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Kapitel 25
 
Der Medizinmann, Chato und Leotie sind auf dem Weg in die Berge. Jess schläft und Laura hält immer noch seine Hand, weil sie sich nicht traut loszulassen. Allerdings ist sie auch sehr müde, da sie ja im Tipi nur kurz geschlafen hat und dann erneut den weiten Ritt zur TWR zurück hinter sich gebracht hat. Daher ist sie auch eingenickt.Jess Vater hat inzwischen Frühstück gemacht für alle. Vicky und Jeremy versorgen die Pferde und kümmern sich um den Beritt so weit sie Bescheid wissen und diese Arbeit leisten können. Frank beobachtet die Szene mit Jess und Laura und denkt nach:
Was für eine mutige Frau! Reitet allein diesen schwierig zu bewältigenden Weg in die Rocky Mountains und weiß nicht wie sie bei den Indianern aufgenommen wird. Sie hat es tatsächlich fertiggebracht den Medizinmann hierher zu bekommen. Der Doc ist ja immer noch nicht hier. Wer weiß ob Jess noch leben würde? Die Indianer haben doch wohl gewusst was zu tun ist. Den indianischen Namen von Jess habe ich auch nicht gewusst. Darüber hat er nie gesprochen. Den Timberwolfzahn hat er immer sehr tief im Hemd getragen, so dass er nicht zu sehen war. Grauer Wolf, irgendwie passt der Name ja schon. In seinem Leben haben sich immer Kraft und Ruhelosigkeit die Waage gehalten. Er ist so völlig anders als ich es bin, daher geraten wir wohl auch häufiger aneinander. Ich komme mit seiner liberalen Art einfach nicht immer klar. Vielleicht hat er ja doch recht und wir haben den Indianern im Lauf der Geschichte viel Unrecht angetan. Auf jeden Fall sind dieser Chato und der Medizinmann Persönlichkeiten zu denen man nur aufblicken kann. Sie sind ein Abbild des Stolzes ihres Volkes.

Jess wird langsam wach, sieht sich um und orientiert sich.
Laura, Dad, was ist hier los? Es ist hell und ich liege hier im Bett und ihr seid hier? Was machen die Pferde? Werden sie versorgt? Wie geht es Smart Chic? Er ist doch hoffentlich nicht krank geworden, ich habe ihn so lange trockengerieben.

Jess Dad
Sachte Junge, bleib mal ganz ruhig! Du bist sehr krank und brauchst Ruhe. Du hast in letzter Zeit viel zu viel gearbeitet und überhaupt nicht an dich selbst gedacht. Das ist jetzt wohl das Ergebnis dafür.

Laura wird auch wach, sieht Jess an und freut sich, dass er ansprechbar ist.

Jess
Ich kann mich daran erinnern, dass ich dem Farmer den schwarzen Shire vorgestellt habe.

 
 
Ich hatte ihn am Halfter und er hat sich losgerissen, weil ich keine Kraft hatte ihn zu halten. Einfangen konnte ich ihn auch nicht. Ich habe ihn doppelt gesehen und hätte nicht gewusst welchem ich hinterher sollte, aber ich hätte das auch nicht geschafft. Dann war Laura da und ich weiß noch, dass ich es in mein Zimmer aufs Bett geschafft habe. Danach war ich auf einem wahren Höllentrip. Mein Leben ist vor mir abgelaufen, die schönen und weniger schönen Sachen. Ich habe mich auf meinem Bullen reiten sehen.
 
 
Ich habe ein Geisterpferd aus der Schattenwelt gesehen.
 
 
Danach habe ich Ma gesehen, ich wollte ihr folgen, aber sie hat eine abwehrende Bewegung mit ihren Armen gemacht. Dann habe ich Lauras Hand mit unserem Ehering gefühlt und wusste alles wird gut, wenn sie da ist. Sagt mal, sind die Indianer in unsere Nähe gezogen? Ich habe immer Trommeln und Flöten gehört, sehr nah. Ich könnte schwören, dass es der Ghost Dance war mit dem man böse Geister vertreibt.

Laura und Jess Vater sehen sich an.
Frank ist erschrocken. Schwer kranke Menschen bekommen doch sehr viel mit was um sie herum geschieht.

Junge, für Rhythmus warst du immer schon empfänglich. Ich denke der Medizinmann und Chato haben dich damit noch im Diesseits halten können. Deine Frau war so mutig und hat den weiten Ritt zu den Indianern gemacht und Hilfe geholt. Der Medizinmann und Chato waren hier und haben dir Grauer Wolf geholfen.

Jess
DAS hast du für mich gemacht Laura? Ich kann es gar nicht glauben, bin ich also doch nicht völlig verdattert. Ich habe die Trommeln und Flöte doch gehört. Grauer Wolf? Dad, woher weißt du?

Frank
Ich weiß es von Laura. Du hast ja nie ein Wort darüber verloren.

Jess
Nein, bei deiner Einstellung hättest du mich von der Ranch gejagt und enterbt. Ich komme gar nicht darüber weg, dass die beiden wichtigsten Leute ihren Stamm wegen mir verlassen haben.

Jess muss wieder tüchtig husten.

Laura
Nun ist aber Schluß mit den aufregenden Gesprächen! Jess du brauchst Ruhe, hier trink mal, du hast mit dem Fieber sehr geschwitzt und viel Flüssigkeit verloren. Du solltest jetzt wieder ein bischen schlafen. Jess trinkt und schläft auch tatsächlich sofort wieder ein.

Laura und Frank sind zufrieden, dass er wieder ansprechbar ist und das Fieber nicht mehr so hoch ist. Plötzlich hören sie einen Wagen kommen. Es ist der Doc, der schnell absteigt und ruft
Hier bin ich! Wo ist mein Patient? Ich weiß ja, dass ihr Leute von der TWR mich nicht wegen einem einfachen Schnupfen zur Eile treibt.

Frank
Hallo Doc! Du kannst jetzt langsam machen. Ich denke Jess hat das Schlimmste überstanden.

Der Doc, Laura und Frank setzten sich in die Küche. Der Doc hat schnell einen Blick auf Jess geworfen, der aber fest schläft und meint
Jetzt habe ich Zeit. Er schläft gerade so fest, da will ich nicht stören. Habt ihr einen Kaffee für mich? Ich habe nicht lange geschlafen. Es hat im Holzfällercamp sehr lange gedauert. Die haben da neue Holzfäller, die ziemlich sorglos mit der Axt umgehen. Baum fällt!wohl zu spät gerufen und da hat es einen erwischt. Ich konnte das Bein nur noch amputieren, es war völlig zerschmettert. So etwas mache ich auch nicht jeden Tag. Ich bin dann noch die ganze Nacht dort geblieben, weil ich Komplikationen befürchtet habe. Aber es ist doch wohl gut gegangen.

Ein Arzt für so ein großes County ist einfach zu wenig, aber wer will schon in diese einsame Gegend?

Frank erzählt von Lauras Ritt zu den Indianern und was der Medizinmann und Chato getan haben. Der Doc sieht sich die Heilpflanzen an und meint diese Naturheilkunde ist sehr gut.

Er hat für Lungenentzündungen auch kein Allheilmittel. Laura zeigt ihm noch den Tee für Jess. Der Doc muss lachen, da ist jede Menge Baldrian drin. Jess ist so etwas nicht gewöhnt, der wird schlafen wie ein Baby, wenn ihr das in ihn rein bekommt. Er steht ja mehr auf Bier, die Story von Sunday morning coming down, die Mainstreet von Laramie runter ist auch bei mir angekommen. Jess ist schon ein Original.

Inzwischen wird Jess wieder wach und der Doc kann ihn untersuchen und abhören.
Du rasselst ja noch ganz schön. Von gesund bist du noch ein ganz großes Stück entfernt. Ein paar Pfund mehr könntest du auch auf den Rippen haben. Du hast ja nichts zuzusetzen.

Jess
Sag schon Doc, wenn ich ein Gaul wäre, würde ich sagen dämpfig. Da hilft nur noch erschiessen.

Doc
Du Scherzbold! Das wird schon wieder aber nur mit Bettruhe, keine Anstrengungen, keine Aufregung, kein Bier, kein Whisky. Weiter die Brustwickel mit den Pflanzen der Indianer und schön Tee trinken.

Jess
Na das sind ja tolle Aussichten! Dad, du fährst nachher zum Wasserturm wo die Loks vor den Rockys auftanken und guckst ob da ein zwei Hobos zu bekommen sind, die schon einmal mit Pferden zu tun hatten. Vicky und Jeremy brauchen Entlastung. Vielleicht könnte Mrs. Miller vormittags kommen, wenn die Kinder in der Schule sind, damit Laura Entlastung im Haushalt bekommt. Ich hätte sie gern länger an meiner Seite. Ich gebe ja zu, dass ich mich wohl in letzter Zeit etwas übernommen habe. Wenn mit den Bullen was ist, dann müsst ihr Hendersons Cowboys holen.

Jess muss wieder tüchtig husten.

Doc
Siehst du, du bist nicht der starke Mann für den du dich immer hälst. Die Bettruhe machst du wenigstens 10 Tage lieber länger. Ich werde bei Gelegenheit wieder zum Lunge abhören vorbeikommen und wehe ich erwische dich bei irgendwelchen Arbeiten.

Laura
Kannst dich auf mich verlassen Doc, ich werde auf Jess aufpassen. Er selbst tut es ja nicht. So etwas passiert uns nicht noch einmal.

Jess meint grinsend
Ja Mama! Du kannst so schrecklich sein.

Laura
Wie hat es so schön bei unserer Heirat gehießen - in guten wie in schlechten Zeiten! Ich kriege dich schon wieder auf die Beine.

Jess
Ich schaffe es ja nicht einmal in unser Schlafzimmer.

Doc
Untersteh dich und ich habe gesagt keine Anstrengungen, du weißt was ich meine, haben wir uns verstanden Jess?

Laura kann ein Grinsen nicht unterdrücken.
Für unliebsame Patienten haben wir auch Stricke und Ketten. Der bleibt hier liegen, mein Wort drauf! Jetzt mache ich neue Brustwickel und einen Tee.

Jess bleibt nichts anderes übrig als sich seine Pferde durchs Fenster anzusehen. Sein Blick fällt auf die hübsche Quarterhorsestute Grab A Ruby.

 
 
Nach der Tasse Tee, deren Genuss er mit Pfui Teufel quittiert, schläft er schnell wieder ein.