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Kapitel 217
 
Nachdem sich Annie einigermaßen beruhigt hat und ihre Blessuren von Laura versorgt sind, verspricht ihr Jess, sie nach Hause zu bringen. Sie weigert sich verständlicherweise Magic Highflyer zu reiten und so holt Jess seine ausgeglichene Ayasha, setzt Annie vor sich in den Sattel und hält sie gut fest.
 
 
Auf der Creek Farm angekommen, öffnet Annies Mutter die Tür und maßregelt gleich Annie:
"Wo kommst du so spät her? Pa hat schon nach dir gefragt, die Hühner sind noch nicht gefüttert. Wer ist der fremde Mann Annie? Du weißt genau, dass du nicht mit fremden Männern sprechen sollst."

Annie wird wieder ganz blass. Jess ergreift das Wort:
"Erst einmal Guten Tag Lady! Ich bin ihr Nachbar Jess Harper. Hinter dem Hügel auf der Tumbleweedranch wohnen meine Familie und ich. Ihre kleine Tochter ist ganz böse gestürzt und ich bin dazu gekommen und habe ihr geholfen. Sie hatte mehr Glück als Verstand, dass sie sich nicht das Genick gebrochen hat. Sie gehört jetzt ins Bett nach dem Schreck. Meine Frau hat sie so weit versorgt, aber wenn sie Kopfschmerzen bekommt oder sich übergeben muss holt sofort den Doc. Ich rede hier nicht von einem aufgeschürften Knie. Geh ins Bett Annie, morgen sieht alles besser aus."

Die abgearbeitete Frau sieht zur Tür. Ihr Mann, ein großer Mann mit Bart herrscht sie an:
"Hast du nichts zu tun Frau? Die Hühner sind immer noch nicht gefüttert. Dieses nichtsnutzige Mädchen denkt auch an gar nichts. Anscheinend kann sie nicht einmal das Pferd reiten ohne runter zu fallen. Ich habe alles gehört. Guten Tag Mr. Harper!"

Annie hat es vorgezogen in ihr Zimmer zu verschwinden. Der Farmer zieht seinen Gürtel aus der Hose.
"So, jetzt wird sie lernen sich nicht mehr meinen Anordnungen zu widersetzen. Eine Tracht Prügel hat sie sich redlich verdient. Wehe wenn Highflyer was passiert ist!"

Die Mutter schreit auf:
"Abel, lass Annie in Ruhe! Sie hat genug mitgemacht."

Als Antwort kommt nur:
"Halte den Mund Sarah, das steht dir nicht zu. Wer sein Kind liebt, der züchtigt es. Genau das werde ich jetzt tun."

Jess kann nicht mehr an sich halten und hält den Mann mit einem schnellen Griff an den Hals auf. Er drückt ihn gegen den Türrahmen, dass ihm die Luft wegbleibt.
"Wenn du dich wieder wie ein normaler Mensch benimmst, dann lasse ich los. Ich dulde nicht, dass ein großer starker Mann ein kleines Mädchen schlägt. Deine Kühe da draußen melden sich lautstark, die haben Hunger. Gehe sie füttern ehe ich mich vergesse!"

Der Farmer schnappt nach Luft, sagt nichts mehr und geht nach draußen. Sarah strahlt Jess förmlich an.
"Sir, danke, danke, so schnell hat noch nie jemand Abel den Schneid abgekauft. Genau das hat er gebraucht. Ich habe Angst um Annie und manchmal auch um mich. Ach, ich bin unhöflich, ich habe ihnen noch keinen Kaffee angeboten."

Jess nickt:
"Madam, da sage ich nicht nein. Es geht mich ja nichts an aber wenn man eine so niedliche kleine Tochter hat muss es doch einmal besser zwischen euch gelaufen sein."

Sarah setzt sich zu Jess an den Tisch:
"Abel war früher nicht so. Wir sind sehr gläubig und er nimmt vieles so wörtlich aus der Bibel, aber früher war er netter. Mit der Farm hat er viel Arbeit und jetzt ist unser einziges Zugpferd auch noch lahm und das Wintergetreide muss gesät werden. Er weiß nicht wie er das machen soll ohne Pferd und wir haben nicht das Geld für ein neues oder eines zu leihen."

Inzwischen kommt Annies Vater wieder ins Haus mit einem vorsichtigen Blick auf Jess:
"Alle Achtung, so viel Kraft hätte ich dir nicht zugetraut."

Jess lacht:
"Vielleicht sehe ich nicht so aus, aber acht Jahre Bullriding hinterlassen Spuren und dann natürlich die Arbeit auf der Ranch. Ich nutze aber meine Kraft nicht um Frauen oder Kinder zu schlagen. Das tut ein Gentleman nicht. Ich setze lieber auf Güte und Verständnis. Ich will nicht, dass meine Kinder Angst vor mir haben und glaube mir, ich liebe meine Kinder auch wenn ich sie nicht züchtige. Wenn sie Fehler machen besprechen wir das und das klappt recht gut. Ich habe gehört, dein Arbeitspferd geht lahm. Hier auf dem Land hilft man sich gegenseitig. Ich leihe dir eines von meinen, aber nur unter der Bedingung, dass du es gut behandelst. Wenn ich nur einen Striemen sehe ist es aus mit meinem Angebot."

Abel guckt Jess fassungslos an:
"Das würdest Du tun? Ich kann aber nicht bezahlen, wir kommen gerade so rund."

Jess schlägt gleich in die Kerbe:
"Ich erwarte keine Bezahlung aber es wäre schön, wenn Annie nicht nur auf der Farm arbeiten müsste sondern mit meinen Töchtern ab und zu zusammen sein dürfte. Ihr wohnt doch nur über den Hügel. Da Annie nicht mehr reiten will wird sie ab morgen von meinen Töchtern mit der Kutsche zur Schule gebracht. Dann ist das Problem auch gelöst. Annies Reitkünste sind bei weitem nicht so gut, dass sie ein Pferd von der Klasse Magic Highflyer im Griff haben kann. Die hat für einen Anfänger zu viel Feuer."

Abel entgegnet:
"Aber Annie wollte sie unbedingt, ich kann sie auch problemlos reiten. Wenn sie bockt, gibt es was mit der Peitsche und dann läuft sie auch gut."

Jess antwortet:
"Abel, da haben wir es doch schon wieder. Annie handelt völlig richtig, wenn sie Highflyer nicht schlagen will und mit Schlägen machst du weder ein Kind noch ein Pferd besser. In jungen Jahren als ich es nicht besser wusste bin ich auch so geritten bis ich es bei den Cheyenne besser gelernt habe. Mit Liebe und Verständnis kommt man weiter."

Sarah und Abel gucken Jess verständnislos an:
"Du gehst zu diesen Wilden, die an nichts glauben?"

Nach einem weiteren Schluck Kaffee meint Jess:
"Diese Wilden behandeln ihre Kinder gut. Bei den Cheyenne ist es ein absolutes No Go seine Kinder zu schlagen. Auch das habe ich von ihnen gelernt. Da guckt kein Kind angstvoll auf seinen Vater in der Erwartung von Schlägen. So, und jetzt muss ich los!"

Zuhause erzählt Jess von der Zusammenkunft mit Annies Eltern und Laura ist ziemlich entsetzt:
"Arme Annie! Wie gut, dass du ganz anders bist Jess! Du kennst ja meinen Vater, der hat manches Mal den Gürtel aus der Hose gezogen wenn wir uns nicht richtig verhalten haben."

 
 
Am nächsten Tag bekommt Abel von Jess ein gutes Arbeitspferd.

Abel staunt nicht schlecht, dass Jess seine kleine Sammy auf Sugar sitzen lässt.

 
 
Abel erlaubt Jess Magic Highflyer zu reiten in der Hoffnung, dass er sie etwas ruhiger bekommt.

Jess bekommt sie nicht aus dem Sattel geworfen und der hat sichtlich Spaß an Highflyers wilden Sätzen.

 
 
Teddy steht staunend daneben und geht lieber an die Seite. Ihm ist das alles zu schnell. Jess ruft:
"Los Highflyer, das Holz nehmen wir auch noch!"
 
 
Am Nachmittag kommt Annie auf die Tumbleweed. Nach einer Runde Hufeisenwerfen mit Jolene und Loretta kommt Jess und fragt Annie ob sie reiten möchte. Sie weigert sich strikt. Jess lacht:
"Nein, kein Pferd! Du weißt ja ich war Bullrider und habe meine Bullen. Die laufen ganz gemütlich."

Annie wird neugierig und so bekommt sie Jess wieder in den Sattel.

 
 
Einige Tage später meint er zu Annie:
"Wie wäre es jetzt mit einem Pferd?"

Annie ruft entsetzt:
"Nein Jess, nicht Magic Highflyer!"

Jess beruhigt Annie:
"Schau mal wen ich ausgesucht habe! Das ist ein ganz lieber Wallach, Fuego. Das bedeutet Feuer. Aber nicht weil er wild ist, sondern weil er so rot ist. Du magst doch Füchse so gern."

 
 
Annie guckt:
"Der ist hübsch. Das ist aber kein Mädchen wie Highflyer. Jess was ist ein Wallach?"

Jess wird verlegen:
"Annie man merkt, dass du aus der Stadt kommst. Haben dir das deine Eltern nicht erklärt? Der ist gelegt. Das macht ihn ruhiger."

Annie fragt:
"Was ist gelegt Jess?"

Jess grinst:
"Hm, ja, der hat keine Eier mehr, der kann keine Fohlen mehr machen."

Dann holt er ein Bosal und ein Pad für Fuego.

 
 
Annie guckt skeptisch:
"Er ist so schön und da soll ich jetzt rauf?"

Jess lacht:
"Ich wusste, dass dir Fuego gefällt. Alle Kinder, die ihn bis jetzt geritten haben, waren begeistert von ihm. Sprich nett mit ihm damit er dich kennenlernen kann Annie!"

Annie springt über ihren Schatten und nimmt Kontakt zu dem hübschen Fuchswallach auf.

 
 
Jess lässt sie einige Tage Fuego kennenlernen und dann ist es so weit. Annie überwindet ihre Angst und steigt auf. Jess hat absichtlich keinen Sattel aufgelegt damit Annie lernt ihr Gleichgewicht zu finden und sich nicht am Sattel festhalten kann.
 
 
Jess läuft los:
"Annie die Arme weg vom Pferd und schön Gleichgewicht halten! Es passiert dir nichts, ich gehe langsam und Fuego folgt mir langsam."

Jess sieht aus dem Augenwinkel, dass Annie entspannter wird und Freude am reiten hat, ganz anders als mit der wilden Magic Highflyer.

Annies Vater bringt Sugar zurück und sieht mit Freude, dass Jess Annie wieder auf ein Pferd bekommen hat. So kommt es, dass Annie Fuego bekommt und Highflyer auf der Tumbleweed bleibt.

Zum Ausgleich will Jess Annie noch einige Reitstunden geben, denn er ist überzeugt, dass die Beiden ein gutes Paar abgeben.

Annies Eltern sind auch zur Halloweenparty auf der TWR eingeladen. Dort gibt es Kürbissuppe für alle. Die Kürbisse hat Jess von der Creek Farm bekommen.

 
 
Abel hat es sehr imponiert, dass Jess auf dem Longhorn zur Farm geritten ist.

An Halloweenabend freut sich besonders Sarah über einen ausgeglichenen Abel und eine glückliche Tochter. Sie nimmt Jess an die Seite:
"Danke für alles Jess was ihr für uns getan habt! Annie ist so glücklich und kann wieder mit deinen Kindern lachen. Das hat uns allen so gefehlt."

Jess meint ernst:
"Hauptsache, dein Mann lernt allmählich, dass man zum Lachen nicht in die Vorratskammer gehen muss damit es keiner sieht und Liebe zu seinem Kind nicht züchtigen ist. Das hat Annie nicht verdient."

Die Scheune ist geschmückt.

 
 
Es werden schaurige Geschichten erzählt von einem Geisterpferd.
 
 
 
Als sich Familie Crompton auf den Rückweg zur Creek Farm begibt, meint Jess:
"Passt auf, dass Euch nicht der kopflose Reiter begegnet! Happy Halloween!"
 
 
 
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