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Kapitel 65
 
Kälte und Schnee haben Laramie und Umgebung mit der Tumbleweed fest im Griff. Doc Sherman-Abby-besucht weiter ihren Patrick auf der TWR und hat immer die aktuellen Neuigkeiten aus der Stadt parat.
 
 
Diesmal erzählt sie von einem riesigen Bären, der die Stadt und Farmen der Umgebung heimsucht und alle möglichen Haustiere tötet. Man kann ihn erkennen weil ihm am rechten Hinterfuss eine Kralle fehlt. Bären können die Krallen nicht einziehen. Sie sind immer draußen. Er wagt sich immer weiter in die Stadt hinein und eines Abends hat er einen kleinen 5jährigen Jungen angefallen, dem Abby nicht mehr helfen konnte. Sie erzählt von dem schrecklichen Anblick und dass Roy der Sheriff in jeder freien Stunde die Umgebung abreitet um diesen "Maneater" zu erledigen. Patrick meint
Jess, du kannst doch gut Spuren suchen! Jetzt im Schnee müsste es doch noch einfacher sein. Warum hilfst du nicht dem Sheriff?

Jess ist nachdenklich.
Mit dem Jungen tut mir ja wirklich leid, aber wie käme ich dazu Roy die Arbeit abzunehmen? Solange der Bär nicht hier sein Unwesen treibt....
Wenn er hier auftaucht oder euch und meinen Pferden was tut werde ich ganz sicher nicht zusehen. Aber so, der will doch auch nur leben. Ich weiß, Roy ist ein lausiger Spurenleser, soll er doch die Bürgerwehr aktivieren. Die haben einen guten Scout und McCaine mit seiner großen Klappe. No way, ich mache Roy nicht arbeitslos, soll er ruhig was tun für sein Geld. Er ist sonst ja auch fix mit Leuten in die Ausnüchterungszelle stecken, die einen über den Durst getrunken haben. Eigentlich ist es völlig ungewöhnlich, dass ein Bär den Menschen so nahe kommt. Die meiden menschliche Ansiedlungen normalerweise.

Patrick muss lachen und sagt lieber nichts dazu. Jess hat keine Ahnung wie bald ihn das Schicksal mit dem gefährlichen Bären zusammenführt. Wenige Tage später ist Jess auf seinem Dandy unterwegs und hat sicherheitshalber seine Winchester dabei. In weiter Ferne heult ein einsamer Wolf.

 
 
Jess sieht schon von weitem, dass Laura mit Jolene vor dem Ranchhaus einen Schneemann baut, reitet noch eine kleine Runde und sieht dann plötzlich Patrick auf einem Baum.
 
 
Jess registriert gar nicht, dass Patrick in eine Richtung zeigt sondern lacht
Was wird das denn jetzt? Spielst du dickes Grauhörnchen, nein, bist ja kariert! Pass auf, dass der Ast nicht bricht!

Patrick ist ganz blass und zeigt immer noch in eine Richtung. Jess guckt zu Laura, die wie versteinert da steht. Er erfasst die gefährliche Lage ganz schnell und steigt vom Pferd.

 
 
Ein riesiger Grizzly läuft auf dem Ranchgelände.
 
 
 
Jess guckt auf die Spuren und stellt mit Entsetzen fest, dass es sich um den gejagten Menschenfresserbär handelt. Er ruft Laura zu
Nimm Jolene und geh langsam, nicht hektisch, ins Haus und verriegelt gut! Patrick, bleib wo du bist!

Jess knöpft seine Jacke auf und holt 5 Patronen aus der Innentasche und lädt die Winchester. Bei sich denkt er, eigentlich müssen auch zwei bis drei reichen, sonst hat der Bär gewonnen. Jess hat noch einen Apfel in der Tasche, den er dem Bären zuwirft während Laura und Jolene ins Haus gehen.

 
 
Erst hält Jess Dandy fest doch dann lässt er ihn doch lieber los und Dandy läuft weg. Der Bär läuft jedoch gleich dem Apfel hinterher.
 
 
Jess entsichert die Winchester, schießt und trifft den Bär ins Herz. Er setzt gleich noch einen zweiten Schuss hinterher. Der Bär stellt sich jedoch auf und läuft auf Jess zu.

Patrick stockt im Baum der Atem. Jess ist jedoch geistesgegenwärtig und setzt noch gleich zwei Schüsse auf den Kopf des Bären hinterher. Dabei bemerkt er, dass der Bär komische trübe Augen hat. Der große Bär fällt genau auf Jess, der unter dem toten Bären liegt. Jess keucht
Patrick nun mach schon, ich kriege keine Luft mehr! Das Vieh ist mordsschwer.

Patrick klettert vom Baum und zieht den Bären von Jess herunter, der mithilft und ihn in Patricks Richtung schubst.

 
 
Dandy und Emily gucken sehr skeptisch.
 
 
Jess steht schnell auf, schnappt sich die Winchester und sichert sie. Vom Kopf des Bären ist so gut wie nichts mehr über.
Blöde Idee Patrick auf einen Baum zu klettern! Bären können das auch ganz schnell. Kümmer dich um Dandy, ich will eben ins Haus zu Laura und Jolene. Um den Bären kümmern wir uns später.

Jess geht ins Haus. Er will wissen wie Laura und Jolene den Schreck überstanden haben. Laura ist bei der kleinen Loretta und Jolene spielt mit ihrem Pferd. Sie hat nicht begriffen in welcher Gefahr sie geschwebt haben. Laura ist glücklich, dass Jess anscheinend nichts passiert ist.

 
 
Laura und Jess sehen auf die kleine Loretta, die ihre Eltern anlächelt.
 
 
Nach einer Weile im warmen Zimmer meint Jess zu seinem Vater
Ich habe gedacht, das wars, ich seh euch nie wieder, als der Bär trotz zwei Schüssen ins Herz auf mich zurannte.
Dad nimm bitte die Winchester, da sind noch Patronen drin, die nimm raus und schließe sie wieder ein im Gewehrschrank.

Dann wird Jess plötzlich sehr blass, zittert und sinkt an der Wand herunter.

 
 
Frank und Laura gucken fassungslos.

Frank
Jess, was ist los mit dir?

Jess
Es dreht sich alles, ich frier wie ein junger Hund.

In dem Moment kommt Patrick ins Zimmer.
Da ist eine Blutspur vom toten Bären bis hier ins Zimmer. Die ist aber nicht vom Bären. Was ist mit Jess los?

Patrick, Laura und Frank leisten erste Hilfe und legen Jess eine Decke unter den Kopf und schieben das Schaf unter seine Beine um sie höher zu lagern. Die kleine Loretta weint laut, weil sie die Hektik im Zimmer spürt. Patrick guckt unter Jess`Jacke und stellt fest, dass der Bär ihn im Fallen an der Seite der linken Rippen mit der Pranke erwischt hat. Draußen in der Kälte war die Blutung noch mässig aber im Warmen wurde sie heftiger. Sie haben Glück, dass Abby schon von Jeremy und Vicky gehört hat was passiert ist und sie ist gleich ins Haus gelaufen mit ihrer Arzttasche.

 
 
Abby desinfiziert die Wunde und macht einen ordentlichen Verband. Sie meint
Hoffentlich entzündet sich das nicht und der Blutverlust ist ziemlich heftig. Typischer Schock, die Verletzung hat Jess gar nicht mitbekommen. Er braucht jetzt viel Ruhe. Der Blutverlust wird ihn sehr matt machen aber es sollte trotzdem immer jemand bei ihm sein. Es wird ihm mit Sicherheit im Unterbewusstsein der Kampf mit dem Bären einkommen und er wird Abwehrbewegungen mit den Armen machen. Das wäre nicht gut für die Heilung der Wunde. Ich habe absolute Hochachtung vor ihm, so sicher geschossen und hat nur an seine Familie und Patrick gedacht, dass sie heil aus der Sache raus kommen. An sich selbst hat er keine Sekunde gedacht.

Patrick kümmert sich darum, dass die Rancharbeit aufgeteilt wird. Laura und Frank wechseln sich an Jess` Krankenbett ab. Abby kommt in jeder freien Zeit, verbindet neu und hält auch Wache am Bett. Jess hat ab und zu einen lichten Moment an dem er ansprechbar ist, aber richtig da ist er nicht. Die kleine Jolene will zu ihrem Dad aber Frank und Laura lassen sie nicht, weil sie meinen Jess braucht Ruhe und kein quirliges Kind an seinem Bett. Jolene ist aber sehr durchsetzungskräftig und nutzt eines Morgens die geöffnete Tür und saust durch zu ihrem Vater. Frank will sie zurückholen, aber Abby meint
Nein, lass die Kleine mal machen. Jess macht die Augen auf und hat sich bewegt.

Jolene nimmt ihren Dad an der Hand und sagt
Dad, werde doch wieder schnell gesund! Du wolltest so viel mit mir machen. Du wolltest mir Reiten beibringen und im Sommer angeln, so richtig mit Würmern am Haken. Ich brauch dich doch und Loretta auch und Laura sowieso. Sie ist so traurig, weil es dir so schlecht geht und weint ab und zu.

Jess zieht Jolene zu sich und grinst
Also heulen braucht hier keiner. Ich werde schon wieder fit, dauert nur etwas. Aber kommt mir jetzt nicht mit Würmern. Ich hätte jetzt schon gern was Richtiges zu essen und trinken. Sag mal Dad, es war der Menschenfresserbär, den ich erschossen habe. Ich habe die fehlende Kralle am Hinterbein deutlich an der Spur gesehen.

Frank
Ja Junge, Roy war schon da und hat sich den Bären oder besser gesagt seine Überreste angesehen. Aus dem Kopf hast du ja Kleinholz gemacht.

Jess lacht
Ich wusste mir nicht anders zu helfen, wenn das Vieh nach zwei Schüssen ins Herz immer noch auf mich zuläuft. Jetzt erzähl mir noch, schade, dass man den Kopf nicht präparieren kann. Das ist mir so was von bullshitegal, Hauptsache das Vieh ist tot. Habt ihr die Augen gesehen? Ich glaube, der Bär war blind. Deshalb hat er so komisch reagiert und auch Patrick auf dem Baum nicht gefunden.

Frank
Roy meinte das auch. Das ist auch wohl der Grund, dass sich dieser Bär leichte Beute mit Haustieren und dann auch mit Menschen gesucht hat.

In dem Moment fährt ein Wagen vor. Es ist der Reverend, der Jess besuchen will. Frank meint zu Jess
Du wirst dich jetzt benehmen, wenn der Reverend einen Krankenbesuch bei dir macht.

Jess murrt
Abby hat gesagt - keine Aufregung und so was regt mich auf. Ich brauch den Typen nicht, ich dachte jetzt eher an was Gutes zu essen und Durst habe ich auch.

Der Reverend kommt rein.
Freut mich, dass es dir besser geht Jess. Du hast eine große Last von der Gemeinde genommen, der Teufel war da in Gestalt dieses Bären und hat uns geprüft. Der Herr hat dir die Kraft gegeben den Teufel zu besiegen.

Jess
Übetreib mal nicht Reverend! Der Herr war da wohl nicht im Spiel. Das war wohl eher meine Unerschrockenheit, mein sicheres Auge und meine stählerne Freundin, die Winchester. Der Bär war im Grunde ein armer blinder Teufel, der leichte Opfer gesucht hat. Eigentlich kann er einem nur leid tun!

Reverend
Ich verstehe dich nicht, aber du bist im Einklang mit der Bibel und vergibst deinem Feind. Wir haben letzten Sonntag für dich gebetet und gesammelt wegen der hohen Arztrechnung.

Jess lacht
Das lass mal Reverend! Das kann ich mir schon noch als reicher Rancher leisten. In der Gemeinde gibt es sicher Bedürftige, die das Geld nötig haben. Ich verdiene mit einem Ritt auf den Bullen mehr als du in Jahren.

Reverend
Kann ich sonst etwas für dich tun?

Jess
Oh ja, geh mal drei Schritte nach links. Dann kann ich endlich aus dem Fenster gucken. Patrick lässt meine Dickerchen raus in den Schnee. Ach, was für ein schöner Anblick!

 
 
 
 
Der Reverend schüttelt nur den Kopf und verabschiedet sich mit einem Gute Besserung! von Jess und kommt zu der Feststellung, dass er Ex-Bullrider wohl nie vestehen wird.

Mit Jess geht es jetzt endlich gesundheitlich aufwärts. Er bemüht sich Laura nicht zu sehr zu nerven und ein halbwegs geduldiger Kranker zu sein, aber nach drei Tagen ständig Kartoffelbrei und Spinat dazu roten Traubensaft, reißt ihm der Geduldsfaden.
Laura, was habe ich gemacht, dass ich immerzu dieses grüne Zeugs essen muss, das aussieht wie die Kuhfladen von meinen Bullen. Ich habs doch nicht mit den Zähnen. Der Saft haut mich auch nicht vom Hocker. Gibt es endlich mal Kaffee?

Laura grinst, alles auf Anweisung von Abby, soll alles gut sein für die Blutbildung. Jess´Kommentar dazu ist nur Bullshit. Am nächsten Morgen schleicht er sich ganz früh ehe die anderen aufstehen in die Küche, haut sich ein paar Spiegeleier in die Pfanne und macht sich einen anständigen Cowboykaffee, der mit einem doppelten Whisky veredelt wird. Jess ist die Flasche, die ihm Frank bei seiner Sauftour abgenommen hat, in die Hände gefallen. Jess dreht gerade seine Spiegeleier in der Pfanne um da taucht Laura auf.
Was wird das denn?

Jess
Mein Frühstück! Ein schönes Brot mit Kruste und die Eier sind schon umgedreht. Mit meinen Eiern bin ich eigen.

und muss schrecklich lachen. Laura geht es nicht anders und in einer Lachpause meint sie
Sag mal, dein Kaffee riecht so seltsam, was hat der für ein Geheimnis?

Jess
Ach nichts, ein altes Cowboyrezept. Geh mir da bloß nicht dran!

Laura probiert aber doch und meint
Der macht aber schön warm von innen.

Jess lacht
Das ist genau das was ich jetzt brauchen kann.

Opa Frank taucht auf und wundert sich was in der Küche so lustig ist.
Wenn ihr fertig seid, kommt mal mit, ich habe noch was für euch.

 
 
Frank hat tatsächlich das Bärenfell gesäubert und in Form gebracht.

Die kleine Loretta freut sich darauf herumstrampeln zu können.

 
 
Jess ist warm eingepackt weil er immer noch schnell friert wegen dem hohen Blutverlust. Er freut sich über die muntere kleine Loretta und meint dann aber

Honey, muss sie unbedingt einen Teddybären haben? Ich habs seit dem Erlebnis nicht mehr so mit Bären.