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Kapitel 273
 
Der Herbst ist schon gut angebrochen und in Wyoming werden die Tage kürzer und die Nächte länger und kälter. Es müssen viele Arbeiten vor dem Wintereinbruch erledigt werden. Die Pferde und Bullen müssen von den höher gelegenen Weiden in niedriger liegende getrieben werden, die Dächer von Haus und Scheunen müssen stark und dicht sein und vieles mehr. Jess hat festgestellt, dass auf manchen der näher am Haus liegenden Weiden das Wasser nicht abfließt und so haben sich Paddy und Jess an die Arbeit gemacht vorhandene Wassergräben zu erweitern und neue zu graben damit überflüssiges Wasser abfließen kann. Jess versucht auch immer die Kinder bei der Rancharbeit einzubeziehen und hat deshalb Loretta, die am schönsten malt und schreibt, gebeten einige Schilder zu beschriften: Vorsicht! Wassergräben! Er will Unfälle vermeiden, da die Gräben neben der Hauptstraße nach Laramie liegen und im Dämmerlicht oder gar im Dunklen schnell übersehen werden.

Wenn dann noch Zeit ist, übt er mit dem neuen Pferd der englischen Lady Vivian. Sie möchte auf Apoll in der Parade zu Thanksgiving reiten. Apoll ist ein schönes Pferd.

 
 
 
Jess hat Apoll schon mit viel Geduld etwas an den Paradesattel gewöhnt.
 
 
Aber so richtig geheuer ist ihm das Tack noch nicht.
 
 
Innerlich ist Jess am fluchen, weil es viel Zeit braucht so ein hibbeliges Pferd an die Blankets zu gewöhnen, die hinter dem Sattel liegen. Wenn keines der Kinder da ist flucht er schon mal:
"Du bist kein Gott Apoll sondern ein Son of a bitch (Hurensohn), aber was tut man nicht alles um Geld zu verdienen. Naw, (nein im texanischen Dialekt) bei uns im Westen haben wir nicht solche Fiddlefoots wie dich." Jess ist häufig in Texas Rodeos geritten und dadurch, dass Paddy im texanischen Panhandle aufgewachsen ist, verfällt er schon mal in den texanischen Slang.

An diesem Abend ist Hetty sehr besorgt, weil Jess nicht nach Hause kommt und es ist schon dunkel.

Sie hat ein Hemd von Jess in der Hand:
"Frank, sag mir mal wie Jess es fertig bringt solche Löcher in den Stoff zu reißen."

Frank grinst:
"Hetty Arbeit, harte Arbeit, da kann er nicht auf ein Hemd aufpassen. Langsam müsste er aber da sein.
Laura und die Kinder sind schon im Bett. Ob er in der Stadt hängengeblieben ist, der Saloon verlockt ihn manchmal schon."

Wieder guckt Hetty nach oben und dann auf die Uhr, wieder eine halbe Stunde später, Abendessen längst vorbei. Frank meint:
"Du brauchst dir keine Sorgen über das Dach zu machen, Jess und Paddy waren oben und haben es ausgebessert, das hält warm."

Hetty ist besorgt:
"Es ist nicht das Dach, Jess ist immer noch nicht da. Und wenn etwas passiert ist? Ich werde erst einmal Wasser kochen. Ich habe ihm auch etwas vom Abendessen aufgehoben. Du weißt wie schwierig er sein kann, wenn er Hunger hat."

Fließend kaltes Wasser kommt aus der Pumpe an der Spüle, aber warmes Wasser muss auf dem Herd in Kesseln gekocht werden. Frank schüttelt seinen Kopf und denkt, Hetty gibt erst Ruhe, wenn Jess durch die Tür kommt. Plötzlich sieht er, dass im Stall Licht brennt. Er zieht sich seine Jacke an und geht durch die dunkle kalte Nacht. Jess steht im Stall und reibt seinen Cowboy Poetry gut ab. Den Sattel hat er einfach auf den Boden geworfen.

 
 
Trotz des kärglichen Lichtes sieht Frank, dass Jess nass durchgeweicht und voller Matsch ist. Jess merkt, dass sein Vater hinter ihm ist:
"Sag jetzt nichts Dad, ich bin müde, kalt, nass und nicht in der Stimmung mich zu unterhalten."

Er gibt seinem Pferd noch Heu und etwas Hafer.
Dann geht er durch das Scheunentor zum Haus. Als er an der Nebentür zur Küche ankommt, öffnet Hetty sie. Jess lächelt schuldbewusst und bei Hetty siegt der Mutterinstinkt als sie den bedauernswerten Zustand von Jess sieht.
"Jess, endlich! Zieh dir die nassen Stiefel aus und komm rein ehe du dir den Tod holst!"

Er gehorcht schuldbewusst und zieht sich Stiefel und Socken aus. Seine Füsse sehen schon blau aus.
"Ach, das tut gut hier ins Warme zu kommen und aus dem Wind raus."

Jess zittert als er seine Jacke auszieht und die Hände reibt um sie wieder warm zu bekommen.

Frank folgt ihm und schließt die Tür.
"Dieser Bursche braucht ein heißes Bad, koch Wasser Hetty!"

Bei der Ansicht von Jess muss sich Frank wieder das Lachen verbeißen.

Hetty erwidert:
"Kocht bereits und du Frank füll den Badezuber! Jess, hör endlich auf in unserer Küche zu zittern und ziehe die nassen Sachen aus!"

Jess hinterlässt Pfützen von Wasser und Matsch während Frank Wasser pumpt und den Badezuber im kleinen Zimmer mit kaltem Wasser füllt und dann das heiße gekochte dazu gießt. Der Raum füllt sich mit Dampf. Jess drückt Hetty die Jacke in die Hand und geht in den Raum. Frank folgt ihm mit einem Grinsen und einem großen Stück Seife. Jess murmelt:
"Es ist doch nicht Samstag und eine Schnellwäsche und heißer Kaffee hätte es auch getan."

Frank grinst immer noch und muss dann doch lachen. Jess wirft sein matschiges Hemd nach ihm aber erwischt seinen Vater nur knapp am Ohr. Jess ist geladen, dass sein Vater sich so über seinen Zustand amüsiert. Frank kichert und meint dann etwas lauter zu Hetty in der Küche:
"Sag Bescheid, wenn mehr heißes Wasser fertig ist, ich hole es dann damit du ihn nicht in Verlegenheit bringst."

Hetty kichert in der Küche und meint dann ganz nonchalant:
"Aber Frank, da ist nichts was ich nicht schon gesehen hätte als ich ihn damals nach der Sache mit den Büffeljägern gepflegt habe."

Frank kann nicht mehr vor Lachen und hält sich den Bauch:
"Hetty, jetzt ist er ganz rot geworden."

Aus der Küche kommt lautes Kichern.

Jess ruft laut:
"Dad, Hetty! Hört auf damit!" und wirft dann seine Hose in Richtung seines Dads. Der lacht:
"Verfehlt, du hast schon mal besser geworfen Jess!"

Mit Verzweiflung im Gesicht steigt Jess schließlich in den Holzzuber:
"Ah, das fühlt sich gut an."

Als er endlich warm ist beginnt er sich abzuseifen und die Matsche zu entfernen. Frank fragt:
"So, ich warte! Was ist passiert? Ich konnte es nicht glauben als ich dich in der Scheune so gesehen habe Jess."

Jess antwortet:
"Nichts besonderes. Cowboy Poetry ist in den Wassergraben getreten und hat mich abgeworfen."

Frank meint ironisch:
"Hast du denn nicht die Schilder gesehen, die ich mit Loretta aufgestellt habe? Genau um diese Art Unfälle zu verhindern?"

Jess wäscht weiter Dreck und Schlamm ab:
"Doch, aber ich war wohl zu weit rechts und es war wohl die Art wie ich runtergefallen bin. Guck!"

Dann zeigt er seinem Vater eine Riesenschramme über dem rechten Auge, das langsam zuschwillt.

Frank meint:
"Da muss nachher ein Pflaster drauf, aber das Auge wird ein schönes Veilchen. Ja, das passiert dem Mann, der auf Bullen reitet und die wildesten Pferde zähmt. Lässt sich von einem gut gezüchteten Ranchpferd abwerfen. Wie wäre es mit Klebstoff auf dem Sattel?"

Jess guckt immer grimmiger und seift sich dann die Haare ein, die auch voller Matsch sind. Dann ruft Hetty:
"Hier habe ich noch einen Eimer schön temperiertes Wasser."

Frank öffnet die Tür und nimmt den Eimer. Dann grinst er und kann es nicht lassen. Er kippt ihn mit Schwung über Jess`Kopf. Der prustet und steigt aus dem Badezuber. Frank rennt und Jess hinterher.

Hetty guckt durch die Tür:
"Was macht ihr Beiden? Die Kinder und Laura werden noch wach."

Dann sieht sie wie Jess vor seinem Dad steht, der trocken und Jess pudelnass und Wasserpfützen auf dem Boden hinterlassend, ihr die nackte Rückseite zugewendet. Hetty kichert nur:
"Oh mein Gott!"

Jess hört sie und dann realisiert er, dass er nackt vor seinem Vater steht und er ihm über die Schulter guckt und aus vollem Herzen lacht. Jess bekommt nur noch raus:
"Schande über dich Frank Harper, irgendwann kriege ich dich."

Dann wirft er seinen Vater aus dem Zimmer und zieht sich seinen Pyjama an. Er kämmt sich und rasiert sich frisch und nun sieht er wieder ansehnlich aus. Frank hat den Badezuber geleert und Hetty die Wasserpfützen weggemoppt. Jess guckt sie verlegen an und fühlt unter der frisch rasierten Haut, dass er wieder rot wird. Hetty sieht ihm in die blauen Augen bzw. in nur eines, das andere ist inzwischen zugeschwollen und verpflastert die Schramme von der Wurzel im Graben.
"Oh Dear, fühlst du dich jetzt besser? Sorry, dass wir auf deine Kosten unsere Witze gemacht haben, aber du siehst so niedlich aus wenn du nass bist Jess, aber noch viel besser jetzt, trocken und angezogen. Dein Essen steht auf den Tisch. Du musst sehr hungrig sein."

Hetty umarmt ihn und gibt ihm einen Kuss auf die Wange.

Frank sitzt über den Büchern und vermeidet es zu Jess auf zu sehen. Der isst mit großem Appetit sein aufgewärmtes Stew. Dann kommt Hetty mit Kaffee und einem Teller mit einem großen Stück Kuchen.

Jess macht große Augen und fragt schüchtern:
"Ist das Schokolade?"

Hetty lächelt. Sie weiß, dass Apfelkuchen sein Favorit ist, aber Schokolade alles schlägt:
"Was sonst für dich Jess?"

Er sieht sie dankbar an und meint:
"Das ist der kleine Luxus im Leben. Aber Dad, du magst auch gern Schokoladenkuchen. Wir teilen das große Stück. Lass es dir schmecken! Was haben Laura und die Kinder heute gemacht?"

Frank erzählt, dass Laura mit Zebulon geübt hat. Sie will Zebu gern bei der Herbstschau vorführen.

 
 
Die Kinder möchten den weißen Bullen Nuage Blanc vorführen. Alle vier möchten auf ihm reiten.

Jolene als Älteste hat den Bullen gut im Griff.

 
 
Jess und Laura können stolz auf ihre Kinder sein.
Nun können sich alle zufrieden zur Nachtruhe begeben und auch ein sauberer Cowboy Poetry schläft gut, da bei Jess immer erst die Tiere versorgt werden und dann erst er selbst.
 
 
 
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