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Kapitel 23
 
Die Rancharbeit geht den Gang der Dinge. Jess ist froh, dass das Wetter zum Heuen noch so schön sonnig war. Nun hat sich die Wetterlage völlig geändert. Es ist sehr durchwachsen und regnet immer wieder heftig, zwischendurch immer Schwüle mit Gewitter. Er meint dazu nur, seit er die Stechmücken im Süden der USA kennt, würde er über die in Wyoming nicht mehr schimpfen, aber am liebsten würde er denjenigen erwischen, der wohl einen Regentanz gemacht hat. So was ist ja kein Sommer. Als es noch warm war, hat er seine Bullen in eine Weide am Fluss gestellt. Dort ist hohes Gras und sie können sich dort sattfressen ohne dass man dauernd nach ihnen sehen muss. Das Ranchhaus der TWR liegt jenseits des Flußes. Er ist zwischen Prärie und Haus, daher ist das Haus gut vor Präriebränden geschützt. Jess`Vorfahren haben sich bei der Lage schon etwas gedacht. Wegen dem häufigen Regen ist Jess doch unruhig und beschließt nach seinen Bullen zu sehen. Er hat die richtige Ahnung. Als er dort auf seinem Smart Chic ankommt, stellt er fest, dass Old Henry im Fluss im Schlamm feststeckt und ohne Hilfe nicht mehr herauskommt.
 
 
Der Fluß führt bereits sehr hohes Wasser, aber Smart Chic hat damit keine Probleme. Er liebt Wasser.

Jess überlegt was er machen soll. Einen Longhorn allein aus dem Wasser ziehen ist ein schwieriges Unterfangen. So etwas macht man eigentlich zu zweit oder noch lieber zu dritt. Aber den Englischreiter Jeremy kann man zu solchen Aktionen nicht brauchen, sein Dad ist zu alt und Laura will er es nicht zumuten. Außerdem sind allen seine Bullen nicht so geheuer. Ihm bleibt nichts anders übrig, als allein diese Aktion in Angriff zu nehmen. Zunächst versucht er mit Smart Chic so nah an den Bullen zu kommen, dass er ihm ein Halfter um den Kopf anlegen kann, aber die Aktion scheitert, weil der Bulle Jess auf dem Pferd nicht so nah an sich heran lässt. Der Regen fällt in Strömen. Jess schimpft:
Du Mistbock, jetzt muss ich doch noch ins Wasser! Als ob es nicht reicht, wenn von oben so viel kommt. Musst du unbedingt in den Schlamm laufen? Bullshit!

Er beißt in den sauren Apfel, legt seine Jacke auf Smart Chic, der am Ufer steht, schwimmt zu Old Henry und kann ihm das Knotenhalfter anlegen.

 
 
Nachdem das endlich geschafft ist, steigt Jess zitternd aus dem Wasser und zieht sich seine Jacke wieder an. Dann steigt er aufs Pferd und zieht.
 
 
Der Bulle rührt sich keinen Inch und Jess flucht
Ich mach dir gleich Feuer unter den Hintern oder verarbeite dich zu Steaks, Mistbock, nun komm endlich! Los!

Smart Chic und Jess sind inzwischen Schweiß gebadet von der heftigen Zugaktion.

 
 
Endlich bewegt sich Old Henry und es geht raus aus dem Fluß.
 
 
Wieder am Ufer angekommen, befreit Jess Old Henry vom Knotenhalfter.
Ab mir dir und lauf mir da nicht wieder rein! Hoffentlich hast du draus gelernt. Jeden Tag habe ich keine Lust auf Baden mit dir, du Mistbock.
 
 
Es ist schon fast dunkel, als Jess endlich nach Hause reiten kann. Am Stall angekommen wirft er seine nasse Jacke über die Boxenwand und kümmert sich um sein nasses und verschwitztes Pferd, absatteln und lange trockenreiben, damit es nicht krank wird. Eigentlich hatte Jess gehofft, dass noch jemand im Stall ist und sich um sein Pferd kümmern kann. Es war aber keiner da also macht er alles selbst. Bei ihm kommen immer erst die Tiere und dann erst die Menschen. Jess füttert Smart Chic noch, er sich nach dem kräftigen Ziehen eine gute Mahlzeit verdient hat und geht dann ins Haus. Seine nassen Stiefel und die Jacke wirft er schon im Eingang runter.

Laura hört ihn und ruft entsetzt
Wie siehst du denn aus? Wie eine Wasserratte! Was hast du gemacht?

Jess
Ich hatte nichts Besseres zu tun und habe mit dem bescheuerten Bullen gebadet. Der musste sich unbedingt im Schlamm festlaufen. Bullshit!

Laura
Tropf mir hier bloß nicht alles voll!

Jess
Anstatt zu meckern wäre es schlauer mir ein Handtuch zu geben.

Dann geht er in seine Bude und zieht sich trockene Sachen an. Laura schüttelt nur ihren Kopf.
So eine Rumsauerei wegen dem blöden Bullen!