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Kapitel 265
 
In der nächsten Zeit widmet sich Jess verstärkt der Zähmung des hübschen Schimmels.
 
 
Die Ärztin Abby und Patrick genießen weiterhin ihre Liebe ohne sich fest zu binden.
 
 
Jess denkt sich seinen Teil aber letztlich geht es ihn nichts an und er verhält sich danach. Es ist ihm auch egal solange Patrick seine Arbeit als Vormann nicht vernachlässigt und dabei ist er absolut zuverlässig. An einem schönen Nachmittag begegnet er Paddy beim Pferdetraining.
 
 
Die Männer steigen vom Pferd und machen eine kurze Pause im Gras liegend. Jess meint:
"Paddy, wie läuft es denn so mit Abby? Ihr trefft euch ziemlich häufig. Du bist nicht gerade schüchtern mit Frauen und Abby ist auch wie soll ich sagen, sehr lebenslustig. Ihr passt so gut zusammen. Willst du ihr doch nicht mal allmählich einen Heiratsantrag machen bevor dir jemand anders dieses Goldstück vor der Nase wegschnappt? Ich frage dich das als Freund und nicht als Boss. Ich weiß, dass es allein deine Sache ist."

Paddy sieht Jess entrüstet an:
"Langsam müsstest du mich doch kennen, nichts ist schlimmer als sein Pferd zu verlieren oder zu heiraten. Wenn einen Frauen erstmal an der Leine haben wollen sie einen nur festhobbeln wie ein Pferd, nicht mit mir!"

(Im Westen hobbelte man ein Pferd an, wenn man nicht wollte, dass es sich zu weit von einem entfernte, d.h. man band die Vorderbeine mit einem Strick zusammen, so dass es nur einen kurzen Radius zum grasen hatte. Das musste man tun, wenn das Pferd Ground Tying, stehen bleiben wenn die Zügel die Erde berühren noch nicht gelernt hatte.)

Jess lacht laut auf.
"Ach Paddy, so schlimm ist das nicht. Es ist schön, wenn man jemanden hat zu dem man gern nach Hause kommt. Ich habe das sehr auf den langen Jahren in denen ich auf Rodeos Bullen geritten habe, vermisst.

 
 
Ich liebe Laura und die Kinder und bin angehobbelt, wie du sagst, nicht unglücklich-im Gegenteil. Dir ist vermutlich auch schon aufgefallen, dass wir bei Tanzveranstaltungen durchaus mit anderen flirten, aber der letzte Tanz ist immer meiner. Ich bringe Laura nach Hause und wir haben noch eine schöne Nacht, du weißt was ich meine. Ich kann mir ein Leben ohne meine Familie gar nicht vorstellen.
Guck dir meinen Dad an, der hat sich noch in späten Jahren in eine neue Ehe gestürzt und ist mit Hetty glücklich. Vor was läufst du weg? Warum hast du so eine Angst dich zu binden?"

Paddy schüttelt seinen Kopf:
"Mag ja sein, dass es für dich richtig ist. Für mich nicht, ich will unabhängig sein und jetzt mache ich das Ausdauertraining mit dem Vollblutmix weiter. See you later!"

Jess schüttelt nur seinen Kopf und denkt, jeder so wie er mag.

Die Landärztin Abby und ihre Schwester, die Tierärztin Shannon haben reiche Eltern in Boston, die ihren Töchtern das Studium ermöglicht haben. Der 4 th of July und Shannons Geburtstag stehen vor der Tür und die Eltern nehmen das als Anlass für einen Besuch im "Wilden Westen". Der Vater ist über das primitive Leben dort im Vergleich zur Großstadt im Osten entsetzt. Als er einen von Shannons Schränken öffnet fallen ihm haufenweise Äpfel und Birnen entgegen. Shannon lacht: "Mein Lohn für meine Bemühungen, ich glaube davon kann Jess auch ein Lied singen. Er ist einer der wenigen von dem ich auch Dollars in die Hand bekomme. Frage mal Abby wie viele Marmeladengläser und anderes Eingemachte sie hat! Bei Jess feiern wir meinen Geburtstag, ich habe ihn gefragt."

 
 
Der Vater schüttelt den Kopf:
"Dafür habt ihr studiert? Ihr hättet lieber einen reichen Mann heiraten sollen, der euch etwas bieten kann."

Abby erwidert:
"Vater, du verstehst uns nicht. Die meisten Menschen hier sind arm, aber hier werden wir gebraucht und es ist immer so schön, die Dankbarkeit der armen Farmer, Holz- und Minenarbeiter zu sehen und die Dankbarkeit der Frauen, die Hilfe bei Geburten oder kranken Kindern brauchen. Wir wollen beide hier im Westen bleiben wo wir gebraucht werden. Aber jetzt lasst uns Shannons Geburtstag auf der Tumbleweedranch feiern!"

So geschieht es. Die Familie Harper lernt die Eltern von Abby und Shannon kennen und Abby stellt ihnen auch Paddy vor. Es dauert auch nicht sehr lange bis dem Vater der Geschwister Patricks Meinung zum Heiraten von den Ranchhands zu Ohren kommt.

Jess ist zufrieden mit sich und der Welt. Eine Feier ist eine willkommene Abwechslung im Ranchalltag. Er dreht zufrieden ein kleines Rind am Spieß bis er laute Stimmen hört. Am Corral in dem der Schimmel steht, rufen laute Stimmen:
"Ja, gib es ihm Ben! Zeig ihm wer der Boss ist!"

Jess lässt den Spieß los, lässt Rind Rind sein und hastet zum Corral. Er traut seinen Augen nicht, als er sieht wie einer der Ranchhands, den er wegen den Waldarbeiten angeheuert hatte, auf dem Schimmel sitzt und ihm seine großen Sporen in die Flanken stösst. Snowfalke wiehert schmerzerfüllt und geht vorn und hinten hoch. Jess schreit den Mann an:
"Sofort runter! Ich sage es nicht zweimal."

Der Mann ist inzwischen von Snowflake auf die Erde befördert worden und kann sich noch gerade unter den Stangen durchrollen bevor der Hengst ihn angreift. Er flucht:
"Dieses Mistvieh muss gebrochen werden. Ich war so kurz davor."

Jess ist kurz vor dem Explodieren:
"Ben Clerk, du kannst dir in einer Viertelstunde den Lohn abholen, der dir noch zusteht. Niemand soll sagen, der Boss der Tumbleweed bleibt jemandem etwas schuldig, dann bist du verschwunden sonst breche ich dir auch was. Du hast die Arbeit von drei Wochen kaputt gemacht. Und ihr steht alle daneben und guckt zu, schämt euch! Ihr wisst, dass auf der Tumbleweed keine Pferde gebrochen werden, nicht solange ich es zu sagen habe."

Jess wartet bis sich die Cowboys verzogen haben, redet ganz ruhig mit dem Schimmel und nimmt ihm das Tack ab. Dabei geht der Hengst auf Jess los. Er kann sich gerade noch unter den Stangen durchrollen. Paddy hilft ihm hoch. Jess keucht:
"Verdammt, die ganze Arbeit vorher ist zum Teufel, er mag nach dem Erlebnis wohl keine Männer mehr, verständlich. Aber eine solche Aggressivität und Wut erlebe ich zum zweiten Mal im Leben bei Pferden. Wir werden ihm wohl wieder die Freiheit geben müssen. Aber jetzt geht weiter feiern! Shannon kann ja nichts dafür, dass es solche Idioten wie Clerk gibt!"

Den Zwischenfall haben nicht alle mitbekommen und so wird es letztlich doch ein schönes Fest für die Tierärztin Shannon und ihre Eltern, denen der Westen zu primitiv ist und Laura weiß wie sie ihren Mann besänftigen kann.