht schade.
Jess zieht das Messer raus.
Mann, du hast aber Kraft im Wurf, das muss man dir lassen Tinker.
Ich bin aber noch nicht fertig mit dir. Du ziehst jetzt ganz langsam deine Boots aus. Ich kenne eure Tricks. Ihr Traveller habt meistens noch ein bis zwei Messer in den Stiefeln. Also los, ich hab nicht ewig Zeit. Eigentlich wollte ich schon längst pokern. Du hälstt hier den Betrieb auf.

Jess verlangt für den Westen etwas völlig Ungeheures. Ein Mann ohne Stiefel ist im Westen ein Nichts. Etwas Schlimmeres kann einem nicht passieren. John aus dem Laden wird ganz blass.

Jess
Sag mal John, was ist dir denn? Du bist ja weiß wie eine Wand. Ist wohl zu viel Action für dich? Sam bring mal ganz schnell einen Whisky für John ehe der mir vom Stuhl fällt.
So, Tinker, bist du endlich fertig? Ich hoffe, dass du keine Käsefüsse hast, aber wenn, müssen wir da wohl jetzt durch.

Inzwischen waren die Saloongirls wieder die Treppe heruntergekommen.

Jess
Tara, schütte bitte mal die Boots aus. Mal sehen was da zu Tage kommt!

Jess hat recht. In jedem Stiefel war ein Messer.
Tara, die gib bei Sam ab und du Gypsy, zieh bloß schnell wieder die Stiefel an. Jetzt mach mal noch die Manschetten von deinem komischen Pluderhemd auf. Tara guck mal nach, was er da noch zu bieten hat.

Tara holte vier Asse in jeder Farbe raus, die Jess genüsslich zerriss.

Jess
Tinker so langsam machst du mich wütend. Messer werfen, beim Pokern mogeln wollen und dein Pferd quälen. Du hast jetzt zwei Möglichkeiten, ich rufe den Sheriff wegen tätlichem Angriff auf den Boss der TWR, Zeugen habe ich genug, oder wir pokern eine Runde zu fairen Bedingungen. Das kannst du dir jetzt aussuchen. Wir haben noch einen Platz frei.