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Kapitel 183
 
Der Winter hat die Rocky Mountains immer noch fest im Griff. Das Frühjahr zieht dieses Jahr spät ein. Die Schneeschmelze hat begonnen aber es ist immer noch sehr kalt in den Bergen. Jess erinnert sich an den Weißkopfseeadler den er vor seinem Abenteuer im Blizzard beobachten konnte.
 
 
Bei einem Ausritt kann er mit Freude beobachten, dass dieser Adler wohl ein Männchen ist das eine Gefährtin gefunden hat.
 
 
Jess beobachtet das Paar zufrieden und freut sich, dass es dann sicher im Sommer Nachwuchs gibt.
 
 

Die Tierärztin Shannon und ihre Schwester Abby, die Landärztin, hören interessiert bei einem Besuch auf der Ranch Jess zu, der von seiner Beobachtung erzählt.

 
 
Er verrät den Beiden wo sie das Paar beobachten können. Es gibt nicht mehr viele Weißkopfseeadler obwohl sie das Wappentier der USA sind.

Jess erzählt:
Seit 1782 ist der Weißkopfseeadler auf Banknoten und Münzen als Wappentier der USA. Benjamin Franklin hätte übrigens lieber den Turkey gehabt. Er hielt den Weißkopfseeadler für einen Vogel mit schlechtem Charakter und für einen Feigling. Franklins Meinung wurde von vielen Menschen geteilt. Sie meinten diese Adler erbeuten Kälber, Lämmer und sogar kleine Kinder. Deswegen wurden sie geschossen und vergiftet. Das ist natürlich Unsinn. Sie fressen zu 90 % Fisch vor allem Lachse, Kaninchen, Ratten und andere Vögel. Der Körper ist einen Meter groß, die Spannweite der Flügel mehr als zwei Meter. Sie wiegen 4,5 bis 6 kg. Die Weibchen sind größer als die Männchen. Sie brüten in sechs Wochen abwechselnd zwei, selten drei Eier aus. Ein Weißkopfseeadler im Gleitflug sieht doch wohl majestätischer aus als ein Truthahn.

Abby und Shannon freuen sich sicher auch bald das Paar beobachten zu können. Zu dieser Zeit haben die Weißkopfseeadler dasselbe Schicksal wie die Bisons, fast alle ausgerottet.

Heute hat sich nach strengen Schutzmassnahmen der amerikanischen Regierung der Bestand wieder erholt.

Die Arbeit auf der Tumbleweed geht wieder ihren geregelten Gang. Weil es immer noch kalt ist, hält sich Jess lieber im Stall auf. Da erscheint am späten Nachmittag Grandpa Frank mit einer Ziege am Band. Jess guckt erstaunt:
Was ist das denn Dad?

Frank meint:
Siehst du doch, eine Ziege. Es war so kalt nach der Fahrt nach Laramie zum Einkaufen. Da habe ich einen Abstecher in den Saloon gemacht und bin bei einer Partie Poker hängengeblieben, weil noch ein Mann fehlte.

Jess klopft sich auf die Schenkel und lacht:
Dad, du und Karten spielen, die Versuchung von Satan persönlich, ich kann das gar nicht glauben. Da weißt du ja was du Sonntag in der Kirche beichten kannst. Schäm dich! Mir wirfst du das vor, aber ich behaupte auch nicht fromm zu sein. Aber warum jetzt diese Ziege?

Frank ist verlegen:
Na ja, der Farmer schuldet mir 5 Dollar und er hatte kein Geld mehr. Da habe ich gedacht, die Ziege ist besser als nichts. Sie heißt übrigens Rose.

 
 
Jess steht da mit der Paintstute Candy:
Wenn du meinst Dad, aber in meinen Augen reicht das Schaf völlig. Candy ist trächtig, ihr Fohlen kommt im Sommer. Ich wollte ihr etwas Bewegung verschaffen.
 
 
Grandpa Frank wirft einen fachkundigen Blick auf Candy und lässt die Ziege los. Jess ahnt nichts Böses und dreht der Ziege den Rücken zu. Er spürt nur einen heftigen Stoss auf sein Hinterteil und liegt der Länge lang im Heu.
 
 
Jess flucht wie ein Droschkenkutscher:
Du nutzloses Vieh! Du Satan! Du Ausgeburt der Hölle! Was soll das denn? Verdammter Bullshit!

Grandpa Frank lacht und lacht:
Seit wann kommst du denn nicht mit Tieren klar mein Sohn? Verstehe ich ja gar nicht! Rose ist doch so friedlich.

Jess faucht:
Mir tut der Hintern weh und unter friedlich stelle ich mir etwas anderes vor. Diese Ziege ist nicht Rose sondern ein Satan. Glaube mir Dad!

Grandpa Frank macht eine wegwerfende Handbewegung und den Fehler Rose den Rücken zuzudrehen. Er liegt schneller im Heu nach einem gekonnten Angriff von hinten als er gucken kann.

 
 
Jetzt kriegt sich Jess vor Lachen nicht mehr ein:
Siehst du Dad, der Farmer wusste warum er dieses Mistvieh loswerden wollte. Deine Rose ist ja gemeingefährlich. Das ist ein Teufel in Ziegengestalt. Bring die Ziege sofort wieder zurück! Was sollen wir damit? So etwas kann ich hier schon wegen der Kinder nicht brauchen. Oder es gibt Ziegenragout!

Frank reibt sich sein Hinterteil und meint zerknirscht:
Ich kann die Ziege nicht zurückbringen. Der Farmer war nur auf der Durchreise nach Kalifornien und ich weiß nicht einmal wie er heißt.

Jess ist sauer:
Also doch Ziegenragout! Lass dir etwas einfallen Dad!

Am Abend wundern sich Laura und die Kinder, dass die Herren der Tumbleweedranch ihr Abendessen auf die Schnelle im Stehen zu sich nehmen.

Mit anderen Tieren kommt Rose wider Erwarten gut zurecht.

 
 
Rose und das Schaf Daisy verstehen sich gut. Die Kaltblüter von Jess nutzt Rose als Kletterbaum was Jess nicht gern sieht.
 
 
 
Inzwischen haben alle auf der Ranch Respekt vor Rose und niemand dreht ihr mehr den Rücken zu.

Am nächsten Tag erscheint die englische Lady Vivian Hamilton bei Jess. Sie hat sich ein Pferd gekauft zu dem sie unbedingt die Meinung von Jess hören will.

 
 
 
Jess ist begeistert von dem jungen Hengst:
Vivian, auf den hatte ich auch schon ein Auge geworfen, war mir dann aber zu teuer. Da hast du wohl tief in die Tasche gegriffen. Aber Gemstone ist das wert.

Vivian tätschelt ihn.

 
 
Jess, würdest du ihn erst einmal reiten? Ich habe ihn hierher bringen lassen. Ich vertraue dir und möchte deine Meinung hören.

Jess strahlt und lässt sich das nicht zweimal sagen. Gemstone lässt sich problemlos satteln und auch reiten.

 
 
Lady Hamilton beobachtet Jess und Gemstone zufrieden. Jess steigt ab:
Guter Kauf Vivian, gratuliere, aber jetzt du, du reitest inzwischen gut genug und ich bin ja dabei. Steig auf!

Vivian steigt auf und dreht einige Runden. Jess guckt zufrieden zu und lobt das Paar.

 
 
Dann meint Jess:
Jetzt ist es genug für den Anfang Vivian. Wir wollen den jungen Hengst nicht überfordern. Ich sattle ihn jetzt ab.

Jess hat nicht mitbekommen, dass Rose in den Stall gelangt ist. So kommt es wie es kommen muss.

Vivian dreht ihr den Rücken zu während Jess noch mit dem Tack beschäftigt ist und bekommt einen heftigen Stoss ins Hinterteil ab. Sie landet unsanft im Heu.

 
 
Rose meckert triumphierend weil sie es wieder einmal geschafft hat jemanden zu Fall zu bringen.

Jess windet sich in Entschuldigungen. Es ist ihm furchtbar peinlich. Vivian schimpft:
Was war das denn? So etwas hat noch nie jemand mit mir gemacht. Das Tier ist gemeingefährlich.

Jess seufzt:
Ich weiß, wir haben alle schon diese Erfahrung gemacht. Vielleicht ist es besser ich hole die Springfield und mache dem Elend ein Ende. Es mag ja schon niemand mehr hierher kommen.

Vivian reibt sich den Hintern:
Das klingt aber gar nicht nach dir Jess. Dir fällt doch immer was ein. Streng dich an! Mit widerspenstigen Pferden und Bullen wirst du doch auch fertig.

Jess reißt sich zusammen:
Vivian, ich habe keine Ahnung von Ziegen, aber das ist keine Ziege, das ist ein Satan.

Lady Hamilton fährt wieder in die Stadt und Jess holt Big John. Erst schneidet er ihm die Klauen und dann reitet er eine Runde durch den Stall.

 
 
Beim Ritt auf Big John kann sich Jess etwas entspannen. Grandpa Frank kommt mit Candy und wieder denkt Jess nicht daran, dass Rose noch im Stall ist. Er findet sich sofort im Heu wieder.
 
 
Frank säuselt:
Junge, hast du dir weh getan?

Jess keucht:
Jetzt ist es so weit. Ich bring das Mistvieh um.

Ehe Jess jedoch sein Gewehr holen kann schaltet sich Big John ein. Es geht alles sehr schnell. Er nimmt Rose auf die Hörner und wirft sie ins Heu.

 
 
Jess will Big John zurückhalten, doch Frank klopft ihm auf die Schulter:
Lass Big John! Ich glaube der will dich beschützen. Das ist eine Warnung sonst hätte er Rose schon zu Ragout verarbeitet.
 
 
Rose weiß gar nicht wie ihr geschieht. Eddy der Truthahn gibt ein paar erschreckte kollernde Geräusche von sich. Rose rappelt sich auf und läuft beleidigt aus dem Stall.

Von diesem Tag an muss niemand mehr auf der Tumbleweed um sein Hinterteil fürchten. Die Lektion von Big John sitzt tief bei Rose.

Inzwischen vertragen sie alle Tiere gut und auch die englische Lady kommt wieder gern auf die Ranch.

 
 
Alle fressen einträchtig vom Heu. Jess kommt auf Sancho angeritten.
 
 
Guck mal Dad, reiten klappt auch wieder. Wir haben Big John eine zum Guten veränderte Rose zu verdanken und du kannst Sonntag in der Kirche dem Reverend das Glücksspiel beichten zu dem dich der Satan verführt hat und tue mir den einen Gefallen Dad, nie wieder und nie wieder solche "Gewinne".