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Kapitel 24
 
Drei Tage später vor dem Frühstück meint Opa Frank zu Jess
Sag mal hast du dich mit Laura verkracht? Ich habe dich heute Nacht die Treppe runtergehen hören. Du hast einige Male Pause gemacht und ich habe dich fürchterlich husten hören.

Jess
Nein, wie kommst du darauf? Ich wollte nur Rücksicht nehmen. Es reicht ja, wenn ich nicht schlafen kann wegen dem blöden Husten. Ich bin in mein Zimmer gegangen und habe eine Weile am offenen Fenster gesessen. Ich habe gehofft etwas besser Luft zu bekommen. Hilft ja alles nichts, das Ranchgeschäft und die Arbeit läuft weiter. Gleich kommt ein Interessent für den Shirerappen. Ich denke, der ist so gut wie verkauft.

Etwas später ist der Farmer da. Jess beschreibt den Shire als gut zu handeln, leicht einzufangen und arbeitswillig. Alles geht gründlich schief. Als Jess das Halfter um hat, reißt sich der Rappe los.

 
 
Jess ist nicht in der Lage ihn festzuhalten, er muss wieder so sehr husten und hat auch nicht die Puste, dem Rappen hinterherzulaufen. Der vergnügt sich längst wieder auf der Weide.
 
 
Der Farmer meckert
So habe ich mir leicht einfangen vorgestellt.

Laura beobachtet die Szene und merkt, dass ihr Mann wohl ziemlich neben sich steht. Sie läuft schnell zu ihm. Jess sagt nur
Meine Frau übernimmt das jetzt. Sorry Mister, aber ich fühl mich heute überhaupt nicht gut.

Laura ist etwas irritiert. Verkaufsgeschäfte lässt sich Jess eigentlich nicht aus der Hand nehmen. Sie beobachtet nur noch, dass er ziemlich langsam in Richtung Ranchhaus geht.

Sie übernimmt die Verkaufsverhandlungen und kann auch zeigen, dass der Shire so umgänglich ist wie Jess gesagt hat. Letztlich kauft der Farmer ihn doch und Laura kann sogar etwas mehr rausschlagen als Jess ihr zugeflüstert hat wo seine Vorstellung liegt.

Jess geht ins Haus, schafft es noch seine Stiefel auszuziehen und legt sich auf sein Bett. Laura hat den Farmer, der den Shire gleich mitnimmt verabschiedet und geht dann auch ins Haus.

Inzwischen macht sie sich Sorgen. Sie ärgert sich über sich selbst, dass sie Jess nicht abgehalten hat so viel zu arbeiten und ihn nicht dazu gebracht hat es mal ein paar Tage etwas langsamer angehen zu lassen und vielleicht mal etwas länger zu schlafen. Sie sieht in die Küche, dann ins Schlafzimmer, aber er steckt nirgendwo. Endlich kommt sie auf die Idee in sein Zimmer zu sehen.

Sie ist sehr erschrocken als sie ihn morgens um 10 Uhr auf dem Bett sieht. Das ist so gar nicht seine Art. Er nimmt sie gar nicht richtig wahr und ist sehr schwer am Luft holen. Laura sieht ihn mitleidig an und fasst ihm an die Stirn.
Jess, du glühst ja richtig. Du hast Fieber und das nicht zu knapp. Komm, ich helfe dir beim Ausziehen, dann legst du dich richtig hin.

Jess sieht Laura nur seltsam aus trüben Augen an und der nächste Hustenanfall kommt. Laura hilft ihm beim Ausziehen und packt ihn in sein Bett. Sie misst Fieber und ist über das Ergebnis sehr erschrocken. Opa Frank hat inzwischen auch mitbekommen, dass etwas nicht stimmt. Er ist auch sehr besorgt und meint gleich zu Laura
Mit dem hohen Fieber ist das kein normaler Husten. Wir schicken Jeremy nach Laramie. Er soll den Doc holen. Wenn das Fieber jetzt gegen Mittag schon so hoch ist, wird das Abends und in der Nacht noch übler. Der Husten gefällt mir gar nicht.

Opa Frank und Laura schicken Jeremy sofort los mit der Mahnung sich sehr zu beeilen.

 
 
In der Zwischenzeit macht Laura für Jess kalte Wadenwickel um das Fieber zu senken. Nach fast vier Stunden ist Jeremy wieder zurück mit der Hiobsbotschaft, dass der Doc nicht da ist sondern im Holzfällerlager im Süden des Countys wo ein schwerer Unfall passiert sein soll. Jeremy hat der Haushälterin des Docs gesagt wie dringlich es ist und er doch sofort zur TWR kommen soll, sobald er wieder da ist. Opa Frank und Laura sind entsetzt. Sie wissen was es für weite Wege sind und der Doc reitet nicht auf Grund seines Alters sondern fährt mit dem Buggy. Das würde ja ewig dauern. Zeit, die sie vielleicht gar nicht mehr haben. Es ist inzwischen später Nachmittag geworden und Jess geht es unverändert schlecht. Auf Lauras Ansprache reagiert er gar nicht mehr. Laura überlegt was man tun kann. Sie weiß, dass sie Jess nicht wirklich helfen kann. Das kann nur noch ein Arzt oder jemand, der sich mit diesen Dingen auskennt. Da fällt es ihr wie Schuppen von den Augen - der Medizinmann der Lakotas! Jess hat immer große Stücke auf ihn und seine Naturmedizin gehalten. Sie fängt an nervös Jess Jackentaschen zu leeren.

Typisch Jess, die nassgewordenen Streichhölzer, die mit Sicherheit nicht mehr brennen, etliche Dollarmünzen und Scheine, der Reißzahn des Timberwolfes und allerhand Krimskrams kommen zu Tage. Laura legt alles auf den kleinen Tisch. Opa Frank wundert sich.
Was hast du vor? Die Jacke ist doch jetzt absolut nicht wichtig.

Laura meint
Die Jacke brauche ich. Ich nehme Smart Chic, Jess Pferd. Er sagt ja immer, er ist trittsicher wie eine Rocky Mountain Ziege. Ich reite jetzt ins Indianerlager.

Opa Frank fällt alles aus dem Gesicht.
Sind jetzt alle verrückt geworden? Du willst zu den Rothäuten?

Laura
Ich habe nichts zu verlieren. Soll ich meinen Mann sterben lassen? Wenn er nicht mehr da ist, will ich auch nicht mehr. Die Jacke und das Pferd kennen die Indianer. Sie werden mir hoffentlich nichts tun. Frank, wechsel dich mit Jeremy und Vicky mit den Wadenwickeln ab. Die müssen immer kalt sein. Ich hoffe, Jess hält durch. Das wird ein weiter Ritt.

Laura holt sich Smart Chic und los geht es.

 
 
Sie ist fast an der Baumgrenze der Rocky Mountains angelangt und stösst auf einen einsamen Goldgräber.
 
 
Der Mann kann ihr bestätigen, dass die Indianer ganz in der Nähe sind. Inzwischen hört Laura indianische Trommeln. Sie weiß nicht, dass sie schon lange von Spähern gesehen worden ist, die ihr Kommen dem Stamm ankündigen. Ihr wird etwas unheimlich aber sie reitet unerschrocken weiter ihren Weg. Mit einem Mal steht Leotie, die Frau des Häuptlings Chato vor ihr.
 
 
Laura grüßt sie mit Handzeichen wie sie von Jess abgeguckt hat. Leotie sagt
Ich weiß, du bist die Frau vom Grauen Wolf. Folge mir! Du brauchst keine Angst haben, es geschieht dir nichts.

Laura ist irritiert. Leotie merkt es und klärt Laura auf.
Der Wolf ist das Totemtier deines Mannes. Der Medizinmann hat es ihm damals so zugeteilt. Er ist dem grauen Timberwolf sehr ähnlich, kraftvoll und ruhelos.

Laura denkt nur hoffentlich reicht die Kraft bis der Arzt oder der Medizinmann da ist und irgendetwas tut was ihm hilft. Leotie führt Laura sofort zum Medizinmann. Ihr Mann Chato ist inzwischen da und übersetzt, da der Medizinmann sich immer geweigert hat, die Sprache der Weißen zu lernen. Laura beschreibt genau was Jess fehlt und der Medizinmann packt allerhand Pflanzen und Kräuter in seine große Tasche aus Elchleder. Chato und der Medizinmann reiten sofort los. Sie wissen ja wo die TWR liegt und wollen keine Zeit mehr verlieren. Laura ist vom Ritt ziemlich erschöpft genau so wie Smart Chic. Die Beiden brauchen dringend ein paar Stunden Pause. Leotie kümmert sich um Laura und versorgt sie mit etwas Essen und Wasser.

Laura fällt anschließend im Tipi von Leotie und Chato in einen kurzen traumlosen Schlaf. Sie erwacht nach zwei Stunden und will wieder nach Hause zur TWR aufbrechen. Leotie begleitet sie auf ihrem Weg.

 
 
Dieses Mal können sie sich Zeit lassen.
Chato und der Medizinmann haben den weiten Ritt sehr schnell hinter sich gebracht ohne auch nur ein einziges Mal zu rasten. Sie haben die schnellsten und kräftigsten Pferde gewählt.

Chato steigt einfach in das offene Fenster zu Jess`Zimmer ein. Er hat sich geschworen nie wieder durch die Tür ein Haus der Weißen zu betreten. So braucht er seinen Schwur nicht zu brechen. Vicky und Jeremy sitzen bei Jess, dessen Zustand völlig unverändert ist. Der Medizinmann klettert hinterher mit seiner Tasche. Vicky und Jeremy erschrecken sich fast zu Tode als plötzlich die beiden Indianer im Zimmer stehen. Chato schickt die Beiden aus dem Zimmer. Jeremy kommt aus dem Osten und kennt keine Indianer und Vicky hatte auch noch nie mit ihnen zu tun. Ihnen ist das alles nur unheimlich und sie verlassen ganz schnell das Zimmer. Sie gehen in die Küche wo Opa Frank am Küchentisch eingeschlafen ist. Sie wecken ihn
Es sind zwei Indianer im Zimmer vom Boss. Was sollen wir denn jetzt tun?

Opa Frank
Laura hat es also tatsächlich geschafft. Der Doc kommt ja doch nicht. Wir haben nichts mehr zu verlieren. Zwei Indianer in unserem Haus, oh mein Gott!!!

Er sieht nach draußen. Dort stehen die beiden Pferde mit Indianertack.

Der Medizinmann guckt Jess an und macht sich ein Bild von der Krankheit. Ein böser Husten, der sich zur Lungenentzündung entwickelt hat! Als erstes legen Chato und der Medizinmann Jess in eine sitzende Position damit er besser Luft bekommt als im Liegen. Der Medizinmann wirft einen Blick auf den Tisch im Zimmer und sieht den Reißzahn des Timberwolfes. Den bindet er Jess sofort wieder um den Hals. Anschließend behandelt er ihn mit seinen Kräutern und Pflanzen mit denen er Brustwickel macht. Jess bekommt von alldem nichts mit. Der Medizinmann ist sehr besorgt. Er meint es sind böse Geister über der TWR, die vertrieben werden müssen. Und so stimmen sie den Ghost Dance mit Power Drums an.Lasst euch mal auf das Video mit den tollen Bildern ein, wenn ihr Zeit habt!

Opa Frank hat Jeremy und Vicky inzwischen in ihre Zimmer geschickt. Schließlich müssen am Morgen die Tiere alle versorgt werden. Die Trommelei kann er gar nicht einordnen. Es macht ihn alles fertig. Inzwischen kommt Laura an und setzt sich zu Frank nachdem sie die Jacke von Jess ausgezogen hat. Die Beiden warten ab was passiert.

Der Medizinmann spricht mit Jess auf Lakota. Darauf reagiert er aber nicht. Chato versucht es auf amerikanisch. Er sagt ihm, dass er eine mutige Frau hat. Er merkt aber, dass Jess immer mehr in das Schattenreich abdriftet. Chato steht auf, geht in die Küche und holt Laura.
Sprich mit ihm, du bist seine Frau. Euch verbindet ein besonderes Band.

Laura ist nur noch zum Heulen als sie ihren Mann so sieht. So fertig hat sie ihn noch nie gesehen. Sie reißt sich zusammen, weil sie weiß, dass er sie braucht und redet mit ihm.
Jess, bleib bei mir. Wir haben noch so viel vor. Ich brauche dich. Denk an die Ranch, die Pferde, die Mustangs, deine Bullen!

Sie streicht ihm die nassen Haare aus dem Gesicht, streichelt ihn und hält seine Hand. Auf einmal merkt sie, dass Jess ihre Hand drückt. Er macht kurz seine Augen auf und murmelt
Laura, du bist da, das ist gut.

Danach schläft er wieder ein, aber es ist diesmal ein ruhiger Schlaf ohne Fieberkrämpfe. Der Medizinmann und Chato sind zufrieden. Sie spüren, dass Laura ihn erreicht hat und sehen ihre Arbeit als getan an. Der Medizinmann leert seine Tasche mit den restlichen Pflanzen und Kräutern und gibt durch Chato Anweisungen zur weiteren Benutzung. Jess ist noch lange nicht gesund, aber die Krise hat er überstanden macht der Medizinmann deutlich. Chato und der Medizinmann verlassen das Haus so wie sie gekommen sind, lautlos durch das Fenster und reiten mit Leotie wieder in Richtung Berge.