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Kapitel 269
 
Paddy durchstreift ruhelos das Land.
 
 
Am Morgen nach Übernachtungen im Freien weckt ihn der warme Atem von Monty, der ihm ins Gesicht bläst und nicht Abby oder der durch das Haus ziehende Duft nach Kaffee und gebratenem Speck auf der TWR. Er muss sich notgedrungen mit Beef Jerky (Trockenfleisch vom Rind) und Bohnen aus der Dose ernähren, wenn ihm nicht gerade ein Kaninchen über den Weg läuft. Er vermisst Abby und seinen Freund Jess. Abends am Feuer fehlen ihm die Gespräche oder das gemeinsame Schweigen, wenn die Männer nebeneinander gesessen haben, ein Schweigen, das vertraut war und nicht aus Mangel an Gesprächsstoff entstand.

Wenn Paddy in einem Hotel übernachtet, wird er manches Mal wach und muss sich erst orientieren wo und warum er dort ist. Immer wenn er wach wird, spürt er einen Stich, wenn er an Abby und die TWR denkt. Sicher, Jess würde ohne ihn zurecht kommen, irgendwann einen neuen Vormann einstellen, aber würde dann auch alles so laufen als wenn er selbst dort wäre? Er spürt auch, dass ihm die körperliche Arbeit, über die er so oft geflucht hat, fehlt. Wenn er in einer Stadt ist, verbringt er die Abende meistens mit Pokern. Er spielt gut, er setzt hoch und gewinnt fast immer.

So wird sein gespartes Geld, das er aus Rawlings von der Bank geholt hat, nicht weniger sondern mehr. Wirklich zufrieden macht ihn das auch nicht. Er sagt sich so manches Mal: Glück im Spiel - Pech in der Liebe. Oftmals wenn er beim Pokern sitzt, wünscht er sich, dass die Schwingtür des Saloons auf geht und die drahtige Gestalt von Jess den Raum betritt. Er wünscht sich noch einmal dieses mit tiefer, warmer Stimme Ruhe und Vertrauen ausstrahlende "Lass`uns nach Hause reiten!" zu hören, während sich eine starke Hand auf seine Schulter legt. Natürlich ist das nur Wunschdenken. Nach seinem Fortgang, bei dem er Jess fast über den Haufen geritten hat, würde dieser stolze Rancher und ehemalige Bullrider ihm nie nachreiten. Ab und zu reitet Paddy unterwegs Pferde auf die sanfte Art, wie er bei Jess gelernt hat zu und er ist dadurch nicht so schnell in anderen Orten wie ein Mann, der möglichst schnell möglichst viele Meilen hinter sich bringen will.

Trotz der recht hohen Zechen in den Saloons ist Paddy nicht beliebt. Es haftet ihm der Ruf des Einzelgängers an und nun kommt dazu, dass er sehr leicht reizbar ist und aggressiv wird. Es scheint, dass er Unfrieden und Streit geradezu herausfordert, denn er geht keiner Auseinandersetzung aus dem Weg, auch wenn das "Umdekorieren" des Saloons Geld kostet. Die einzigen, die ihn gern sehen, sind die Barfrauen und die Mädchen aus den Etablissements.

Paddy ist stets höflich, freundlich und spendabel zu ihnen. Manchmal kommt auch etwas von seinem alten Charme durch. Aber er hat sich verändert. Er geht auch mit keinem der Mädchen die Treppe nach oben, um mit ihnen die Nacht zu verbringen.

Auf der TWR läuft inzwischen wieder alles den Gang der Dinge bis auf dass sich Jess nicht dazu entschließen kann, einen neuen Vormann einzustellen. Er arbeitet weiter wie ein Ackergaul und fällt am Abend tot müde ins Bett und am nächsten Tag alles von vorn.

 
 
Dadurch ist er gereizt und kann sich dem Zureiten der Pferde nicht so widmen, wie er es sich wünscht. Speziell Snowflake macht nur Probleme so bald Jess mit seiner tiefen Stimme nur auftaucht.

Jolene beobachtet ihren Vater und in ihr reift der Entschluss ihm zu helfen. Schließlich ist sie ein Mädchen und kein Mann mit tiefer Stimme. Vor ihr würde der Schimmel hoffentlich keine Angst haben und aus dieser Angst heraus aggressiv reagieren. Zuerst zeigt der Schimmel Jolene auch nur sein Hinterteil und will nichts von ihr wissen.

 
 
Jess steht dabei und hält ein Auge darauf, dass Jolene vorsichtig ist und nichts riskiert bei dem aggressiven Schimmel. Im Grunde seines Herzens sieht er es nicht gern, dass sich seine Älteste ausgerechnet an diesem Pferd versucht. Nach vielen vergeblichen Versuchen überlegt Jolene was ihr Dad in einem solchen Fall machen würde. Da fällt es ihr wie Schuppen von den Augen. Man muss ein gut erzogenes, dem Menschen zugetanes Ranchpferd Snowflake dazu gesellen, damit er merkt, dass Menschen nicht so schlimm sind wie er denkt. Sie lässt ihren Sparky in den Corral, ihr Pferd, mit dem sie zur Schule reitet und das auf Zuruf sofort reagiert.
 
 
Jess kommt dazu und ist sehr stolz auf seine Älteste, die wie er eine Hand für Pferde hat. Jolene hat ein Leckerchen in der Hand von dem beide Pferde etwas bekommen. Der Schimmel überwindet seine Scheu und kommt eher neugierig auf das Gatter zu, als er sieht wie eilig es Sparky hat zu ihr zu kommen. Sie begrüßt beide freundlich und nach einigen Tagen hat sie es geschafft, dass Snowflake ganz entspannt auf sie reagiert.
 
 
Sie hebt die Hand und kann ihn ohne Probleme streicheln. Jess beobachtet die Szene aus der Ferne und ist sehr stolz auf Jolene. Er merkt, es geht voran, der Schimmel macht Fortschritte wenigstens in Bezug auf Frauen ohne aggressiv zu reagieren.

Abby ist inzwischen schon einige Tage unterwegs und hat in Rawlings erfahren, dass Paddy sein Geld von der Bank geholt hat und unterwegs Richtung Osten ist. Sie folgt über die kleinen Städte und hin und wieder bekommt sie eine Bestätigung, dass ein großer Fremder mit Bart auf einem großen Pinto durchgekommen ist. Sie merkt aber auch, dass ihr die Zeit wegläuft. Ihr Urlaub, den ihr Doc Andrews gewährt hat, dauert nicht ewig.