<- Kapitel 65
 
Kapitel 66
 
Unser Ranchboss ist immer noch dabei sich vom Zwischenfall mit dem Grizzlybären zu erholen und ist froh mehr Zeit mit Laura und seinen beiden Töchtern verbringen zu können.
 
 
Nach dem Frühstück als Patrick, Jeremy und Vicky wieder weg zu den Pferden und ihrer Arbeit sind meint Jess zu Laura
Honey, ich weiß ja nicht, ich habe ein ganz blödes Gefühl, dass die mir etwas verheimlichen. Patrick berichtet wohl was sie jeden Tag gemacht haben, aber alle vermeiden längere Gespräche mit mir. Ich habe doch keinem etwas getan und habe auch nicht rumgemotzt. Bilde ich mir das ein? Was sagt deine weibliche Intuition Laura?

Laura lacht
Jess, dir tut die Ruhe wohl nicht mehr länger gut. Du hörst wohl schon das Gras wachsen.

Jess erwidert
Nein, Laura, da ist was, die verbergen was vor mir. Aber ich werde es herausfinden. Ich zieh mich jetzt an und gehe in den Stall zum Rechten sehen.

Jess sieht zu wie Big Jake in der Halle frei läuft.

 
 
Patrick hat nicht mitbekommen, dass der Boss anwesend ist und bringt Big Jake wieder zurück in die Box. Jess ist in der Zwischenzeit in der Sattelkammer, findet dort aber auch nichts Besonderes was man vor ihm verstecken müsste. Dann nicht - murmelt er und geht zu den Pferdeboxen. Jess hat wie gewohnt seine Winchester dabei und hat sich für Big Jake eine Möhre geholt, die er ihm geben will. Der große Appaloosa streckt ihm schon seinen Kopf entgegen. Dabei fällt Jess auf, dass Patrick die andere Stalltür versperrt nachdem er seinen Boss gesehen hat. Jeremy gibt sich in der Box ganz beschäftigt.
 
 
Big Jake hat sich mit der bunten Stallkatze angefreundet, die auf der Türwand balanciert. Die treue Emily ist wie immer an der Seite ihres Bosses.
 
 
Jess wird misstrauisch, weil Patrick immer noch die andere Stalltür versperrt.
Patrick, was ist da? Geh an die Seite!

Patrick lenkt ab.
Jess, solltest du nicht lieber im Haus sein? Du siehst immer noch sehr blass aus und bist nicht fit. Hier im Stall ist es doch ziemlich kalt. Das tut dir nicht gut.

Jess anwortet
Patrick, ich habe heute morgen schon in den Spiegel gesehen aber lenke nicht ab. Du bist ein lausiger Lügner. Ihr versteckt was vor mir und ich habe als Boss das Recht zu wissen was auf meiner eigenen Ranch vor sich geht. Also aus dem Weg!

Patrick muss sich wohl oder übel fügen und als Jess die Stalltür aufreißt verschlägt es ihm erst die Sprache - aber nicht lange.

 
 
Dort sitzt Vicky mit einem jungen Grizzlybären im großen Hundekorb.

Jess poltert los:
Seid ihr von allen guten Geistern verlassen? Ein Raubtier auf der Ranch! Ihr habt doch nicht mehr alle Nadeln an der Tanne. Auf solche Schnapsideen können ja bloß Leute aus dem Osten kommen. Bullshit! Der Bär muss sofort weg von der Ranch und keine Diskussion darüber. Bald kommen die Fohlen zur Welt und ich habe die Verantwortung für meine kleinen Töchter, da will ich keine Bären auf der Ranch haben. Wem das nicht passt, kann gehen aber mit dem Bären! Patrick du machst auch noch so einen Schwachsinn mit, von dir hatte ich was anderes erwartet. Es ist ein Unding, dass sich ein wildes Tier so an Menschen gewöhnt. Ich will doch hier keinen Zirkus aufmachen, den habe ich schon mit euch genug. Verdammt nochmal!

Patrick ist verlegen.
Ich habe es gleich gesagt Vicky und Jeremy, das geht nicht. Irgendwann kommt es raus. Wir haben das Bärenjunge am nächsten Tag an der Stelle wo du den Bären erschossen hast Jess, herumirren sehen und Vicky und Jeremy haben es dann mitgenommen. Wir mochten auch nichts sagen, weil die große Aufregung und Angst um dich da war. Abby weiß nichts von dem Bärenjungen. Sie wäre sicher deiner Meinung. Sie hält auch nichts von Bären seit sie die Überreste des getöteten kleinen Jungen gesehen hat und dein Vater hat ohnehin nichts für Raubtiere übrig. Dich konnten wir ja nicht fragen Jess. Die ersten Tage ging es dir so schlecht und dann haben wir uns nicht getraut.

Vicky sitzt da und gibt dem Bärenjungen Milch aus der Flasche.

 
 
In dem Moment rutscht Jess das Gewehr von der Schulter und Vicky schreit
Nicht schießen Boss, nicht schießen! Das Bärchen ist doch so süß.

Jess grinst.
Wer sagt denn dass ich schießen will? Herrgott auf solche dämlichen Ideen können auch nur Städter aus dem Osten kommen. Jetzt weiß ich auch wohin die Milch immer verschwunden ist, wenn Jolene gern Kakao haben möchte. Ich habe also eine Bärin erschossen, die ein Junges bei sich führte. Das erklärt noch mehr warum sie so aggressiv war, Haustiere und Menschen gerissen hat.

Jess guckt sich an wie Vicky das Bärchen liebevoll füttert.

 
 
Jess schüttelt nur den Kopf.
Jeremy und du machst diesen Blödsinn auch noch mit. Wenn Vicky unbedingt ihre Muttergefühle ausleben will, dann haut ab auf den Dachboden. Der ist ja frei. Wie man zu einem Baby kommt wisst ihr ja bereits. Mein Gott - bin ich hier im Irrenhaus gelandet, kaum ist man mal eine Weile außer Gefecht tanzen hier die Mäuse auf dem Tisch. Der Bär kommt weg, aber ganz schnell. Überlegt euch was!

Vicky und Jeremy werden rot, weil ihr Boss wieder einmal so direkt ist. Im Grunde seines Herzens weiß Jeremy auch, dass es eine dumme Idee ist auf einer Pferderanch einen Bären zu halten. Sie wissen allerdings nicht was jetzt weiter mit dem Bären passieren soll. Am nächsten Morgen beim Frühstück meint Jess
Euer Bären aufbinden im wahrsten Sinne des Wortes hat mich eine schlaflose Nacht gekostet, aber ich bin zu einem Ergebnis gekommen was ich mit dem Bären mache. Sattelt mir Just Zeke und sucht mir das Kuhfell raus! Das brauche ich auch. Euer kleiner Bär ist nach meiner Schätzung fast zwei Jahre alt und ein Bärenmädchen.

Vicky protestiert
Aber nicht erschießen Jess! Ich sehe ja ein, dass das Bärchen nicht auf der Tumbleweed bleiben kann.

Jess beruhigt Vicky.
Sehe ich so aus als würde ich gleich alles abknallen? Mit der großen Bärin blieb mir nichts anderes übrig, aber das Bärenjunge soll seine Chance haben. Ich weiß eine gute Stelle wo es viele Insekten gibt, die es ausgraben kann, Kaninchen, Mäuse, Ratten, wilde Truthähne und je älter es wird um so größer werden dann auch die Beutetiere. Höhlen gibt es dort auch in denen es schlafen kann. Es ist alt genug um ohne Mutter leben zu können. Bären sind Einzelgänger, die sich nur zur Paarung treffen oder bei einem Nahrungsüberangebot, wenn die Lachse zum Laichen kommen.

Jess hebt mit Hilfe von Patrick und Jeremy das Bärenjunge auf Just Zeke, der mit dem Kuhfell vor den Krallen gut geschützt ist.

 
 
Nach einem Ritt von einer guten Stunde kommt Jess in Begleitung seiner Emily an der Stelle an, die er für das Bärenjunge im Auge hat und lässt es langsam vom Pferd herunter.
 
 
Die kleine Bärin sieht sich noch einmal um und trollt sich dann von dannen. Jess sieht ihr hinterher und denkt Problem gelöst und mein Alter hält mich einmal mehr für verrückt mit Viechern und muss über den dicken Popo der kleinen Bärin lachen und ruft laut:
Nun lauf schon und in drei Jahren kannst du den männlichen Bären der Gegend mit deinem Hinternwackeln den Kopf verdrehen.
 
 
Nach der erfolgreichen Auswilderung aber nicht im Mustangschutzgebiet reitet Jess erleichtert wieder nach Hause. Er ist geschafft vom Ritt und geht gleich Matratze horchen und sein Vater schüttelt einmal wieder mehr den Kopf über seinen Sohn mit dem großen Herzen auch für wilde Tiere.
 
 
 
Tumbleweedranch | Februar 2013 | top
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