<- Kapitel 199
Kapitel 200
 
Es ist immer noch Winter und so bewegt Jess die Pintostute Ginger drinnen:
Los lauf Ginger, du sollst ja nicht steif werden bis du dein neues Zuhause im Frühjahr auf der Eagle Forest Ranch bekommst! Dort ist Pferdegesellschaft und gute Reiter!
 
 
 
Die hübsche Stute hört Jess aufmerksam zu.
 
 

Jess stellt die Stute wieder weg, da kommt sein Stallbursche Jeremy mit einer Kuh an.

 
 
Jess schnappt nach Luft und poltert los:
Was ist das denn?

Jeremy wirft ein:
Eine Kuh Boss! Ich habe sie als Bezahlung von einem Farmer bekommen, dem ich in meiner Freizeit ein Gespann eingefahren habe!

Jess ist wütend und schreit Jeremy an:
Hast du noch alle Nadeln an der Tanne? Was sollen wir mit einer Kuh? Was meinst du was meine Boys dazu sagen? Glaubst du die kann ich dann noch mit Worten halten wenn sie die Kuh wittern? Du hast doch nicht mehr alle Latten am Zaun. Du kannst deine Sachen packen, du bist entlassen. Die nächste Postkutsche fährt heute Nachmittag, Bullshit, die nehmen keine Kühe mit. Die Kuh muss vom Eis, äh, von der Ranch, sonst ticken meine Boys aus.

Die kleine Eselin Dotty hört den Boss herumbrüllen und kommt neugierig angelaufen:
Iah, iah, iah!

 
 
Jess ist äußerst missgelaunt:
Jeremy, die Kuh muss weg, das geht nicht mit meiner Bullenherde, die werden ja irre.

Jeremy ist verlegen:
Es ist doch nur eine Kuh und kein Untier. Besser eine Kuh als gar kein Geld.

Jess brüllt:
Besser kein Geld als keinen Job bei mir! Pack deine Sachen, aber zackzack! Meine Geduld ist zu Ende.
Der Farmer hatte wohl keine Lust, die Kuh über den Winter zu füttern und ich auch nicht. Weg mit dem Vieh!

Jeremy weiß wann es besser ist nicht mehr mit dem Boss zu diskutieren. Er fragt Tommy von Carolines Farm, aber der will auch keine weitere Kuh haben. Dann klagt er Laura sein Leid:
Dein Mann hat mich rausgeschmissen wegen der Kuh, kannst du nicht ein gutes Wort für mich einlegen Laura? Ich glaube dieses Mal meint er es ernst.

Am Abend als die Kinder schlafen und Laura mit ihrem Mann im Bett liegt küsst sie ihn liebevoll und meint:
Jess, ist es wirklich dein Ernst Jeremy zu entlassen wegen einer Kuh? Ich weiß er handelt häufig sehr unüberlegt und hat die Konsequenzen nicht bedacht mit deinen Bullen. Wie oft hast du Jeremy in den letzten Jahren schon rausgeworfen? Aber willst du jetzt noch mehr arbeiten, noch mehr selbst ausmisten, noch mehr Heu mit der Schubkarre fahren? Du weißt doch, dass dein Rücken nach den vielen Jahren Rodeo nicht immer so will wie du möchtest. Wir sehen uns die Kuh morgen nochmal an und entscheiden dann Darling, ja?

Von Jess kommt nur ein kurzes "Hm, ja!" und dann ist er schon im Land der Träume.

Am nächsten Tag hat sich Jess etwas beruhigt und die Familie guckt sich die Kuh an.
Jeremy bringt sie in die Scheune.

 
 
Das ist Betty Sue.

Jess grinst breit:
Ich kannte mal ein Saloonmädchen in Calgary, die hieß auch Betty Sue und war auch so breit wie deine Betty Sue.

Laura ganz empört:
Jess!!!

Er antwortet:
Nicht was du denkst! Die hat den Cowboys und Rodeoreitern nur Geld für Prickelwasser rausgeleiert.
Wer mehr wollte musste noch tiefer in die Tasche greifen und du weißt selbst, dass ich die Dollars für die Ranch und Mutters Krankheit gebraucht habe.

Raylan und die Mädchen sind von Betty Sue begeistert. Raylan klettert gleich auf ihren Rücken.

 
 
Laura kommt von einer Cattleranch und stellt gleich fest, dass Betty Sue tragend ist.

Sie säuselt gleich:
Aber Jess, Betty Sue ist tragend und du willst doch wohl nicht eine schwangere Mutter, die Hilfe braucht, vom Hof jagen? Das wäre nicht deine Art.

Die Kinder stimmen gleich ein:
Dad, Betty Sue ist doch so hübsch, guck mal die lieben Augen! Du kannst sie doch nicht mit Jeremy wegjagen. Sie kann doch nichts dafür, dass sie kein Bulle ist.

Jess rollt mit den Augen und weiß, dass er verspielt hat:
Runter Raylan, eine trächtige Kuh reitet man nicht!

Raylan steigt schnell ab:
Oh Dad, wenn das Kalb ein Bulle wird, kaufst du mir den? Ich möchte so gern einen eigenen Bullen. Du hast doch immer gesagt wenn ich alt genug bin dürfte ich ein Kalb aufziehen. Bitte, bitte Dad!

Jess schlägt seine Augen verzweifelt zum Himmel:
Oh Herr, was für eine Prüfung! Was sagen meine Boys dazu, die werden um Betty Sue kämpfen sobald sie bullig ist, das wird der totale Albtraum und nur weil Jeremy nicht mehr alle Latten am Zaun hat und eine Kuh mitbringt. Ja, ihr habt gewonnen, ich komme doch nicht gegen euch an. Jeremy, du bist nicht entlassen, dafür bekomme ich das Kalb zum Sonderpreis. Jetzt muss die Kuh aber trockengestellt werden, ich habe keine Ahnung wie lange sie trächtig ist, aber sie ist schon ganz schön breit und es kann nicht mehr so ewig dauern bis zur Geburt. Hoffentlich geht das bei so einer Dairy Cow gut! Bei Longhorns muss man selten eingreifen. So, Jeremy, ist deine Kuh, noch einmal abmelken, das Euter ist voll.

Jeremy ist erleichtert, dass er nicht entlassen wird, stellt einen Topf unter das Euter und will melken.
Jess beruhigt Betty Sue und krault sie.

 
 
Es dauert keine Minute, da keilt Betty Sue aus und Jeremy fliegt in hohem Bogen durch die Scheune.
 
 
Jeremy flucht:
Du Miststück, vielleicht sollte der Boss dich erschießen und zu Steaks verarbeiten! Was soll das denn?

Jess amüsiert sich, weil Betty Sue ihn mit einer Miene ansieht, die sagt, ich war das aber nicht.
Dann meint Jess:
Jeremy hast du schon mal gemolken?

Der druckst herum:
Ja, nein, aber das kann doch nicht so schwer sein Boss.

Jess steht da mit den Händen in der Hosentasche:
Dann lass mich mal, das ist eine Dairy Cow, die kennt es gemolken zu werden. Es war ihr ja fast peinlich, dich durch die Scheune geschossen zu haben.

Jess melkt den halben Topf voll:
Geht doch ohne Probleme! Jetzt du, da ist noch Milch im Euter.

Jeremy setzt an und wieder tritt Betty Sue unsanft zu.

 
 
Jeremy steht auf und keucht:
Wie machst du das, dass sie bei dir nicht zutritt und sich so einfach melken lässt?

Jess grinst:
Hast du schon mal einer Frau an die Brust gefasst? Nicht zu fest und gib mir mal deine Hände!

Jeremy reicht dem Boss die Hand. Jess lacht:
Deine Hände sind eiskalt, da würde ich als Kuh auch zutreten, übrigens Frauen mögen das auch nicht.
Das sind Erfahrungswerte, die dir wohl noch fehlen. Immer schön warme Hände! Dann wird es auch was.

So kommt es, dass Jess von seiner eigenen Familie überstimmt wird und Betty Sue bleiben darf.
Raylan ist ganz aufgeregt und überlegt sich schon einen Namen für den zukünftigen Bullen:
Dad was meinst du? Giant, Goliath, Jailbreaker?

 
 
Jess lächelt:
Und was ist wenn es ein Kuhkalb wird? Dann sind die Namen für die Katz!

Raylan ist entrüstet:
Es muss einfach ein Bulle werden und noch dazu ein großer, so wie deine Bullen, Dad!

Jess hat sich wieder beruhigt und sich einigermaßen mit Betty Sue abgefunden. Er spielt lieber mit seiner Jüngsten, die keine Ansprüche an ihren Dad stellt.

 
 
Sammy kräht vor Freude und Jess vergisst in solchen Momenten die Dinge, die ihn ärgern oder Sorgen bereiten.