Am nächsten Tag reitet Jess auf Shannon zum Briefkasten um die Post zu holen, die der Fahrer der Postkutsche dort hineinlegt.
 

 
Jess hört die Postkutsche kommen und sieht, dass Gus auf dem Bock sitzt. Der hält sein Gespann an als er Jess sieht:
Howdy Jess, ich habe keine Post für euch, nichts dabei gewesen!

Jess antwortet:
Stop Gus, hast Du ein paar Minuten Zeit für mich, du bist heute früh dran.

-Ja, ich habe auch keine Fahrgäste, alles ruhig. Was möchtest du von mir Jess?

- Gus, du hast doch den Unfall gesehen. Mein Vormann war zwar schnell da, hat aber den Unfall selbst nicht gesehen. Wie hast du es erlebt?

Gus schüttelt den Kopf:
So was Dummes habe ich noch nie vorher erlebt. Nach den Regentagen den glitschigen Hang herunter!
Es war ganz komisch, Tommy lag auf der Straße, sein Pferd rutschte teils kopfüber den Hang runter. Ich konnte mein Gespann, das in vollem Tempo galoppierte nicht anhalten. Das Pferd rappelte sich auf und dann lief es mit schrillem Wiehern in mein Gespann und blieb dann liegen. Meine Pferde waren genau so erschrocken und ich habe eine große Kurve auf deiner Mähwiese gedreht ehe ich sie zum Halten bekommen habe.

Jess grinst:
Gus, es wäre wirklich nicht nötig gewesen meine Wiese umzupflügen. Aber hast du gut gemacht. Ich glaube, ich weiß jetzt mehr. So komisch wie es klingt, ich habe das Gefühl Choco wollte Tommy vor dem großen Ding beschützen. Er lag ja bewusstlos auf der Straße. Übrigens geht es den Beiden besser, aber Tommy will nicht mehr aufs Pferd steigen und Choco braucht ihn. Keine Ahnung wie ich ihnen helfen kann Gus!

Der knallt mit der Peitsche:
Nun weißt du wie es abgelaufen ist, muss weiter, bis zum nächsten Mal Jess!

Jess grübelt über der Aussage des Postkutschers, weiß aber nicht was er tun soll. In der Nacht weckt ihn ein Traum von einem Indianerpony. Es ist Winter und bitterkalt.

 

 

 
Jess wälzt sich unruhig im Bett und murmelt etwas von Shitkälte. Laura weckt ihn auf:
Jess aufwachen, ich glaube du hast einen Albtraum. Hörst du die Lakota, sie trommeln schon länger. Sie haben sicher wieder ihre Tipis am kleinen Bergsee aufgeschlagen.

Jess braucht eine Weile um klar zu werden:
Honey, das ist es. Das Indianerpony will mir sicher sagen, dass ich zu den Lakota gehen soll. Sie haben mir schon häufig geholfen.

Laura versteht ihren Mann:
Tu was du nicht lassen kannst Jess. Die Lakota können sehr gut mit Pferden umgehen und auch mit Menschen wenn man sich auf sie einlässt. Aber bleibe nicht zu lange, es ist bald Ostern und der Kirchgang auch für dich steht an.

Jess guckt Laura gequält an:
Du weißt was ich darüber denke. Muss das wirklich sein? Ich packe jetzt ein paar Sachen und reite los.

Grandpa Frank hat schon den Ofen mit Feuerholz bestückt.

 

 
Jess, du willst wirklich zu diesen Heiden? Gehe lieber in die Kirche und höre dir die Predigt vom Reverend an. Dann bekommst du hoffentlich eine Erleuchtung.

Jess sieht noch seinem Vormann zu der Giant Jacke auf die Weide lässt und gibt ihm einige Anweisungen für die Zeit seiner Abwesenheit.

 

 
Patrick und wie oft soll ich dir noch sagen, die Kaltblüter nicht mit eingebundenem Schweif auf die Weide zu lassen? Die müssen nach den Fliegen schlagen können. Ich reite jetzt, bis später! Ich bin nicht lange weg.

Jess reitet auf seinem Dandy ins Indianerlager.

 

 

 
Dort wird er von seinem Blutsbruder Chato und dem Medizinmann Takoda freundlich empfangen.
 

 
Jess erklärt ihnen, dass er unbedingt in der schwierigen Sache mit Tommy und seinem Pferd den Rat der Lakota braucht, weil er selbst nicht weiter weiß.
Takoda bereitet die übliche Schwitzzeremonie vor und es dauert nicht lange, da sitzen die drei Männer in der Schwitzhütte und meditieren auf Art der Lakota. Sie beten für das was ihnen wichtig ist und bitten um Visionen. Dann wird es still und jeder hängt seinen Gedanken nach. Das geht so lange bis Jess aufsteht: Sorry ich kann nicht mehr, ich fließe sonst noch auseinander. Mir ist schon ganz komisch zu Mute.
Alle ziehen sich wieder an und sitzen dann zusammen auf dem großen Bärenfell.
 

 
Takoda, der hünenhafte Medizinmann, fordert Jess auf:
Um was hast du die Geister gebeten? Was hattest du für Visionen Grauer Wolf?

Jess fährt sich verlegen mit den Händen durch die verschwitzen Haare:
Ich habe für die Gesundheit meiner Familie und meiner Tiere gebetet und um Hilfe für Tommy und sein Pferd. Ich habe aber nichts gesehen und bin so schlau wie vorher, tut mir leid.

Chato meint:
Gib dem Pferd von der Wilden Rose, dann wird es etwas selbstbewusster und verweigert, wenn sein Reiter etwas verlangt was es nicht kann.

Takoda guckt in die Ferne:
Ich hatte eine Vision. Ich habe dich gesehen Grauer Wolf, wie du nach deinem schweren Unfall beim Rodeo wieder einen Bullen geritten hast.

 
 
Du warst schwer verletzt an Leib und Seele. Die körperlichen Wunden heilen, die seelischen brauchen sehr lange. Aber ein Mann stellt sich den Dingen.

Takodas Blick geht in ganz weite Fernen:
Ich habe Tommy auf seinem Pferd reiten sehen. Sei zuversichtlich Grauer Wolf, du schaffst es. Arbeite erst mit dem Pferd und dann mit dem jungen Mann. Denk daran, er ist ein Mann und kein Junge mehr.

Jess bedankt sich bei Takoda und Chato, weiß aber immer noch nicht recht, wie er diese Vision umsetzen soll. Er denkt, die haben gut reden.

Jess befolgt den Rat mit der Wilden Rose und nimmt dann Choco in den Übungscorral mit. Er legt ihm nur ein Pad auf und legt sich vorsichtig auf Chocos Rücken.

 
 
Choco verbindet den Unfall aber wohl nicht mit Aufsitzen des Reiters. So geht Jess am nächsten Tag weiter, legt Tommys Sattel auf und steigt auf. Choco läuft als wäre nie etwas gewesen.
 
 
Laura sieht zu:
Warum hältst du die Zügel so hoch Jess?

- Damit zeige ich ihm, dass ich nichts von ihm will. Er soll mich einfach nur im langsamen Schritt tragen. Er hat es verstanden. Alles ist gut, nur dass ich nicht Chocos Herr bin.

Jess übt mit dem Painthengst noch einige Tage und dann meint er zu seiner Familie:
Geht ihr heute an Good Friday in die Kirche, ich habe Tommy unter einem Vorwand auf die Ranch bestellt. Jetzt oder nie! Ich bin aber lieber mit Tommy allein.

Der Karfreitag heißt in der USA Good Friday. Die Bedeutung von Good hat sich im Laufe der Zeit geändert. Früher hatte das Wort die Bedeutung von fromm, heilig. Eine andere Version sagt, dass es eine Abwandlung von Gott -God- ist.

Jess will gerade die Brindle Stute Remember the Alamo wieder in den Stall bringen, da taucht Tommy auf.

 
 
Howdy Jess, ich habe dir den Sack Möhren hingestellt, den du haben wolltest.

Jess begrüßt Tommy:
Danke, ich sehe es geht dir besser. Wir zwei müssen uns mal von Mann zu Mann unterhalten. Es ist wichtig.

Tommy stutzt:
Wie von Mann zu Mann? Nicht mehr von Mann zu jungem Schnösel wie unser letztes Gespräch war?
Du hast mir aber gezeigt wie man mit Mädchen höflich und mit Pferden gut umgeht. Aber reiten kommt für mich nicht mehr in Frage. Vergiss es Jess!

Der lacht:
Mit den Mädchen klappt es also besser schließe ich daraus. Aber was Reiten betrifft ist das letzte Wort nicht gesprochen. Tommy, du bist 17 und kein Kind mehr. Du benimmst dich wie meine Jüngsten, ich will, ich will oder was dich betrifft, du willst das eben nicht. Bei den Kleinen ist das noch ganz niedlich wenn sie ihr Ich entdecken, aber du bist ein Mann und kein Kind mehr. Ein Mann stellt sich seinen Ängsten, auch wenn es große Überwindung kostet.

Tommy sieht Jess verständnislos an:
Das sagt ausgerechnet der, der vor nichts Angst hat, der mit jedem wilden Pferd fertig wird und verrückte Bullen reitet und mit dem Gewehr besser als der Sheriff umgeht.

Jess guckt Tommy an und krempelt seinen linken Hemdsärmel hoch. Eine lange Narbe, die über den ganzen Unterarm läuft, kommt zum Vorschein:
So, Tommy, das ist ein Andenken an meinen schweren Unfall beim Rodeo in New Orleans. Ich habe darüber nie viel gesprochen. Der Bulle hat mich komplett zusammen getreten. Ich glaube, ich habe noch viel schlimmer ausgesehen als du nach deinem Unfall. Ich habe ein halbes Jahr gebraucht ehe ich wieder mit der Bahn nach Hause reisen konnte. Der lange Krankenhausaufenthalt hat mir total den Schneid abgekauft. Bis dahin habe ich auch immer gedacht, ich könnte alles mit Links. Ich hatte kein Selbstbewusstsein mehr und schon beim Gedanken an Bullenreiten hatte ich Schweißausbrüche. So konnte es nicht weitergehen. Ich hätte den Kopf in den Sand stecken können und die Angst akzeptieren oder man stellt sich der Angst. Dieses eine Mal noch Bullenreiten bei den Frontier Days in Cheyenne hat mir mein Selbstbewusstsein zurückgegeben, auch wenn ich jetzt wegen meiner Familie nicht mehr auf Rodeos reite.

Tommy denkt über die Worte von Jess nach:
Ich weiß nicht ob ich das auch kann. Ich traue mich nicht, allein beim Gedanken ist mir schon übel.

Jess klopft Tommy auf die Schulter:
Ich kenne das sehr gut. Du bist ein Mann, lasse diese Angstgefühle nicht gewinnen! Ich will dir jetzt etwas zeigen Tommy, komm mit!

Jess geht mit Tommy auf die nahe Weide. Jess hat Choco extra ganz in der Nähe bei Blaze gelassen.

Die Kühe stehen auch dabei. Alles wirkt beruhigend auf den jungen Hengst.

 
 
 
Choco hat die Stimme seines Herrn gehört und die Nüstern im Wind. Er wird ganz aufgeregt und läuft los. Jess lässt Tommy warten und sattelt den jungen Hengst.
 
 
So Tommy, hier ist jemand, der dich unbedingt sehen will. Choco sieht gut aus und es geht ihm jetzt auch gut wenn du wieder bei ihm bist. Tommy, du bist ein Mann und kein Junge mehr. Jetzt oder nie!
Stell dich deinen Ängsten und steige auf! Hoch mit dir!

Jess hilft Tommy hoch, er registriert die schwitzigen Hände und Schweißperlen auf Tommys Stirn, sagt aber nichts dazu.

 
 
Los Tommy , nimm die Zügel auf und schön langsam im Schritt durch den Corral. Es passiert nichts, er kann nicht raus hier und ich bin ja auch da. Du schaffst es!

Tommy reitet verkrampft los. Choco stört es nicht. Er ist glücklich seinen Herrn zu tragen und bewegt sich vorsichtig. Jess lenkt Tommy ab:
Was meinst du, es hat geregnet, das Wetter müsste doch gut für die Ernte sein? Hast du auch genug Kartoffeln angebaut? Wird dieses Jahr ein gutes Jahr für Äpfel?

Tommy antwortet auf die vielen Fragen und merkt gar nicht, dass er so weit es sein körperlicher Zustand zulässt lockerer wird und wie von selbst Runde um Runde durch den Corral reitet. Das geht so lange bis es ihm bewusst wird, dass er reitet:
Jess, ich reite Runde um Runde und habe keine Angst mehr. Sie ist weg. Wie hast du das gemacht?

Jess lacht:
Nicht ich, das hast du selbst gemacht. Jetzt steige wieder ab. Das war genug für dich für den Anfang und auch für Choco.

Tommy steigt ab und Choco reibt sich den Kopf an Tommy und schnaubt zufrieden. Tommy umarmt Choco, streichelt ihn liebevoll und die Tränen fließen.

 
 
Jess ist sehr zufrieden mit dem Ergebnis und ist froh, dass sich Takodas Vision bewahrheitet hat. Jess hat im Gefühl, dass es besser ist mit Tommy allein zu sein bei der Zusammenführung mit seinem Pferd. Er meint:
Tommy, schäm dich nicht wegen deinen Tränen! Auch dann bleibt ein Mann noch ein Mann. Das ist alles gefühlsmässig sehr aufregend gewesen und das muss raus. Ich denke du nimmst Choco mit nach Hause wo er hingehört. Aber nur langsam Schritt oder ein bischen Loping Along, keine waghalsigen Aktionen mehr. Das habe ich dir nicht beigebracht. Ein Pferd wie Choco gibt man nicht weg. Ich habe mit Gus gesprochen. Choco hat sich sogar der Kutsche in den Weg gestellt um dich zu retten. Der würde alles für dich tun. Ihr zwei gehört zusammen.

Bei Tommy fließen die Tränen noch mehr. Jess reicht ihm sein Taschentuch:
Alles gut Tommy, das bleibt unter uns beiden Männern. Ich wünsche dir schöne Ostertage und schone dich damit du schnell wieder richtig fit wirst.

Tommy ist glücklich und nimmt sein Pferd mit auf seine Farm. Als Grandpa mit Laura und den Kindern aus Laramie zurückkommt, bemerkt er gleich wie zufrieden Jess aussieht:
Du siehst aus wie eine zufriedene Katze, die eine riesige Ratte gefangen hat. Es war übrigens eine gute Predigt vom Reverend, hätte dir auch nicht geschadet.

Jess hält sich den Bauch vor Lachen:
Lass mal Dad, der mit der Katze war gut und ist völlig richtig. Takodas Vision von der ich erzählt habe ist eingetroffen und das ist wichtiger als ein Dutzend Predigten vom Reverend. Jetzt können wir die Ostertage entspannt angehen.

Jess reitet mit Sammy auf Poetry In Motion.

 
 
Später vergnügen sich die Jüngsten mit den Küken, jungen Kaninchen und Lämmchen.
 
 
Jess und Laura gefällt es gut wie vorsichtig Sammy mit den kleinen Küken umgeht.
 
 
Laura ist stolz auf ihren Mann, dass er die Vision von Takoda umsetzen konnte und Tommy und Choco helfen konnte.

Mit dieser Geschichte wünsche ich allen Freunden der Tumbleweedranch
FROHE und entspannte OSTERFEIERTAGE!