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Kapitel 51
 
Jess fährt seinen Planwagen mit der Indianerfamilie in einem Tempo wie bei den Planwagenrennen auf den Rodeos was er ja eine Zeitlang gemacht hat bevor er sich zum Bull Riding entschlossen hat. Er merkt nach vielen Meilen Richtung Westen, dass die beiden Pferde zunehmend müder werden. Sie haben die Kreuzung erreicht wo sich die Wege in die verschiedenen Himmelsrichtungen trennen. Jess hält den Wagen an um die Pferde etwas verschnaufen zu lassen bevor er nach Norden Richtung Fluß wo sich das Indianerlager befindet abbiegen muss. Er steigt aus und sieht sich um. Zu seinem Entsetzen sieht er viele Meilen östlich eine große Staubwolke von der er vermutet, dass es die Truppe der Bürgerwehr ist. Zeitlich könnte es hinkommen. Jess weiß, dass er seinen Pferden keine weitere Galopptour mehr zumuten kann und nun ist guter Rat teuer. Plötzlich kommt aus südlicher Richtung ein kleinerer Planwagen mit zwei Mulis davor angefahren. Jess grinst und denkt, danke da oben, die schickt mir der Himmel. Er hält den Wagen an. Sein Fahrer ist ein alter Mann, der auch noch einen Esel mit Goldschürferausrüstung dabei hat. Jess sagt
Hi Oldtimer, heute ist dein Glückstag. Lass uns die Gespanne tauschen!

Oldtimer
Hä???

Jess denkt, super, der braucht ein Hörrohr und wiederholt seine Forderung in voller Lautstärke.

Oldtimer
Ich habe aber kein Geld, dass ich zuzahlen kann. Ich will nach Kalifornien Gold schürfen.

Jess
Sag ja heute ist dein Glückstag und nun lass uns die Ladung tauschen. Noch was, wenn dich jemand fragt, du hast keine Indianer gesehen. Ist das klar? Wie heißen deine Mulis?

Oldtimer
Die Graue ist Harriet, die Braune Martha. Junger Mann, das ist wirklich dein Ernst?

Jess
Nun mach schon! Runter vom Bock, Ladung tauschen, los Chato, schnell jetzt! Wir haben nicht ewig Zeit.

Chato guckt Jess zweifelnd an und überlegt ob er über der Verfolgung der Bürgerwehr den Verstand verloren hat, ein gutes Gespann gegen diese Mulis und Klapperkiste zu tauschen. Jess hat aber einen Gesichtsausdruck, der keine Zweifel zulässt und Chato hilft mit seinen kranken Vater ins andere Gespann zu legen und die Ladung zu tauschen. Nachdem das erledigt ist, wünscht Jess dem Oldtimer gute Fahrt Richtung Westen und gibt ihm den Ratschlag im zügigen Trab weiterzufahren und so schnell keine Pause zu machen. Dieses Tempo muss der Esel auch schaffen. Der Oldtimer schnappt sich seinen Esel und bindet ihn hinter Jess`Planwagen an.

 
 
Der Oldtimer murmelt noch vor sich hin, dass die jungen Männer heutzutage wohl den Verstand verloren haben und fährt in zügigem Trab davon wie Jess ihm aufgetragen hat. Der Oldtimer hat Angst, dass es sich Jess noch einmal anders überlegen könnte. Mit diesen guten Pferden und Wagen würde er die Pässe in den Rocky Mountains bequem vor Einbruch des Winters schaffen.

Chato sieht Jess ebenso zweifelnd an wie der Oldtimer. Jess meint nur trocken
Mein Alter wird mich dafür killen, aber was tut man nicht alles um den Kopf aus der Schlinge zu ziehen! Wir müssen es rechtzeitig schaffen deinen Stamm zu erreichen, dann können wir mit deinen Kriegern mit den Gewehren gleich ziehen. McCaine ist ein Feigling. Ich denke nicht, dass er sich auf eine direkte Konfrontation einlassen wird. Chato, du hast immer noch nichts verstanden. Der Planwagen vom Oldtimer ist kürzer und schmaler vom Radstand und die Mulis hinterlassen auch andere Spuren als meine beiden Pferde. Wir verwischen jetzt die Spuren von unserer Wagenumladungsaktion und dann können wir mit den Mulis nach Norden zum Fluß fahren. Der Scout der Bürgerwehr ist gut, aber der wird meinen Planwagen weiter nach Westen verfolgen. Tut mir ja leid, dass ich deinen Vater so durchrütteln muss! Bequem ist das Fahren mit Mulis nicht, aber es ist ja nicht mehr so weit. Schade nur, dass ich nicht das Gesicht von McCaine und seinem Scout sehen kann, wenn sie dem Oldtimer in die Rockies hinterhersausen und er sie dann mit Hä! anspricht!

Chato guckt Jess groß an und hat jetzt die List verstanden. Er muss laut lachen und meint
Der Medizinmann hat dich Grauer Wolf genannt wegen deiner Kraft und Ruhelosigkeit. Langsam glaube ich, er hat die Listigkeit des Timberwolfes gemeint.

Chato und Jess verwischen die Spuren, die die Umladeaktion hinterlassen hat und dann kutschiert Jess das Muligespann Richtung Norden zum Fluß. Dort kommen sie nach drei weiteren Stunden Fahrt an. Im Lager herrscht reges Treiben. Es könnte alles so friedlich sein, wäre da nicht die Bürgerwehr, die irgendwann auftauchen wird. Chatos Mutter und der Medizinmann kommen schon entgegen und der alte Häuptling wird in das große Tipi der Häuptlingsfamilie auf ein bequemes Lager gelegt. Jess spannt Harriet und Martha aus und lässt sie bei den Indianerpferden mitlaufen und grasen. Martha guckt ihn groß an und ist froh, das schwere Geschirr los zu sein.

 
 
 
Harriet ist auch froh die Last des Geschirrs los zu sein.
 
 
Nachdem die Mulis versorgt sind kann Jess immer noch nicht zur Ruhe kommen sondern muss sich zusammen mit den Kriegern um eine vernünftige Deckung aus Baumstämmen und Felsen kümmern. Nachdem endlich alles geregelt ist kann eine Pause zum Essen eingelegt werden was die Männer dringend nötig haben.

In der Zwischenzeit ist die Bürgerwehr längst an der Wegkreuzung angekommen und der Scout ist der Spur nach Westen hinter Jess`Planwagen her mit der Bürgerwehrtruppe.

Nachdem sie Stunden später festgestellt haben, dass den Wagen jetzt nur ein alter Mann fährt, keine Indianer, kein Jess, tobt McCaine wie ein Irrer und der Scout muss seinen Fehler wieder wettmachen. Er hat schnell an der Wegkreuzung die Straße nach Norden ausgemacht auf der das Gespann des Oldtimers gefahren ist und so dauert es nicht lange bis sie im Indianerlager auftauchen.

 
 
Chato und McCaine stehen sich gegenüber. Bevor es zwischen den Beiden richtig kracht, packt Jess sein ehemals weißes Taschentuch, vorher flucht er so ist das, wenn man ständig Rotznasen von Dreijährigen abwischt, auf einen Stock und ruft
Friedensfahne, lass uns reden McCaine!

McCaine dreht sich um.
Natürlich du, hälst dich wohl für neunmalklug uns so zu linken mit den Wagen.

Jess grinst
Hat doch gut geklappt. Ich hatte meinen Vorsprung. McCaine, es sind jetzt elf Henry und Winchester Gewehre auf euch gerichtet aus sicherer Deckung und meine neue Winchester kannst du für drei alte rechnen. Du weißt von Schießwettbewerben, dass ich mit ihr umgehen kann, also lass es nicht drauf an kommen! Ich würde ungern auf Menschen schießen, die meine Nachbarn sind, mit denen man Feste gefeiert und Geschäfte gemacht hat. Reitet nach Hause und gut ist es!

McCaine guckt sich um sieht elf Gewehre auf sich und seine Truppe gerichtet, deren Männer sich unwohl im Sattel hin und her wenden. Er läuft rot an vor Wut und schreit
o.k. Harper, ihr wollt es so haben! Los Männer, zurück, wir reiten zur Soldatengarnison. Colonel Mayers wird euch mit der Gatling Gun schon die Hölle heiß machen. Das rote Pack muss hier verschwinden. Dafür ist die Army ja da. Du wärst gut beraten Harper, nicht im Weg zu stehen!

Weg ist die Bürgerwehr im gestreckten Galopp. Jess atmet tief durch. Diese Entwicklung gefällt ihm gar nicht. Er erinnert sich ungern an die Vorführung der sechsläufigen Gatling Gun, die er in der Garnison gesehen hat. Bei im Schnitt 400 Schuss in der Minute gegen 12 herkömmliche Gewehre hat man keine Chance. Er hat nicht gedacht, dass McCaine so weit gehen würde und ihm wird mulmig zu Mute, ob er je wieder seine Familie und die Ranch wiedersehen würde, von der Sorge über die Indianer noch ganz abgesehen. Jess erinnert sich an den Kauf von Colonel Mayers Touch Of Sky und wie gut der Morgan ausgebildet ist.