<- Kapitel 275
Kapitel 276
 
Thanksgiving steht vor der Tür und Jess hat bei noch gutem Spätherbstwetter den obligatorischen Truthahn schießen können.
 
 
Nach einer Episode mit warmen Chinook, den warmen Fallwinden in den Rocky Mountains schlägt das Wetter um. Es schneit und Sturm kommt auf. Grandpa Frank und Hetty haben einige Leute eingeladen, den unverheirateten Kutscher Gus, den alten Doc mit dem Frank immer Schach spielt und die eigene Familie ist auch nicht gerade klein. Also müssen unbedingt noch die Vorräte aufgestockt werden um ein gutes Essen zum Feiertag auf den Tisch zu bringen. Es ist Paddys Aufgabe die Besorgung in Laramie zu tätigen. Er spannt missmutig Noddy an. Am Morgen haben Grandpa Frank und Jess über Thanksgiving, die Gäste und das Essen gesprochen, Paddy weiß, dass Jess einen Turkey geschossen hat aber er hat nicht wirklich einen Plan wozu das Ganze gut ist. Er denkt:
"Verdammt ist das kalt und ich muss die Strecke nach Laramie fahren. Hätte Frank nicht warten können bis der Sturm vorbei ist und mich dann fahren lassen? Die Liste ist dreimal so lang wie sonst.
Wäre ich doch in Texas geblieben, da ist es wärmer!"

Schließlich ist er so weit, dass er vor dem General Store das Gespann parken kann. Es ist still auf der Mainstreet. Wer bei dem Wetter nicht draußen sein muss, sitzt am warmen Feuer.

"Guten Morgen John!" sagt Paddy zum Ladeninhaber.
"Ich habe eine lange Liste, dreimal so lang wie sonst."

John, einer der besten Freunde von Jess, lächelt:
"Ja, Paddy, kann ich mir denken - Thanksgiving! Das dauert bestimmt eine Stunde bis ich alles zusammengestellt habe. Warum gehst du nicht auf einen warmen Kaffee zu Roy und wärmst dich etwas auf."

Paddy überlegt, da war es wieder mit Thanksgiving. Er nickt und geht die paar Schritte über die Straße ins Sheriffbüro. Roy hat gerade wieder den Ofen mit Holz bestückt, eine Kanne warmen Kaffee gekocht und studiert die neuesten Steckbriefe. Er grinst als er Paddy sieht, der ihm schon häufiger als Deputy (Hilfssheriff) zur Hand gegangen ist.
"Du siehst meinen Kaffee an wie ein sterbender Wolf den wegrennenden Hirsch. Nimm dir eine Tasse Paddy und setz dich zu mir!"

Paddy nimmt dankbar eine Tasse des warmen Getränks während Roy die Beine vor dem warmen Ofen langstreckt.
"Was führt dich in die Stadt bei dem Mistwetter?"

Paddy antwortet:
"Vorräte, eine Liste ohne Ende für die John eine Stunde zum Zusammenstellen braucht."

Roy schmunzelt:
"Klar Thanksgiving. Frank, Hetty und Laura kochen sicher was das Zeug hält."

Paddy überlegt:
"Verflixt Roy, erst John, jetzt du, was ist das mit diesem Thanksgiving?"

Roy guckt Paddy verständnislos an.
"Hast du nie Thanksgiving gefeiert Paddy?"

Paddys Temperament geht langsam mit ihm durch aber versucht sich nichts anmerken zu lassen.
"Verdammt Roy, würde ich sonst fragen?"

Der Sheriff gießt Paddy noch eine Tasse Kaffee mit einem kräftigen Schuss Whiskey ein.
"1863 hat Präsident Lincoln den letzten Donnerstag im November zu einem nationalen Feiertag erklärt, ein Tag an dem man für die guten Dinge im Leben dankt. Dafür ist sicher der Herbst mit einer guten Ernte, die einen sicher über die Wintermonate bringt, geeignet."

Paddy sagt stockend:
"Well, ich bin aus Texas. Ich denke wir hatten nichts um dankbar zu sein und nach dem verlorenen Krieg schon gar nicht."

Roy merkt, dass der junge Mann wirklich keine Vorstellung von Thanksgiving hat.
"Es ist mehr als Geld in der Tasche oder eine gute Ernte. Es sind die Menschen in deinem Leben, Familie, Freunde, Nachbarn."

Da fühlt Paddy wieder dieses Loch im Inneren und dass das vielleicht für Menschen wie Roy so ist, aber nicht für einen Herumtreiber wie ihn. Roy guckt ihn ernst an:
"Du hast Abby, Jess und seine Familie mit Frank und Hetty. Familie ist mehr als Blutsverwandtschaft. Das sind die Menschen, die zu dir halten egal was du machst. Warum bleibst du nicht hier und übernachtest in meiner Wohnung? Fahr morgen, wenn der Sturm vorbei ist zur Tumbleweed!"

Paddy steht auf.
"Danke Roy für dein Angebot, aber ich muss unbedingt fahren, Frank und Hetty brauchen die Vorräte. Danke für den Kaffee und den Whiskey"

Roy nickt, will Paddy nicht weiter mit Thanksgiving pushen und denkt, dass er hoffentlich mit Hilfe der Harperfamilie den Sinn verstehen lernt.
"Grüße die Harpers von mir, Happy Thanksgiving und komm gut nach Hause Paddy!"

Er geht zum General Store vor dem sein Wagen fertig beladen steht. John meint:
"Alles gesichert auf dem Wagen, grüße die Harpers von mir, besonders Jess und Happy Thanksgiving!"

Mit den Worten:
"Danke John, setz die Sachen auf Jess`Rechnung!" steigt er auf den Wagen und fährt los.

 
 
Der Himmel ist wolkenverhangen. Es schneit und stürmt, die Sicht ist schlecht. In der Ferne heulen Wölfe.
 
 
Ein Stück der Straße wird von einigen Eichen gesäumt, die sich unter dem Wind geräuschvoll biegen.

Da passiert es, ein großer Ast bricht mit Getöse ab und das ist zu viel für Noddy. Er scheut und rennt los. Er will nur noch nach Hause. Paddy schafft es gerade noch das Gespann auf der Straße zu halten und bekommt Noddy schließlich mit viel Mühe zum stehen. Mit einem krachenden Geräusch ist ein Rad in die Bankette geraten und eine Speiche ist gebrochen. Paddy sieht sich den Schaden an und überlegt was er tun soll. Zuerst sammelt er die heruntergefallenen Vorräte ein. Er ist froh, dass Jess immer etwas Werkzeug im Wagen hat für Notfälle. So kann er aus einem Ast mit der Axt eine provisorische Speiche machen.

 
 
Paddy hat viel Zeit verloren und um halb Fünf wird es dunkel, heute vermutlich schon eher wegen den tief hängenen Sturm- und Schneewolken. Er zittert vor Kälte und schätzt, dass es noch ca. fünf Meilen zur Tumbleweed sind, mit einem guten Reitpferd kein Ding, aber mit diesem provisorisch repariertem Rad würde es eine Ewigkeit dauern. Er traut dem Rad nicht und will auch dem Pferd keine neue Chance geben noch einmal durchzugehen. Also macht er sich vor Kälte schlotternd zu Fuß neben dem Wagen auf den Weg. Die letzte Kutsche war schon durch, bevor Paddy Laramie verlassen hat. Es würde niemand mehr kommen und er ist auf sich gestellt. Inzwischen wird das Licht weniger und die Luft immer kälter.
 
 
 
 
Tumbleweedranch | November 2019 | top
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