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Kapitel 53
 
Auf der TWR geht wieder alles den gewohnten Gang der Dinge. Unsere kleine Familie hat sich zusammengefunden, nur Opa Frank ist noch etwas konservativ im tiefsten Inneren und geht nicht gern nach Laramie wegen dem Gerede der Leute. Er hatte aber doch einiges zu besorgen, hat dabei Doc Sherman getroffen, der Jess ja versprochen hatte mit ihr einen Ausritt auf einem seiner Westernpferde zu machen und so macht Opa Frank kurzerhand den nächsten Sonntag als Termin aus. Als er das Jess sagt ist er wenig begeistert und meint zu seinem Dad, der die kleine Jolene bei sich hat:
Ich finde es nicht o.k., dass du einfach über meinen Sonntag bestimmst, den ich eigentlich für meine Familie reserviert habe. Dad, was das Gerede der Leute betrifft musst du lockerer werden. Mir geht das am Ar...,sorry, Feind hört mit, am Hintern vorbei. Irgendwann passiert das jemand anderem und dann steht derjenige im Mittelpunkt des Tratsches. Wie heißt es so schön, ist der Ruf erst ruiniert lebt es sich ganz ungeniert.

Opa Frank und Laura schütteln nur ihre Köpfe und denken sich ihren Teil. Jess hat immer schon sein Ding durchgezogen und der Rest ist ihm egal. Aber er muss wohl in den sauren Apfel beißen und Doc Sherman das Westernreiten näher bringen. Jess und Patrick sind am Stall. Patrick will den VB-Mix absatteln und Jess macht seinen Impress Me Shannon startklar.

 
 
Da sehen sie in der Ferne schon Doc Sherman auf ihrem Warmblüter kommen.
 
 
Patrick guckt den weiblichen Doc an und meint
Tolle Frau, schick mit den roten Haaren, wohl gefärbt, sieht ja richtig irisch aus. Ich beneide dich, dass du mit ihr ausreiten kannst.

(Klartext - Andrea hat die Puppe mit den blonden Haaren verschlampt.)

Jess schüttelt den Kopf.
Was ist mit dir denn los Patrick? Schon vergessen, ich bin verheiratet und das ist rein geschäftlich. Vielleicht gefällt ihr ja unsere Reitweise und sie kauft eines meiner Westernpferde. Aber so ein Greenhorn! Keinen Cowboyhut, keine Jacke! Sie wird sich wundern wie kühl es hier am frühen Abend wird. Ich weiß noch nicht wie weit wir reiten. Liegt dran wie sie sich anstellt!

 
 
Patrick nimmt Doc Sherman das Pferd ab.

Jess hat den Hengst April Rain, den er schon sehr gut ausgebildet hat, für Doc Sherman gesattelt, hat sich die frisch gewaschene Jacke seines Dads von der Leine geschnappt und einen Westernhut und dann geht es los.

 
 
Jess sagt ihr sofort
Hör auf zu treiben, damit kommt April nicht klar, minimale Hilfengebung, Beine lang lassen und das Ganze ganz entspannt genießen Doc Sherman!

Erst ist sie unsicher.
Übrigens heiße ich Abigail, kannst Abby zu mir sagen, das sagen alle meine Freunde. Ich habe noch nie im Westernsattel gesessen, das ist alles so anders und neu für mich.

Jess
Abby, das weiß April aber nicht und nun los! Ich bin Jess, weißt du ja!

Abby stellt sich sehr geschickt an und so können die beiden ein ganzes Stück in die Berge reiten. Jess zeigt Abby die Schönheit des Indian Summers.

 
 
Auf dem abgeernteten Maisfeld lassen sie die Pferde im Galopp laufen.
 
 
 
 
 
 
 
Abby ist begeistert vom Indian Summer und den bunten Farben. Jess kann ihr auch etwas von der Tierwelt zeigen. Sie sehen einen Puma in der Ferne.
 
 
Nach einer Weile kommen sie am See an mit dem Jess viele Kindheitserinnerungen verbinden.
 
 
 
Jess und Abby können Enten auf dem Wasser beobachten. Jess schießt aber nicht, weil er seine Emily zum Apportieren nicht dabei hat.
 
 
Sie können sogar beobachten wie ein Adler im seichten Wasser des Sees landet.
 
 
Abby ist begeistert von der Natur.
Jess, du zeigst mir eine Welt, die ich bisher nicht gekannt habe. Du bist ganz anders wie die Leute in der Stadt reden.

Jess lacht.
Was hattest du denn erwartet? Ich bin vielleicht etwas rauhbeinig, wenn man so lange Jahre unter Cowboys und Rodeoreitern war, aber ich bin kein Unmensch Abby. Im Grunde meines Herzens bin ich sogar ein Familienmensch, obwohl hätte mir das jemand vor vier Jahren gesagt dann hätte ich demjenigen gesagt, dass sein letzter Whisky wohl schlecht war. Laura hat in mein unstetes Leben Ordnung gebracht und das ist auch gut so.

Abby lacht.
Deine Familienbildung ist etwas - nun ungewöhnlich. Und Laura hast du schon von Kind auf gekannt?

Jess
Klar, das war ja unmittelbare Nachbarschaft für unsere Entfernungsverhältnisse. Hier im See haben wir als Kinder so wie Gott uns schuf gebadet. Wir sind zusammen in die Schule gegangen. Laura hat das ganz toll gemacht, ich weniger, keine Lust, hatte immer andere Dinge im Kopf. Mit 12 Jahren war dann Schluß mit Schule, weil ich dem idiotischen Lehrer mein Messer an den Hals gehalten hab und ihm gesagt hab, dass er mich nicht nerven soll. Ich weiß noch, dass sich mein Dad fürchterlich geschämt hat als er beim Lehrer antreten musste. Zu Hause habe ich von ihm noch eine gehörige Tracht Prügel bezogen, aber ich war froh, dass endlich Schluß mit der Quälerei in der Schule war, dann lieber auf der Ranch arbeiten. Damals hatten wir noch die Mulizucht, die war aber nicht rentabel. Später habe ich dann einige Zeit den Nightrider bei Hendersons Cowboys gemacht und dann kamen die langen Jahre auf den Rodeos bis nach dem dämlichen Unfall in New Orleans Schluss damit war.

Abby
Sag mal hast du da nicht dauernd die Knochen kaputt gehabt?

Jess
Eigentlich habe ich eine gute Bilanz gehabt wäre der letzte Unfall nicht gewesen. Prellungen und blaue Flecken immer und fünfmal ausgekugelte Schulter. Wenn man auf dem Ellenbogen aufkommt haut es einem das Schultergelenk raus. So, wir sollten jetzt langsam sehen, dass wir nach Hause kommen Abby!

Abby
Ich werde wohl Rodeoreiter nie verstehen. Sag mal wer ist eigentlich der nette dunkelhaarige Mann mit dem Bart, der bei dir arbeitet?

Jess
Das ist Patrick. Er ist einer der verlässlichsten Arbeiter, die ich je auf der Ranch hatte.

Abby
Sag mal, ist April zu verkaufen?

Jess
Nein, da hat die Little Ponderosa Vorkaufsrecht. Dort haben sie auch schon eine Tochter von ihm.

Jess denkt bei sich, aha, so ganz egal scheint ihr Patrick ja gar nicht zu sein.

Abby und Jess reiten wieder los Richtung TWR. Nach einer Weile merkt Jess, dass Abby etwas unruhig im Sattel hin-und herruckelt.
Abby, hör auf damit, du machst April ja ganz konfus. Musst du eine Pinkelpause machen? Danach wäre mir auch ehrlich gesagt. Hier ist viel Gebüsch. Lass uns eben anhalten!

Gesagt, getan. Jeder geht in eine verschiedene Richtung und erleichtert sich. Auf einmal hört Jess einen lauten Schrei von Abby. Er hatte noch nie so schnell seine Hose wieder zu und schnappt sich die Winchester. Abby steht da mit erhobenen Armen und schreit
Jess! Hilfe! Schieß dieses komische Tier tot, das hat mich angepieselt!

 
 
Jess
Abby lauf weg schnell! Oder ist es schon zu spät? Ich schieße doch nicht mit einer Winchester auf einen kleinen Skunk.

Abby ist wie gelähmt vor Schreck, aber es ist ohnehin schon alles passiert.

 
 
 
Der Skunk zieht sich nach getaner Tat zurück. Jess schüttelt seinen Kopf und meint
Auch das noch! Das hat nicht gepieselt, Mr. Skunk hat seine Duftdrüsen benutzt. Lass mal sehen! Glück gehabt, der hat ziemlich tief gesprüht und es hat nur die Hose getroffen. Normal zielen die höher, wenn das Gesicht getroffen wird kannst du eine ganze Weile davon blind sein. Na ja, jetzt hast du deine Rocky Mountain Taufe. So was kann nur einem Greenhorn passieren. Die Viecher sind eigentlich dämmerungs- und nachtaktiv. Du hast es beim Schlaf wohl gestört. Nicht zu ändern, ab nach Hause!

Sie reiten eine Weile nebeneinander bis Jess sagt
Abby, ich kann nicht mehr. Mir brennen die Augen ganz teuflisch und die Tränen laufen, ich seh schon fast nichts mehr. Bitte reite hinter mir! Shannon läuft nicht wie meine Rosie von allein nach Hause, da muss ich schon gucken wo es hingeht.

Abby
Lass mich mal deine Augen ansehen Jess.

Jess
Bleib mir bloß vom Leib mit deiner Duftwolke Abby. Das wird gleich besser, wenn ich voran reite. Deine Hose kannst du übrigens wegwerfen. Den Gestank bekommst du nie wieder raus. Da hilft kein Waschen. Du kannst bei uns dann baden und kannst eine Hose von Laura bekommen für den Heimritt.

Jess nimmt es mit Humor und lacht laut. Abby findet es weniger lustig. Als die beiden zu Hause ankommen rümpfen schon alle die Nase und Laura sieht Jess besorgt in die Augen. Der grinst nur und meint
Ich glaube ich seh aus wie ein Albinokarnickel mit roten Augen. Unser Doc hatte einen Zusammenstoß mit einem Stinktier und muss jetzt dringend baden.

Während Doc Sherman das Angebot mit dem Bad wohl oder übel annehmen muss, sitzen Patrick und Jess bei einem Feierabendbierchen am Stall.

 
 
Patrick hat inzwischen schon Doc Shermans Pferd startklar für den Heimritt gemacht.

So geht ein turbulender Ausritt in die Rocky Mountains zu Ende.

 
 
 
Tumbleweedranch | Oktober 2012 | top
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