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Kapitel 88
 
Nachdem die Karnickelplage endlich Geschichte ist kann der Ranchboss wieder entspannen. Jess hat nur die eigenen Kaninchen behalten sonst wären die Jugendreiter und Jolene traurig.
 
 
Beim Abendessen bemerkt Jess:
Alles Rammler, da gibt es garantiert keinen Nachwuchs. Ein Wort an dich Dad - die landen aber nicht im Irish Stew.

Laura und Frank müssen grinsen. Jess überlegt weiter laut:
Ich weiß nicht ob ich langsam schusselig werde. Ich habe heute wieder einen Sattel ganz anders wiedergefunden als ich ihn weggelegt habe und Shannon lief heute früh durch die Gegend. Welcher Dussel hat denn das Tor nicht richtig zugemacht?

Natürlich will es keiner gewesen sein. Jess weiß nicht, dass auf halbem Weg nach Laramie eine alleinstehende Lady mit einer 12jährigen Tochter auf einer alten Farm eingezogen ist und ihren Lebensunterhalt in Laramie als Bedienung in einem Restaurant verdient. Am nächsten Tag spannt Jess den Oldtimer Willy, einen gutmütigen Wallach, vor das Cart. Er ist der Meinung, dass Jolene so weit ist auch mal ein richtiges Pferd und kein Pony zu kutschieren in seinem Beisein. Jolene ist ganz aufgeregt, aber sie vertraut ihrem Vater, der liebevoll einen Arm um sie legt. Der alte Dackel Digger muss auch in seinem Hundekorb mit.

 
 
Na los Jolene! Let`s go, treib ihn an!
 
 
Digger liegt hinten im Cart im Körbchen und Emily läuft neben dem Cart her.
 
 
Jess weiß nicht, dass er von einem kleinen 12jährigen blonden Mädchen beobachtet wird. Sie hat sich gut hinter dem Gebüsch versteckt und beobachtet alles was auf der Tumbleweed vorgeht. Sie hat auch gesehen wie liebevoll Jess mit seinem Baby umgeht.
 
 
Die kleine Angela Cummings ballt ihre Fäuste in der Tasche und denkt:
Du Mistkerl, warum kannst du den beiden Mädchen so ein lieber Vater sein und von meiner Mom und mir willst du nichts wissen. Aber ich weiß wie ich dir imponieren kann, nur wenn ich ganz toll reite, dann kannst du mich nicht mehr übersehen.

Jess hat keinen Schimmer von dem kleinen Mädchen dem die Mutter nie erzählt hat wer ihr Vater ist. Sie taucht weiter auf der Tumbleweed auf und bedient sich mit Pferden, wenn am Abend alles ruhig ist und alle im Haus sind. Als Jess noch Hobos als Hilfskräfte hatte, schliefen sie in der Scheune. Jeremy, Vicky und Patrick haben aber ihre Zimmer im großen Ranchhaus und so bekommt am Abend keiner mehr etwas mit. Auch die Hunde sind bei ihren Herrchen, Chap bei Patrick und Emily bei Jess und Laura.

Die kleine Angela hatte in der Vergangenheit nicht viel Gelegenheit zu reiten daher fehlt ihr das Know How. Sie nimmt sich Shannon, weil er so schön bunt ist.

 
 
Hallo Pferd, warum musst du so groß sein? Lässt du mich aufsteigen?

Shannon guckt sich um und wundert sich. Angela hat es mit ihren Beinen falsch angefangen und sitzt falsch herum auf dem Rücken.

 
 
Sie spricht zu Shannon:
Wunder dich nicht Pferd, dann eben nochmal von vorn. So kann es nicht gehen.

Sie schafft es aber sich auf Shannons Rücken umzudrehen und es geht langsam los.

 
 
So geht es einige Abende und Jess wundert sich jedesmal warum Shannon so lustlos bei der Arbeit ist und der Sattel so anders liegt wie er ihn weggelegt hat. Er überlegt, dass sich wohl kein Raubzeug auf der Ranch rumtreibt, sonst wären die Pferde alle unruhiger, aber so recht kann er sich keinen Reim darauf machen.

Angela wird immer mutiger und macht allein gute Fortschritte mit ihrem System learning by doing. Sie sattelt sich an einem langen Abend Strawberry Jam und reitet das schnelle Quarterpony um ein Barrel.

 
 
Es stört sich nicht, dass sie mit einem Fuss aus dem Steigbügel gerutscht ist. Sie hat einen sicheren Sitz und steuert das Pony um das Barrel.
 
 
Danach holt sie sich wieder Shannon und reitet auf der Seite des Ranchhauses auf dem die Schlafzimmer liegen.
 
 
Danach wird sie ganz mutig und holt sich Sato. Sie hat nicht mitbekommen, dass Jess aus dem Fenster gesehen hat und schnell aus dem Haus stürmt um den Pferdedieb zu stellen.

Ehe Jess wieder angezogen und bei Stall und Weiden ist, stockt ihm der Atem bei dem was er sehen muss.

 
 
Die Kleine steht auf Sato wie ein Trickreiter beim Rodeo und macht ihre Sache gar nicht schlecht. Mangels Erfahrung geht es auf Sato, einem der schnellsten Pferde der Tumbleweed, nicht gut. Angela stürzt und Sato stürmt im Galopp in Richtung Rocky Mountains. Jess flucht
Gott verdammt, die Pferdediebe werden immer jünger!
 
 
Die Kleine liegt am Boden und Jess sieht, dass ihre Schulter etwas seltsam absteht. Jess weiß sofort was los ist. Eine ausgekugelte Schulter hatte er selbst fünfmal in seiner Bullriderlaufbahn. Er nimmt ihre Hand, stemmt sein linkes Bein in ihre Achsel und zieht kräftig aber doch sensibel. Es knackt leicht, aber alles sitzt wieder da wo es hingehört. Angela rappelt sich auf und beißt ihre Zähne zusammen um nicht laut los zu heulen, weil das in ihren Augen auf einen Rodeomann sicher keinen Eindruck macht.

Jess grinst:
Alle Achtung, ein Pferdedieb, der kein Weichei ist!

Angela führt Shannon zum Stall. Jess entsichert seine Winchester. Die Kleine hört das Geräusch und bekommt Angst.

 
 
Ich weiß nicht wo du herkommst, aber hier im Westen hängt man Diebe am höchsten Baum auf oder übergibt sie dem Sheriff. Dort kommst du in den Knast bei Brot und Wasser. Wie heißt du? Kleine Lady, du klaust Hüte, der gehört der Jugendreiterin Mary Ellen. Sie legt ihn immer in die Sattelkammer wenn sie geht und als ob das nicht genug ist, bedienst du dich mit meinen Pferden. Was sagen deine Eltern dazu? Wissen die was du treibst? Warum liegst du nicht im Bett um die Zeit?Was ist dir lieber, Knast oder gleich erschießen?

Angela
Ich heiße Angela Cummings und wohne auf der ehemaligen Alderson Farm. Meiner Mom bin ich egal, die arbeitet den ganzen Tag und meinen Dad habe ich jetzt kennengelernt. Das musst du sein. Ich weiß, dass er Jess heißt und ein Rodeomann ist. Mom sagt immer, die Männer vom Rodeo taugen nicht aber so schlimm bist du doch gar nicht. Warum hast du meine Mom nicht geheiratet?

Jess fällt so ziemlich alles aus dem Gesicht. Trotzdem versorgt er Angela, die die Aufmerksamkeit von Jess genießt, mit einer Schlinge für den Arm.

 
 
Nachdem Jess Shannon abgesattelt und weggestellt hat fragt er Angela:
Mit der Schulter ist in den nächsten drei, vier Tagen Schonung angesagt - kein Reiten! Wie heißt deine Mom und wo soll ich sie kennengelernt haben? Wie alt bist du Angela?

Die Kleine
Kannst mich ruhig Angie nennen, das machen alle. Meine Mom heißt Alice Cummings und sie hat dich in Oklahoma City auf einem Rodeo kennengelernt. Übrigens hängt ein Plakat von dir und einem Bullen bei uns im Schlafzimmer.

Jess schüttelt nur seinen Kopf.
Angie, ich bin ganz sicher nicht dein Dad, ich kenne keine Alice, ich hatte auch nie was mit einer Alice. Ich war zwar in den 8 Jahren Bullriding jedes Jahr in Oklahoma City, aber das müsste dann ja vor fast 13 Jahren gewesen sein. Da war ich noch Cowboy bei Matt Henderson und habe Rinder nach Laramie zur Bahn oder zum Schlachthaus nach Denver getrieben und bei uns hier auf der Ranch Mulis zugeritten, die mein Vater gezüchtet hat. Du verrennst dich da in eine Idee, die nicht stimmt. Ich bringe dich jetzt auf eure Farm und spreche mit deiner Mom, die dich sicher schon vermisst.

Angie heult:
Meine Mom ist doof, der bin ich egal und du willst mich nicht. Ich will auch einen Vater für den ich der wichtigste Mensch auf der Welt bin. Warum bist du das für Jolene und das Baby und nicht für mich?

Langsam reicht es Jess.
Ganz einfach, weil ich nicht dein Dad bin. Du reimst dir da was zusammen. Mein Vorname ist nicht außergewöhnlich. Es gibt viele Männer, die Jess heißen. Frag deine Mom, die muss es ja genauer wissen- gehören ja schließlich zwei dazu. Ich bin es aber ganz sicher nicht.

Jess nimmt Angie und fährt mit ihr im Cart zur Farm. Dort ist Angies Mutter schon ganz aufgelöst in Tränen, weil sie ihre Tochter vermisst. Sie ist glücklich als sie sieht, dass Jess die Kleine neben sich auf dem Cart hat. Er steigt ab und legt sie aufs Bett. Sie ist nach dem Abenteuer und dem Schreck mit der ausgekugelten Schulter eingeschlafen.

Jess meint:
So Alice Cummings, jetzt müssen wir mal ein paar Takte reden. Hm, irgendwie sehe ich dich die ganze Zeit an und dein Gesicht kommt mir bekannt vor. Bist du die Alice von den Sweethearts of the Rodeo, Formations- und Trickreiterinnen?

Sie lacht:
Doch einer, der mich erkannt hat! Und du bist Jess, damals ein absoluter Newcomer beim Bullriding zu dem der Rodeoveranstalter gleich meinte, dass es ein neuer Stern am Rodeohimmel ist.

Jess
Ihr seid damals aber recht bald mit einem anderen Rodeoveranstalter weitergezogen. Wer ist denn nun der Vater deiner Kleinen? Es soll ein Jess gewesen sein, ich bin es aber ganz sicher nicht. Ich bin nicht für jedes uneheliche Kind in der Rodeoszene verantwortlich. Es gab da noch einen Jess, der war Wrangler ( der Mann, der sich um die Pferde kümmert). Der war schwedischer Abstammung, ein Blondschopf, der den Whisky lieber hatte anstatt sich um die Pferde zu kümmern. Der war den Ladies sehr zugetan und hat sich alles geschnappt was nicht bei Drei auf dem Baum war.

Alice wird rot.
Ja, leider bin ich auf ihn reingefallen, schöne Worte machen konnte er ja gut. Ich wusste, dass er nie ein guter Mann und Vater sein würde und bin dann in den Osten gegangen nach Boston. Ich habe es dort aber nicht ausgehalten und bin jetzt wieder zurück in den Westen. Ich schlage mich einigermaßen durch mit Angie. Ich habe von deinem schweren Unfall in New Orleans gehört und jetzt hast du eine nette Frau und zwei Kinder.

Jess grinst
Etwas haben wir dann wohl gemeinsam. Meine Älteste ist unehelich, aber noch ein uneheliches Kind kann ich mir nicht leisten. Diese Art Publicity in Laramie muss ich nicht haben. Sag Angie die Wahrheit! Sie hat sich das Plakat, den Vornamen und Rodeomann zusammengereimt und denkt ich bin ihr Dad.

Alice ist das alles furchtbar peinlich.

Die kleine Angie liegt in ihrem Bett und schläft nach dem aufregenden Abend. Alice meint:
Sieht sie nicht aus wie ein Engel? Ich werde ihr gleich morgen die Wahrheit über ihren Vater sagen. Tut mir leid Jess, dass sie dir so Schwierigkeiten gemacht hat. Alles nur weil ich nicht die Wahrheit gesagt habe. Ich habe eben das Rodeo nie wirklich vergessen und die alten Plakate aufgehangen. Sie hat den Vornamen Jess aufgeschnappt und sich ihren Reim drauf gemacht. Ich habe ihr auch nie gesagt, dass ich selbst Trickreiterin war beim Rodeo.

Jess grinst:
Kennst du den Unterschied zwischen Cowgirls und Engeln? Engel können nicht so gut reiten.

Er erzählt, dass Angie wohl doch viel von ihrer Mutter hat. Mit dem schwierigsten Tricks musste sie anfangen.

 
 
Alice, übrigens noch was, ich habe letzten Herbst bei den Cheyenne Frontier Days meinen letzten Bullenritt gemacht. Dort habe ich auch gehört, dass dieser Jess Sörensen einen tödlichen Unfall hatte. Er ist im Suff einem Planwagengespann mit 8 Pferden davor in die Quere gekommen. Er war sofort tot. Bring es Angie schonend bei, dass es keinen Vater gibt, der nur nicht weiß, dass sie existiert! Sie kann gern bei uns reiten kommen, aber von der Pike auf und nicht gleich mit dem Schwierigsten anfangen! Aber nur, wenn sie regelmässig zur Schule geht und mit dem Klauen aufhört und bei der Wahrheit bleibt mit ihren Erzählungen. Ich bin ganz sicher nicht ihr Dad. Das muss sie wissen.

Alice nickt.
Du hast recht. Ich hätte ihr schon längst mehr erzählen müssen wie es wirklich war. Der Mann taugte nichts, aber nicht alle Männer vom Rodeo sind so. Das sieht man ja an dir.

Jess grinst:
Tut mir leid Alice, dass wir uns unter solchen Umständen wieder sehen müssen! Sprich dich mit Angie aus, dann findet ihr auch wieder besser zusammen.

Inzwischen ist es fast Mitternacht als Jess zu Hause ankommt und sich mit Laura ausspricht was er mit Angie und ihrer Mutter erlebt hat. Laura muss lachen.
Da hättest du ja früh angefangen. Zu dieser Zeit hattest du doch nur Pferde, Cowboys und Rindviecher im Kopf!