<- Kapitel 187
 
Kapitel 188
 
Nachdem endlich wieder Frieden um den unbeabsichtigten Auktionsgewinn mit der Kutsche auf der Ranch eingekehrt ist widmen sich alle ihrer Arbeit. Das Wetter wird zum Heuen genutzt und alle sind mit der Heuernte sehr zufrieden. Viele große Fuhren können eingebracht werden. Es wird einiges für die Pferde und Bullen gebraucht und wenn der Winter hart wird vergisst Jess auch nicht die wilden Mustangs.
 
 
Als letzte Stute ist Candy noch dran mit der Geburt ihres Fohlens. Die anderen Pferdmütter und Fohlen lassen es sich schon auf der Weide gut gehen.
 
 
Jess lässt seine Pferde immer ihren natürlichen Bewegungsdrang ausleben. Auch die werdenden Mütter stehen auf der Weide und haben damit Bewegung. Die Natur hat es so eingerichtet, dass Pferde immer in Bewegung sind und mit der Herde mitziehen. Stuten ziehen sich nur für die Geburt zurück. Bewegung tut Stute und dem ungeborenen Fohlen gut, das damit optimal mit Sauerstoff versorgt wird.

Jess begutachtet Candy und stellt fest, dass die Stute nicht nur Harztropfen absondert sondern schon Milch fließt. Sie ist sehr unruhig und schlägt nach ihrem Bauch. Unter Umständen ist es schwierig festzustellen ob eine tragende Stute eine Kolik hat oder die Geburt bereits bevor steht. Ein Blick auf Candys Bauch der hängt macht Jess noch unruhiger. Er läuft ins Haus an seinen Schreibtisch und sucht in seinen Aufzeichnungen:
Bullshit, da haben wir es, Candy ist gute drei Wochen zu früh dran und dann ist es auch noch ihr erstes Fohlen.

Laura meint:
Willst Du die Tierärztin Shannon holen? Du hast den ganzen Tag gearbeitet und musst jetzt hundemüde sein.

Jess antwortet:
Ja schon, aber ich bin mir mit Candy nicht sicher. Du weißt ja selbst wie einen werdende Stuten manchmal verunsichern können. Ich habe schon reichlich Stroh aufgeschüttet und sie in den Stall gebracht. Ich werde sie jetzt nicht allein lassen.

Grandpa Frank meint:
Geh schon Jess, die Gute Nacht Geschichte lese ich den Kindern vor. Spart euch das Geld für die Tierärztin! Du hast schon manchem Kalb und Fohlen auf den Weg in die Welt geholfen.

Jess gähnt, isst im Vorbeigehen ein Sandwich und zieht mit heißem Wasser und einem Stück Seife ab.

Laura seufzt als sie mit Frank in der Küche ist:
Genau so habe ich mir die Nacht vorgestellt, die Kinder schlafen nur mit Glück, Sammy weint wegen ihrer Zähne, mein Darling ist im Stall und ich bin allein. Eigentlich sollte er das nicht allein durchstehen müssen, das kann dauern. Aber ich kann hier nicht weg.

Frank meint:
Du bist eine echte Rancherfrau und Jess weiß was er an dir hat. Mach dir darüber keine Gedanken Laura.

Die Beiden haben nicht mitbekommen, dass Jolene noch ein Glas Wasser trinken wollte weil sie nicht einschlafen konnte und das Gespräch gehört hat.

Jess ist im Stall und redet Candy gut zu:
Alles gut Candy, das wird schon. Da musst du jetzt durch, dein Kleines kommt.

 
 

Die Stute guckt Jess erschreckt an. Sie scharrt mit den Hufen und schwitzt am Hals. Manchmal tritt sie mit einem Bein gegen ihren Bauch.
Jess sieht nach ihrem Euter, dass vergrößert ist und prall mit Milch gefüllt. Candy stört sich nicht an der Katze, die alles beobachtet und an Teddy, der Jess fast überall hin begleitet.

 
 
Jess streichelt sie und beobachtet ihren schwankenden Gang:
Nun höre schon auf nach deinem Bauch zu schlagen Candy, alles wird gut. Du bist nicht allein. Die Schmerzen hast du vergessen wenn dein Fohlen da ist.

So geht es Stunde um Stunde ohne dass die Geburt wirklich voran geht. Jess wird immer besorgter. Er beruhigt Candy immer wenn sie sich hinlegt.

 
 
Die Stute schaubt verzweifelt, steht immer wieder auf und legt sich wieder hin. Es muss fast Mitternacht sein. Jess ist hundemüde aber er ist für die Stute da die ihn braucht. Da geht plötzlich die Tür leise auf und Jolene kommt herein:
Dad, ich habe dir Kaffee gekocht, ganz allein, die anderen schlafen alle. Sammy hat so lange geweint und Mom hat sie getröstet.
Ich habe gedacht, du könntest einen Kaffee gebrauchen, du trinkst ihn doch so gern.
 
 
Jolene beobachtet ihren Vater wie er der Stute beruhigend zuspricht. Dann sieht er auf:
Das hast du für mich gemacht Jolene, vielen Dank, den Kaffee kann ich jetzt gut gebrauchen. Solltest du nicht im Bett sein? Morgen ist Schule.

Jolene schüttelt energisch ihren Kopf:
Nein Dad, du sollst das nicht allein durchstehen. Ich will bei dir und Candy sein. Vielleicht kann ich ja auch etwas tun für Candy.

Jess trinkt vom Kaffee der sehr stark geraten ist:
Genau das Richtige Jolene, der würde auch Tote wieder aufwecken, danke! Jolene, mit der Geburt läuft es nicht gut, bist du sicher, dass du hier bleiben möchtest? Vielleicht verlieren wir das Fohlen oder beide wenn es schlimm kommt. Es ist einfach zu früh für die Geburt aber man kann es nicht aufhalten. Die Stute tut sich sehr schwer, es wird eine lange Nacht.

Jolene umarmt ihren Dad:
Ich glaube daran, dass du helfen kannst. Ich bleibe hier, ich lasse mich nicht wegschicken. Ich kann nicht schlafen wenn ich weiß, dass du allein hier bist und Candy es so schlecht geht.

Jess streichelt Jolene über ihre Haare:
O.k. du hast gewonnen, du bist mir einfach zu ähnlich. Grandpa sagt immer wenn ich mir etwas in den Kopf setze kommt niemand dagegen an. So war ich schon als kleiner Junge und du bist genau so Jolene. Schau wie der Mond durch das Fenster scheint, es könnte so schön sein mit dem Zauber des Mondlichts wenn da nicht die Schmerzen der Stute und die Angst um Stute und Fohlen wäre. Du kannst hier mehr über das Leben lernen als in der Schule. Aber ich bitte dich um eins, mach mir keine Vorwürfe falls es zum Schlimmsten kommt und ich Leiden mit dem Gewehr beenden muss. Es wäre nicht die erste Geburt, die unglücklich endet und ich werde es nicht zulassen, dass sich die Stute quält wenn es zwecklos ist. Dasselbe gilt auch für das Fohlen. Es ist zu früh und wir müssen mit allem rechnen.

Jolene ist ein verständiges Mädchen und nickt:
Dad, du wirst aber alles versuchen, das weiß ich ganz genau. Raylan war auch zu früh und er hat es geschafft. Dann kann es auch ein Fohlen schaffen.

Jess guckt besorgt auf Candy:
Natürlich mache ich alles was in meiner Macht steht. Ich verspreche nur nichts was ich am Ende nicht halten kann Jolene. Bei der Pferdezucht kommt es immer wieder zu Verlusten. Damit muss man als Rancher leben auch wenn es einen traurig macht.

Jolene genießt es ihren Vater ganz allein für sich zu haben. Jess ist von seinen Sorgen etwas abgelenkt weil er nun Candy und Jolene mit Worten beruhigen muss. So schläft er nicht ein. Die Stute steht immer häufiger auf, legt sich wieder hin und äpfelt was Jess sofort aus dem Stall befördert, der für die Geburt so sauber wie möglich sein soll. Candy ist jetzt am ganzen Körper nass geschwitzt vor Anstrengung. Als Jess wieder in den Stall kommt ruft Jolene:
Dad, Dad, da guckt der Kopf und nur ein Bein!