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Kapitel 36
 
Der Montagmorgen ist gekommen und Jess hat zusammen mit Laura einen Brief für Kylie und Lyle geschrieben, das heißt schreiben musste Laura, weil Jess meint, dass seine Sauklaue ohnehin keiner entziffern kann. Das Transportset hat er inzwischen auch in der Sattelkammer finden können und so macht er sich sehr früh auf den Weg nach Laramie. Der Ritt dauert normal schon an die zwei Stunden und mit Handpferd noch länger. Der Zug wartet schließlich nicht, also rechtzeitig auf den Weg machen. Jess hat auch die großen Satteltaschen aufgelegt, weil Laura noch Sachen für die Küche aus Johns Laden haben muss. Er hat sich für Rose Of Texas entschieden, die seiner Meinung nach dringend wieder etwas Bewegung unter dem Sattel braucht und so zieht er los.

Kurz vor Laramie legt er Grab A Ruby das Transportset an und dann geht es weiter.

 
 
Grab A Ruby hat es nicht sonderlich eilig, aber Jess treibt beide Pferde unerbittlich weiter.
 
 
Inzwischen tauchen die ersten Häuser vom Ortsrand von Laramie auf. An einem schönen weißen Holzhaus stehen der Doc und der Reverend. Die beiden sehen Jess und winken ihn heran.

Doc
Hi Jess, warte mal eben. Vielleicht könntest du uns einen Gefallen tun.

Jess
Gentlemen, ich habe es eilig. Ich muss meine Quarterhorsestute in den Zug verladen. Der wartet nicht. Ich habe ihn schon pfeifen hören. Der ist gleich da. Bitte etwas Geduld, ich muss dann noch zu John in den Laden und dann komme ich wieder hier vorbei o.k.!

Danach zieht Jess schnell weiter. Der Zug steht bereits am Bahnhof und Jess kann Grab A Ruby ohne Probleme verladen. Dem für die Viehwagen zuständigen Zugbegleiter bittet er gut für die Stute zu sorgen und auch den Brief zusammen mit ihr weiterzugeben. Jess gibt dem Mann ein paar Dollars. Der bedankt sich vielmals und verspricht alles zu Jess`Zufriedenheit zu regeln.

Jess guckt sich noch die Abfahrt des Zuges an und geht dann in Johns Laden. Er füllt die Satteltaschen mit Lauras gewünschten Sachen für die Küche und dann unterhalten sich Jess und John noch bei einem Bierchen. Jess kann es nach dem langen staubigen Ritt nicht abschlagen. Dann fallen ihm der Doc und der Reverend ein und er geht weiter. Das geht gut, bis er bei Sams Saloon vorbeikommt. Sam fegt an diesem Morgen den Bürgersteig.
Hi Jess, gut, dass du da bist. Du bekommst noch Geld von mir wieder von der Sache mit dem Zigeuner. So viel wie du da gelassen hast habe ich gar nicht gebraucht.

Jess
Na so viel kann auch nicht übrig sein. Gucken konnte ich da schon noch.
Und lacht laut.

Die Beiden gehen in den Saloon. Sam rechnet ab und schenkt Jess gleich noch einen Whisky ein.
Auf dein Wohl Sam,
meint Jess und trinkt ihn in einem Zug aus.
Schmeckt nach mehr Sam obwohl das eigentlich nicht meine Uhrzeit ist. Die Säufersonne ist noch nicht aufgegangen. Aber was solls? Wenn ich schon mal hier bin!

Sam schenkt Jess noch einen ein nach dem Motto auf einem Bein kann man nicht stehen und gibt ihm noch eine Flasche Whisky für Zuhause mit.

Jess bedankt sich und zieht ab mit der Flasche. Er holt seine Rose Of Texas, wirft die Satteltaschen aufs Pferd und reitet los. Der Reverend und der Doc warten immer noch bei dem schönen weißen Holzhaus. Jess hält seine Rose an und meint
Meine Herren, nun bin ich hier und habe alles in Laramie erledigt. Was kann ich für euch tun?

Doc
Jess, hier liegt meine Patientin Mrs. Bonnet. Ihr Mann ist verstorben und nun liegt sie schon 14 Tage im Bett und will sterben. Sie ist aber nicht krank und mir fällt nichts mehr ein was ich noch machen soll. Der Reverend hat auch schon sein Glück versucht, hat aber auch nichts gebracht.

Jess
Traurig, aber was soll ich daran ändern?

Doc
Du bist so ein lebensbejahender Typ und bist erst vor kurzem dem Tod von der Schippe gesprungen. Vielleicht kannst du die Lady dazu bringen, dass sie das Leben schön findet. Ein Versuch ist es doch wert.

Jess ist inzwischen vom Pferd abgestiegen und dreht sich etwas seitwärts damit der Doc und der Reverend die kombinierte Whisky-Bierfahne nicht so mitbekommen und bindet sein Pferd am Zaun an. Der Doc und der Reverend öffnen die Haustür und schieben Jess ins Haus. Der überlegt krampfhaft was er einer alten Lady erzählen soll, da dürfte es nicht so viele Gemeinsamkeiten geben. Mrs. Bonnet liegt in ihrem Schlafzimmer im Bett und Jess klopft an die Tür. Es kommt ein leises Herein und Jess betritt das Zimmer.
Guten Morgen Lady. Der Doc und der Reverend sind hier und meinen ich soll mit ihnen sprechen.

Die Lady sagt kein Wort. Jess guckt sich um und sieht ein Bild an der Wand.
Lady, war das ihr Mann? Sieht nach einem kernigen Typ aus, der weiß was er will.

Jess lässt seinen Blick weiter schweifen und bleibt an einer Flasche Whisky mit daneben stehenden Gläsern hängen.
Ihr Mann war wohl Whisky Liebhaber, das ist Maltwhisky. Er wusste wohl was gut ist.

Die Lady muss lächeln.
Endlich wieder ein richtiger Mann im Haus. Bedienen Sie sich! Gläser stehen ja da.

Um etwas Zeit zu schinden schenkt sich Jess ein Glas Whisky ein, den er genießerisch wegschlürft.
Lady, was hat ihr Mann eigentlich beruflich gemacht?

Mrs. Bonnet
Er ist zur See gefahren.

Jess
Ach du großer Gott, ich würde nie in so eine hohe Takelage klettern. Mal ein Baum oder mein Heuboden reicht mir. Ich bin nicht wirklich schwindelfrei in solchen Höhen. Ich habe meine Pferderanch.

Die Lady muss lächeln.
Mein Mann war ein lausiger Reiter.

Jess lacht, ich glaube das sind die meisten Seeleute. Was hat ihr Mann denn noch gern gemacht?

Mrs. Bonnet
Er hat immer so schöne Shanties gesungen.

Jess
Was denn zum Beispiel? Vielleicht kenne ich es ja. Als ich lange in New Orleans war habe ich dort einige Seeleute getroffen und in den Kneipen ging es ab.

Die Lady lächelt.
Am liebsten hat er What shall we do with the drunken sailor gesungen.

Jess
Das kenn ich.

Jess legt los mit seiner tiefen Stimme. Mrs.Bonnet ist glücklich und singt Way hay and up she rises mit.

Draußen stehen der Doc und der Reverend und überlegen. Was treibt Jess da so lange? Dann hört der Doc ihn singen. Der Doc und der Reverend können es nicht mehr aushalten und horchen an der Tür. Der Doc kann es nicht fassen, dass die Lady den Refrain mitsingt. Er meint zum Reverend
Ich glaubs nicht. Jess ist eine Viertelstunde bei ihr. Bei mir sagt sie kein Wort und er bringt sie schon nach der kurzen Zeit zum singen. Sie hört sich so fröhlich an.

Der Reverend sagt
Gelobt sei der Herr! Jetzt wird es was!

Nachdem Jess und die Lady über die Strophe
Put him the bed with the Captains daughter gelacht haben, meint Jess
Jetzt muss ich aber los Mrs. Bonnet, sonst schaffe ich den Ritt nach Hause nicht mehr bis zum Mittagessen und meine bessere Hälfte wird sauer.

Mrs. Bonnet
Junger Mann, Sie kommen aber doch mal wieder!

Jess
Mal sehen, wenn ich das nächste Mal in Laramie bin. Bitte stehen sie erst auf wenn der Doc da ist und nicht allein. Ich weiß wie das ist. Ich hatte erst vor kurzem einen üblen Husten mit Lungenentzündung. Man ist doch arg schwindelig beim ersten Mal aufstehen, wenn man länger gelegen hat. Alles Gute Lady!

Jess setzt sich seinen Hut wieder auf und stösst die Haustür mit einem Ruck auf und grinst. Er hat den Doc voll auf die Nase erwischt.
Ja, ja, das kommt vom an der Tür horchen. Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort!

Der Reverend muss laut lachen.
Jess, eins muss ich noch sagen, warum bleibt dein Platz in unsere Kirche immer Sonntags leer? So eine Stimme könnten wir sehr gut brauchen. Dein Vater und Laura sind immer da.

Jess
Sorry Reverend, Sonntags gebe ich meinen Leuten frei, aber meine Zossen wollen auch Sonntags gefüttert werden. Also habe ich keine Zeit.

In Wirklichkeit hat es Jess nicht so mit Kirche und Reverend. Der Doc kennt Jess und muss grinsen.

Jess verabschiedet sich und schwingt sich jetzt mit noch weiteren zwei Whiskys intus auf seine Rose und galoppiert davon.

Rose ist sehr schnell und Jess holt einiges von der verlorenen Zeit raus. Er wird wieder langsamer und denkt, egal, alkoholfrei ist heute ohnehin nicht mehr, was solls?
Nehmen wir noch ein oder auch zwei Schluck auf die gute Tat. Zum Wohl Mrs. Bonnet!

 
 
Zuhause angekommen sattelt er seine Rose ab und entlässt sie auf eine der großen Koppeln zum grasen. Die Flasche Whisky stellt er in einen Schrank in der Sattelkammer, genehmigt sich aber noch vorher einen kleinen Schluck. Er weiß nicht, dass ihn die kleine Kathy dabei beobachtet. Dann geht er ins Ranchhaus wo schon alle am Mittagstisch sitzen. Er gibt Laura die Satteltaschen mit den Einkäufen und meint
Jetzt habe ich Hunger nach dem langen Ritt. Grab A Ruby habe ich gut verladen. Sie dürfte schon ein ganzes Stück weit gekommen sein mit dem Zug.

Nach dem Mittagessen muss Jess gähnen. Inzwischen schlagen trotz guter Unterlage Frühstück und Mittagessen das Bier und der Whisky durch und er meint
Ich gehe jetzt Matratze horchen, aber nur ein kleiner Schlummer. Nach einer halben Stunde spätestens Stunde wecken. Sonst schaffe ich den Beritt der drei, vier Pferde, die ich mir heute vornehmen wollte nicht mehr vor dem Abendessen.

Er zieht ab in sein Zimmer. Patrick, der Hobo aus Irland hat die Fahne mitbekommen und singt
Musha ring damma do, damma da
Whiskey in the jar
und muss furchtbar lachen. Jess bekommt es noch mit und meint, einem Iren kann man wohl nichts verheimlichen.

Jess pennt gleich ein und wacht nach einer Stunde wieder auf. Er guckt nach dem Sonnenstand und wird ganz eilig. Richtig gut drauf ist er aber nicht und so greift er zu seiner alten Methode, Rübe unter die Pferdetränke und eiskaltes Wasser. Er schüttelt seine nassen Haare aus, setzt sich seinen Hut wieder auf und überlegt nachdem er jetzt wieder klar im Kopf ist, welches Pferd er zuerst in Beritt nehmen soll. Es soll aber nicht dazu kommen. Die kleine Kathy stürmt an
Jess, Jess, mit Schnitzel stimmt was nicht. Ich glaube das Schweinchen ist tot. Das rührt sich nicht mehr. Du musst sofort mitkommen!

Jess
Langsam Kathy! Heute morgen habe ich Schnitzel doch gesehen und er war gut drauf. So schlimm wird es schon nicht sein.

Kathy nimmt Jess an die Hand.
Sie zeigt ihm Schnitzel.

 
 
Jess
Hm, der liegt ja wirklich da wie tot. Er legt die Hand auf Schnitzel und stellt fest, dass er noch atmet.
Tot ist er nicht, aber richtig ist das auch nicht. Ich bin aber kein Schweinefarmer und habe keine Ahnung was ihm fehlt.

Er überlegt und dann fällt ihm ein, dass Mr. Miller die Schweine schon mal an den Hinterbeinen hochhebt. Das macht Jess mit Schnitzel. Daraufhin verdreht das Schweinchen die Augen und lässt einen Rülpser los. Wirklich wach wird Schnitzel aber nicht. Jess dämmert aber was!
Kathy, was hast du Schnitzel gegeben? Der Kerl hat eine Whiskyfahne vom Feinsten. Das Schwein ist sturzbesoffen.

Kathy
Du hattest eine Flasche in der Sattelkammer und hast davon getrunken und das hat dir anscheinend gut geschmeckt. Da dachte ich, dass es Schnitzel auch gefallen würde.

Jess
Kathy! Du willst doch nicht damit sagen, dass du dem Schwein meinen guten Whisky zu trinken gegeben hast. Wieviel hast du gegeben?

Kathy
Ich, ich glaube, die Flasche ist leer. Schnitzel hat es geschmeckt.

Jess muss sich auf den Schreck erst einmal hinsetzen.
Das darf nicht wahr sein. Herrgott, nicht einmal der Whisky ist einem hier gegönnt. Das war im wahrsten Sinne Perlen vor die Säue werfen. Verdammt noch mal! Bullshit!!!
Ich fasse es nicht Kathy, wie konntest du nur?

Jess rauft sich die Haare vor Ärger, aber das nützt jetzt auch nichts mehr. Inzwischen sind Frank und Laura da, weil Jess so laut geworden ist. Sie haben genug mitbekommen, so dass sie sich alle den Bauch vor Lachen halten müssen. Nur Jess findet das Ganze nicht so lustig, musste doch sein guter Whisky dran glauben. Er meint nur dazu
Legen wir Schnitzel wieder sein Körbchen! Keine Ahnung wie lange ein Schwein braucht um einen Rausch dieser Größenordnung auszuschlafen. Kathy, ich glaube mit dir habe ich noch ein gewaltiges Hühnchen zu rupfen! Du setzt dich jetzt zu Schnitzel. Keine Ahnung ob Schweine kübeln können, aber wenn, dann solle jemand aufpassen, dass es sich nicht verschluckt. Und derjenige bist du Kathy!

Frank hält sich den Bauch vor Lachen.
Kübeln ist ja eher deine Spezialität Jess

Jess
Ihr könnt mich jetzt alle mal

Er stapft wütend zum Corral und holt sich den Mustang mit dem er arbeiten will.

 
 
Er reitet weiter als er eigentlich vor hatte. Es ist besser so für Kathys Wohlbefinden.