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Kapitel 222
 
Die Holidays sind vorüber und der Alltag auf der Ranch wieder eingekehrt. Jess muss einen Tiefschlag in der Pferdezucht einstecken. Blaze hat ihr Fohlen zu früh zur Welt gebracht. Es ist nicht lebensfähig und kurze Zeit nach der Geburt gestorben. Jess hat den kleinen Fohlenkörper hinter die Scheune gezogen nachdem Blaze Abschied genommen hat. Er hat sie aus dem Stall gelassen, aber draußen scharrt sie nur lustlos im Schnee.
 
 
Der Hengst Cisco ist der Vater und es sieht aus als wollte er Blaze trösten. Wegen der Kälte bringt Jess die Stute, die von der Geburt noch mitgenommen ist, wieder in den Stall. Er redet ihr gut zu und bietet ihr Wasser und gutes Futter an, aber sie ist an nichts interessiert. Sie trauert um ihr Fohlen und sucht es in der Scheune. Sie will nicht wahr haben, dass es tot ist.
 
 
Jess zerreißt der Anblick das Herz, aber er weiß als Rancher um die Rückschläge, die in der Pferdezucht passieren. Er macht sich Vorwürfe, ob Blaze nicht doch schon zu alt für ein Fohlen ist und beschließt für sich sie nicht mehr zur Zucht zu nehmen.

Zur selben Zeit sieht der Häuptling der Cheyenne nach seinen Pferden, die dem Wetter schutzlos ausgeliefert sind. Indianerpferde sind zäh und kennen keine Scheunen. Chato hat sich warm angezogen und kontrolliert die Herde. Was er sieht, lässt ihn erstarren. Die Wölfe leiden wie das Volk der Cheyenne an Hunger in dem nicht enden wollenden Winter und haben die Jagd eröffnet. Sie rotten sich zusammen. Erst ein weißer Wolf,

 
 
dann ein schwarzer,
 
 
zuletzt kommt ein riesiger grauer Timberwolf dazu, anscheinend der Chef des Rudels, der heulend zur Jagd auffordert.
 
 
Sie suchen sich zielsicher die geschwächte Stute, die sehr früh im Jahr ihr Fohlen zur Welt gebracht hat, als Opfer aus. Chato muss sich aus weiter Entfernung ansehen wie sie die Stute gnadenlos durch den Tiefschnee hetzen bis sie vor Schwäche umfällt und im Schnee liegt.
 
 
Der Cheyennehäuptling ist zu weit weg und muss tatenlos zusehen wie der große Wolf die Stute mit einem einzigen Biss in die Halsschlagader tötet. Chato kann auf die Entfernung nichts mit Pfeil und Bogen ausrichten. Gerade war der Seeadler noch am Wasser.
 
 
Blitzschnell sind noch mehr Raubvögel und die Wölfe bei der toten Stute. Alle haben Hunger. Chato ist inzwischen nahe genug herangekommen und schleudert ein paar laute Flüche auf Cheyenne und seine Lanze auf den Wolf, der sich daraufhin mit seinem Rudel verzieht. Der Leitwolf ist schlau genug sich nicht mit Menschen anzulegen. Er kann nicht wissen, dass Chato kein Gewehr dabei hat.
 
 
Chatos lautes Auftreten hat Raubvögel und Wölfe vertrieben. Für die Stute kommt jede Hilfe zu spät. Sie hat ihr Fohlen beschützt und ihr Leben gegeben in dem sie die Wölfe vom Fohlen abgelenkt hat. Chato gibt seinem Stamm Rauchzeichen damit die Cheyennefrauen die Stute holen. Pferd essen ist immer noch besser als hungern. Dann sucht Chato das Fohlen und findet es hinter einer Schneewehe. Es ist sehr schwach und so hebt er das kleine Stutfohlen auf sein Pferd.
 
 
Er überlegt erst das schwache Fohlen sofort zu töten, entscheidet sich dann aber zur nicht weit entfernten Tumbleweed zu reiten. Vielleicht weiß sein Blutsbruder Rat. Chato weiß nicht, dass Jess auch gerade einen Verlust einstecken muss. Er legt das schwache Fohlen ins Stroh der warmen Scheune.
 
 
Dann erzählt er Jess was mit der Stute passiert ist. Jess schüttelt den Kopf:
"Chato, warum hast du nicht geschossen? Das hätte doch nicht sein müssen wenn du in der Nähe der Herde gewesen bist."

Der Cheyenne antwortet:
"Ich habe keine einzige Kugel mehr für die Donnerbüchse. Ich kann nicht in Laramie in Johns Laden gehen und ein Kästchen Munition kaufen. Die Weißen verkaufen keine Munition und Gewehre an Cheyenne. Wenn es nach eurer Regierung geht sollen wir Farmer werden und nicht jagen. Das ist unwürdig für Krieger. Für Pfeil und Bogen war ich viel zu weit weg. Die Wölfe habe ich mit der Lanze vertrieben."

Jess meint:
"Ganz schön mutig Chato! Ich gehe eben ins Haus und hole Munition für dich, aber kein Wort zu niemanden von wem du sie hast."

Grandpa Frank ist in der Küche und hört Jess im Waffenschrank kramen.

 
 
"Was machst du da Jess? Wozu brauchst du Patronen?"

Jess antwortet:
"Mein Blutsbruder ist in der Scheune und braucht Munition für meine alte Winchester. Die Cheyenne hungern und müssen sich und ihre Pferde gegen Raubzeug verteidigen können."

Grandpa Frank schluckt, sagt aber lieber nichts dazu. Dann geht er Jess hinterher in die Scheune. Bei dem Gedanken an einen Cheyenne auf der Ranch und ihn auch noch mit Munition auszustatten ist ihm unbehaglich zu Mute.