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Kapitel 283
 
Vier Tage vor Weihnachten ist es jetzt her, dass Grandpa Frank und der Sheriff Roy Correy Raylan und Jess vom Purgatory Pass nach Hause gebracht haben. Laura ist mit den Mädchen inzwischen von der Ranch ihrer Eltern zurück und versucht stark zu sein. Im Gegensatz zu Jess erholt sich Raylan nach Kinderart schnell. Der Doktor der Familie und Freund von Frank hat zwei Tage gekämpft um die Infektion der Schusswunde in den Griff zu bekommen aber in Verbindung mit einem immer wieder aufflackernden Fieber und dem großen Blutverlust ist Jess in einem Grenzland zum Tod und für den guten Doktor nicht erreichbar. Er meint zu Frank, Hetty und Laura:
"Ich habe das Gefühl sein Körper schafft es nicht so viel Blut zu ersetzen, das könnte der Weg sein wie er geht."

Laura ist entsetzt:
"Nein, Jess hat noch nie aufgegeben zu kämpfen."

Der Doc sagt traurig:
"Ihr solltet auf alles gefasst sein. Eigentlich kann jetzt nur noch ein Wunder helfen."

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Am Morgen des 24. Dezember reitet Grandpa Frank nach Laramie und geht zu John in den Laden. Er gibt ihm einen kleinen in ein Taschentuch eingewickelten Gegenstand:
"Jess war heute morgen so unruhig und hat nicht locker gelassen. Du sollst das noch vor Weihnachten haben. Du weißt schon warum John. Jess hatte das in der Hand als wir ihn in der Hütte gefunden haben."

Der Ladeninhaber und beste Freund von Jess wickelt den Gegenstand aus und findet den geschnitzten Weihnachtsengel. Er bewundert die exquisite Handarbeit und sagt:
"Ja Frank. Frank??"

Der hört die Frage von John und kann es kaum aussprechen. Er flüstert:
"John, wir verlieren ihn."

John sieht die Wahrheit in den müden Augen von Grandpa Frank:
"Sag Jess, ich verstehe ihn und bedanke mich bei ihm. Wenn ich bloß etwas für ihn tun könnte!"

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Die Frauen sind gefühlsmäßig am Ende und versuchen etwas Trost zu finden indem sie alltägliche Dinge tun. Sie trösten die Kinder und kochen und backen für Weihnachten. Jess kämpft sich ein wenig ins Bewusstsein, er hört die Frauen in der Küche rumoren und riecht den guten Duft vom Essen und den Duft von Tannen und Weihnachtsgebäck. Er hat keine Illusionen über seinen Gesundheitszustand. Jeder Atemzug ist eine Anstrengung. Seine Gedanken gehen zu Zachary Jones. Sein Vater hat ihm die Legende erzählt.

 
 
Aber es ändert nichts. Der Mann war da, als er und Raylan auf dem Pass am meisten Hilfe gebraucht haben. Ohne ihn wären sie jämmerlich erfroren. Vielleicht erlaubt das Wunder Zachary Jones nur EIN gerettetes Leben. Egal, Raylan würde bei Laura und seinen Großeltern aufwachsen. Das Weihnachtsessen riecht gut, er wünscht sich so sehr bei ihnen sein zu können, aber es fehlt ihm die Kraft dazu. Als ihn ein ruhiger Frieden überkommt, wehrt er sich. Nein, noch ein kleines bisschen Zeit! Es ist noch nicht alles gesagt. Als Frank zurückkommt bittet er ihn:
"Dad! Verkauf das Gewehr! Frag Roy, es gibt Leute die Spitzenpreise zahlen für ein Gewehr mit dem die Benson Gang erledigt wurde. Leg das Geld für die Kinder weg!"

Frank ist das Herz schwer:
"Rede nicht so etwas Jess!"

Raylan hat zugehört und geht zu seiner Mom:
"Dad stirbt und ich bin schuld. Er ist gekommen um mich zu retten."

Laura nimmt ihren Sohn in den Arm:
"Nein, Raylan, du bist ein kleiner Junge und bist gekidnappt worden. Du konntest nichts tun um das zu verhindern. Dad hat dich gerettet und das hätte er für jede deiner Schwestern auch getan. Manchmal passieren guten Menschen schlimme Dinge."

Hetty, Frank und Laura gucken sich über Raylans Kopf an. Wie soll man einem Kind erklären was man selbst nicht akzeptieren kann? Hettys Herz hängt an ihrem Stiefsohn, vielleicht weil ihr Verhältnis zu Anfang so spröde war. Jetzt ist er der Sohn ihres Herzens, aber ihre Gebete sind bis jetzt nicht erhört worden. Sie reißt sich zusammen:
"Eins können wir tun. Es ist der Weihnachtsabend. Er hat mir erzählt, dass er Weihnachten liebt seit er Familie hat. Lasst ihn bei uns sein und nicht im Krankenzimmer! Dann kann er den Baum, die Kerzen und alles sehen."

Laura fragt:
"Meint ihr es ist sicher ihn zu bewegen?"

Frank erwidert:
"Das macht jetzt auch keinen Unterschied mehr. Hetty hat recht."

Sie rücken das Sofa näher an den Kamin und dann geht Frank zu Jess:
"Fertig Junge?"

Jess guckt ihn verlegen an:
"Ich brauche eine Hand...."

Grandpa Frank nimmt ihn ganz unzeremoniell mitsamt dem Bettzeug auf seine Arme. Jess wehrt sich zaghaft:
"Ah Dad, ich kann das schon..."

Frank beruhigt ihn:
"Jess du reitest keinen einsamen Trail mehr. Du brauchst Hilfe, dann akzeptiere sie."

Er geht zur Couch und setzt Jess vorsichtig nieder. Laura guckt, dass er gut zugedeckt ist. Jess schenkt ihr ein Lächeln wie er es nur für seine Familie hat und legt seine warme Wange in ihre kühle Hand:
"Alles gut Laura!"

Alle sind erschreckt wie fragil Jess aussieht.

Die Familie isst gemeinsam außer Jess, der nur einen Schluck Wasser trinkt. Raylan sitzt auf dem Sofa an Jess gelehnt. Die Familie weiß, dass die Beiden jetzt die gemeinsame Nähe brauchen. Das warme Feuer ist für Jess beruhigend, die Nähe der ganzen Familie, der Baum, die weihnachtlichen Gerüche, die Stimmen der Kinder, die beizeiten ins Bett gehen. Jess hat ein Zuhause wo er geliebt und geschätzt wird. Seine unruhige Seele hat nach den Zeiten als Cowboy und Bullrider auf der Ranch mit der Familie Ruhe gefunden. Jess beobachtet wie die Frauen zwischen Küche und Esstisch hin und herlaufen. Er lehnt seine Wange gegen Raylans Haare und schließt die Augen. Er ist müde vom Kämpfen und die warme Dunkelheit, die Frieden verspricht, überkommt ihn wieder. Dieses Mal lässt er es zu. Es ist an der Zeit los zu lassen.

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Rylan wickelt sich aus der Decke und ruft mit ernster Stimme:
"Mom, Grandma, Grandpa! Kommt!"

Jess`Hund Teddy hat den Kopf in die herunterhängende Hand von Jess gelegt. Er spürt es, dass sich seine Seele noch nicht entschieden hat, ob sie bleibt oder geht. Jess ist immer mit Teddy über die Weiden gezogen.

 
 
Laura streichelt ihrem Mann über die Wange. Er spürt ihre Tränen und tröstet sie:
"Sei nicht traurig Honey, ich hätte schon lange sterben können, bei einer Stampede, beim Bullriding ganz allein in einer Stadt in der mich niemand kennt. Es ist leicht wenn die Familie da ist."

Laura spürt, dass sich ihr Mann immer mehr entfernt und sich einer anderen Welt zuwendet und bittet still um ein Wunder:
"Oh Gott, es ist so falsch an Weihnachten, einer Zeit, die voll Freude und feiern sein sollte, er ist durch so vieles gegangen, lass ihn bei uns!"

Grandpa Frank legt seinen Sohn wieder zurück ins Bett damit er es bequemer hat.

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Es ist Mitternacht.

Hoch oben auf dem Purgatory Pass hat es aufgehört zu schneien. Die Landschaft ist in Weiß und Silber getaucht. Zachary Jones ist es müde über den Pass zu laufen und Ausschau nach Menschen in Not zu halten. Die Last der Schuld beugt seine müden Schultern. Er überlegt was aus dem jungen Familienvater geworden ist, 28 Leben muss er retten um seinen Fehler wieder gut zu machen.

Die Welt um ihn hält an. Er spürt wie der Wind sein verwittertes Gesicht fast zärtlich streichelt. Er fühlt sich wieder stark wie in jungen Jahren und weiß was er zu tun hat. Er befreit sein Muli von der Last der Vorräte und gibt ihm die Freiheit.

 
 
Seine Zeit ist gekommen. Er sieht zum Himmel und dankt. Er hört den Ruf im Wind. Er hinterlässt keine Fußabdrücke im Schnee als er ins Licht geht. Seine Tage der Buße sind vorüber, er ist endlich heimgegangen.

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Auf der Tumbleweedranch findet ein junger Familienvater seine letzten Kraftreserven und kehrt wieder um ins Leben.

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Am nächsten Morgen erwacht Jess ohne Schmerzen und fühlt sich ausgeruht. Laura sitzt neben ihm und ist eingeschlafen. Jess hat ein schlechtes Gewissen, dass sie wegen ihm so fertig aussieht. Er sagt mit krächzender Stimme:
"Hey Honey, ist unser Brunnen ausgetrocknet?"

Laura guckt ihn fragend an, begreift endlich und gibt Jess zu trinken. Der fragt gleich:
"Ist nicht heute Weihnachten? Ich höre unsere Kids gar nicht."

Raylan kommt und umarmt seinen Vater. Dann fragt er:
"Dad, wir haben doch Santa Claus getroffen."

Jess antwortet ernst:
"Ja Raylan, das muss er gewesen sein."

Die Kinder sind überglücklich, dass ihr größter Wunsch in Erfüllung gegangen ist. Ihr Dad erholt sich, wenn auch langsam. Sie haben Freude am Weihnachtszug, der durch Laramie fährt.

 
 
Der Ponystall ist weihnachtlich geschmückt.
 
 
Mit dieser etwas anderen Weihnachtsgeschichte wünsche ich allen Lesern

MERRY CHRISTMAS!

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