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Kapitel 187
 
Das Frühjahr kommt nicht richtig zum Zug in den Rocky Mountains und die Mädchen bringen aus der Schule die unvermeidlichen Erkältungen mit. Der kleine Raylan und die Mädchen haben Husten und Schnupfen schnell überstanden, nur die kleine Sammy nicht. Am besten lässt sie sich beruhigen, wenn ihr Vater mit ihr spielt.
 
 
So dauert es nicht lange bis Jess sich auch einen Schnupfen eingefangen hat. Er spricht mit Laura im Stall: Hast Du ein Glück, dich hat es immer noch nicht erwischt. Übrigens muss ich noch in die Stadt ein paar Sachen erledigen die keinen Aufschub mehr vertragen.
 
 
Laura meint:
Sei rechtzeitig zum Mittagessen wieder da oder willst du in der Stadt essen?

Jess antwortet:
Nein, das wäre nur unnütz Geld ausgeben. Ich schmecke überhaupt nichts. Ewig schade um dein Roastbeef, aber Dad wird es schmecken und die Kinder haben immer Hunger. Bye, bis später!

Laura schüttelt den Kopf. Wenn ihr Mann keinen Hunger hat muss man sich Gedanken machen. Aber sie weiß auch wenn Männer Schnupfen haben ist es einfach schlimmer....am besten man lässt ihn dann in Ruhe.

Jess kommt inzwischen in Laramie an und erledigt seine Ranchgeschäfte, Futter bestellen, einige Überweisungen in der Bank tätigen und in Johns Laden vorbei ein paar Einkäufe mitnehmen. Als er alles in die Satteltaschen packt, spricht ihn ein bekannter Rancher an ob er noch einen zugerittenen Mustang zum Verkauf stehen hat. Jess bekommt nicht mit, dass vor dem Mietstall eine Auktion von Pflügen, Kutschen und allerlei Farmgeräten im Gange ist. Er ist durch das Gespräch abgelenkt und hat ohnehin keinen Bedarf an Farmgeräten. Er beantwortet die Frage:
Jake, noch einige Wochen, dann könnten wir ins Geschäft kommen. Ich habe einen guten Dunalino bald so weit.

 
 

Jake meint: Gut, ich komme bei Gelegenheit raus zu euch um ihn anzusehen. Vielleicht kommen wir ja ins Geschäft.

Jess läuft die Nase und ehe er antwortet zieht er mit Schwung sein Taschentuch aus der Brusttasche und schnieft lautstark:
Sorry, das musste jetzt sein. Komm wann es dir in den Kram passt Jake!

Da ertönt eine laute Stimme:
Zum Ersten, zum Zweiten, niemand mehr für die Kutsche?, zum Dritten! Dann bekommt der Gentleman mit dem schwarzen Hut und der Lederweste den Zuschlag für 100 Dollar!

Jake kann sich nicht mehr halten vor Lachen:
Jess, ich will ja nichts sagen, aber du hast soeben mit deinem schnellen Griff zum Taschentuch eine Kutsche ersteigert.

Jess schüttelt energisch den Kopf:
Ich wollte nur schniefen und die Auktion geht mir am Ar...vorbei. Hör mal zu Auktionator, das war ein Versehen. Außerdem 100 Dollar?? Ist die Kutsche aus Gold? Du hast doch nicht mehr alle Latten am Zaun.

Der Auktionator grinst nur:
Geboten ist geboten, du bist Höchstbietender, also zahl den Hunderter damit es hier weitergeht. Aus der Nummer kommst du nicht raus, kann ja jeder kommen!

Jess kennt die Auktionsgepflogenheiten, fügt sich notgedrungen und zahlt Zähne knirschend die 100 Dollar:
Du bist schuld wenn meine Frau und mein Vater mich umbringen. Wir brauchen keine Kutsche und zu diesem Preis schon gar nicht. Ach was solls?

Ein lautes "Bullshit" in Begleitung heftigen Trompetens ins Taschentuch stapft Jess davon. Missmutig reitet er nach Hause um Buddy zu holen, der die Kutsche zur Tumbleweed ziehen soll.

Der Schmied und Stellmacher Harry, ein alter Schulfreund von Jess, guckt sich die Kutsche an und meint: Viel zu teuer, aber die Kutsche ist ganz gut in Schuss.

Jess schnieft wieder:
Harry, halt einfach die Klappe, manchmal ist es besser nichts zu sagen. Ich bin so sauer auf mich selbst. Jetzt muss ich das Missgeschick noch Laura und meinem Vater beibringen. Ich glaube ich fahre im Schritt nach Hause. Ich habe es nicht eilig in der Luft zerrissen zu werden.

Harry lacht: Viel Spaß mit deiner Familie und Gute Besserung!

So fährt Jess gemütlich mit Buddy zurück zur Ranch.

 
 
Los Buddy, leg mal einen Schritt zu! Sonst gibt es noch einen Anschiss wenn ich nicht pünktlich zum Mittag komme!

Teddy erwartet schon sein Herrchen. Jess spricht ihn schniefend an:
Wenigstens du freust dich, wenn ich wiederkomme Teddy!

 
 
Jess hat Buddy bereits ausgeschirrt, da kommen Laura und Raylan. Laura sieht entsetzt die Kutsche:
Jess, wir haben letztens lange gerechnet und du hast selbst gesagt, dass wir unnötige Ausgaben lassen müssen und was ist das?
 
 
Jess greift wieder zum Taschentuch und muss schniefen:
Das ist eine Kutsche. Mein schneller Griff zum Taschentuch in der Hemdtasche war schuld.

Er berichtet Laura von seinem Missgeschick. Sie kann es nicht fassen:
Das ist ja als hätte ich nicht vier sondern fünf Kinder und der Größte ist das Schlimmste. Du Idiot, Volltrottel, ach, ich weiß gar nicht was ich sagen soll.

Da steht der Stein des Anstoßes.

 
 
Raylan ist es nicht so geheuer, dass Mom mit Dad so schimpft:
Guck mal Mom, das ist eine schöne Kutsche!
 
 
Der Truthahn sitzt wie zum Hohn auf der Kutsche und kollert in lauten Tönen.

Jess befiehlt:
Raylan, du gehst jetzt ins Haus und wäscht dir die Hände vor dem Essen.

Raylan geht, da poltert Jess los:
Laura, was soll das? Du musst mich nicht vor Raylan so runtermachen. Musste das sein?

Laura:
Na und? Wenn es doch stimmt! Idiot! 100 Dollar zum Fenster rausgeworfen mit einer einzigen Bewegung!

Jess ist sauer:
Jetzt reicht es! Hol doch deinen Hexenbesen, dann kannst du schon beizeiten für Halloween üben!
Ich habe genug von der Meckerei. Ich haue ab zu den Lakota, da habe ich meine Ruhe vor Hexen. Du kannst mich mal!

Laura schreit ihm nach:
Dann hau doch ab, wie immer wenn es etwas zu regeln gibt, typisch Mann!

Jess hört sie nicht mehr. Er reitet in vollem Galopp auf Heza Gambler davon.

 
 
Alle wundern sich, dass Jess nicht zum Mittagessen kommt und so muss Laura mit dem Streit herausrücken. Grandpa Frank schüttelt nur den Kopf:
Ihr seid doch beide zwei Sturköpfe. Laura, ich kenne meinen Sohn, der kommt so schnell nicht wieder.

In der Zwischenzeit ist Jess beim Lager der Lakota angekommen.

 
 
Leotie, die Frau des Häuptlings, heißt ihn gleich willkommen. Chato reitet heran.
 
 
Er begrüßt seinen Blutsbruder Jess herzlich. Der Medizinmann Takoda kommt dazu. Die Männer setzen sich auf ein Büffelfell und erzählen ihre Erlebnisse der letzten Zeit. Jess ist beruhigt, dass es den Lakota gut geht.
 
 
Chato meint:
Grauer Wolf, mein Bruder, du siehst nicht gut aus. Dich quält etwas und das ist nicht nur der Schnupfen. Was ist los? Du bist ohne Gepäck uns gekommen, warum so ein schneller Aufbruch? Das bist nicht du selbst.

Jess schluckt und schnieft erst wieder einmal:
Sorry, aber sind eure Frauen auch manchmal solche Gewitterhexen? Ich hatte dermaßen Streit mit meiner Frau wegen einer blöden Sache, die ich selbst verbockt habe.

Chato und Takoda müssen beide laut lachen. Takoda meint:
Grauer Wolf, eine Ehe ist wie das Zusammensein von Mutter Erde und Vater Himmel. Manchmal grollt es gewaltig. Das ist bei uns auch nicht anders.

Jess grinst:
Und wie Vater Himmel grollt!

Chato lacht: Meist streitet man sich wegen Kleinigkeiten, entschuldige dich und die Versöhnung wird um so schöner sein.

Jess überlegt: Warum muss Vater Himmel nachgeben? Mutter Erde grollt auch nicht schlecht. Das muss ich mir noch überlegen.

Takodo kommt mit einem Kräutergebräu:
Trink das und der Schnupfen wird vergehen! Das macht dir schlechte Laune und lässt dich nicht klar denken. Ruhe dich aus und du wirst das Richtige tun! Es geht nicht ohne Mutter Erde.

Jess nickt, schnieft wieder einmal mehr und denkt, zum Teufel, warum muss ich diese Frau so lieben?

In der Zwischenzeit weiß Grandpa Frank genau um was es geht. Raylan hat es ihm haarklein erzählt.

 
 
Grandpa, rede mit Mom, sie soll sich mit Dad wieder vertragen!

Laura will mit Just Zeke ausreiten. Grandpa Frank fängt sie vorher ab.

 
 
Laura, ich muss mit dir reden. Raylan hat mir so einiges vom Streit zwischen dir und Jess erzählt.
War das wirklich nötig? Ein anderer Mann hätte dich dafür geschlagen. Das wirst du bei Jess nicht erleben, eher geht er und das hat er getan. Mit der Auktion war schon trottelig, aber das hat er nicht extra gemacht. Hast du noch nie einen Fehler im Leben gemacht Laura? Es gibt Schlimmeres als 100 Dollar in den Sand zu setzen. Nun schau doch mal, die Kinder haben Freude mit der Kutsche!
Das ist ein schöner Anblick Laura.

Die Kinder haben den alten Noddy, der sich jetzt wieder wichtig vorkommt, eingespannt.

 
 
Raylan kutschiert nach einem Schnellkurs von Jolene und die beiden Mädchen genießen es gefahren zu werden.

Laura lacht:
Frank guck mal, wie zwei Prinzessinnen mit Kutscher!

 
 
Frank, ich glaube du hast recht, ich war viel zu streng mit Jess. Ich kenne ja Auktionen genau und mit einer falschen Handbewegung oder Nicken zum falschen Zeitpunkt ist es passiert. Hoffentlich bleibt er nicht zu lange weg. Ich vermisse ihn schon so sehr.

Frank grinst und denkt sich seinen Teil. Er kennt seinen Sohn dem es sicher ähnlich geht.
Zwei Tage hält es Jess noch bei den Lakota aus, dann reitet er nach Hause.

Es ist bereits Abend und Grandpa bringt die Kinder ins Bett. So haben Laura und Jess die Möglichkeit allein zu sein.

 
 
Jess greift nach Lauras Hand:
Laura, ich muss dir etwas sagen. Ich hätte dich nicht so fertig machen dürfen. Du hast ja recht. Es war trottelig mit der Auktion, das gebe ich zu.

Laura nimmt seine Hand und drückt sie fest:
Jess, ich muss dir etwas sagen. Ich war nicht gut drauf, ich habe den Schnupfen jetzt auch. Ich hätte nie so mit dir schimpfen sollen. Passiert ist passiert, es gibt Schlimmeres.

Laura gibt Jess einen innigen Kuss, den er sich gern gefallen lässt.

Laura greift zum Taschentuch, schnieft und meint:
Die Kutsche ist großartig, sie fährt so leicht und man sitzt so bequem. Der Preis ist egal, du bist wieder da und das ist das Schönste.

Am nächsten Tag führt Laura vor wie sie die Kutsche ausprobiert hat und Jess hat Spaß zuzusehen.

Laura hat die kleine Sammy im Arm und Lauras weiße Perserkatze ist auch dabei.

 
 
 
Jess nimmt Laura nach der Ausfahrt in seine Arme.
 
 
Mutter Erde und Vater Himmel sind wieder versöhnt und grollen nicht mehr.

Laura sieht ihn fragend an. Jess sieht sie verliebt wie am ersten Tag an:
Ja, das ist Weisheit der Lakota, erzähle ich dir heute Abend im Bett wenn wir allein sind.