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Kapitel 92
 
Jess wird durch die von Abby auferlegte Ruhepause immer mürrischer. Er beschäftigt sich mit seinen beiden Töchtern und macht Kleinigkeiten in Haus und Stall, die nicht körperlich anstrengend sind. Dabei sieht er den anderen immer sehnsüchtiger beim Reiten zu das ihm Abby auch verboten hat. Laura steckt immer noch die Angst in den Knochen wegen den heftigen Herzanfällen und sie wacht häufig in der Nacht auf und vergewissert sich, dass Jess noch atmet. In der letzten Zeit wühlt er viel im Bett herum, weil er nicht ausgelastet ist und immer schlechter schlafen kann, dann deckt Laura ihn wieder liebevoll zu. An einem schönen Herbsttag hält es Jess nicht mehr aus. Er sieht Abby zu, die Patrick in ihrer Freizeit beim Beritt der Tumbleweed Pferde unterstützt. Als sie absteigt, fällt Jess vor ihr auf die Knie:
Liebste Abby, sei doch nicht so hart zur mir und lass mich zum kleinen See reiten. Ich reite auch nur langsam im Schritt, das ist nicht anstrengend. Beim Angeln könnte ich etwas entspannen, das würde mir gut tun und wenn ich weg bin, gehe ich euch nicht auf die Nerven.

Abby muss grinsen.
Jess du bist mit deinem Charme unwiderstehlich. O.K., du hast gewonnen, aber wirklich nur Schritt, es sind ja nur knappe 3 Meilen, ein bischen Angeln wird dir gut tun und frischer Fisch heute Abend ist auch nicht zu verachten.

Jess drückt Abby einen Kuss auf die Wange.
Danke, danke, endlich wieder im Sattel, ich liebe dich fast so sehr wie meine Lady. Patrick, mach mir bitte Cheveyo fertig!

Patrick holt ihn von der Koppel.

 
 
Er reißt sich los, weil er sich vor Vickys Ziegenbock erschreckt. Patrick weiß aber, dass er unter Jess sehr ruhig läuft und hat keine Bedenken. Er gibt aber zu, dass er es nicht geschafft hat mit Cheveyo Ground Tying Training was Jess angefangen hatte weiter zu üben.

Jess sieht es gelassen.
Gib mir einfach das alte Lasso mit. Ich bin kein Fan von Anhobbeln, mit dem Lasso hat er genug Bewegungsfreiheit zum Grasen und ich kann in Ruhe meine Angelschnur auswerfen. Eine Bitte habe ich noch, mir braucht niemand zur Kontrolle hinterherreiten, ich geh schon nicht verloren und bin ganz sicher vor Einbruch der Dunkelheit wieder auf der Ranch.

Jess genießt den langsamen Ritt im Schritt bei Sonnenschein. Seine Jacke hat er Zuhause gelassen weil die Temperatur fast sommerlich ist. Er kommt am See an und steigt ab.

 
 
Sein Gewehr hängt Jess über das Sattelhorn und will gerade das Lasso ausrollen, da teilt sich das Wasser und ein riesiger Elchbulle steigt aus den Fluten über das steinige Ufer.
 
 
 
 
 
Der große Elchbulle sieht Jess und sein Pferd und läuft direkt auf die Beiden zu.
 
 
Jess hat das Lasso in der Hand und Cheveyo erschreckt sich natürlich vor dem riesigen Tier.
 
 
Der Elch kommt näher und fängt an zu röhren.
 
 
Jess fallen alle Sünden seines Lebens wieder ein, sein Herz schlägt bis zum Hals, der Colt ist in der Jackentasche, die Winchester am Sattelhorn und mit dem Jagdmesser hat man wenig Chancen gegen so ein großes Tier. Das laute Röhren, das heiser klingt, gibt Cheveyo den Rest und Jess sieht nur noch sein Hinterteil Richtung Tumbleweed verschwinden. Er denkt bei sich, den Zwischenfall mit dem Bullen in New Orleans hab ich überstanden, jetzt diese Herzanfälle und nun wars das, ein Elchbulle wird mich mit seinem Geweih niederforkeln und das wars... war klar, dass ich wohl nicht im Bett sterbe!

Er nimmt allen Mut zusammn und spricht den Elch an.
Guten Tag Mister Moose, wolltest du nicht lieber grasen gehen? Wenn du mir nichts tust, tue ich dir auch nichts.

Lasso und ein Apfel für unterwegs fallen ihm aus der Hand.

 
 
Der Elch bewegt seine Ohren und hört auf die tiefe Stimme von Jess. Es geht ein Ruck durch das große Tier und er brummelt ganz zufrieden während Jess ihn am Maul krault.
Mensch, Grumble, musst du mir so einen Schreck einjagen? Du bist ja ein Riese geworden. Du erinnerst dich doch an unsere gemeinsame Zeit auf der Ranch. Es muss jetzt an die 6 Jahre her sein, da habe ich dich gefunden auf dem Rückweg von Hendersons Cattleranch. Ein verdammter Idiot hat deine Mutter erschossen. Du warst erst ein, zwei Tage alt und bist bei deiner toten Mutter stehen geblieben. Meine Mom hat dich großgezogen, du bist ihr wie ein Hund gefolgt und ich habe jeden Tag frische Milch von Tommys Farm geholt. Dad hat uns für verrückt erklärt, aber Mom wusste immer Rat wenn es um Tierbabies ging. Ich habe viel von ihr gelernt. Grumble, dein Röhren hört sich aber mehr wie Rülpsen an und ziemlich heiser. Ich habe noch guten Hustensaft für Pferde auf der Ranch. Das wird auch für Elche gehen. Einen schönen Apfel habe ich auch für dich. Wie wärs, wir machen einen Deal, du kriegst den Apfel und noch mehr und Hustensaft auf der Ranch und du trägst mich nach Hause? Ich soll mich ja nicht so anstrengen und das ist mir doch zu Fuss etwas weit. Was Roosevelt auf seinen Wahlplakaten kann, kann ich schon lange, so cool bin ich auch.

Jess denkt an das Wahlplakat für die Moosepartei und muss grinsen. Jess bindet sich aus dem Lasso eine behelfsmässige Lenkmöglichkeit und sitzt auf.

 
 
Na bitte, geht doch Grumble, los nach Hause!

Jess hat Glück, der Elch kaut unterwegs nicht wieder sondern lässt sich in zügigem Schritt Richtung Tumbleweed lenken.

Cheveyo ist inzwischen schon längst auf der Ranch angekommen und ist völlig verschwitzt. Die Crew rätselt was passiert ist. Patrick möchte schon Richtung See losreiten nachdem er Cheveyo trocken gerieben hat, aber Frank meint, ich kenne Jess, der ist nicht runtergefallen. Warte mal noch etwas ab!

Es dauert auch nicht lange, da taucht Jess auf seinem ungewöhnlichen Reittier auf. Abby hat als Stadtkind noch nie einen Elch zu Gesicht bekommen und hechtet in Panik über die Boxenwand zu Bingo.

 
 
Jess muss lachen.
He Patrick, fang deine Lady auf, nicht dass sie sich noch weh tut! Abby, was ist denn los? Du bist doch sonst so eine toughe Lady, die vor nichts Angst hat. Das ist doch nur Grumble, der ist zahm.

Laura und Frank gucken zu Jess. Sie kennen Grumble als Elchbaby und wissen, dass sie keine Furcht haben müssen.

 
 
Sie sind beeindruckt wie groß der Elchbulle geworden ist. Abby dreht sich um und guckt skeptisch. Patrick traut dem Elch auch nicht über den Weg.

Abby meint
Jetzt weiß ich Jess, wie du dich bei den Herzanfällen gefühlt haben musst. Man denkt das letzte Stündchen hat geschlagen. Nun kann ich das meinen Patienten nachfühlen.

Sie ist noch ganz außer Atem von ihrem schnellen Satz über die Boxenwand. Ihr schlägt das Herz noch bis zum Hals.

 
 
Jess grinst:
Nun komm mal raus aus deinem Versteck. Das ist Grumble. Den haben meine Mom und ich als Baby großgezogen. Irgendein Sonntagsjäger hat seine Mutter abgeknallt und nur den Kopf als Trophäe mitgenommen. So etwas geht total gegen den Jagdehrenkodex. Man schießt keine weiblichen Tiere, die Junge bei sich führen. Es kann doch nicht so schwer sein zu gucken ob das Tier ein Zipfelchen hat oder eben nicht. Wir haben ihn mit Kuhmilch großgezogen, immer frisch von derselben jungen Kuh von der Nachbarfarm. Er lief Mom hinterher wie ein Hündchen. Nach einem Jahr verstossen Elchmütter ihre Jungen bevor das Nächste zur Welt kommt. Da habe ich Mom, die wegen ihrer Herzkrankheit immer schwächer wurde ins Cart gepackt, den Elch dahinter angebunden und wir haben ihn an einer schönen Stelle ausgewildert. Mom standen die Tränen in den Augen aber sie wusste auch, dass wir es für ihn tun müssen und nun bin ich ihm wieder begegnet. Er hat mich gleich wieder erkannt. Schlauer Bursche! Nun komm Abby, kannst ihn ruhig streicheln!

Abby ist eine toughe Lady und traut sich raus aus der Box. Sie bringt es sogar fertig Grumble zu streicheln.

 
 
Jess:
Siehst du Abby, so schlimm ist er gar nicht. Aber Vorsicht vor fremden Elchen! Sie sind absolut unberechenbar. Die Elchkühe sind gefährlich, wenn sie Junge führen und die Bullen, wenn sie ihr Geweih tragen und in der Brunst sind. Wir wollten ihn damals eigentlich Choco oder Brownie nennen, weil er so ein schönes braunes Fell hat, aber dann hat er bei der Milchflasche immer so zufrieden gebrummelt und da hat ihn Mom Grumble genannt. Elche können übrigens auch unter Wasser grasen und bis 7 Meter tief tauchen. Sie können genau so schnell laufen wie ein Pferd. Unser Yellowstone Elch kann als Bulle eine Schulterhöhe von 2,10 Meter erreichen. Die Alaskaelchbullen können sogar 2,40 Meter erreichen. Es sind schon imposante Tiere. Sie leben als Einzelgänger und treffen sich nur in der Paarungszeit. Die Bullen schieben ein Geweih, dass später wieder abgeworfen wird. Damit imponieren sie den Elchkühen und anderen Bullen. Sie verletzen sich damit in der Regel nicht gegenseitig sondern reagieren sich an Büschen und Bäumen ab. Die Hufe bestehen aus zwei schwarzen Schalen mit Schwimmhäuten. Das hat keine andere Hirschart. So können sie gut auf morastigen Böden laufen und sinken im Tiefschnee nicht ein. Junge Elchbullen entwickeln im zweiten Lebensjahr einen kurzen ungegabelten Spieß, im folgenden Jahr eine Gabel mit zwei Enden, im Jahr danach mit drei Enden je Seite.
Die weitere Entwicklung ist nicht gesetzmässig, in der Regel werden dann die Schaufeln immer größer. Elchbullen im Alter von 5-10 Jahren haben die schönsten Geweihe, bei älteren Tieren geht die Geweihentwicklung wieder zurück. Frisch geborene Elchkälber weisen übrigens keine Fleckung auf wie andere Hirsche. Sie sind gleich dunkelbraun bis rötlich. Elche sind Wiederkäuer wie Rindviecher. Das zu Elchen!
Wo ist übrigens meine gute Winchester geblieben? Ich hatte sie übers Sattelhorn gehängt. Oh da ist das gute Stück! Auf Fische zum Abendessen müsst ihr übrigens verzichten. Ich bin leider nicht zum Angeln gekommen.
 
 
Abby ist begeistert von Jess wieder etwas über die Tierwelt der Rocky Mountains erfahren zu haben und meint dann, dass er genug für heute erlebt hat.

Jess versorgt Grumble noch mit Hustensaft und leckeren Äpfeln und dann essen alle zusammen zu Abend. Der Elch ist natürlich der Mittelpunkt des Gespräches und viele Erinnerungen an Margaret, Franks Frau und Mutter von Jess, kommen wieder hoch.

Grumble bleibt in der Nähe der Ranch und so kommt es, dass sich so manchen Tag ein Elch unter die Bullen mischt, bei denen er sich mit seinem Geweih sofort Respekt verschafft hat.

 
 
 
Dank dem Hustensaft für Pferde kann Grumble wieder richtig röhren und Jess legt jeden Tag kräftig Heu nach für den zusätzlichen Fresser.
 
 
 
 
Tumbleweedranch | September 2013 | top
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