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Kapitel 244

(Anmerkung von Andrea: In dieser Folge geht es um ein besonderes Pferd, ein Pferd aus meiner Kindheit von Steha. Ich hatte in den 60er Jahren eines was sich allerdings einen Beinbruch durch das Knabbern eines Hundes zugezogen hat. Es wurde mit Stock im Bein und Leukoplast um die Bruchstelle repariert aber im Lauf der Jahre hat es sich wegen dem Pappmachè Material aufgelöst. In den 70er Jahren gab es solche Pferde in Hartplastik und so eines habe ich aus nostalgischen Gründen auf dem großen Pferdemarkt ersteigern können. Keine Schönheit - aber liebenswert!)

 
Wieder zu Hause kehrt der Alltag auf der Tumbleweed ein. Alle sind froh, dass Hetty jetzt für immer auf der Ranch wohnt. Die Kinder lieben sie, Laura ist froh von ihr tatkräftige Unterstützung im Haushalt zu bekommen und Frank liest ihr jeden Wunsch von den Augen ab. Die Beiden haben sich gesucht und gefunden. Jess versteht immer mehr, dass Liebe im Alter auch sehr schön sein kann. Zu Laura meint er:
"Guck dir die Beiden an, so glücklich habe ich meinen Dad schon lange nicht mehr gesehen. Er hat nichts von seinem Charme verloren so wie er mit Hetty umgeht."
 
 
Laura nimmt Jess an den Händen:
"Jess, das lässt doch hoffen. Wir müssen es schaffen auch im Alltag unsere Liebe zu bewahren.
Ich bin so froh, dass es dir besser geht auch wenn du für längere Strecken den Gehstock nimmst."

Einige Tage später steht Hetty bei der Bullenweide und sieht Patrick bei der Arbeit zu.

 
 
Jess hat eine Runde auf Charlie Broken Horn geritten und will ihn wieder auf die Weide stellen.
 
 
Er steigt ab und entlässt den Longhorn auf die Weide. Dann stutzt er als er Hetty ansieht, die sich verstohlen ein paar Tränen aus den Augen wischt. Jess fragt:
"Hetty, was ist los? Hast du wieder Zwiebeln geschält, die Kartoffeln sind? Fehlt dir etwas, ist mein Dad nicht gut zu dir?"

Hetty schüttelt den Kopf und antwortet unwirscher als sie eigentlich will:
"Nichts ist! Frank ist der liebste Mann, den ich kenne. Er tut alles damit es mir gut geht."

Jess spürt, dass da noch etwas ist:
"Hetty, erzähl mir nichts! Irgendetwas ist da doch das dich bedrückt. Spuck`s schon aus!"

Hetty erwidert:
"Jess, dir kann man auch nichts vormachen. Ich sehe schon die ganze Zeit wie gut es hier die Pferde haben, wie schön sie leben und dass du auch Pferde hast, die eigentlich wie man so schön sagt zu nichts mehr gut sind. Du hast Harriet, das Zirkuspferd, das die Kinder gerettet haben.

 
 
Blaze, die aus schlechter Haltung kam, hat einen Platz hier gefunden.
 
 
Der Oldtimer
 
 
Franks Muli Miss Sheba
 
 
einige Bullen und....."

Jess unterbricht Hetty:
"Aber das weiß ich doch, was hat das mit dir zu tun Hetty? Nun komm schon auf den Punkt!"

Hetty druckst herum:
"Als du so krank warst haben wir viel geredet. Ich habe dir erzählt von unserer Farm am Windy River in Colorado und dass ich es nicht geschafft habe meinen Mann zu pflegen und die Tiere zu versorgen und ich alle verkaufen musste. Wir hatten eine ganz brave Kaltblutstute, die im Alltag alle Arbeit gemacht hat und uns am Sonntag zur Kirche gebracht hat. Penelope war eine so Gute, jetzt hätte ich die Möglichkeit sie weiter zu halten, aber ich weiß nicht was aus ihr geworden ist."

Jess grinst:
"Penelope! Was für ein Name!"

Hetty antwortet:
"Sie hieß schon so als wir sie gekauft haben. Wir haben sie immer Penny genannt. Als ich die Farm verkauft habe hat der Käufer die Tiere mit übernommen. Da war Penny schon 15 Jahre alt. Dann war ich ein Jahr im Dorf, aber dort hat mich alles an Leroy erinnert und ich wollte nicht das Mitleid der Leute. Ich bin dann nach Laramie gezogen und habe damit alles hinter mir gelassen. Was wohl aus Penny geworden ist? Das werde ich wohl nie erfahren. Schade, hier könnte sie es jetzt so gut haben. Sie muss inzwischen schon fast 20 Jahre alt sein. Wer weiß ob sie noch lebt?"

Jess nickt nur dazu, aber äußert sich nicht weiter. In ihm reift die Idee Nachforschungen nach dieser Stute anzustellen. Er erzählt seinem Dad von dem Gespräch. Er soll herausfinden wie Penelope ausgesehen hat.

 
 
Nachdem Jess nun weiß wie Penelope aussieht reitet er in Johns Laden. John hat ein Telefon, das Jess lange Zeit für seine Nachforschungen in Beschlag nimmt. Der Farmer, der die Farm mit dem Tierbestand gekauft hat, hatte keine glückliche Hand und wieder aufgegeben. Penelope wurde zum Wanderpokal und die Spur verliert sich bei einem Pferdehändler in Denver. Wieder zu Hause erzählt Jess seinem Vater was er herausgefunden hat:
"So Dad, bei dem Pferdehändler verliert sich die Spur. Sie ist noch ziemlich frisch und wir sollten dran bleiben. Was tut ein Pferdehändler mit einem kaputten alten Pferd? Die werden in den Stockyards von Denver gesammelt und gehen waggonweise nach Kanada zum Schlachten. Wir müssen jetzt schnell sein. Kein Wort zu Hetty, ich habe keine Ahnung ob ich die Stute finde oder mit leeren Händen wiederkomme Dad. Sie ist sonst nur enttäuscht und das muss nicht sein. Du bleibst bei ihr, ihr seid schließlich frisch verheiratet. Wenn ich mal weg bin, denkt sie sich nichts dabei. Ich bin ja häufiger mal weg wegen Ranchgeschäften."

Frank nickt zustimmend:
"Viel Glück Junge!"

Jess packt seine Reisetasche, bekommt von Hetty und Frank ein Lunchpaket und setzt sich in den Zug nach Denver. Beim Anblick der Stockyards, die direkt neben dem Bahnhof liegen, denkt er wie gut den Gehstock dabei zu haben. So weit das Auge reicht gibt es Corrals mit Vieh, das versteigert und gleich mit der Bahn weitertransportiert wird. Es steht Zuchtvieh und Schlachtvieh zum Verkauf. In den großen Städten ist der Fleischhunger immens. Um 1900 wurden dort 239.000 Rinder, 115.700 Schweine, 306.109 Schafe und 22.700 Pferde umgeschlagen. Das war die beginnende Viehindustrie, die der Westen auch heute noch beliefert.

Jess lässt die Corrals mit Kühen, Schweinen, Schafen liegen und konzentriert sich auf die Corrals mit Pferden. Am späten Nachmittag ist er alles durch ohne eine Stute zu finden auf die die Beschreibung passt. Da spricht ihn ein Pferdehändler an:
"Sir, suchen Sie etwas Bestimmtes?"

Jess beschreibt das Pferd und bekommt zur Antwort:
"Ich habe drei Waggons nach Kanada fertig beladen. Da war eine Stute dabei auf die die Beschreibung passen könnte, so groß wie ein Hengst. Die ist aber kaputt auf den Beinen, ich habe besseres in meinen Corrals. Allerdings sollten Sie sich beeilen. Der Zug fährt in einer knappen halben Stunde."

Jess beeilt sich. Die vielen Pferde, die ausgemustert sind und zum Schlachten gehen, tun ihm leid. Die Eisenbahner sind dabei die Waggons zusammen zu koppeln und Eile ist geboten. Jess tut der rechte Oberschenkel weh, aber er hastet durch den Waggon. Ganz am Ende sieht er eine Stute, die sich hingelegt hat und wohl nicht mehr aufstehen kann. Jess guckt genauer und stellt fest, dass es Penelope sein muss. Das Alter kommt hin, keinerlei Abzeichen, anscheinend groß aber leider aufgebraucht und vermutlich nicht gut behandelt. Jess spricht sie an. Sie hebt nur müde den Kopf und guckt aus traurigen Augen, die nichts Schönes mehr von der Welt erwarten. Sie hat Striemen und Jess weiß, dass man hier beim Verladen von Schlachtvieh nicht gerade zimperlich ist.
"Los Penelope, du musst aufstehen, komm schon, wir müssen uns beeilen."

Die Stute blickt Jess verständnislos mit stumpfen Blick in Erwartung weiterer Schläge an. Sie hat aufgegeben und will nicht mehr aufstehen. Jess streichelt sie liebevoll:
"Komm schon, hoch mit dir, alles wird gut Penny."

Beim Wort Penny stutzt sie. So hat sie lange niemand mehr genannt. Jess merkt es sofort:
"Hoch Penny, wir haben nicht mehr lange Zeit, komm, komm zu Hetty!"

Beim Wort Hetty geht ein Rück durch die Stute. Sie steht tatsächlich auf und steht wackelig auf ihren zerschundenen Beinen. Sie hat auch einige Bisse von anderen Pferden abbekommen, da nicht nach Geschlechtern getrennt wird, Hauptsache schnell verladen. Irgendetwas in ihr sagt ihr, dass sie dem Mann mit dem Gehstock vertrauen kann und Jess bringt es fertig, sie vorsichtig über die Rampe des Waggons zu führen. Der Pferdehändler lacht:
"Was willst du mit dem kaputten Vieh? Arbeiten kann die nicht mehr, Fleischpreis 12 Dollar und sie gehört dir."

Jess verhandelt nicht weiter und zahlt. Er will nur noch weg von dort und nach Hause seine Beine hochlegen. Er kauft für Penny ein Transportset damit sie geschützt ist und verlädt sie in den Zug nach Laramie. Sie bekommt einen großen Platz im Viehwaggon für sich allein, nicht zusammen mit anderen Pferden.

 
 
Letztlich ist die Passage nach Laramie teurer als das verbrauchte Pferd wert ist. Aber Jess ist es ein Herzenswunsch etwas für Hetty zu tun, der er so viel zu verdanken hat. Jess lässt Penny noch einige Tage zur Erholung in Harrys Mietstall. Der hat schon häufiger alte verbrauchte Pferde gesehen und bei Jess wundert ihn so schnell gar nichts. Harry kümmert sich gut um Penny und so kann sie nach einigen Tagen der Ruhe auf die Tumbleweed umziehen.

Beim Frühstück gucken sich Jess und sein Vater vielsagend an und Frank umarmt Hetty:
"Du wirst dich heute noch wundern. Der Tag hat eine große Überraschung parat. Da kommst du nicht drauf was es ist."

Hetty schüttelt nur ihren Kopf und kann sich keinen Reim darauf machen. Am Nachmittag hat es Frank so eingerichtet, dass er und Hetty auf die Weide kommen, als Jess Penny nach Hause bringt. Er hat ihr gerade das Halfter abgestreift und sie läuft so neben ihm her.

 
 
Hetty lässt fast ihre Tasche fallen und kann gar nicht glauben was sie sieht. Fragend ruft sie:
"Penny, Penny! Bist du das wirklich?"

Als die Stute Hetty hört, geht ein Zittern durch das große Tier. Hetty war immer gut zu ihr. Sie erkennt sie sofort und denkt wohl an die guten Zeiten auf der Farm am Windy River. Jess drückt Hetty eine Rübe in die Hand und beobachtet die Beiden.

 
 
Penny schnaubt zufrieden und fühlt, dass das Leben hier auf der Ranch wieder schön wird. Bei Hetty fließen die Tränen. Sie streichelt Penny und sagt immer wieder ihren Namen. Jess grinst:
"Wenigstens sind es dieses Mal Freudentränen, wenn du hier zu Hause bist Hetty, dann soll es Penny auch sein."

Frank klopft seinem Sohn auf die Schulter:
"Gut gemacht Junge, ich hätte nicht gedacht, dass du Penny doch noch in den Stockyards findest."

Penny wittert die frische Luft und freut sich über das grüne Gras der Tumbleweedranch.

 
 
Penny wird schnell von den anderen Pferden akzeptiert und kann ihr Gnadenbrot genießen.
 
 
Jess ist mit sich und der Welt zufrieden Hetty etwas Gutes getan zu haben. Er kann es verstehen wenn man an einem Pferd hängt auch wenn es eigentlich wertlos für die Arbeit und alt ist. Für Penny war es Rettung in letzter Minute.