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Kapitel 77
 
Der Ranchalltag geht trotz aller Freude über Goldy weiter. Der Beritt und Ausbildung der anderen Pferde darf nicht vernachlässigt werden. Die Arbeit macht hungrig und so steht Jess nachdenklich vor dem Karnickelauslauf und träumt von Kaninchenbraten als Abwechslung zum Rindfleisch.
 
 
Die Kids protestieren natürlich und so murmelt Jess
Ich werde noch notgedrungen zum Kartoffelesser, so geht es nicht weiter, irgendwie muss mal wieder Fleisch auf den Tisch aber nicht immer nur Hendersons Rindviecher.

Jolene meint dazu
Dad, Spiegeleier sind doch lecker, die armen Kaninchen!

Der Boss sagt nichts mehr dazu und schnappt sich sein Gewehr. Er überlegt einen Hirsch zu schießen. Mit einem toten Hirsch auf dem Pferd hat das Gejammer der Kids ein Ende, der ist eben tot. Jess sieht noch einmal zu seinen Pferden und überlegt welches er nimmt.

 
 
O`Malley
 
 
 
oder den Warmblüter? Aber die Beiden sind ihm dann doch nicht schussfest genug und so entscheidet er sich für den schnellen starken Sabola und los geht es im Galopp.
 
 
Emily lässt er zu Hause, da sie nicht mehr die Jüngste ist und Jess sich weiter von der TWR entfernt. Unterwegs kann er einen Mustang beobachten.
 
 
 
Jess überlegt erst den Mustang zu verfolgen aber dann gibt es ja wieder kein anderes Fleisch auf dem Tisch. Der Mustang gibt Fersengeld als er den Reiter bemerkt und weiß nicht, dass er heute alles Glück der Welt hat. Jess reitet in der Zwischenzeit weiter und hält die Augen auf nach einem Weißwedelhirsch. Die Gegend ist leider immer stärker bejagt, einige Siedlertrecks sind wieder durchgezogen, und so bekommt Jess keinen zu Gesicht. Er überlegt schon langsam Sabola zu wenden um vor der Dunkelheit wieder auf der Ranch zu sein, da sieht er in der Ferne einen einsamen alten Büffel. Er ist abgemagert und kann sich kaum auf den Beinen halten.
 
 
In der Ferne hört Jess schon einen Wolf heulen, der sein Rudel zusammenruft um die Jagd auf den Büffel zu eröffnen.
 
 
Jess überlegt
Armer Kerl! Du hast dich wohl von der Herde abgesetzt um einsam zu sterben. Deine Zeit ist gekommen. Den nächsten Winter packst du nicht mehr. Einem Wolfsrudel zum Opfer fallen ist ein langsamer qualvoller Tod. Dein Fleisch ist sicher etwas zäh und einen Büffel kriege ich allein nicht nach Hause. Trotzdem, manchmal ist es einfach die bessere Tierliebe Qualen abzukürzen. Los Sabola, Buffalo Hunt!

Jess lässt die Zügel schießen, lädt noch im Galopp das Gewehr und schießt gleich zweimal schnell hintereinander in das Herz des alten Büffels. Er ist tot noch bevor er die Erde berührt.

 
 
Jess geht vorsichtig zum Büffel und tippt ihn sicherheitshalber mit dem Gewehr an aber er rührt sich nicht mehr. Plötzlich raschelt es im Gebüsch. Jess hat schon seine Winchester im Anschlag, da steht plötzlich Leotie vor ihm.
 
 
Jess begrüßt sie freudig.
 
 
Die Beiden stellen fest, dass der Büffel so abgenutzte Zähne hat, dass er keine Nahrung mehr aufnehmen konnte. Jess hat also das einzig Richtige getan. Leotie macht ein Feuer an und gibt ihrem Stamm Rauchzeichen, dass der Graue Wolf wie Jess bei den Lakota heißt einen Büffel geschossen hat der jetzt verarbeitet werden kann. Danach lösen sie soviel Fleisch wie Jess auf seinem Pferd mitbekommen kann aus dem Körper und Jess macht sich auf den Heimweg. Jess ist zufrieden mit der Jagd und der Tatsache, dass der Büffel nicht in der Wildnis verkommt sondern den Lakotas Nutzen bringt.

Auf der Tumbleweed hat Patrick von Jess den Auftrag bekommen Dandy zu bewegen und so ist Patrick auch unterwegs. Er reitet Richtung Westen auf die Berge zu.

 
 
Er reitet vor sich hin und sieht viele Spuren von Wagentrecks, die alle über die Rocky Mountains nach Kalifornien ins Gelobte Land wollen. Plötzlich hört er lautes Gekreisch und sieht Geier in weiterer Ferne kreisen. Er treibt Dandy zur Eile, weil er nachsehen möchte was da ist. Er kann erst nicht ausmachen was da liegt.
 
 
Patrick reitet näher heran und kann erkennen, dass es ein Hund ist, der vielleicht schon tot ist. Er steigt ab und sieht nach.
 
 
Patrick kann gut mit Hunden umgehen. Der Rüde ist entkräftet, halb verdurstet und hat wundgelaufene Pfoten. Patrick gibt ihm aus seiner Wasserflasche zu trinken. Der Hund ist nicht aggressiv sondern freut sich offensichtlich nicht mehr allein zu sein. Er kennt also Menschen. Patrick hat Mitleid, hebt ihn auf Dandy und nimmt ihn mit zur Ranch.
 
 
Dandy tänzelt erst ein wenig wegen der ungewohnten Fracht auf seinem Rücken aber fügt sich dann, weil er Patrick vertraut. Auf der Ranch füttert er den Rüden ordentlich und versorgt seine wunden Pfoten. Jess ist inzwischen auch angekommen. Frank freut sich über das Büffelfleisch und Jess sieht sich in Patricks Zimmer den Hund an. Der arme Kerl kann kaum laufen, aber Jess hat eine gute Wundsalbe nach Rezept der Indianer, die Patrick verwenden darf. Jess vermutet, dass der Hund zu einem der Wagentrecks gehört und wohl nicht Schritt halten konnte. In Johns Laden ist jedenfalls kein Aushang, dass jemand so einen Hund vermisst.

Am Abend sitzen sie alle zusammen und Jess erzählt die Legende der Lakota von der Büffelfrau.

 
 
Die Lakota schreiben nichts auf sondern die Legenden werden von Mund zu Mund von Generation zu Generation weitergegeben.

Es wird erzählt, dass zwei junge Männer vor sehr langer Zeit hinaus zum Jagen gingen als aus heiterem Himmel ein in weißes Wildleder gekleidetes Mädchen vor ihnen erschien. Einer der Jäger schaute sie an und erkannte während sie dort stand ihr heiliges Sein und senkte seine Augen. Der zweite Jäger ging mit Gier in seinen Augen auf sie zu, da er sie als seine Frau begehrte. Während dieser Krieger sich ihr näherte, hüllte eine Wolke aus Staub ihn ein so dass er sie nicht mehr sehen konnte. Als der Staub sich senkte, lag nichts weiter als ein Haufen Knochen vor ihr. Während sie sich nun dem ehrerbietigen jungen Jäger entgegen ging, erklärte sie ihm, dass sie bloß den Wunsch des anderen Mannes erfüllt hatte, der ihm innerhalb jenes kurzen Momentes erlaubte eine Lebenszeit zu leben, zu sterben und zu verfallen. Die Weiße Büffel-Kalb-Frau beauftragte den jungen Mann zu den Menschen zurück zu gehen und sie zu bitten, sich auf ihre Ankunft vorzubereiten damit sie über die Art zu beten unterrichtet werden. Der junge Jäger gehorchte. Als die Weiße Büffel-Kalb-Frau mit den heiligen Strahlen ankam, unterrichtete sie die Menschen auf sieben heiligen Wegen zu beten. Diese Gebete sind durch Zeremonien wie

- das Schwitzhaus zur Reinigung,
- die Namensgebung,
- die Heilung, um Gesundheit für Körper, Seele und Geist wieder herzustellen,
- die Annahme, um Verwandte zu erhalten,
- die Trauung zur Vereinigung von Mann und Frau,
- die Visionssuche mit dem Schöpfer kommunizieren zu können um Antworten auf das eigene Leben zu erhalten und
letztendlich
- die Sonnentanzzeremonie zum Wohl Aller zu beten.

Als die Lehre der heiligen Wege vollständig war, erklärte die Weiße Büffel-Kalb-Frau den Menschen, dass sie nun mit den heiligen Strahlen ginge, sie jedoch bei ihrer Rückkehr wieder mitbringen würde. Bevor sie ging erklärte sie ihnen, dass dies vier Zeitalter beinhaltet und dass sie die Menschen jeden Zeitalters betrachten würde bis sie zum Ende des vierten Zeitalters zurückkehrt, um Harmonie und Spiritualität in einem gestörten Land wieder herzustellen. Nachdem sie ein kurzes Stück entfernt war, blickte sie zu den Leuten zurück und setzte sich hin. Als sie aufstand waren alle sehr überrascht zu sehen, dass sie ein Schwarzer Büffel geworden war. Dieser lief wieder ein kleines Stück weiter und legte sich hin. Als er diesmal aufstand war es ein gelber Büffel. Ein drittes Mal lief der Büffel ein Stück weiter, legte sich und als er aufstand, war er ein Roter Büffel. Dieser lief ein weiteres Stück, rollte sich ein letztes Mal auf dem Boden und zeigte sich dann als Weißes Büffelkalb. Dies sollte die Erfüllung der Weißen Büffelkalb-Prophezeiung signalisieren.

Die Veränderung der vier Farben der Weißen Büffel-Kalb-Frau repräsentieren die vier Farben des Menschen ~ weiß, gelb, rot und schwarz. Diese Farben repräsentieren auch die vier Richtungen ~ Norden, Osten, Süden und Westen. Die heiligen Strahlen, die den Lakota hinterlassen wurden, sind noch in dem heiligen Ort am Cheyenne River, dem Indianer-Reservat in South Dakota. Es wird von einem Mann gehalten, der als Wächter der Weißen Büffel-Kalb-Strahlen, Arvol ~ sehendes Pferd, bekannt ist.

Alle sind sehr überrascht wie genau Jess in die Kultur der Lakota eingetaucht ist. Für Abby und Patrick ist es etwas völlig Neues. Opa Frank nimmt es mit gemischten Gefühlen und meint
Manchmal denke ich du bist ein halber Lakota Jess. So haben wir dich nicht erzogen.

Jess
Ich weiß, ich weiß aber auch um die Weisheit der Lakota und suche mir das Beste aus beiden Kulturen. Warum können die Menschen nicht in Frieden leben? Das werde ich wohl nie verstehen.

Einige Tage später geht es dem Hund schon viel besser und er hat sich erwartungsgemäss an seinen Retter Patrick angeschlossen.

 
 
Der Rüde verträgt sich auch gut mit Emily und den anderen Hunden auf der Ranch. Patrick streichelt ihn liebevoll.

Jess meint
Hat dieses rutenlose Geschöpf denn jetzt einen Namen bekommen? Patrick, jeder gute Mann braucht auch einen guten Hund. Manchmal einfach besser als eine Frau oder Freundin. Hunde geben wenigstens keine Widerworte und man muss nicht alles haarklein mit ihnen ausdiskutieren.

Patrick grinst.
Wie wahr Jess! Chap habe ich ihn genannt und er hört auch schon auf seinen Namen.

 
 
Jess
Schöner Name! Übrigens ist das ein Rottweiler, eine Rasse aus Deutschland. Ich habe so einen Hund schon einmal auf einer Hundeausstellung gesehen. Zur Jagd sind die aber nicht zu gebrauchen, zu massig und zu langsam. Aber sie sind gute Wachhunde und so etwas ist immer zu gebrauchen. Nur diese Unsitte der kupierten Ruten, armer Kerl, muss mit dem ganzen Hintern wackeln, wenn er sich freut und er soll bei uns noch viel Freude am Leben haben, wenn ihn seine Leute offensichtlich nicht wollten.

Patrick
Das heißt, ich darf ihn behalten?

Jess
Klar, auf einen Hund mehr oder weniger kommt es hier doch nicht an wenn er verträglich ist. Brauchen wir eben noch ein Rindvieh mehr, da geht was durch mit Futter.
Pass bloß auf, dass deine Abby nicht eifersüchtig wird!
und kriegt sich nicht mehr ein vor Lachen.