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Kapitel 59
 
Nachdem das schönste Weihnachtsfest zu Ende ist, hat die Arbeit die verbliebene Mannschaft fest im Griff. Manchmal ist Jess schon auf sich selbst sauer, dass er Jeremy und Vicky erlaubt hat so lange weg zu bleiben. Von Laura hat er etwas mehr Mithilfe im Stall erhofft, er selbst hat noch Probleme sich zu bewegen wegen der Prellungen vom Sturz, die immer noch in allen Farben schillern. Als Ex-Bullrider beißt er aber die Zähne zusammen und lässt es sich nicht so anmerken. Doc Sherman, Abby, kommt wieder einmal um das Painthorse Joker zu reiten. Als Doc sieht sie sehr schnell, dass Jess noch in interessanten Schonhaltungen wegen seinem ramponierten Rücken die Stallarbeit erledigt und sagt ihm, er soll es weiter langsamer angehen lassen und an Reiten ist noch lange nicht zu denken. Diese Tatsache wurmt Jess am meisten.
 
 
Patrick möchte am liebsten mit Abby zusammen ausreiten aber da meldet sich Jess und protestiert:
Nichts da, nicht heute, ich kann nicht alles allein machen.

Also reitet Abby notgedrungen allein aus. Jess hat Emily befohlen sie zu begleiten für den Fall, dass sie sich verirrt. Allerdings kennt sie sich inzwischen schon erheblich besser rund um die einzelnen Ranches und um Laramie aus.

Nachdem die leidige Stallarbeit erledigt ist holt Jess seine Frau Laura aus dem Haus.
Kannst du dich mal von der Hausarbeit loseisen, ich muss dir was zeigen was Patrick heute vormittag aus Laramie vom Zug abgeholt hat. Du wirst es nicht glauben, wir haben noch ein nachträgliches Hochzeitsgeschenk von den Jacksons von der Little Ponderosa bekommen.

Laura wird neugierig und kommt mit. Es hat inzwischen wieder reichlich geschneit in den Rocky Mountains. Auch auf den Koppeln liegt viel Schnee. Jess grinst:
Guck mal Honey, ist der nicht klasse? Das ist Sato`s Little Dream.

 
 
 
Sato galoppiert wie ein Wilder nach der langen Fahrt über die Koppel und genießt es. Jess guckt ihn sehnsüchtig an. Laura sieht auf ihren Mann und weiß sehr genau was in ihm vorgeht.
Du möchtest ihn sicher zu gern reiten, aber vergiss es, hör auf Abby. Sei vernünftig auch wenns schwer fällt!

Jess seufzt
Ja, ich sehe es ja ein. Möchtest du vielleicht eine Runde auf ihm reiten? Ich sattle ihn dir. Vielleicht ist er jetzt ein bischen spooky aber Lyle hat ihn sicher selbst eingeritten und da wirst du schon mit ihm klarkommen.

Zu Jess Erstaunen lehnt Laura ab.
Na dann nicht, irgendwie denkst du in letzer Zeit nur noch ans Essen. Das Weihnachtsessen war ja wundervoll, aber so geht es nicht weiter sonst können wir alle demnächst nur noch Kaltblüter reiten.

Jess muss laut lachen, Laura findet seine Bemerkung überhaupt nicht komisch, lässt ihn stehen und geht wieder ins Haus.

Jess schüttelt nur seinen Kopf über die Launen seiner Lady und sieht, dass Abby schon zurückkommt mit Joker. Sie ruft aufgeregt:
Jess, Jess, du musst unbedingt etwas nachsehen. 2 Meilen nach Westen liegt ein komisches Tier im Schnee. Es rührt sich nicht, hat Fell und ist ziemlich groß. Ich weiß nicht was das für ein Tier ist. Ich traue mich nicht näher hinzugehen, das hat so große Zähne. Vielleicht ist es ja tot. Guck du lieber!

Jess
Das ist ja eine tolle Beschreibung, Tier, Fell, groß, Zähne. Ist es ein Puma?

Abby
Nein, den hast du mir ja gezeigt. Es hat langes Fell.

Jess
2 Meilen nach Westen sagst du. Das soll ich jetzt zu Fuß gehen? Oh nein!

Abby
Oh doch, am Ende ist das Tier nicht tot. Ich mochte nicht genauer nachsehen, habe mich ehrlich gesagt nicht getraut.

Jess weiß immer noch nicht was das für ein Tier sein soll. Er geht ins Haus, schließt den Waffenschrank auf und nimmt seine Winchester und ein paar Patronen mit. Jolene möchte ihn begleiten, aber Jess lehnt ab und Emily muss auch zu Hause bleiben. Er denkt besser ist besser, wenn man nicht weiß was einen erwartet. Er stapft missmutig durch den hohen Schnee aber letztlich tut ihm die frische Luft doch gut. Als er am Waldrand 2 Meilen westlich der Tumbleweed ankommt weiß Jess gleich genau was er vor sich hat.

 
 
Es ist ein junger Vielfraß, der in einer Schlinge gefangen ist. Jess ist sehr vorsichtig. Vielfraße sind sehr wehrhafte Tiere mit einer enormen Beißkraft. Er sagt laut vor sich hin:
Was mach ich denn jetzt mit dir? Verfluchte Trapper, auch noch grüne Drahtschlingen ohne Schnee überhaupt nicht zu erkennen. Ich hasse diese Jagd mit Schlingen, Tellereisen, Fallgruben alles nur um an die Felle zu kommen. Wenn ich den Typen erwische, dann ist mit Jagd auf TWR-Gebiet aber Schluss. Hm, ein anderer würde dir wohl jetzt mit dem Gewehrkolben den Schädel einschlagen aber das will ich nicht. Du atmest ja noch. So schlimm scheint die Verletzung am Bein nicht zu sein, hast aber wohl schon lange mit dem Draht gekämpft, dass er so festgezogen ist.

Jess klemmt dem bewusstlosen Vielfrass den Lauf seiner Winchester zwischen die Zähne.
Sei mir nicht böse, nur für den Fall, dass du wach wirst. Das ist guter Connecticut-Stahl, den kriegst auch du nicht klein. Besser du beißt den Gewehrlauf als mich!

Jess hat eine ganze Weile zu tun um den ein paar Mal um das Bein gewickelten Draht los zu bekommen, aber er schafft es. Vom Draht befreit kommt der Vielfraß langsam zu sich. Jess hat vorsichtshalber die Winchester im Anschlag, aber nur für den Fall der Fälle, dass sich der wehrhafte Vielfraß gegen ihn wenden sollte. Das tut er aber nicht. Er guckt sich noch einmal um als wollte er sich bei Jess bedanken. Dabei zeigt er sein eindrucksvolles Gebiss.

 
 
Hau schon ab in die Berge nach Westen! ruft Jess und wirft die unschädlich gemachte Drahtschlinge weg. Danach geht er wieder nach Hause und wärmt sich am Kamin wo Abby schon wartet. Jess erzählt ihr was aus dem ihr unbekannten Tier geworden ist und dass Vielfraße eine große Marderart sind, die auch im guten alten Europa vorkommen. Sie sind wehrhafte Einzelgänger, die sogar große Tiere wie Bären, Luchse oder Pumas vom Riss vertreiben können. Ein Vielfraß kann eine Kopfrumpflänge von 65 -105 cm erreichen. Die Schwanzlänge bewegt sich zwischen 17 und 26 cm. Weibchen wiegen ausgewachsen um die 20 kg, Männchen sind mit 32 kg deutlich schwerer.

Opa Frank hat für die ganze Aktion nur ein Kopfschütteln über.
Typisch mein Sohn, der rettet alle Viecher. Das hat er von seiner Mutter.