<- Kapitel 226
Kapitel 227
 
Grandpa Frank ist in letzter Zeit etwas abwesend. Er greift nach dem Salz und schüttet fast eine riesige Menge ins Irish Stew, wenn Laura ihn nicht davon abgehalten hätte.
 
 
"Frank, hör sofort auf, du verdirbst das Essen. Eine Prise Salz, keine Kelle!"

Frank guckt gedankenverloren und drückt Laura die Kelle in die Hand:
"Koch du weiter, ich gehe nach draußen. Es ist so schönes Wetter."

Laura schüttelt verständnislos ihren Kopf. Frank geht mit seiner Hündin Freckles draußen spazieren und versteht selbst nicht was mit ihm los ist.

 
 
Am nächsten Morgen wäscht er sich besonders gründlich, rasiert sich und stutzt seinen Oberlippenbart. Dann zieht er saubere Sachen an und verabschiedet sich von der Familie:
"Ich habe heute einen Termin bei Mrs. Bolder, Anprobe für neue Hemden."

Jess grinst:
"Well Dad, so ist das wenn man wegen der Wohlstandswampe nicht mehr in die Konfektionsgrößen in Johns Laden passt. Ich weiß meine Größe, ziehe an und alles ist gut, spart viel Geld und John freut sich auch wenn er was verkaufen kann."

Frank antwortet nur:
"Rotzlöffel! Es kann ja nicht jeder so eine Windhundfigur wie du haben. Werde du erst so alt wie ich Junge. Ihr braucht übrigens nicht mit dem Essen auf mich zu warten. Es wird sicher später."

Jess grinst:
"Na Dad, musst wohl mal raus aus dem Allerlei, viel Glück beim Pokern im Saloon, der Teufel hat dich wohl zum Glückspiel verführt! Hast du Sonntag was zu beichten in der Kirche."

Es wird spät als Grandpa Frank wieder zurück aus der Stadt kommt. Am nächsten Morgen hakt Jess erbarmungslos nach:
"Dad, es ist gestern aber sehr spät geworden. Wie ist das Pokern gelaufen? Gewonnen oder verloren?"

Frank guckt verlegen und fasst sich kurz:
"War nicht pokern. War auch nicht im Saloon."

Jess bringt nur ein "Hä?" heraus.

Frank antwortet:
"Gib dir keine Mühe, es geht dich nichts an wo ich war."

"Dann eben nicht!" meint Jess dazu und reitet auf Twinkle, der dringend neue Eisen braucht, nach Laramie zu seinem Freund Harry, dem Schmied.

 
 
Danach stattet Jess noch dem Saloon einen Besuch ab. Die besten Freunde aus der Schulzeit von Jess lassen es sich nicht entgehen. John schließt kurzerhand den Laden in dem er das große Schild auf "Closed" dreht, Harry lässt das Schmiedefeuer ausgehen nachdem Twinkle beschlagen ist und Sam steht als Saloonbesitzer ohnehin hinter der Theke:
"Ein kühles Bierchen für alle! Na Jess, kommst du auch mal raus aus deiner Einsamkeit da draußen? Es muss ja jetzt wohl weniger einsam sein. Du wirst wohl bald eine neue Mutter kriegen. Frank lässt nichts anbrennen. He, wann ist denn die Hochzeit? Schon was geplant?"

Jess traut seinen Ohren nicht und lässt sein Bierglas vor Schreck fallen:
"He Kumpels, es ist noch nicht April. Wollt ihr mich hier zum April`s Fool machen? Was soll mein alter Herr mit einer Frau?"

Der riesige Schmied lacht:
"Jess, hat dich einer deiner Bullen vor den Schädel gestoßen? Was Frank mit einer Frau soll? Wohl dasselbe wie du mit deiner Laura. Grüße sie von uns!"

Jess wird ganz blass und verabschiedet sich schnell von seinen Freunden, nicht ohne vorher das Bier und das kaputte Glas zu bezahlen. Dann reitet er im Galopp nach Hause, versorgt sein Pferd und sucht seinen Vater. Aber Grandpa Frank ist wieder nicht zu Hause. Auf der Weide bei den Ponies findet er Laura.

 
 
Jess nimmt sie an den Händen. Laura grinst:
"Doch nicht jetzt und hier. Hast du Frühlingsgefühle Jess? Es könnte uns einer sehen. Lass uns bis heute Abend warten Darling, wenn die Kinder im Bett sind und Frank."

Jess seufzt:
"Laura wenn du wüsstest, ich brauche einfach jemanden der mich an der Hand nimmt nach dem was ich im Saloon gehört habe. Du wirst es nicht glauben, mein alter Herr hat anscheinend Frühlingsgefühle und stellt einer Frau nach. Harry und Sam haben mich aufgezogen. Ich brauche ganz sicher keine Stiefmutter, nur über meine Leiche!"

Laura haut sich mit der Hand vor den Kopf:
"Jess, jetzt verstehe ich so manches. Frank hat unser Irish Stew fast versalzen. Da hast du es, Verliebte tun seltsame Dinge. Das erklärt es und er hat mich gefragt wie er aussieht, ob seine Haare gut gekämmt sind und sein Bart gut geschnitten."

Jess tobt:
"Jetzt weiß ich auch warum mein teures Rasierwasser auf eigenartige Weise immer weniger wird. Ich hatte schon Raylan in Verdacht."

Laura lacht:
"Und ich habe mich gewundert, dass so ein hartnäckiger Duft im Haus war obwohl du schon bei den Bullen warst zum Füttern und immer sparsam damit umgehst. Hast du eine Ahnung wer die Auserwählte ist? Kennen wir sie?"

Jess meint:
"Darling, habe ich gar nicht gefragt. Ist mir auch egal. Du bist die First Lady auf der Ranch und niemand sonst."

Laura ist enttäuscht:
"Typisch Mann, nach den wichtigsten Sachen fragst du nicht. Dann muss ich das wohl jetzt in die Hand nehmen."

Jess nickt dazu:
"Laura mach das, ich glaube ich bin da nicht diplomatisch genug. Was soll mein alter Herr mit einer Frau? Ich dachte immer er ist ganz zufrieden so wie es jetzt ist. Er ist doch zu alt dafür."

Von Laura kommt nur:
"Wenn du dich da mal nicht täuscht Jess. Ich glaube es hat ihn ernsthaft erwischt. Wenn du ihm nachgehst, lässt das hoffen fürs Alter."

Jess muss trotz allem lachen:
"Darling, das hätte ich jetzt nicht von dir gedacht. Bringt jetzt der Frühling alle durcheinander?"

So kommt es, dass Laura ihren Schwiegervater direkt fragt. Sie passt eine Gelegenheit ab, bei der Jess nicht dabei ist.

 
 
"Frank, stimmt es was man sich in der Stadt erzählt, dass du eine Freundin hast?"

Frank ist erschrocken, aber auf der anderen Seite erleichtert, dass diese Neuigkeit raus ist.
"Ja Laura, vielleicht hattest du schon so eine Ahnung. Ich bin selbst total von meinen Gefühlen überfahren und wusste gar nicht, dass ich sie noch habe oder wie soll ich sagen, wieder gefunden habe? Henrietta geht es auch so. Wir sind uns immer näher gekommen und entdecken immer neue Gemeinsamkeiten."

Laura meint dazu:
"Frank, das musst du selbst entscheiden. Henrietta Bolder ist es also. Ich kenne sie seit sie nach Laramie gezogen ist vor zwei Jahren. Sie ist eine nette Lady. Lade sie doch zum Kaffee trinken nächsten Sonntag ein!"

Laura erzählt Jess, dass Henrietta nächsten Sonntag auf die TWR kommen wird. Jess ist sauer:
"Musste das sein Laura? Du weißt wie ich dazu stehe und dann musst du mir so in den Rücken fallen? Ich dachte immer du hättest meine Mutter geliebt. Sie hat immer große Stücke auf dich gehalten Laura und ich war froh, dass du als Haushälterin bei meinen Eltern warst während ich von Rodeo zu Rodeo gezogen bin. Du warst bei ihr als sie gestorben ist. Ich verstehe meinen Vater nicht. Hier ist kein Platz für eine neue Frau, nicht mit mir."

Laura ist ziemlich überfahren vom Wutausbruch ihres Mannes und sagt nur leise:
"Jess, deine Mutter ist schon viele Jahre tot. Vergessen werden wir sie nie, aber das Leben geht weiter."

Auf diesem falschen Fuß von Jess trifft Frank auch noch auf der Weide mit ihm zusammen.

 
 
Jess schnaubt wütend:
"Ich habe von Laura gehört, dass Mrs. Bolder nächsten Sonntag auf die Ranch kommt. Konntest du uns das nicht ersparen? Du benimmst dich wie ein eitler Gockel und das in deinem Alter. Übernimm dich bloß nicht und vergiß nicht deine Herztabletten! Ach Bullshit, wenn du Frühlingsgefühle hast, dann gehe doch in den Saloon! Sams Mädchen kosten einen Silberdollar die Stunde, der übliche Preis für den Puff. Schämst du dich gar nicht Mutter zu hintergehen?"
und wirft Frank einen Silberdollar vor die Füße. Frank ist völlig überfahren. In dem Moment taucht Raylan auf.
"Dad, was ist ein Puff?"

Jess holt tief Luft:
"Puff, puff, Eisenbahn. Ich habe in der Stadt gehört, die Nebenlinie soll gebaut werden."

Laura kommt dazu:
"Du hast ja gerade noch die Kurve bekommen Jess. Raylan, du gehst ins Haus oder sonst wohin.
(Raylan zieht es vor zu verschwinden. Die dicke Luft ist ihm nicht entgangen.)
Musste das vor dem Jungen sein? Ihr habt doch beide nicht mehr alle Nadeln an der Tanne."

Jess ist stinksauer:
"Wenn sich Dad benimmt wie ein Vollidiot, sich mit meinem Rasierwasser bedient, die Rotzbremse kürzer schneidet und sich wie ein balzender Gockel benimmt, soll man nicht vor Wut platzen. An Mom denkt niemand. Ich dachte immer, Maggie wäre der wichtigste Mensch im Leben gewesen. So kann man sich täuschen."

Frank ist verlegen:
"Glaube mir Junge, ich bin selbst durcheinander und habe gezögert meinen Gefühlen zu trauen, aber sie sind nun einmal da. Hetty lebt und nimmt mich als Mann wahr. Ich werde Maggie nie vergessen genau so wenig wie Hetty ihren verstorbenen Mann. Aber sie sind beide schon viele Jahre tot."

Laura ist fertig mit der Welt:
"Könnt ihr zwei nicht mal wieder wie erwachsene Menschen miteinander umgehen? Jess, du bist sturer als ein Muli aus Missouri. Gönne doch deinem Vater eine gefundene Liebe!"

 
 
Jess stößt hervor:
"Von wem ich das wohl habe? Nicht wahr Dad, da tun wir uns nicht viel. Dann ziehe doch mit deiner Hetty um die Häuser, aber lasst mich damit in Ruhe. Ich brauche sie hier nicht."

Laura schüttelt den Kopf und klopft Frank auf die Schulter:
"Lass ihn, der beruhigt sich auch irgendwann wieder. Ich spreche mit ihm, dass er sich benimmt wenn Mrs. Bolder Sonntag kommt."

Grandpa Frank bleibt nichts anderes übrig als Hetty vorzuwarnen, dass es wohl mit seinem Sohn nicht so einfach wird.