<- Kapitel 206
Kapitel 207
 
Einige Tage später ist Jess auf dem jungen Hengst Shaggy, den er einreitet unterwegs. Erst begegnet er Moo Moo.
 
 
Dann trifft er auf dem Weg zum alten Unterstand wo die Esel der TWR stehen einen Trupp Soldaten.

Der Anführer befiehlt: Anhalten!
und fragt Jess:
He Cowboy, hast du eine Indianerin gesehen?

Jess antwortet:
Nein, woher kommt ihr? Ihr seid nicht aus der Garnison von Fort Laramie. Ich kenne euch nicht.

Der Mann von der Army wird ungehalten:
Das geht dich nichts an Cowboy. Wir suchen eine Indianerin. Wir kommen aus Colorado, dort haben abtrünnige Sioux das Reservat verlassen und Farmer beim Heu machen überfallen und getötet. Für 10 Weiße werden 20 Rote sterben. So einfach ist das. Die Indianerin ist unserer Vergeltungsaktion entkommen.

Jess schüttelt den Kopf:
Nein, hier gibt es Indianer aber das sind Cheyenne und ich bin nicht irgendein Cowboy sondern der Boss der Tumbleweedranch.
Ich habe ausdrücklich einen Vertrag unterschrieben, dass sich die Cheyenne Indianer auf meinem Gebiet aufhalten und jagen dürfen. So what? Verpisst euch nach Colorado wo ihr hingehört. Hier gibt es nur Cheyenne und keine Sioux. Bei uns ist alles friedlich und ihr braucht hier nicht Unfrieden bringen, dass das County in Flammen steht. Guten Trail nach Colorado! Wenn ich euch hier noch einmal sehe werde ich ein Gespräch mit dem General in Fort Laramie haben. Dem wird es nicht gefallen wenn sich hier in Wyoming Soldaten aus Colorado in sein Gebiet einmischen.

Auf Grund der Bestimmtheit von Jess zieht es der Befehlshaber des Trupps vor die Pferde zu wenden und in Richtung Osten zu reiten.

Jess murmelt vor sich hin:
Shit Soldaten, die fehlen uns hier gerade noch. In Fort Laramie üben sie für die Parade zum Independence Day. Das ist besser als auf harmlose Indianer Jagd zu machen. Los Shaggy, Galopp!

Kurz vor der Weide am alten Unterstand lässt Jess Shaggy langsamer laufen. Dann springt er vom Pferd und traut seinen Augen nicht. Vor ihm steht eine fremde Indianerin und in der Krippe liegt ein Baby, notdürftig mit einem Sattelpad zugedeckt, das wohl im Unterstand liegen geblieben ist.

 
 
Die kleine Eselin Dotty Girl läuft aufgeregt um den Unterstand. Die Indianerin guckt den weißen Mann mit angstvoll aufgerissenen Augen an. Sie zittert am ganzen Körper und hat Angst um ihr Baby und sich. Sie hat vom weißen Mann noch nie etwas Gutes erlebt.
Jess erfasst die Situation, hebt die Hand und begrüßt sie nach Art der Cheyenne: Taho!
Das bedeutet Guten Tag oder Hallo.
Die Angst der Mutter überträgt sich auf das Baby, das inzwischen ohne Unterlass weint.

Jess sieht sich die Indianerin an. Er erkennt an ihrem Kleid, dass sie keine Cheyenne ist und es sich nur um die gesuchte Sioux Indianerin handeln kann.

 
 
Jess erfasst, dass das Baby sehr hungrig sein muss und die Indianerin völlig erschöpft von der Flucht vor den Soldaten. Sie sieht den weißen Mann von dem sie nichts Gutes erwartet angstvoll an.
 
 
Jess versucht es noch einmal:
Wie heißt du?

Er legt einen Finger auf seinen Mund:
Bist du stumm? Kannst du nicht sprechen? Dein Baby ist hungrig und du bist völlig erschöpft.
Bleibe hier, ich komme schnell wieder.

Die Indianerin ist froh, dass Jess wieder wegreitet. Vor den Eseln hat sie keine Angst aber um so mehr vor dem weißen Mann. Sie hat schon zum Messer gegriffen, das sie in ihrem Kleid versteckt trägt und ist froh es nicht benutzen zu müssen, weil ihr die Kraft fehlt. Chumani ist so erschöpft, dass sie auch keine Milch mehr für ihren Sohn Wakanda hat, der vor Hunger weint.

Zuhause ist Jeremy gerade beim Melken von Betty Sue.

 
 
Jess streichelt sie: Danke Betty Sue, die Milch kann ich jetzt gut gebrauchen. Da gibt es einen kleinen Jungen mit einem mordsmässigen Hunger.

Jess kocht die Milch ab, reitet zurück zum Unterstand und füttert den kleinen Indianerjungen mit der Kuhmilch. Zum ersten Mal seit langer Zeit ist er satt und zufrieden und schläft sofort ein.

 
 
Chumani ist erstaunt über den weißen Mann, fürchtet sich aber immer noch. Sie hat ihre Meinung über Weiße, die nichts tun ohne eine Gegenleistung. Sie guckt Jess angstvoll an und hofft, dass er ihr und dem Baby nichts tut. Sie fügt sich in ihr Schicksal und zieht ihr Kleid hoch ohne ein Wort zu sprechen.

Jess begreift:
Nein, so einer bin ich nicht. Ich tue dir keine Gewalt an. Ich will dir nur helfen. Hier ist etwas zu essen für dich. Du bist völlig fertig, hast keine Milch für deinen Sohn und musst etwas essen.

Er gibt ihr ein Stück Brot, das sie hastig verschlingt und reicht ihr seine Feldflasche:
Trink, aber langsam, nicht so hastig. Du müsstest zu einem Doc. Ich kenne eine gute weiße Medizinfrau. Soll ich sie holen?

Chumani schüttelt angstvoll ihren Kopf und Jess denkt, dass sie ihn doch wohl versteht aber nichts mit Weißen zu tun haben will. Dann sieht er nur noch, dass sie schwankt und zusammenbricht.
Jess kann sie gerade noch auffangen bevor sie zu Boden sinkt und denkt: Ich glaube sie hat jedes meiner Worte verstanden, also doch lieber zu Takoda, dem Medizinmann der Cheyenne auf dessen Naturmedizin Jess große Stücke hält.
Er überlegt nicht lange und bringt Chumani und Wakanda ins Lager der auf der Tumbleweedranch kampierenden Cheyenne.

Kann Takoda, dessen Name Freund aller bedeutet, helfen?