<- Kapitel 114
 
Kapitel 115
 
Es ist schon fast Abend und Jess steht mit seinem Teddy draußen als Brad, Mary und Jenny mit der Kutsche aus Harrys Mietstall ankommen.
 
 
Jeremy ist da und trägt das Gepäck der Drei auf ihre Zimmer und Jess hört wie Mary zu Brad sagt:
Guck mal die haben so viele Tiere. Katzen, Hunde, die haben sicher Flöhe und sind dreckig. Das ist ja gar nichts für Jenny.

Jess sagt gar nichts dazu. Die Mädchen freunden sich an. Die kleine Jenny ist begeistert von den Tieren. Mary und Laura umarmen sich und tauschen sich rege über alte Zeiten in der Schule und was danach das Leben für sie bereitgehalten hat aus. Jess gibt es nicht zu aber ihm tut nach dem schnellen Sprint das Bein wieder weh und so verabschiedet er sich:
Nichts für ungut, ich bin total kaputt nach dem heutigen Tag, ich geh jetzt Matratze horchen und wünsche angenehmes Flohbeißen. Aber meine Hunde und Katzen haben keine Flöhe.

Mary guckt ganz entsetzt und Laura meint:
Typisch mein Mann, der hat häufig einen seltsamen Humor.

Die Familie schläft sehr gut in den beiden Zimmern, alles still, keine lärmenden Cowboys und Krach aus dem Saloon. Nur Jess schläft gar nicht gut. Sein Oberschenkel tut weh und er dreht sich unruhig im Bett hin und her. Erst gegen Morgen ist er tief eingeschlafen und Laura lässt ihn schlafen. Mary ist so nett und hilft Laura mit dem Frühstück und Frank übernimmt die Arbeit von Jess, der erst gegen Mittag ausgeschlafen hat. Frank lästert:
Na, geruht der Herr auch mal aufzustehen? Der Tag ist halb um. Hab schon gehört, du bist nicht so fit für die Arbeit mit den Pferden. Ich habe schon ausgeholfen und übernehme deine Arbeit heute. Dafür kannst du dich um die Buchführung kümmern. Da sind noch ein paar lange Reihen Zahlen zusammen zu rechnen. Das wirst du wohl noch schaffen.

Jess guckt Frank entsetzt an.
Das ist jetzt aber nicht dein Ernst Dad! Ich glaube ich erschieß mich. Ich fühle mich ohnehin wie mindestens 80.

Nach dem Mittagessen baut Jess für die Kinder das Zelt auf. Es ist wunderschönes sonniges Wetter. Jenny ist glücklich, dass hier niemand mit ihr schimpft weil sie so langsam läuft und genießt das Zusammensein mit den Kindern von Laura und Jess.

 
 
Jolene hat die Esel geholt und Jenny hat sich mit dem kleinen weißen Kätzchen Snowball angefreundet. Der kleine Raylan ist auch dabei.
 
 
Teddy passt auf alle Kinder gut auf.

Das kleine Kätzchen Snowball tippt Raylan mit der Pfote an. Aber der Kleine brabbelt nur vor sich hin und hat keine Angst.

 
 
Nach einer Weile guckt Jess nach dem Rechten, stellt fest, dass sich die Kinder ganz hervorragend vertragen und setzt Raylan auf Lillybeth.
 
 
 
Eigentlich möchte Jess bei dem schönen Wetter lieber draußen bleiben, aber dann humpelt er doch zurück ins Ranchhaus und widmet sich den Zahlenreihen. Nach geraumer Zeit kommt Brad und sieht wie Jess an seinem Stift kaut und mit der anderen Hand nervös auf den Tisch trommelt.
Verfluchter Bullshit, jetzt habe ich dreimal gerechnet und habe drei verschiedene Ergebnisse. Jetzt genehmige ich mir einen Whisky und ich schwöre dir, ich kriege danach noch ein viertes Ergebnis. Willst du auch einen Brad?

Der antwortet:
Nein, nicht am Nachmittag. Lass mal Jess, ich bin Buchhalter, ich rechne das eben für dich ehe du noch einen Tobsuchtsanfall bekommst.

Jess grinst:
Hätte ich das eher gewusst, dann hätte ich mich gar nicht erst damit gequält. Bullriding ist dagegen entspannend, nach 8 Sekunden aufwärts ist alles vorbei. Wirklich keinen Whisky? Du bist wohl schon zu Lebzeiten heilig oder darfst du nicht wegen Mary?

Brad antwortet:
Nein, aber Mary ist nicht so gut drauf, weil Jenny schon so lange sehr krank ist. Sie ist nicht größer als eure Jolene, die zwei Jahre jünger ist. In der Schule wird sie nur geärgert, weil sie körperlich nicht mithalten kann. Es ist nicht so einfach.

Jess meint:
Ihr packt die Kleine zu sehr in Watte. Sie traut sich gar nichts zu. Das ist nicht gut. Deine Mary bekäme wohl einen Herzkasper wenn sie sieht, dass ich mit Raylan auf dem Büffel reite.

 
 
Ich passe gut auf und er hat einen Wahnsinnsspaß.

Die beiden Männer sind so unterschiedlich wie man unterschiedlicher nicht sein kann. Abends im Schlafzimmer meint Jess zu Laura:
Ich verstehe nicht was deine Freundin an so einem Sesselpupser findet. Er reitet nicht und fährt nur Kutsche und ich bin überzeugt er trifft mit dem Gewehr nicht das Scheunentor wenn er davor steht. Das ist doch kein Kerl! Aber eigentlich ist er ganz nett und rechnen kann er, das muss man ihm lassen. Was er sonst noch für Qualitäten hat kann ich nicht beurteilen aber Mary muss es ja wissen.

Laura war schon vorher klar, dass so eine Bemerkung von Jess kommt und ist froh, dass er seine Meinung nur im Schlafzimmer kundtut.

Schon am nächsten Tag ist es Jess leid und nimmt wieder seine Arbeit auf. Er nimmt die Kinder im Heuwagen zu seinen Bullen mit.

 
 
Auch der kleine Raylan ist mit von der Partie. Jenny hat so etwas noch nie erlebt und ist begeistert. Sie isst gut, weil sie in der frischen Luft Appetit bekommt und sieht auch bald nicht mehr so blass aus. Die Fahrten mit dem Heuwagen genießt sie sehr.
 
 
 
Ihre Mutter Mary reitet englisch und Jess hat ihr Earl als Reitpferd gegeben.
 
 
Die Gerte hat Jess mit den Worten einkassiert:
So etwas brauchen die Pferde der Tumbleweed nicht, die sind alle gut geritten.

So wird es für alle ein schöner erlebnisreicher Urlaub in der guten Luft am Fuße der Rocky Mountains. Jess hat inzwischen wieder seine Arbeit mit den Pferden aufgenommen. Er hat von einem Rancher ein schwieriges Pferd bekommen, das sich nicht auftrensen und satteln lässt sondern tritt und auch beißt. Auf Grund dessen ist der Leopard Appaloosa mit der Peitsche geschlagen worden und nun geht gar nichts mehr. Jess hat ihn daher erst einmal zu seinen Pferden auf die Weide gestellt damit die körperlichen Wunden heilen und nichts von ihm verlangt.

Zunächst macht er ein Join Up mit Cheveyo im Roundpen, der schon sehr gut auf Jess reagiert.

 
 
Danach holt er den Leopard Appaloosa Scirocco, dem er nur ein Halfter angelegt hat. Jess überfordert ihn nicht sondern setzt sich mit einer Mohrrübe hin. Scirocco traut aber dem Mann nicht und dreht ihm seine Kehrseite zu.
 
 
So geht es viele Tage mit dem Geduldsspiel. Brad meint beim Mittagessen:
Jess mit Pferden hast du aber eine Engelsgeduld, ganz anders als mit den Zahlen. Ich könnte das nicht.

Mary lacht:
Laura, du hast ja Glück, dass sich dein Mann nicht mit seinem Mittagessen in den Roundpen setzt.

Laura verdreht die Augen.
Bringt mir den Kerl bloß nicht auf Ideen, die er noch nicht hat. Jess hat schon eine eigene Methode mit Pferden umzugehen. Mein Vater hat immer gleich draufgehauen, wenn die Pferde nicht so wollten wie er.

Jess schüttelt den Kopf.
So hat es Frank früher auch gemacht. Ich habe von den Lakota gelernt, dass man Geduld haben muss, das Pferd als Freund gewinnen muss. Wenn man meint man schafft es in einer Viertelstunde was man von ihm will, dann braucht man den ganzen Tag oder noch länger. Wenn man denkt es dauert einen Tag, dann klappt es plötzlich in einer Viertelstunde. Alles ist drin, wenn man mit Tieren arbeitet.

Mary meint:
Außer Verkauf, Reitstunden, Fahrstunden hilfst du also Leuten, die Probleme mit ihren Pferden haben.

Jess antwortet:
Nein, genau andersrum, ich versuche Pferden zu helfen, die Probleme mit Menschen haben und dieser Scirocco ist eine harte Nuss, aber irgendwann kriege ich ihn.

Das Spiel mit der kalten Schulter zeigen macht Scirocco noch einige Tage mit Jess. Der lässt aber nicht locker.
Guck mal aus ganz frischer Ernte von Tommys Farm, echt lecker! und beißt ein Stück ab.
Ich tu dir nichts, ich will dir nur helfen und verstehen warum du so böse reagierst. Aber mir tust du ja schon mal nichts! Das ist gut Junge!

Da passiert es. Scirocco dreht sich um und guckt Jess über die Schulter.

 
 
Er merkt, dass er Jess nicht fürchten muss und frisst die Mohrrübe. Jess hakt den Führstrick ein.
So Scirocco, folge mir ganz nah! und geht langsam los.
 
 
Der große Hengst folgt Jess willig.

Jess beobachtet ihn genau. Beim Fressen der Mohrrübe hat er kurz ins Maul sehen können. Die Mundwinkel sind kaputt und das Maul innen hat entzündete Stellen. Nun ist klar warum er sich so sehr gegen ein Gebiss gewehrt hat. Er hat Angst vor den Schmerzen, die ihm damit zugefügt wurden.

Nach einigen Tagen geht Jess einen Schritt weiter und bringt Zügel mit einem Mecateknoten an.

 
 
So mein Junge, das tut dir nicht im Maul weh und dann wollen wir mal sehen. Ich nehme auch keinen Sattel, wer weiß was du da unpassendes tragen musstest. Ich nehme nur ein Pad.

Er legt es auf und schwingt sich vorsichtig auf Sciroccos Rücken.

 
 
Jess kann ihn besser als gedacht durch den Roundpen reiten. Der Hengst schnaubt zufrieden und bewegt sich willig unter seinem Reiter.

Jess ist so versunken in seine Arbeit, dass er gar nicht bemerkt, dass er eine kleine Zuschauerin hat. Die kleine Jenny steht am Zaun und hat alles genau beobachtet. Jess überfordert Scirocco nicht, bringt ihn wieder auf die Weide und holt sich seinen Dandy. Da bemerkt er Jenny und reitet nah an den Zaun.

 
 
So allein Jenny? Wo sind die anderen?

Jenny meint:
Die sind in den Wald Beeren pflücken, dafür bin ich zu langsam und bin hier geblieben. Jess, ich gucke dir schon die ganze Zeit zu. So etwas möchte ich auch können. Ich habe noch nie auf einem Pferd gesessen. Ich kann ja nicht einmal länger laufen.

Da rollen Jenny die Tränen aus den Augen.

Jess meint:
Noch nie? Das ist für mich unvorstellbar. Ich glaube, ich habe eher auf einem Pferd gesessen als ich laufen konnte. Da musst du Grandpa Frank fragen. Willst du es mal versuchen Jenny? Dandy ist ganz lieb.

Jenny ist hin- und hergerissen. Jess sieht, dass sie wohl möchte, aber auf der anderen Seite ist die Angst da und das Wissen, dass ihr nie jemand etwas zugetraut hat. Sie flüstert leise:
Ich weiß nicht Jess...

Der meint nur ganz ruhig.
Jenny, das ist nur eine Frage von Vertrauen. Vertrau Dandy und vertraue mir! Ich weiß, dass du es kannst. Du hast mir auch vertraut, als ich dich wegen den verrückten Cowboys von der Straße geholt habe. Ich halte dich fest. Dandy läuft schneller als du laufen kannst. Dann bist du schneller als die Kinder in der Schule die dich ärgern wenn du nicht schnell genug bist.

Jenny überlegt, nimmt allen Mut zusammen und lässt sich von Jess auf Dandy heben. Er sitzt hinter ihr auf und hält sie ganz fest.

 
 
Jess macht ihr Mut.
Verkrampf dich nicht so, schön locker, entspann dich und lass dich einfach von Dandy tragen! Ich halte dich, es passiert dir nichts.

Jenny fängt an den Ritt mit Jess zu genießen und sie darf die Zügel halten. Jess meint:
Nimm die Zügel, du weißt ja schon vom Zugucken wie es geht, so ist es gut!

Jennys Wangen glühen vor Aufregung, sie ist einfach glücklich auf dem großen Pferd im langsamen Schritt und dann etwas schneller. Jess bemerkt nicht, dass Mary und Brad um die Ecke kommen. Mary will schimpfen, aber ihr Mann hält sie zurück.
Mary, still jetzt! Keinen Ton! Dieser Cowboy macht genau das Richtige. Hast du Jenny schon mal so glücklich gesehen in den letzten Jahren? Sie kann gehen mit Hilfe des Pferdes, richtig lange und weit. Das ist mehr wert als die schönste Puppe, die wir ihr kaufen können. Da ist jemand, der ihr etwas zutraut und sie vertraut Jess.

Die Beiden gehen zum Roundpen und loben Jenny. Jess meint:
Ich glaube für heute ist es genug. Morgen tun dir wahrscheinlich Muskeln weh von denen du nicht wusstest, dass du sie hast, aber auf jeden Fall kannst du reiten Jenny!

Jess hebt sie vorsichtig herunter von Dandy. Brad ist in den Roundpen gekommen und nimmt seine Tochter an. Jenny streichelt Dandy liebevoll.
Ich darf wirklich wieder reiten Jess?

Jess grinst:
Aber sicher doch, die Zeit nehmen wir uns. Dann kannst du zu Hause richtig was erzählen von euren Ferien im Westen auf einer Ranch.

Die schönsten Ferien gehen einmal zu Ende. Laura schenkt Jenny die kleine weiße Katze Snowball, die sie so liebt.

 
 
Jess meint zum Abschied:
Die kleine Katze könnt ihr im Zug mitnehmen. Mein Dandy bleibt bei mir. Aber ihr solltet mal darüber nachdenken, Jenny ein Pony in Boston zu kaufen. Dort gibt es sicher auch gute Reitställe.

Besonders Laura hat den Besuch aus der großen Stadt genossen, aber nun kehrt nach Ende der Ferien und der Abreise von Mary, Brad und Jenny wieder der normale Ranchalltag auf der Tumbleweed ein.