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Kapitel 19
 
Der Tinker will natürlich keine nähere Bekanntschaft mit dem Sheriff machen und entscheidet sich für die Pokerrunde.

Jess
Sam, jetzt kannst du uns Bier bringen, aber bitte nicht pisswarm wie letztes Mal. Das kann ich nicht ab!

So wird gespielt, Runde um Runde. Der Pott wird immer größer und es wird immer später. Die Soloongirls sind schon nach oben gegangen und Sam murrt, dass er keine Überstunden machen will.

Einer nach dem anderen steigt aus der Runde aus und nun sind nur noch Jess und der Zigeuer über.

Jess
Nun hör mal auf mit dem Blümchenpoker und mach einen anständigen Einsatz. Ich halte dagegen.

Tinker
Ich habe aber kein Geld mehr. Das ist schon alles im Pott.

Jess
Du hast noch was zum setzen. Setz dein Pferd, ich halte dagegen.

Tinker
o.k. ich habe ein gutes Blatt.

Jess
Dann zeig mal.

Der Tinker hat Full House mit Königen und Damen.

Jess
Sorry, ich habe four of a kind mit Assen. Pech gehabt Mr. Gypsy.

Jess steckt sich das viele Geld in die Taschen und meint.
Das Pferd hole ich morgen früh.

Dann geht er zu Sam und wirft ihm etliche Scheine auf den Thresen.
Das dürfte reichen für den Kronleuchter, das Bild und unsere Getränke.
Komm John, ich muss noch meine Satteltaschen bei dir holen.

Jess und John verlassen ziemlich laut polternd den Saloon. John bietet Jess an bei ihm noch etwas zu schlafen und dann bei Tagesanbruch den Heimweg anzutreten. Gemacht getan, leider sind beide sehr angeheitert und Johns Schlüssel passt irgendwie nicht in die Haustür.

Bullshit
meint Jess
Tür eintreten? Oh, da steht ja ein Fenster auf.

Jess klettert rein, fliegt an der anderen Seite erst einmal über ein Möbelstück und macht die Tür dann von innen auf. Zum Schlafen sind dann doch beide zu aufgekratzt und John hat die grandiose Idee noch Bier zu trinken und so sind beide gut abgefüllt.

Bei Tagesanbruch wird Jess wach und überlegt erst einmal wo er ist. Dann schnappt er sich die Satteltaschen und wankt die Mainstreet von Laramie herunter Richtung Mietstall. Dabei grölt er Sunday morning coming down.
John liegt noch besoffen auf dem Tepppich, was Jess unbequem findet. Er hat es wenigstens noch aufs Sofa geschafft.

Well, I woke up Sunday morning
With no way to hold my head that didn't hurt.
And the beer I had for breakfast wasn't bad,
So I had one more for dessert.
Then I fumbled in my closet through my clothes
And found my cleanest dirty shirt.
Then I washed my face and combed my hair
And stumbled down the stairs to meet the day.

I'd smoked my mind the night before
With cigarettes and songs I'd been picking.
But I lit my first and watched a small kid
Playing with a can that he was kicking.
Then I walked across the street
And caught the Sunday smell of someone frying chicken.
And Lord, it took me back to something that I'd lost
Somewhere, somehow along the way.

On a Sunday morning sidewalk,
I'm wishing, Lord, that I was stoned.
'Cause there's something in a Sunday
That makes a body feel alone.
And there's nothing short a' dying
That's half as lonesome as the sound
Of the sleeping city sidewalk
And Sunday morning coming down.

In the park I saw a daddy
With a laughing little girl that he was swinging.
And I stopped beside a Sunday school
And listened to the songs they were singing.
Then I headed down the street,
And somewhere far away a lonely bell was ringing,
And it echoed through the canyon
Like the disappearing dreams of yesterday.

On a Sunday morning sidewalk,
I'm wishing, Lord, that I was stoned.
'Cause there's something in a Sunday
That makes a body feel alone.
And there's nothing short a' dying
That's half as lonesome as the sound
Of the sleeping city sidewalk
And Sunday morning coming down

Ab und zu ging ein Fenster auf in der noch sehr stillen Mainstreet am Morgen. Jess flucht, hätte das Bier zum Dessert lassen sollen. Das war irgendwie schlecht.

Es geht langsam aber er kommt am Mietstall an wo Harry, der gestern eher gegangen ist, bereits die Pferde versorgt.

Jess
Morgen Harry, mach mir Rosie fertig und hast du ein Halfter für den Cob? Ist jetzt meiner.

Da kommt die Frau des Tinkers um die Ecke.
Mister, sie können doch nicht unser Pferd mitnehmen, wie sollen wir denn nach Kalifornien kommen?

Jess
Mit dem Zossen kommt ihr nicht mal an den Fuss der Rocky Mountains geschweige denn über einen der Pässe. Du solltest besser auf deinen Mann aufpassen. Er hat das Pferd und alles Geld verspielt und dürfte jetzt irgendwo so besoffen wie ich liegen. Mir ist aber nicht wohl, wenn ihr hier bleibt.
Hier ist Geld. Das dürfte für den großen Shire da hinten reichen und dann will ich euch nie wiedersehen. Sag deinem Mann, er hat sich nicht mit irgendeinem Cowboy angelegt sondern mit dem Boss der TWR. T-Bone Ranch, Double X und TWR, meine Wenigkeit, sind hier die drei größten. Henderson kenne ich von Kindheit an, Double X gehört meinem Schwiegervater, ich habe schnelle Pferde und kann überall wie der Teufel aus der Kiste auftauchen, egal welchen Weg ihr nehmt. Und wehe deine Mann behandelt diesen Shire nicht vernünftig, dann ziehe ich ihm das Fell über die Ohren. Ich hoffe, der hat noch einen anständigen dicken Schädel vom Kronleuchter. Wie heißt euer Cob eigentlich?

Die Frau des Tinkers ganz kleinlaut
Shandor!

Jess
Das kann sich doch kein Mensch mit dickem Kopf merken. Egal ich verabschiede mich jetzt!

Harry hat ein passendes Halfter gefunden.

 
 
Jess holt Dollars aus seinen Taschen und bezahlt Harry.
See you later irgendwann! Ich reite jetzt nach Hause.
 
 
So macht er sich auf den Weg. Er merkt gar nicht, dass er das Halfter schon gar nicht mehr hält, aber der Cob kommt gern mit Jess mit. Rosie schlägt zielstrebig den Weg zur TWR ein.

Jess schimpft mit Rosie.
Nun wackel doch nicht so rum, das kann ja kein Mensch haben. Ich hätte doch ein Gangpferd nehmen sollen. Bullshit, endlich open range. Wartet mal!

Jess rutscht langsam von Rosie runter und kann gerade noch hinter das nächste Gebüsch zum rückwärts frühstücken.

In dem Moment hält ein Wagen neben ihm an. Jess ist so verdattert, dass er im Reflex seinen Colt zieht. Er erkennt gerade noch rechtzeitig seinen Irrtum.
Sorry Reverend, schleich dich bitte nie wieder so an mich ran. Ich hätte dich beinahe zu deinem Boss befördert sicher eher als dir lieb ist. Sorry nochmal! Holy Shit!

Reverend
Jess, was ist denn los. So jung und so einen nervösen Magen! Kann ich helfen?

Jess lehnt sich an Rosie an und bemüht sich gerade zu stehen obwohl er alle doppelt sieht so gut wie er abgefüllt ist. Der Reverend muss ja nicht mitbekommen, dass er sternhagelvoll ist.
Nein danke, es geht schon wieder. In der Sonntagsschule singen sie schon. Sollten Sie dort nicht sein?

Reverend
Da will ich jetzt auch hin. Aber du solltest mal zum Doc gehen mit deinem nervösen Magen. Der kann da sicher was tun.

Jess
Ich glaube nicht, dass da viel zu machen ist. Erfahrungsgemäss ist das spätestens morgen wieder o.k.

Der Reverend fährt Richtung Laramie und Jess hadert mit sich selbst.
Jess was machst du bloß? Jetzt lügst du schon einen Reverend an. So weit ist es gekommen. Los ihr zwei wir müssen jetzt nach Hause. Dort kann ich mir die nächsten Predigten abholen.
Ich denke ich genehmige mir vorher noch einen Whisky auf den Schreck. Dieser Man in Black hat mir gerade noch zum Glück gefehlt.

 
 
 
So genehmigt sich Jess noch einen oder auch zwei aus der Whiskyflasche und zieht mit Rosie und Shandor von dannen.