<- Kapitel 28
 
Kapitel 29
 
Jess galoppiert auf seinem Twinkle Richtung Berge davon. Er bringt die erste Wegstrecke ziemlich schnell hinter sich. Als der Weg steiler wird, lässt er es langsamer angehen. Je höher er in die Berge reitet, um so kälter wird es. Er merkt, dass ihm die frische Luft gut tut. Nach einer kurzen Pause für Twinkle reitet Jess weiter und begegnet einem Goldgräber und einem Trapper.
 
 
Er unterhält sich mit den Beiden, die ihm bestätigen, dass das Trommeln der Indianer mit dem sie die Bisons anlocken, schon drei Tage geht. Jess sieht gleich, dass der Trapper die legendäre Winchester 73 besitzt, das verbesserte Modell der Winchester. Der Name steht umgangssprachlich für Unterhebelrepetierer. Jess besitzt einen Vorläufer dieses Modells, das aus den Anfängen des Bürgerkrieges stammt. Damit ist er wegen dem heftigen Rückschlag beim Schießen nicht sonderlich zufrieden. Er bittet den Trapper einmal einen Probeschuss abgeben zu dürfen und ist nach dieser Aktion sehr zufrieden mit dem verbesserten Modell. Jess bedankt sich, gibt aber dem Trapper noch die Ermahnung, dass er es nicht duldet, dass auf dem Gebiet der TWR Fallen aufgestellt werden. Diese Art der Jagd lehnt Jess völlig ab. Danach reitet Jess weiter. Nach einer kürzeren Wegstrecke, der Wind steht für ihn günstig, sieht er einen älteren Weißwedelhirsch, der als Einzelgänger durch den Wald streift. Jess legt seine Winchester an und kann einen Schuss mitten ins Herz anbringen. Die Winchester ist laut, Twinkle steigt hoch, Jess beruhigt ihn und flucht über den Rückschlag der Winchester. Danach steigt er vom Pferd und bricht den Körper des Hirsches mit seinem Jagdmesser auf. Dann hängt er ihn in einen Baum zum Ausbluten.
So, das hätten wir, dann kann sich Dad über Wildfleisch freuen. Twinkle, den nehmen wir auf dem Rückweg mit. So lange kann der Hirsch abhängen, es ist ja ziemlich frisch hier in den Bergen.
Los, weiter gehts ins Indianerlager!
Jess merkt, dass die Trommeln der Indianer dem Stamm schon sein Kommen ankündigen. Leotie kommt ihm schon in Begleitung ihres Wolfes entgegen.
 
 
Auch Chato ist schnell zur Stelle.
 
 
Chato wirft gleich einen Blick auf die Ausrüstung von Jess`Twinkle und freut sich, dass der Graue Wolf sein Gewehr dabei hat. Er sagt nur "Buffalo Hunt" und Jess nickt dazu. Er und Twinkle sind nach dem langen Ritt sehr müde. Jess sattelt ihn ab und stellt ihn zu den Indianerpferden. Im Lager herrscht Betriebsamkeit. Es wird getrommelt, die Geister beschworen, Pfeil und Bogen betriebsbereit gemacht. Chato und Leotie merken, dass Jess sehr müde ist und weisen ihm einen Schlafplatz in ihrem Tipi zu. Jess deckt sich mit seiner Decke zu aber kommt nicht in den Schlaf. Die Temperaturen in der Nacht sinken so weit oben in den Bergen schon fast auf den Nullpunkt ab. Jess flucht innerlich, dass er keine wärmere Decke mitgenommen hat und die Nachttemperaturen doch wohl unterschätzt hat. Er denkt bei sich, dass er seit er mit Laura das neue Schlafzimmer teilt, doch schon ziemlich verweichlicht ist. Leotie merkt, dass Jess nicht in den Schlaf kommt und deckt ihn mit einem dicken Bisonfell zu. Danach schläft Jess gleich ein. Darunter ist es wohlig warm und er kann endlich entspannen. Er schläft lange und wird erst am anderen Morgen gegen 10 Uhr wach als er den Sonnenstand betrachtet. Im Lager rennt alles durcheinander. Die Krieger bemalen sich und ihre Pferde. Der Medizinmann beschwört noch einmal die Geister.

Jess reibt sich die Augen und spricht mit Chato
Wer ist jetzt hier der Jagdführer? Bist du das?

Chato bejaht. Es ist nicht automatisch der Häuptling der Anführer bei einer Bisonjagd. Wenn ein anderer Krieger das besser kann, muss sich sogar ein Häuptling seinen Anweisungen unterordnen.

Jess
Die Jagd geht also heute Mittag los. Chato, sie wird nach meinen Bedingungen stattfinden. Keine Verkleidung als Wolf, kein sich so unter die Herde mischen, ich will nicht, dass mir jemand in die Schusslinie gerät. Ihr könnt kommen, wenn ich den Schuss gesetzt habe. Ich will dir eben noch was zeigen.

Jess malt einen Bison auf die Erde und macht ein Zeichen kurz vor der letzten Rippe vorn.
Hier muss man treffen. Das ist das Herz, nur dann kommt der Tod schnell.

Es ist so weit und alle Krieger steigen auf ihre Pferde. Sie wissen wo die Herde steht.

Bisons sehen schlecht, aber riechen sehr gut. Es ist entscheidend für eine Jagd sich so anzupirschen, dass sie die Jäger nicht wittern können. Das gelingt Jess und den Indianern. Jess sucht einen sehr großen älteren Bullen aus, der mit der Herde nicht mehr so gut Schritt halten kann. Er nimmt die Winchester zielt, drückt ab und trifft. Er lädt sofort noch einmal durch und setzt noch einen zweiten Schuss hinterher. Twinkle steigt wieder hoch.
Beruhige dich Junge, ist schon alles passiert - ruft Jess. Er reitet zum Bison hin und vergewissert sich, dass der Bulle tot ist. Inzwischen kommen schon die Indianerfrauen, die für die weitere Arbeit zuständig sind. Ein Krieger ist auch dabei. Jess kennt die indianischen Sitten, der erfolgreiche Schütze soll Blut aus dem Herz trinken oder ein Stück Herz essen, damit die Kraft des Bisons auf ihn übergeht. Auf diese Ehre verzichtet Jess gern. Blut trinken findet er ekelig, dafür ist er zu sehr Weißer und Fleisch isst er grundsätzlich nur gekocht oder gut durchgebraten.

Er schreit nur noch laut Woohoo, Chato, los! Nimm das Gewehr, der dahinten, mach schon! Du weißt was du tun musst. Denk an den zweiten Schuss! Dieser Bison gehört dir.

Chato fängt die Winchester auf und kommt genau wie Jess zum Schuss. Er will noch einen Bison schießen. Da ist plötzlich Jess an seiner Seite und sagt
Stopp! Zwei reichen, damit kommt euer Stamm lange über die Runden! Schießt keine weiblichen Tiere, die sind um die Zeit schon wieder neu trächtig.

Chato ist stärker bemuskelt als Jess und kommt gut mit dem Rückschlag der alten Winchester klar. Er freut sich, weil die Jagd so wesentlich einfacher und gefahrloser für die Krieger ist.

Die Frauen sind inzwischen da und tun ihre Arbeit. Indianer nutzen alles vom Bison, nicht nur das Fleisch. Bisons liefern alle lebensnotwendigen Artikel. Aus dem Fell werden Kleider, Zeltdecken, Kanus hergestellt, aus den Knochen Pfeilspitzen und Nähnadeln, aus dem Schädel Teller und Näpfe, aus den Därmen Bogensehnen und Schnüre, aus den Zähnen Schneidewerkzeuge, aus den Schulterblättern Schaufeln, Hacken und Schaber, aus dem Gehirn wird Gerbmittel für die Lederherstellung produziert, die Blase wird als Tabaksbeutel gebraucht.

Jess hat sich erfolgreich um die Kriegersitte gedrückt und zieht es vor am Abend gut durchgebratenes Muskelfleisch vom Bison zu essen. Das nutzt er bis kurz vor dem Platzen. Bison ist eine willkommene Abwechslung zum Rindfleisch, dass es üblich auf der TWR gibt. Es wird eine kurze Nacht, die Indianer feiern noch lange die erfolgreiche Jagd mit Trommeln und Flöten. Jess tun die Bisons eigentlich leid, aber der Stamm muss auch leben und essen, so sterben die Tiere nicht umsonst.

Am nächsten Morgen zeigt Jess Chato wie man die Winchester reinigt, übergibt ihm das Gewehr, die Patronen und die Reinigungsutensilien mit dem Worten
Chato, die gehört jetzt dir! Nutze sie mit Überlegung um deinem Stamm zu helfen. Vielleicht bleibt euch so im nächsten Winter der Gang in die Reservation erspart.

Chato guckt Jess an und kann es gar nicht fassen. Ein Weißer schenkt einem Indianer eine Winchester.

Jess kann Chatos Gedankengang nachvollziehen und meint nur
Eigentlich hätte sie der Medizinmann verdient, aber du bist hier der Jäger. So kann ich etwas gut machen was ihr für mich getan habt. Es ist schon richtig so. Ich kann mir ein neues Gewehr kaufen. Ich muss jetzt wieder los nach Hause, ich danke euch für die Gastfreundschaft.

Jess sattelt seinen Twinkle, der jetzt etwas weniger zu tragen hat, und macht sich auf den Heimweg. Er erreicht den Baum, an dem er den Hirsch abgehangen hat und fängt gleich an zu fluchen
Bullshit, wer war das denn? Vom Hirsch ist nur noch ein Skelett über und paar Fetzen Fleisch am Boden. Raubvögel waren das nicht. Das sähe anders aus.

Jess untersucht die Spuren und stellt fest
Unser alter Freund war da, der alte Puma, der hinkt. Die Spuren sind eindeutig.

 
 
Ich jage für die Indianer und das Mistvieh frisst meinen Hirsch auf. Da habe ich ihm tolle Mahlzeiten verschafft. Wie erkäre ich das jetzt Dad und den anderen? Gerade Dad hatte sich so auf Wild gefreut. So ist das Leben! Mit dem Colt kann ich keinen anderen Hirsch schießen. Der hat eine zu kurze Reichweite. Glück gehabt Twinkle, brauchst du den Hirsch nicht zu schleppen!
Los gehts, ab nach Hause!

Jess macht noch unterwegs am See eine Pause und kann erfolgreich ein paar Fische angeln. Er spießt sie auf einen Stock und kommt noch vor der Dunkelheit auf der TWR an.

Sein Dad sieht ihn durchs Fenster kommen und läuft gleich schnell nach draußen.
Wo ist denn dein Hirsch?

Jess
Alles Bullshit! Kannst du Twinkle versorgen? Dann kann ich mich erst wieder ansehnlich machen. Ich sehe sicher aus wie ein Landstreicher mit dem Bart von fast einer Woche, überall Blut an den Klamotten, schnell weg ehe mich Laura so sieht. Ihr müsst euch mit den frischen Fischen begnügen, Hirsch fällt aus. Den hat der alte Puma gefressen.

Frank schüttelt nur den Kopf. Da scheint ja einiges schief gelaufen zu sein.

Er sattelt Twinkle für seinen Sohn ab und entlässt ihn auf eine der Koppeln.

 
 
Am Abend sitzen alle zusammen und essen die Fische. Frank ist noch aufgefallen, dass Jess die Winchester nicht mehr dabei hat. Jess erzählt, dass sie jetzt mit Chato einen neuen Besitzer hat. Im Grunde seines Herzens benutzt Jess das Gewehr gar nicht gern. Es widerstrebt ihm zu töten, aber manchmal geht es eben nicht anders. Er ist froh um jedes Jahr, wenn er kein Pferd mit einem Beinbruch oder Krankheit, die nicht heilbar ist, töten muss. Jess hat sich vergewissert, dass auf der Ranch in seiner Abwesenheit alles rund gelaufen ist und freut sich am späten Abend wieder mit Laura ins Schlafzimmer verschwinden zu können. Dort ist der Schlaf doch erholsamer als im Indianertipi auf dem Boden und vor allem Laura ist da!!!