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Kapitel 205
 
Tommy von der benachbarten Farm, die er mit seiner Mutter Caroline, die Jess aus der Schule von früher kennt, bewirtschaftet, bedankt sich bei Jess für den Rat welches Reitpferd er sich kaufen soll. Jess freut sich, dass Tommy die Farm so gut bewirtschaftet hat, dass er Geld für ein eigenes Reitpferd zurücklegen konnte. Der junge Mann hatte es nicht einfach mit einem Vater, der im Suff tödlich verunglückt ist und einer Mutter, die nicht dagegen ankam. Inzwischen ist die Farm gut in Schuss.
 
 
Jess meint:
Kauf den Painthengst von Henderson, an dem wirst du viel Freude haben! Ich kenne ihn, der ist jeden Cent wert Tommy.

Die meisten Farmer sind eher schlechte Reiter, aber Tommy hat auf der Tumbleweed von Jess viel gelernt. Wenn immer seine freie Zeit es erlaubt ist er mit seinem Painthorse, das er Worth the Wait genannt hat unterwegs. Er musste tatsächlich fast zwei Jahre warten bis Geld für ein Reitpferd, in Augen von Farmern nutzlos, da war. Die Tumbleweed liegt nicht weit von der Straße, die die Overland Stage Coach befährt. Es gibt eine uneinsehbare Kurve, die von den Einheimischen Devils Bend genannt wird. Tommy sieht nach dem Stand der Sonne und ihm wird klar, dass er auf seinem Ritt viel zu viel Zeit vertrödelt hat und die Kühe auf seiner Farm gemolken werden müssen. Also beschließt er, die Abkürzung über einen steilen Hang die Straße hinunter zu nehmen. So kann er vier Meilen Ritt einsparen. Unterdessen treibt ein Fahrgast in der Kutsche den Kutscher Gus zur Eile:
Mach schon, du hast Verspätung, der Pferdewechsel hat so lange gedauert, ich muss in Laramie den Zug bekommen.

Gus, ein erfahrener Kutscher, murmelt:
Verdammte Städter, denen kann es nicht schnell genug gehen, los Boys, lauft!

Er lässt die Peitsche über den vier frischen Pferden knallen und so geht es in voller Fahrt in die Kurve bei Devils Bend.

Tommy hat nicht einkalkuliert, dass es in den letzten Tagen reichlich geregnet hat. Der Painthengst, den er liebevoll Choco nennt, gibt sich Mühe. Tommy hat sein Gewicht nach hinten verlagert um es dem Pferd leichter zu machen, aber Choco gerät auf dem glitschigen Untergrund immer mehr ins Schlingern und wird immer schneller, so dass Tommy sich nicht mehr halten kann, vom Pferd fällt, sich einige Male überschlägt und in Richtung Straße rollt. Choco hinterher, es gibt auch für den jungen Hengst kein Stoppen mehr, er sieht die große Kutsche, die in Richtung Tommy fährt. Dann geht alles ganz schnell. Gus flucht was der Kerl da auf der Straße macht, kann aber die vier Pferde in die das Painthorse hineinläuft und dann verletzt liegen bleibt, nicht anhalten. Er fährt eine schnelle Kurve über die Wiese der Tumbleweedranch, die direkt daneben liegt und bekommt sein Gespann endlich zum Stehen. Die Fahrgäste sind gründlich durcheinander gerüttelt und Gus meint dazu wie es seine trockene Art ist:
War das jetzt schnell genug Mister? Wir haben Schwein gehabt, aber den Jungen hat es böse erwischt.
Der Gaul ist wohl hin. Meine Pferde sind mit dem Schrecken davon gekommen. Wir müssen weiter, den Fahrplan kann ich jetzt ganz sicher nicht mehr einhalten.

Gus lädt Tommy in die Kutsche und liefert ihn bei seiner Mutter auf der Farm ab trotz Protest des eiligen Fahrgastes. Vorher überlegt Gus ob er sein Gewehr benutzen soll und das Pferd, das übel zugerichtet ist erlösen, da kommt Patrick, der Vormann von Jess. Er ruft ihm zu:
Kümmert euch um Tommys Pferd! Ich nehme ihn mit zu seiner Farm. Die liegt auf dem Weg.

 
 

Patrick schüttelt den Kopf über so viel Eile, aber dafür wird der Kutscher von der Overland Stage Coach Linie bezahlt. Er hat kein Gewehr dabei und so führt er Choco langsam zur nahen Tumbleweedranch.

Jess sieht ihn schon von weitem kommen. Patrick erzählt vom Unfall, den er selbst nicht gesehen hat.

Jess schickt ihn sofort los, die Tierärztin Shannon holen. Er sieht mit einem Blick, dass er allein mit der Behandlung überfordert ist. Choco lässt sich mit letzter Kraft in die Scheune führen und bricht dort zitternd zusammen. Jess behandelt die übelsten Wunden mit einem Brei aus Schafgarbe wie er von den Lakota gelernt hat. Inzwischen trifft Shannon ein.

 
 
Jess, die Decke über das Pferd hast du richtig gemacht, er friert und ist völlig durcheinander, viel Blut, viele Schürfwunden, das muss ein ganz übler Unfall gewesen sein.
Wenn er die nächsten zwei Tage übersteht können wir vielleicht Hoffnung haben. Ich gebe ihm etwas zur Beruhigung und dann muss ich zwei Wunden nähen.

Jess nickt: Mach was du kannst Shannon, ich zahle das. Wir müssen Choco für Tommy retten. Wer weiß was mit ihm ist?

Inzwischen hat Grandpa Frank gehört was passiert ist und kommt mit seinem Gewehr in die Scheune.

 
 
Shannon klopft Jess auf die Schulter:
Ich habe getan was ich kann. Den Rest muss Choco selbst machen und die Natur. Ich muss jetzt weiter.

Grandpa Frank wirft einen Blick auf das Pferd das mehr tot als lebendig auf dem Stroh liegt:
Jess, ich habe dir nicht beigebracht ein Tier leiden zu lassen. Hier ist das Gewehr. Erlöse den armen Teufel! Der quält sich doch nur. Mit der Tierärztin ist doch nur rausgeworfenes Geld.

Jess sieht seinen Vater an:
Du weißt, dass ich nicht so schnell aufgebe. Ich kann das Tommy nicht antun. Er und Choco waren ein gutes Team. Ich verstehe nicht welcher Teufel ihn geritten hat die Abkürzung an Devils Bend zu nehmen nach dem Regenwetter.

Frank schüttelt nur den Kopf:
Ich hoffe, du weißt was du tust. Verdammter Dickschädel!

Jess antwortet:
Von wem ich den wohl habe! Wäre schön, wenn mir jemand das Abendessen hierher bringen würde.
Ich bleibe über Nacht im Stall.

Der junge Hengst leidet an Körper und Seele. Er vermisst Tommy und hebt immer den Kopf wenn er Jess heranlaufen hört. Der öffnet am Morgen die Tür damit Choco frische Luft bekommt. Selbst die kleine Moo Moo kommt und guckt was in der Scheune los ist. Jess kommt die Idee, dass es für ein Pferd gut ist einen Kumpel zu haben und holt seinen alten Splash:
Du warst mir immer ein gutes Reitpferd und hast in deinen alten Tagen manchem weniger mutigen Reiter wieder den Glauben an sich selbst zurück gegeben. Vielleicht kannst du auch Choco helfen.

 
 
Der angeschlagene Hengst hebt den Kopf. Wieder muss Jess ihm die Nüstern auswischen aus denen er ab und zu blutet. Aber die Gegenwart von Splash tut Choco gut.

Am nächsten Morgen geht Jess ins Haus um zu frühstücken. Als er wieder zurück kommt ist das Wunder passiert - Choco ist aufgestanden und kommt ihm schnaubend entgegen. Nachdem die Wunden mit Wasser gesäubert sind, sieht Choco viel besser aus.

 
 
Der Hengst guckt Jess mit großen Augen an.
 
 
Jess spricht beruhend mit ihm, aber er dreht sich weg.
 
 
Jess merkt, dass er nicht zu Choco durchdringt:
Ich weiß, du suchst Tommy. Wir sind jetzt eine Woche weiter. Ich werde heute Nachmittag einen Krankenbesuch bei deinem Herrn machen.

Jess sattelt Monty und reitet zu Carolines Farm.

 
 
Es dauert bis Caroline auf Jess`Klopfen hin an die Haustür kommt. Sie hat rotgeweinte Augen und fällt Jess um den Hals:
Endlich geht es Tommy etwas besser, nachdem er zugelassen hat, dass er von Abby behandelt wird.
Er hat überall Prellungen, Blutergüsse und angeknackste Rippen. Er hat geschimpft, dass ich die Ärztin geholt habe, jetzt haben wir wieder kein Geld. Ich weiß nicht wie ich Abby bezahlen soll, aber Tommy lebt. Er hätte sich das Genick brechen können.

Jess ist erschüttert über Carolines Gefühlsausbruch. Er reicht ihr ein Taschentuch:
Alles wird gut. Tommy ist jung, der übersteht das schon. Ich weiß nur nicht warum er die Abkürzung über Devils Bend genommen hat. So etwas habe ich ihm nicht beigebracht. Das Pferd war fast tot.
Interessiert dich nicht wie es Choco geht Caroline?

Caroline schluchzt:
Mich interessiert nur mein Sohn und wäre dieses Pferd nicht, wäre das nicht passiert. Ich habe Angst, dass Tommy doch wird wie mein Mann war, trinken und waghalsig. Von mir aus behalte das Pferd oder wenn es ihm schlecht geht, dann erschieße ihn.

Jess merkt, dass Caroline andere Sorgen hat:
Darf ich zu Tommy und mit ihm reden? Ich habe ihm ein Buch mitgebracht. Robinson Crusoe, fand ich in dem Alter ganz toll.

Caroline schüttelt den Kopf:
Ich glaube ihr Kerle seid alle gleich, immer nur Abenteuer. Geh zu ihm, dann kann ich die Kühe in der Zeit melken.

Jess klopft an Tommys Zimmertür und geht hinein:
Hallo Tommy, wie geht es dir?

- Blöde Frage! Mir tut alles weh, selbst das Luft holen, ein paar angeknackste Rippen sagt Abby, Prellungen und Blutergüsse jede Menge.

Jess antwortet:
Lass mal Tommy, ich habe damit als Bullrider meine Erfahrungen. Das dauert, aber geht auch wieder vorbei. Reiß dich zusammen, deine Mom tut es auch. Interessiert dich nicht wie es Choco geht?

Tommy liegt sehr blass in seinen Kissen:
Jess, ich will das Pferd nicht mehr. Von mir aus erschieße ihn. Ich werde nicht mehr reiten, muss ich als Farmer nicht. Das Zugpferd ist wichtiger. Ich liege jetzt hier und darf nichts machen, dabei muss ich noch unbedingt das letzte Feld pflügen und einsäen. Wir brauchen die Ernte. Wie sollen wir die Ärztin bezahlen? Ich habe alles für Choco ausgegeben. Hätte ich das bloß nicht getan!

Tommy wischt sich verstohlen die Tränen aus den Augen. Jess tut so als hätte er es nicht gesehen:
Tommy alles wird gut. Das unbestellte Feld habe ich gesehen. Patrick wird es pflügen und einsäen. Giant Jake soll lernen vor landwirtschaftlichen Geräten zu gehen. Da kommt mir das gerade recht. Mach dir keine Sorgen sondern werde gesund Tommy! Unter Nachbarn hilft man sich. Übrigens Choco wird es schaffen, aber er braucht dich.

Tommy richtet sich mühsam im Bett auf:
War ich nicht deutlich genug Jess? Ich will ihn nicht mehr, ich werde nicht mehr reiten.

Jess merkt, dass er an Tommy in dieser Stimmung nicht herankommt und beginnt ihm aus Robinson Crusoe vorzulesen. Als er eingeschlafen ist, verabschiedet sich Jess von Caroline:
Mach dir keine Sorgen, ich bezahle Abby und Shannon und das Feld wird morgen bestellt. Du weißt, dass wir gern Obst und Gemüse von eurer Farm nehmen, dann werden wir uns schon einig. Tommy ist stark, der kommt bald wieder auf die Beine.

Caroline drückt die Hände von Jess fest beim Abschied:
Danke für alles Jess! Aber fühl dich nicht schuldig weil du Tommy zu dem Painthengst geraten hast. Die Abkürzung war ganz allein seine Entscheidung.

Caroline kennt Jess seit Kinderzeiten und hat damit genau seinen wunden Punkt getroffen. Wieder zu Hause trifft Jess seine Frau auf der Weide und berichtet Laura von seinem Besuch auf der Farm.

 
 
Laura meint:
Das ist alles übel. Tommy und auch der Hengst sind wie die Ärzte heute sagen schwer traumatisiert.
Wie können wir da helfen? Tommy ist so ein netter junger Mann und auch der Hengst ist ein Lieber.