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Kapitel 20
 
Inzwischen ist Jess ein großes Stück vorwärts gekommen, ein wenig klarer im Kopf geworden dank der noch sehr frischen Luft am Morgen, und nur noch ein Hügel trennt ihn von der TWR.
 
 
Er stellt Rosie und Shandor zusammen in einen Corral, sattelt Rosie ab und schnappt sich seine Satteltaschen mit denen er zügig einigermaßen gerade ins Ranchhaus geht. Dort streift er sich die Stiefel ab, knallt die Satteltaschen auf den Tisch und danach seine Beine. Opa Frank hört den Krach und kommt nachsehen. Er schüttelt nur seinen Kopf und meint
Mr. Jess Arthur Harper, kommst du tatsächlich auch mal wieder? Nur ein paar Stunden zum Pokern, alles klar! Füsse vom Tisch, wir sind hier nicht im Saloon oder bei deinen Bullridern.

Dann knallt Opa Frank Jess Beine vom Tisch.

Von Jess kommt nur ein Aufschrei
Au, Dad, nicht so laut, mein Schädel. Das Bier zum Frühstück war nicht schlecht und deshalb hatte ich noch eins als Dessert. Sag mal, haben wir einen neuen Schrank? Der wird immer abwechselnd länger und kürzer, oh mein Schädel!

Opa Frank
Recht geschieht dir, selbst schuld. Wenn du nicht schon so alt wärst würde ich meinen Gürtel aus der Hose ziehen. Prügel hättest du dafür verdient. Du bist nicht mehr 17 sondern verheiratet.

Jess
Tatsächlich? Da war was, kann mich vage erinnern.
Und muss schallend dazu lachen.
Dad hast du einen Kaffee, aber nicht so stark! Du hast dich beschwert, dass ich die Ranch mit wenig Bargeld führe. Hier!

Jess steht auf und leert seine Jackentaschen und Hosentaschen. Es kommen viele Dollars zusammen.

Opa Frank staunt.
Das ist ja nicht schlecht. Aber jetzt rück mal raus, was hast du sonst noch mitgebracht? Einen räudigen Köter, eine Katze, die jemand ersäufen wollte, womöglich ein Schwein, sag schon!

Jess
Nein, nichts von alledem. Ein Schwein reicht und Hunde und Katzen haben wir genug. Nein es ist etwas größer - ein Cob.

Opa Frank
Gütiger Himmel! Aber wir haben ja auch noch nicht genug Pferde. Typisch du! Ist es wenigstens ein Schöner.

Jess
Es kommt auf den Standpunkt des Betrachters an. Wenn das Langhaar entfilzt ist und die Druckstellen vom Geschirr abgeheilt sind ist es ein schöner. Die durchgetretenen Fesseln kann man allerdings nicht mehr heilen. Das bleibt.

Opa Frank und Jess sehen sich den Cob noch einmal an.

 
 
 
 
Jess spricht mit Shandor und gibt ihm eine Möhre.
Siehst du, hier ist es doch gar nicht schlecht. Die sollen sich nicht so haben wegen deinen Fesseln. Meine Narben auf dem Arm bleiben auch und deshalb sind wir beide trotzdem kein altes Eisen. Ich werde hier schon eine Verwendungsmöglichkeit für dich finden.

Opa Frank schüttelt nur seinen Kopf.
Typisch Jess, hat immer was über für Tiere in Not. Das hat er von seiner Mutter.

Jess
Wenn du Jeremy siehst, er soll ihm nochmal die Salbe auf die Druckstellen tun. Die Hufe mache ich ihm morgen. Heute ist mir zu übel um mich so lange zu bücken.

Opa Frank grinst. Dann gehen die Männer wieder ins Haus.

Jess
Wo ist eigentlich meine Frau?

Opa Frank
Sie ist in der Küche.

Nun taucht Laura auf mit einem duftenden Teller Rührei mit Speck und säuselt
Armer Göttergatte, du hast sicher noch nicht gefrühstückt, es gab ja nur Bier und auch zum Dessert nur Bier. Du solltest was Richtiges essen.
Sie hält Jess den Teller unter die Nase. Er kann sich gerade noch die Hand vor den Mund halten und rennt Jeremy auf dem Weg nach draußen fast über den Haufen. Jeremy guckt nur irritiert wie sein Boss hinter der Hausecke verschwindet und hört eindeutige Geräusche.

Opa Frank hält sich den Bauch vor Lachen
100 Punkte Laura, das war klasse. Jeremy, dein Boss ist heute etwas - indisponiert sagt man da wohl.

Laura
Ich habe drei Brüder. Ich weiß wie es nach solchen Abenden läuft!
und lacht laut.

Jess kommt ziemlich blass wieder rein.
Ihr könnt mich jetzt alle mal. Ich gehe jetzt in meine Bude pennen. Gute Nacht und schönen Sonntag bis irgendwann später!

Laura
Bitte schön, der Eimer, falls du noch nicht fertig bist!

Jess schnappt den Eimer und knallt die Tür seiner Chaosbude hinter sich zu und haut sich auf sein Bett.

Alle müssen lachen und sind sehr gespannt, wann der Boss wieder ansprechbar ist.

Opa Frank
Eins muss man Jess ja lassen, seit er wieder auf der Ranch ist, haben wir hier keine Langeweile. Es ist immer Action.

Am sehr späten Nachmittag wacht Jess zerknirscht wieder auf, zieht sich um und hält seine Rübe unter die Pferdetränke. Nach einem Guss eiskalten Wassers fühlt er sich wieder fit.
Er ist sogar so fit, dass er Shandor noch die Hufe beschneidet und jetzt läuft der Cob viel besser. Sein Blick ist nicht mehr so trübe und er hat wieder Spaß am Leben auf der schönen grünen Koppel auf die ihn Jess gestellt hat. Inzwischen ist es Abend. Von Laura ist nichts zu sehen. Sie ist nach oben ins gemeinsame Schlafzimmer verschwunden. Jess überlegt - irgendwie möchte er ja schon wieder ins gemeinsame Schlafzimmer, aber Laura scheint wirklich sauer zu sein. Das sieht er auch irgendwo ein, dass er etwas übertrieben hat. Nun überlegt er wie er das wieder geradebügeln kann. Zu vorgerückter Stunde, als alle in ihren Zimmer schlafen gegangen sind, schnappt er sich seine Gitarre und stellt sich vors Schlafzimmer.

Where the Silver Leaf of Maple
Sparkled in the Mornin' Dew
I braided Twigs of Willows
Made a String of Buckeye Beads
But Flesh And Blood need Flesh And Blood
And you're the one I need
Flesh And Blood need Flesh And Blood
And you're the one I need.

I leaned against a Bark of Birch
And I breathed the Honey Dew
I saw a North-bound Flock of Geese
Against a Sky of Baby Blue
Beside the Lily Pads
I carved a Whistle from a Reed;
Mother Nature's quite a Lady
But you're the one I need
Flesh And Blood need Flesh And Blood
And you're the one I need.

A Cardinal sang just for me
And I thanked him for the Song
Then the Sun went slowly down the West
And I had to move along
These were some of the things
On which my Mind and Spirit feed
But Flesh And Blood need Flesh And Blood
And you're the one I need
Flesh And Blood need Flesh And Blood
And you're the one I need

Laura hört ihn und zieht Jess ins gemeinsame Schlafzimmer.
Mach nicht alle wieder wach Jess!

Jess
Los, lass schon deine Gardinenpredigt los, ich habs verdient und gelobe Besserung, ich schwörs beim Grab meiner Mutter.

Er setzt sich aufs Bett und wartet auf Lauras Schimpfpredigt. Dabei stösst er mit dem Fuss gegen einen Eimer.
Au, was soll das Teil denn hier? Das ist aber nicht für mich. Ich bin wieder völlig fit. Mich wolltest du hier doch nicht verkatert haben.

Laura ist ganz verlegen.
Ja, der Eimer hm... Jess der war für mich - gestern Abend. Du hattest recht mit der Bowle. Die war irgendwie so süffig, aber dann war mir plötzlich so komisch.

Jess haut mit der Faust in sein Kissen und lacht und lacht bis ihm die Tränen kommen.

Laura
Jess, hör auf, du machst ja alle wach mit deiner lauten Lache.

Jess
Sorry Honey, das kann ich jetzt einfach nicht unterdrücken. Ein tolles Wochenende, wir sind ein tolles Pärchen, da hätten wir auch gleich zusammen saufen können.

Er nimmt Laura in seine Arme und küsst sie.
Siehst du Honey, Versöhnung im Bett ist doch was Schönes.

So geht ein turbulenter Sonntag auf der TWR zu Ende.
Opa Frank ist wach geworden und fragt sich was da im Schlafzimmer so lustig für seinen Sohn ist.