<- Kapitel 234
Kapitel 235
 
Die Tage vergehen. Jess wird immer mehr in sich gekehrt, weil kein Gefühl in die Beine kommt. Patrick kommt und fragt wegen Pitch Black, dem Angusbullen:
"Jess, der Angus hat abgenommen. Ich habe ihn gerade von der Smith Farm wiedergeholt und morgen soll er auf die Miller Farm und seinen Job machen. Eigentlich müsste er eine Pause haben und für wenigstens 14 Tage einfach mit den anderen Bullen auf die Weide damit er sich erholen kann."
 
 
Jess wettert los:
"Pitch Black gehört meinem Dad und wenn er die Decktermine so gemacht hat, dann ist es eben so. Du bist der Vormann und hast dich nach den Anweisungen zu richten. Verdammt, ich habe dich nicht zum Vormann gemacht, damit du wegen jedem Bullshit fragen kommst. Hau ab und lass mich mit dem Ranchkram in Frieden! Ich habe andere Sorgen."

Patrick zieht es vor zu gehen. Hetty schüttelt nur ihren Kopf und denkt bei sich: Es ist weit gekommen, wenn Jess die Bullen egal sind. Patrick hat sie sogar auf die Weide am Haus gestellt, so dass Jess sie wenigstens vom Fenster aus sehen kann.

 
 
Patrick macht noch einen Kontrollritt über die Weiden.
 
 
Danach unterhält er sich mit Jeremy auf dem Dachboden, dass mit dem Boss im Moment nichts anzufangen ist und er keine klaren Anweisungen wie sonst gibt.
 
 
Jeremy ist froh nicht die Verantwortung zu haben wie Patrick, der seine Sache sehr gut macht.

Hetty hat das Gespräch mit Patrick wegen der aufstehenden Zimmertür gehört und denkt, das ist nicht der Jess, den wir kennen, der ein Tier so überfordert, dass es schon abmagert. Sie geht in sein Zimmer mit dem Abendessen und dem Johanniskrauttee. Jess ist so weit, dass er alles abwehrt mit den Worten:
"Lasst mich doch alle endlich in Ruhe, den Shittee soll saufen wer will und Hunger habe ich auch nicht, die warmen Kompressen kannst du auch sein lassen Henrietta, bringt ja doch nichts!"

In dem Moment kommt Takoda. Er hat die Worte von Jess durch das offene Fenster gehört und guckt ihn durchdringend an.

 
 
Jess meint:
"Brauchst gar nicht so gucken Takoda, man muss wissen wann man aufgibt und der Zeitpunkt ist jetzt wohl da. Hätte mich Luther Jenkins bloß erschossen, so ist es doch kein Leben mehr."

Henrietta ist entsetzt:
"Jess, du musst an Wunder glauben, an eine führende Hand. Gott wird es richten."

Takoda guckt Hetty fast strafend an und sie beeilt sich zu sagen:
"Oder die Geister der Cheyenne! Ich bete jeden Abend für dich Jess."

Takoda meint dazu:
"Er ist immer noch an einem Ort, der immer dunkler wird. Halte dich an meine Anweisungen Hetty, es kann dauern. Sein Körper braucht mehr Zeit. Vielleicht wollen die Geister auch, dass du länger nachdenkst was falsch läuft Grauer Wolf."

So geht ein sorgenvoller Tag zu Ende. Am nächsten Tag wird geheut, Patrick hat große Bedenken, wenn Jess, Frank und auch Laura ausfallen und er alles mit Jeremy allein stemmen muss. In der Nachbarschaft hat sich aber das Unglück schon herumgesprochen. Hetty hilft Jess am frühen Abend sich im Bett aufzusetzen und öffnet das Fenster:
"Na riechst du etwas? Es ist eine wundervolle Frühsommerluft und nach was riecht es noch so intensiv? Atme tief ein und aus, du atmest zu flach, das kommt vom Liegen!"

Jess schnuppert:
"Es riecht nach gutem Heu. Wie weit ist Patrick gekommen? Ich kann doch nichts machen, das schaffen er und Jeremy doch gar nicht mit den großen Wiesen. Früher haben wir alle angepackt. Ich kann mit der Sense umgehen, Laura hat das Heu zusammengeharkt und mein Dad hat den Heuwagen gefahren."

 
 
Hetty freut sich sichtlich:
"Du hast gute Nachbarn Jess. Matt Henderson hat sogar zwei seiner Arbeiter geschickt, die mit der Sense umgehen können und das wo er auch mitten im Roundup ist. Abel Crompton und seine Frau waren da und auch Tommy von Carolines Farm. Ich habe ihnen Limonade gebracht und Sandwiches."

Jess antwortet:
"Schön, das machen die nur aus Mitleid. Was ist später mit dem zweiten Schnitt? Wenn ich doch bloß könnte..."

Hetty nimmt Jess an der Hand:
"Wenn du dich da mal nicht täuscht Jess! Du bist ein guter Nachbar und alle waren der Meinung, sie sind dir das schuldig. Da kommt niemand nur aus Mitleid. Matt Henderson hält große Stücke auf dich, Abel Crompton hast du mit Annie und ihrem wilden Pferd geholfen.

 
 
Tommy ist glücklich, dass du ihn nach seinem schlimmen Unfall wieder mit Choco zusammengebracht hast und er sich durch deine Hilfe wieder traut zu reiten."
 
 
Jess denkt nach und meint:
"Ja schon, Henrietta, aber wo bleibe ich? Ich weiß nicht ob ich je wieder ein Pferd reiten werde
 
 
oder einen Bullen.
 
 
Außerdem habe ich Angst wenn Laura wieder kommt. Ich bin nicht mehr der Mann, den sie geheiratet hat. Luther Jenkins hat mich zum Krüppel geschlagen und ich kann nicht von Laura verlangen, dass sie weiter mit mir zusammen lebt. Ich werde sie freigeben, wenn sie es möchte. Mir kommt immer wieder in den Kopf, dass sie gesagt hat sie wüsste nicht ob sie es könnte als ich ihr erzählt habe, dass mein Bullriderkumpel Lane Garth, von dem wir Nuage Blanc, den weißen Charolais haben, einen schweren Unfall beim Bullriding hatte, der ihn den Rollstuhl gebracht hat und jetzt mit seiner Frau Pat, die zu ihm gehalten hat, Rodeobullen züchtet. Luther Jenkins hat mein ganzes Leben zerstört."

(nachzulesen in Kapitel -> 140)

 
 
Hetty weiß nicht recht was sie darauf sagen soll:
"Jess du darfst nicht aufgeben! Du musst daran glauben, dass Takodas Medizin helfen wird. Ich kenne Laura nun schon zwei Jahre und weiß, dass sie sie kein oberflächlicher Mensch ist, der eine Ehe hinwirft wenn es schwierig wird. Es heißt doch in guten und in schlechten Zeiten, in Krankheit und Gesundheit. Du bist doch kein anderer Mann nur weil du nicht laufen kannst."

Jess guckt sie traurig an:
"Lass mich doch einfach in Ruhe!"

Hetty merkt, dass sie Jess nicht erreicht und überlegt die ganze Nacht. Ihr kommen immer wieder die Worte von Jess` besten Freunden in den Sinn, die meinten, jemand müsste ihm ordentlich die Meinung sagen. Es ist nicht ihre Art einen kranken Mann zusammen zu stauchen, aber nachdem er am nächsten Morgen wieder nicht essen will und kaum etwas trinkt, mittags dasselbe, platzt ihr endgültig der Kragen. Sie setzt sich neben das Bett und legt los:

 
 
"Bullrider, wir müssen reden und nun kannst du nicht vor mir weglaufen, wie du es sonst getan hast. Du wirst mir zuhören müssen ob es dir passt oder nicht. Vielleicht ist das jetzt der endgültige Bruch zwischen uns und ich kann meine Tasche packen, aber das muss jetzt sein. Einer muss dir ja mal den Kopf zurechtrücken. Was soll Laura vorfinden wenn sie wiederkommt? Ich dachte immer Bullrider sind toughe Kerle mit viel Mut, die so schnell nichts umwirft. Soll sie einen Mann vorfinden, der sich aufgegeben hat und mutlos ist oder soll sie einen Mann vorfinden, der sein Schicksal annimmt und kämpft? Du hast eine Frau, die es verdient, dass du kämpfst und die Kinder brauchen dich und nicht einen Vater, der sich selbst bemitleidet und für ihre Sorgen kein Ohr mehr hat. Mag sein, dass du das Gefühl hast, dass für dich das Leben stehen geblieben ist, aber es geht weiter, du musst dich dem Leben stellen Jess auch wenn es anders ist als das gewohnte. Vor allem glaube an Wunder, an eine führende Hand oder die Geister der Cheyenne. Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du wieder laufen kannst. Takoda meint, du musst deinem Körper mehr Zeit geben sich zu erholen. Du siehst müde aus, hattest sicher wieder eine schlechte Nacht Jess. Überlege meine Worte und sage mir wie du dich entscheidest! Es liegt in deiner Hand wie es weiter geht. Das war es was ich dir zu sagen habe Bullrider."

Jess kann es gar nicht fassen, dass Hetty ihn so zusammenstaucht und es fehlen ihm, was selten vorkommt, die Worte.