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Kapitel 117
 
Einige Wochen später sitzen alle beim Frühstück und Jess meint:
Ich verkrümel mich für ein paar Tage nach Cheyenne. Dort ist Pferdemarkt und ich suche noch eine gute Drafthorsestute.

Laura sieht auf.
So, so Pferdemarkt! Es ist doch auch Rodeo, dein Bullrope bleibt aber hier. Du hast versprochen es war damals dein letzter Ritt in Cheyenne auf Big Bad John, der Bulle der dich in New Orleans geradewegs ins Krankenhaus befördert hast. Du hast ihn 12 Sekunden geritten und damit muss es jetzt gut sein. Du hast mich und drei Kinder.

Jess nickt
Ja Mom. Vielleicht guck ich mir die Bullrider an aber der Pferdemarkt ist wichtiger.

Am nächsten Tag sitzt Jess im Zug und fährt in die Hauptstadt Cheyenne. Er sieht sich auf dem Pferdemarkt um aber keine der Stuten will ihm gefallen. Also beschließt er das Rodeo zu besuchen. Er trifft viele seiner Kumpel von früher wieder und sieht sich einige Ritte an.

 
 
 
 
Er wundert sich, dass Big Bad John nicht geritten wird. Er begegnet dem Rodeoveranstalter Hank und fragt ihn. Der gibt Auskunft:
Big Bad John ist gut, aber nicht mehr gut genug fürs Geschäft. Ich habs nicht mit Charity, ich nehme ihn noch mit nach Denver und da lasse ich ihn im Schlachthof.

Jess schüttelt seinen Kopf.
Hank, das kannst du doch nicht machen! Das ist der Dank für fast 10 Jahre treue Dienste beim Rodeo. Das war immer einer der besten, den wollten die Zuschauer sehen und jeder von uns Bullridern hat sich gefürchtet wenn er für den ausgelost wurde. Jetzt soll er zu Steaks verarbeitet werden, das ist nicht richtig.

Hank lacht
Jess, du und deine Tierliebe! Weißt du was ich habe heute einen guten Tag, fantastische Einnahmen, nimm ihn mit, verladen lässt er sich ja gut, das habt ihr Bullrider ja oft genug mit den Viechern gemacht. Viel Spaß mit dem Vieh! Anscheinend reicht es dir noch nicht, dass er dich in New Orleans damals fast ins Jenseits befördert hat.

Jess zuckt mit den Schultern.
Hank, ich bin nicht nachtragend. Aber geschlachtet werden hat er nicht verdient. Eigentlich ist er ein feiner Bursche.

Big Bad John grast auf dem Rodeogelände.

 
 
 
Jess krault ihm den riesigen Schädel und meint
Irgendwie führt uns das Schicksal immer wieder zusammen. Jetzt kommst du mit auf meine Ranch und wirst einen Platz in meiner Herren WG finden.

Jess verlädt ihn in den Zug und fährt nach Laramie. Er holt seinen Dandy aus dem Mietstall von Harry, der den riesigen Bullen bestaunt. Dann geht es langsam aber sicher zurück zur Ranch.
Los komm schon, nicht grasen, nicht wiederkauen, kannst du alles auf der Weide zu Hause machen Big Bad John. Dandy los zieh an, dem müssen wir etwas Beine machen!

 
 
Frank und Laura sehen aus dem Fenster. Laura stößt Frank an.
Siehst du auch was ich sehe, ich glaubs nicht!

Frank kann es auch nicht fassen.
Dieser unmögliche Junge! Komisches Kaltblut mit Hörnern! Wieder so ein nutzloses Vieh mehr, das uns die Haare vom Kopf frisst! Jess hat doch nicht mehr alle Latten am Zaun. Ich muss mal ein ernstes Wort mit ihm reden.

Laura lacht.
Ich glaube das hat keinen Sinn. Jess macht doch was er will. Jetzt sehe ich aber etwas das mir Angst macht. Dieser Bulle ist der berüchtigte Big Bad John. Der war mal mehr schwarz, er ist ziemlich grau geworden, aber keinesfalls harmlos. Frank, ich habe Angst.

Jess stellt Big Bad John auf die Weide, kommt ins Haus und druckst herum.
Nun ja, es ist eben kein Pferd geworden. Aber so ein Bulle ist doch was Feines. Er soll hier noch ein paar schöne Jahre haben. Hank wollte ihn in Denver in die Wurst geben. Das hat er nach fast 10 Jahren Rodeo nicht verdient, auch wenn er ein Teufel ist. Wir werden uns schon anfreunden.

Laura und Frank rollen mit den Augen aber trauen sich nicht was entgegen zu setzen. Sie wissen, dass sie gegen den Dickkopf von Jess nicht ankommen.

Einige Tage später beobachtet Jess, dass Laura mit den Mädchen in der Küche beschäftigt ist. Er zieht seine Chaps an, nimmt den Bullriderhandschuh und sein Bullrope.

 
 
Patrick steht am Gatter.
Boss, das ist jetzt nicht dein Ernst. Du willst ihn doch nicht etwa reiten?

Jess sieht sehr entschlossen aus mit seinem Bullrope über der Schulter. Big Bad John stürmt schon drohend näher.

 
 
Jess hat die Ruhe weg.
Letztes Mal habe ich dich 12 Sekunden geritten. Dieses Mal will ich 18 Sekunden schaffen. Patrick du zählst.

Patrick meint
Boss, ich kann dich davon nicht abbringen? Das Vieh ist gemeingefährlich.

Jess legt ihm in einer provisorisch gebauten Chute das Bullrope um. Das Rope wird um den Bullen geschlungen, ein Ende durch den Handgriff durchgezogen, den der Bullrider mit dem Handschuh hält. Ein Gewicht am Rope sorgt dafür, dass es im Falle des Loslassens des Bullriders sofort auf den Boden fällt und den Bullrider nicht verletzt. 8 Sekunden muss man halten sonst zählt der Ritt nicht. Der Bullrider hält mit einer Hand den Haltegriff und mit der anderen hält er Gleichgewicht und darf weder den Bullen noch sich selbst dabei berühren.

Jess sitzt auf.
Los mach das Tor auf und zähl Patrick, bin fertig!

Und los geht der Tanz auf dem Vulkan.

 
 
Jess hält sich gut.
 
 
Der Bulle kann ihn nicht abschütteln und sein Gefühl sagt ihm, dass die 8 Sekunden schon gut überschritten sind.
 
 
Dann passiert es nach 17 Sekunden. Jess kann sich nicht mehr halten und muss loslassen. Das Bullrope fällt zu Boden.
 
 
Die anderen Bullen und der Büffel Tatanka gucken sich das Geschehen an. Jess ist sehr hart auf den Rücken gefallen und macht zu Patricks Entsetzen keine Anstalten aufzustehen.

Laura und Frank haben das Gebrüll der Bullen gehört und Patricks lauten Ruf.
Jess, Jess, steh auf! Komm schon!

 
 
Big Bad John kommt Jess drohend immer näher.

Patrick stösst hervor:
Ich geh da jetzt rein und hole Jess raus.

Laura hat die Winchester über den Arm. Frank ist entsetzt.
Nein, das ist mein Sohn, ich hole ihn da raus.

Frank rennt los und nimmt seinen Sohn unter die Arme.

 
 
Big Bad John kommt bedrohlich immer näher und will angreifen. Laura will schießen, aber plötzlich nimmt das Geschehen eine ungeahnte Wende. Tatanka kommt, brüllt bedrohlich und fordert Big Bad John heraus. Die schweren Tiere knallen ineinander und schenken sich nichts. Tatanka bietet Big Bad John seine Stirn.
 
 
Immer und immer wieder knallen die massigen Schädel zusammen.
 
 
Die anderen Bullen stehen etwas ratlos daneben und beobachten was geschieht. Tatanka ist der Boss der Herde und will es jetzt wissen. Er greift noch einmal heftig an.
 
 
Er schafft es Big Bad John von den Hufen zu hauen. Er liegt regungslos auf der Seite.
 
 
Der Bulle rappelt sich langsam wieder auf und trollt sich als Unterlegener.
 
 
Laura steht immer noch fassungslos mit der Winchester in der Hand da. Patrick hat in der Zwischenzeit das Bullrope und den Hut von Jess herausgeholt. Dann steht alles um Jess herum.
 
 
Der japst nach Luft und kommt langsam wieder zu sich.
Was ist passiert? Wie komme ich hier auf den Boden? Dad du hälst mich. Du hast ja Tränen in den Augen. Laura warum hast du meine Winchester? Boah, tut mir der Rücken weh, das war eine harte Landung.

Frank ist verlegen und meint mit belegter Stimme.
Junge, ich habe Sand im Auge. Mensch, was machst du für Sachen, das war knapp.

Laura ist völlig fertig.
Du Idiot, musste das sein!

Dann umarmt sie Jess.
Ich liebe dich doch so sehr und deine Kinder brauchen dich.

Jess kann schon wieder grinsen.
Aber nicht heute Nacht Honey. Ich nehm jetzt erstmal ein heißes Bad und wenn ich eine Lady wäre, dann würde ich meine Migräne nehmen. Mein Schädel hat die Aktion aber gut überstanden, mein Rücken weniger. Ich musste ihn reiten. Das ist Bullrider Ehre, davon versteht ihr nichts.

Jess steht auf und versucht allein zu laufen. Frank und Laura stützen ihn dann aber.
Ich fühl mich wie 80 und scheintot. Patrick wie war ich, wars stilistisch gut und vor allem wie lange?

Patrick glaubt nicht was er hört.
Boss, du springst dem Tod von der Schippe und willst wissen wie du warst, ich glaubs nicht! Selten einen so guten Ritt gesehen und es waren 17 Sekunden, eine Wahnsinnszeit auf diesem bockenden Mistvieh.

Dann meint Jess
Na also, geht doch! Was war das für ein Knallen das ich gehört haben und stampfen, das war doch nicht Dad.

Frank lacht
Nein, das war der Kampf zwischen Big Bad John und Tatanka. Der Büffel hat ihm gezeigt wer das Sagen hat und ich glaube, der verdammte Büffel hat dich verteidigt. So hatte ich die Zeit dich da rauszuholen.

Jess grinst
Irgendwie habe ich wohl völlig vergessen, dass wir hier keine Rodeoclowns haben, die den Bullen ablenken. Hätte aber auch nichts genutzt, ich hätte nicht aufstehen können. Es hat mich ein Wahnsinnsschmerz im Rücken durchfahren und dann ist mir vor Augen schwarz geworden. Aufgewacht bin ich in deinen Armen Dad. Honey, du wärst mir lieber!

Laura kümmert sich liebevoll um Jess und so ist er wieder relativ schnell auf den Beinen. Tatanka hat Big Bad John den Schneid abgekauft und ist weiterhin der Boss der Herren WG.

 
 
Tatanka lässt ihn nicht aus den Augen.
 
 
Jess ist wieder fit und steht inmitten seiner Herren WG.
 
 
Keiner wagt es ihm etwas zu tun.

Jess nimmt an, dass das Bullrope Big Bad John immer wieder an das Rodeo erinnert, das für ihn Bocken bedeutet und so beschreitet Jess andere Wege. Er gewöhnt Big Bad John an den Sattel. Nach einigem Training kann er den Bullen reiten.

 
 
Los Kopf hoch, nicht grasen!

Ab und zu kommt Laura zu den Bullen und bringt den kleinen Raylan mit.

 
 
Der gutmütige Hermann leckt Lauras Hand. Jess grinst.
Bullen sind doch was Nettes!

Alle kommen sie ans Gatter und sind friedlich.

 
 
Jess geht zu Big Bad John und spricht mit ihm.
 
 
Na, Tatanka hat dir wohl endgültig deinen Schneid abgekauft. Jetzt können wir wohl das "Bad" streichen und dich Big John nennen. Dann wollen wir mal noch eine Runde reiten.

Er sattelt ihn und reitet erst allein.

 
 
Dann nimmt er den kleinen Raylan zu sich hoch.
 
 
Raylan plappert vor Vergnügen etwas Unverständliches vor sich hin, aber dann kommt deutlich Hut, Hut!

Jess lacht und schaltet.
Von wegen Dad oder Mom als erstes Wort! Der junge Bullrider will meinen Hut.

 
 
Jetzt ist für den kleinen Raylan die Welt in Ordnung und Laura muss über ihre beiden Bullrider lachen.
Der Kleine will einen Hut und der Große ist ein fürchterlicher Dickkopf, wenn er sich was in seinen Schädel gesetzt hat.

Jess grinst
Von wem ich das wohl habe, frag mal Frank! Aber flott ist Dad noch für sein Alter, das muss man ihm lassen und Mut hat er wo doch meine Bullen nicht so sein Ding sind. Er muss mich schon liebhaben. Mit Big John bin ich zufrieden, der ist jetzt zahm wie ein Lämmchen, geht doch!