<- Kapitel 263
Kapitel 264
 
Patrick geht es jeden Tag etwas besser. Besonders gut fühlt er sich, wenn er mit der Landärztin Abby in seiner Freizeit zusammen sein kann. Die Beiden haben ein ähnlich überschäumendes Temperament, veranstalten gern Wettrennen und necken sich wo immer es geht. Es gibt aber auch die zärtlichen Zeiten, wenn Patrick Abby zum Picknick bittet.
 
 
Patrick hat Abby seinen Hut aufgesetzt und umfasst zärtlich ihre Taille. So reiten sie gemeinsam auf Monty zu einem lauschigen Plätzchen auf einer Wiese mit wunderschön blühenden Blumen. Die Beiden genießen ihre Liebe von der nur wenige Menschen wissen.
 
 
Wieder zu Hause am Stall bei einem Feierabendbierchen unter Männern fragt ihn Jess:
 
 
"Howdy Paddy? Hast du mit Abby ein schönes Picknick gehabt? Willst du sie nicht langsam mal fragen ob sie deine Frau werden möchte? Die Leute reden schon über euch."

Patrick antwortet:
"Seit wann interessiert dich was die Leute reden Jess? Die reden über das was man macht oder über das was man nicht macht. Abby und ich sind ganz zufrieden so wie es jetzt ist. Außerdem weißt du ja - nichts ist schlimmer als sein Pferd zu verlieren oder zu heiraten."

Jess schüttelt seinen Kopf:
"Du bist aber ein ganz schöner irischer Dickschädel. Hätte nicht gedacht, dass du mich noch übertriffst. Ich habe damals auch erst einen Arschtritt von meinem Vater gebraucht um Laura einen Heiratsantrag zu machen. So schlimm ist das nicht. Es kann doch nicht mehr passieren als dass sie nein sagt.
Aber dann hast du es wenigstens versucht Paddy."

Patrick reagiert etwas aufgebracht:
"Ich glaube du willst mich nicht verstehen. Ich möchte unabhängig bleiben und Abby sieht es für sich wohl auch so. Frank und Hetty haben mich auch schon gefragt."

Jess grinst:
"Na ja, es fällt langsam auf, dass es mit Abby wohl etwas Ernsteres ist. Du willst auch gar nicht mehr die Erledigungen in Rawlings machen, hast wohl Angst im Saloon der hübschen Rothaarigen zu begegnen, wie heißt sie nochmal, ah Ruby, die dir früher schon manche Nacht versüßt hat. Na ja, geht mich nichts an, solange du deine Arbeit machst Paddy. Übrigens habe ich den Schimmel wieder gesehen. Ich weiß jetzt wo er steckt. Morgen gehen wir auf Mustangjagd."

Am nächsten Tag nach getaner Rancharbeit machen sich die Beiden auf den Weg zu der Stelle wo Jess den Hengst vermutet. Er hat recht. Die Männer haben sich in weitem Abstand zueinander postiert. Zuerst sehen sie den Schimmel.

 
 
Dann hören sie ein wütendes Schnauben und Wiehern. Der ältere Leithengst taucht auf.

Der ältere ist dem jungen Hengst an Erfahrung und Kraft weit überlegen und treibt ihn wütend vor sich her.

 
 
Der Schimmel hat keine Chance gegen den erfahrenen Älteren und ist klug genug zu flüchten. Jess gibt Paddy Handzeichen zu bleiben wo er ist und wartet ab bis der Schimmel außer Atem ist und der Leithengst abdreht und zur Herde zurück läuft. Dann beginnt er die Jagd auf den Schimmel und treibt ihn in Paddys Richtung. Der wartet äußerlich ruhig, aber innerlich angespannt, weil es seine erste Mustangjagd ist. Er steht auf seinem Monty hinter einem Felsen, so dass der Schimmel den Mann auf dem Pferd nicht sehen kann. Als er im bergigen Gelände langsamer wird, ergreift Patrick seine Chance und wirft sein Lasso. Der Wurf gelingt auf Anhieb. Einen zweiten Wurf hätte der Vormann nicht gehabt. So verliert der weiße Hengst seine Freiheit und Jess ist stolz auf seinen Vormann, dem er den Umgang mit dem Lasso beigebracht hat.

"Herzlichen Glückwunsch Paddy, dein erster eingefangener Mustang und so ein Schöner gleich!" ruft Jess.

Paddy hat den Hengst fest an seinem Lasso und zieht ihn langsam zu sich.

 
 
Die Gegenwart der gezähmten Reitpferde beruhigt ihn. Er ist zu erschöpft um viel Gegenwehr zu leisten. So bringen ihn die Männer zur Ranch in einen Corral. Abby und Patrick beobachten den hübschen Hengst, der noch das Lasso trägt.
 
 
Abby bewundert Patrick, dass er den hübschen Hengst eingefangen hat. Patrick genießt die Bewunderung und fragt sie:
"Weißt du einen schönen Namen für den Hübschen?"

Abby überlegt:
"Er wird sicher noch weißer im Laufe der Zeit. Snowflake wäre doch ein passender Name. Was denkt ihr?"

Jess meint:
"o.k., dann brauche ich mir den Kopf nicht zu zerbrechen. Der Name passt zu ihm und nun wollen wir ihn mal vom Lasso befreien."

Jess schwingt sich über die Corralstangen und geht langsam auf ihn zu. Er spricht mit seiner warmen tiefen Stimme freundlich zu Snowflake, der die Ohren aufmerksam spitzt:
"Ganz ruhig Boy, alles gut, ich nehme nur das Lasso ab, ganz ruhig."

 
 
Abby und Patrick sehen sich nur an und denken dasselbe. Es ist eine Freude Jess zuzusehen wie er mit Pferden umgeht - kein lautes Brüllen, kein Machogehabe was zu dieser Zeit bei Cowboys üblich ist. Pferde werden nicht gezähmt, sondern gebrochen. Jess hat viel von den Cheyenne gelernt und setzt es um. Patrick ist wissbegierig von Jess zu lernen. Rauer Umgang mit Pferden behagt ihm nicht und Jess duldet keine Arbeiter auf der Ranch, die seine Bedingungen nicht akzeptieren.