<- Kapitel 223
Kapitel 224
 
Jess hat viel Zeit mit Blaze und Tenya verbracht.
 
 
Er hat ein schlechtes Gewissen, weil er nicht dazu gekommen ist, wieder eine Ladung Heu zu den Mustangs in die Berge zu bringen was er seit Ende November regelmäßig macht. Der Winter schlägt jetzt in den Rocky Mountains richtig zu mit eisiger Kälte, Wind und hohem Schnee. Das letzte Mal konnte er Anfang Januar mit dem Schlitten fahren.
 
 
Jess sieht sich die Wetterlage an und beschließt auf dem trittsicheren Mustang Shaggy hoch in die Berge zu reiten um bei den Mustangs nach dem Rechten zu sehen. Eine Fahrt mit dem Schlitten ist wegen der Schneehöhe nicht möglich. Es ist trotz Longjohns und Wollsocken eisig kalt je höher er in die Berge reitet. Er denkt bei sich: Nichts wie bald wieder nach Hause an den warmen Kamin! Die Cheyenne haben Recht, im Januar kommt der Frost in die Tipis und Februar ist auch nicht besser. Nur schnell nach den Mustangs sehen!

In der Ferne heulen die Wölfe, deren Geheul die Harpers inzwischen jeden Morgen weckt. Sie kommen näher an die Ranches und Farmen in der Hoffnung Nutztiere zu schlagen.

 
 
Das Wolfsrudel ist weit weg. Trotzdem sieht Jess wie der Leithengst der Mustangs seine Herde zur Eile treibt.
 
 
Jess sieht, dass das Wetter bei vielen Stuten seinen Tribut gefordert hat. Sie waren trächtig und sind wieder schlank. Sie haben ihre Fohlen verloren. Es tut Jess leid, aber auf der anderen Seite ist er froh, dass es nicht zu viele Mustangs sind. Jedes Mal muss er sich auf den Rancherversammlungen rechtfertigen, dass sie auf dem Gebiet der Tumbleweed leben dürfen. Die Rancher würden die Mustangs am liebsten tot sehen, da sie ihrer Meinung nach nur Weideland für Rinder und ihre gezüchteten Pferde wegnehmen. Jess sieht die wilden Pferde als Vermächtnis der Vergangenheit und wichtig für die Cheyenne zum Überleben. Jess fällt eine junge Stute auf, die sehr geschwächt aussieht und sich auch nicht mehr vom Leithengst weiter bewegen lässt. Es sieht aus als will sie aufgeben. Mit hängendem Kopf schaut sie der Herde hinterher aber folgt ihr nicht.
 
 
Sie schaut mit großen traurigen Augen auf Jess und seinen zugerittenen Mustang Shaggy. Sie hat nicht mehr die Kraft vor dem Menschen zu fliehen.
 
 
Jess überlegt ob er die Stute ihrem Schicksal überlassen soll. Sein Verstand sagt ihm, dass in der Natur nur der Starke überlebt und auch die Wölfe Hunger haben. Aber er wäre nicht Jess, wenn sich sein Herz nicht anders entscheiden würde. Er hat die Szene von Chatos Stute im Kopf, die ein Opfer der Wölfe wurde.
 
 
Nein, sagt er sich, ich werde sie mitnehmen und zureiten. Sie ist zierlich und gibt sicher ein gutes Reitpferd für Ladies ab.

Die Stute beguckt sich den Mann, der mit tiefer Stimme beruhigend mit ihr spricht. Sie sieht Shaggy, der Jess vertraut und so lässt sich die entkräftete Stute einfach das Lasso von Jess anlegen, so dass er sie als Handpferd mit nach Hause nehmen kann. Sie hat keine Kraft sich zu wehren.

So zieht Jess mit der Rappstute als Handpferd los Richtung Tumbleweedranch.

 
 
Es wird ein langsamer Ritt. Irgendwann spät in der Nacht ist es geschafft und die Drei sind im Stall angekommen. Die Anwesenheit von Shaggy beruhigt die Stute. Da sie vor Kälte zittert deckt Jess sie mit einer warmen Decke ein und füttert sie gut. Er spricht liebevoll mit ihr:
"Du wirst dich sicher schnell im Warmen und mit gutem Futter erholen. Dein Fell ist sieht aus wie der Himmel in der Nacht, wenn der Mond scheint, nicht ganz kohlschwarz. Ich nenne dich Night Sky, du musst ja einen Namen haben Kleine. Jetzt schlaf schön, hier bist du sicher vor den Wölfen."
 
 
Nachdem Night Sky eingedeckt und gefüttert ist versorgt Jess Shaggy und legt sich dann hundemüde vom langen Tag neben Laura, die fest schläft, ins Bett und schläft sofort ein. Er weiß nicht, dass seine älteste Tochter Jolene durchs Fenster beobachtet hat wie ihr Vater mit der Mustangstute nach Hause gekommen ist.
 
 
 
Tumbleweedranch | Februar 2018 | top
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